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Dienstag, 26. Juni 2012

Russlands Eisenbahngesellschaft RZD investiert

Verträge zur Modernisierung des rollenden Materials im Gesamtwert von 120 Mrd. Rbl unter Dach und Fach / Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Russlands staatliche Eisenbahngesellschaft (RZD) bedarf einer Modernisierung des stehenden und rollenden Inventars sowie des Ausbaus der Schienenwege, insbesondere im Fernen Osten. Auf der Verbindung zwischen Moskau und Sankt Petersburg soll außerdem eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke gebaut werden. Für die Realisierung der Projekte hat das Unternehmen ein bis 2020 laufendes Investitionsprogramm in Höhe von 5,7 Bill. Rbl (circa 142,5 Mrd. Euro) aufgelegt.
 
Aus heutiger Sicht sind längst nicht alle Finanzierungen für das von Russlands staatlicher Eisenbahngesellschaft (RZD) geplante Modernisierungsvorhaben gesichert. Aus dem Staatshaushalt werden Zuschüsse in Höhe von 1,5 Bill. Rbl (rund 37,5 Mrd. Euro) benötigt. Die Regierung hat dieses Ansinnen der Eisenbahngesellschaft aber vorerst zurück gewiesen. Finanziell sei die Eisenbahngesellschaft stark genug, um sich das notwendige Geld auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen. Der Fiskus könne jedoch mit Garantien der staatlichen Außenhandelsbank Wneshekonombank (WEB) oder mit direkten staatlichen Garantien aushelfen, hieß es aus dem Finanzministerium.

RZD kann gemäß den aktuellen Investitionsplanungen aus den laufenden Einnahmen 3,8 Bill. Rbl aufbringen. Zudem war die Aufnahme von 0,4 Bill. Rbl über die Emission von Obligationen von vornherein geplant. Jede weitere Verschuldung auf dem freien Kapitalmarkt ist aus eigener Kraft aber nicht zu stemmen. Projektkürzungen wären die Folge, obwohl dadurch die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere im Fernen Osten, durch unzureichende Transportkapazitäten behindert würde, so die offizielle Stellungnahme von RZD. Diese Verlautbarung klingt nach einer neuen Verhandlungsrunde um Subventionen und Investitionszuschüsse mit der frisch eingesetzten russischen Regierung.

Projektschwerpunkte in Sibirien und im Fernen Osten bilden die beiden Trassen Baikal-Amur-Magistrale (BAM) und Transsibirischen Eisenbahn (Transsib). Der Ausbau der Transsib, die mit einer Ausdehnung von circa 9.300 km längste Eisenbahnstrecke der Welt, auf der auch deutsche Unternehmen Waren im Chinahandel transportieren lassen, sowie der Weiterbau der nördlich verlaufenden Parallelstrecke BAM, sollen 2015 im großen Maßstab starten. Hierfür werden Kosten von 918 Mrd. Rbl (rund 23 Mrd. Euro) angesetzt.

Wie der Wirtschaftszeitung "Wedomosti" zu entnehmen war, soll RZD von den Projektkosten im Fernen Osten 737 Mrd. Rbl (18,4 Mrd. Euro) zur Erhöhung der Transportkapazität allein der BAM angesetzt haben. Mit den restlichen 181 Mrd. Rbl (4,5 Mrd. Euro) könnte das bereits erreichte Transportniveau auf der Transsib aufrecht erhalten beziehungsweise "Nadelöhre " auf der Strecke der Reihe nach beseitigt werden.

Die BAM wird der gleichen Quelle nach vorrangig für den Gütertransport genutzt, die Transsib im Unterschied dazu für den Personenverkehr und den Containertransport. Insgesamt sollen 2020 auf beiden Strecken zusammen 58,1 Mrd. t Güter rollen. Im Jahr 2011 lag der Vergleichswert bei 16,2 Mrd. t, davon 10 Mrd. t auf der BAM. Für Projekte zum Ausbau des Kohle- und Eisenerzbergbaus, die derzeit im Fernen Osten durchgeführt beziehungsweise geplant werden, wird die Kapazitätserweiterung dringend benötigt.

Wenn die BAM mehr Schüttguttransporte aufnehmen kann, würde die Transsib im Gegenzug entlastet und stünde für den Transport zusätzlicher Container zwischen Europa und Asien zur Verfügung. Hierbei sind unmittelbar deutsche Wirtschaftsinteressen betroffen, denn ein Containertransport von Europa nach Asien per Schiff dauert im Vergleich zur Schiene wesentlich länger.

Für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Moskau - Sankt Petersburg benötigt RZD weitere 1,2 Mrd. Rbl (42,5 Mio. Euro). Da der Staat laut Planungen der Eisenbahngesellschaft davon 70% tragen soll, scheint das ein strittiger Punkt in den Finanzierungsverhandlungen zwischen RZD und der Regierung zu sein. Das gilt gleichfalls für eine zweite Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau über Nischni Nowgorod nach Kasan, über die noch nicht einmal eine Veröffentlichung zu den Baukosten vorliegt. Hier könnte der Rotstift am ehesten angesetzt werden, gleichfalls bei der Modernisierung des rollenden Materials, einschließlich beim Kauf von Lokomotiven, wie es aus der Eisenbahngesellschaft hieß.

Am Rande des VII. Internationalen Businessforums für Eisenbahntechnik, das am 1.6.12 in Sotschi stattfand, hat RZD unabhängig von allen ungelösten Finanzierungsfragen Verträge zur Durchführung von Projekten und zu Beschaffungen im Gesamtwert von 120 Mrd. Rbl (rund 3 Mrd. Euro) unterschrieben. Gleichzeitig wurde zwischen RZD und den Eisenbahngesellschaften von Belarus und Kasachstan die Einrichtung eines zollfreien Transport- und Logistikraums auf dem Gebiet der drei Länder vereinbart.
Ausgewählte Verträge, die RZD auf dem VII. Internationalen Businessforum für Eisenbahntechnik am 1.6.12 in Sotschi unterzeichnet hat.
Projektpartner Projektinhalt Projektwert
Transmashholding (TMH) sowie Progress Rail (Caterpillar) Entwicklung/Produktion von Rangierlokomotiven mit 1.000-kW-Gasturbinenantrieb; Antrieb steuert Caterpillar bei, Produktion erfolgt bei TMH in Brjansk k.A.
Transmashholding (TMH) Kauf von zehn schweren Dieselloks (BMTLok) mit 2.700-kW-Antrieben von MTU (Friedrichshafen) k.A.
Transmashholding (TMH) sowie Alstrom Kauf von 220 Lokomotiven, ausgerüstet mit asynchron arbeitenden Elektromotoren von Alstrom 1 Mrd. Euro bis 2020
ZAO Ewrosib SP6 - Transportnye Sistemy, OOO Innovazionnoe Wagonostrojenie Entwicklung spezieller Containertechnologien für die Schiene k.A.
Gruppe Sinara und Hersteller Uralskije Lokomotiwy, Siemens AG Lieferung von 1.200 Waggons des Typs DESIRO für Elektrozüge nach Siemens-Technolgie 2 Mrd. Euro
Talgo (Spanien) Lieferung von 5.000 Schlafwagen, vorerst Adaptierung des Waggontyps an die Anforderungen von RZD (unter anderem Achsenbreite von 1.520 mm) Vorverhandlungen laufen
Gruppe Sinara Lieferung von 40 zweigliedrigen Lokomotiven (TG16M) speziell für die Eisenbahn in Sachalin k.A.

Quelle: Zusammenstellung von Germany Trade & Invest

(U.U.)

Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland