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Dienstag, 30. Oktober 2012

Russische Post investiert in automatische Sortieranlagen

Staatsunternehmen könnte Monopol auf Tageszeitungsversand erhalten / Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Eine bessere Logistik-Infrastruktur, neue Transportmittel und modernere Filialen - die Russische Post will bis 2016 über 2,5 Mrd. Euro investieren. Weil aus dem Staatshaushalt keine Zuschüsse zu erwarten sind, muss der staatliche Paketdienst Kredite aufnehmen. Ein Rating bei der Agentur Fitch soll festverzinsliche Postanleihen attraktiver machen. Mit frischem Geld will der russische Postriese sein gigantisches Modernisierungsprogramm stemmen. In den Regionen entstehen moderne Sortieranlagen. 

Schlechte Verkehrsinfrastruktur, riesige Entfernungen und extreme Temperaturen - in kaum einem Land der Welt gestaltet sich der Versand von Waren und Dokumenten schwieriger als in Russland. Der einzige, flächendeckend aktive Versandanbieter in Russland ist die Potschta Rossii - Russische Post. Doch der Ruf des Staatsunternehmens ist nicht der beste. Schuld daran sind lange Lieferzeiten, schwacher Service und regelmäßiges Chaos im Vorweihnachtsgeschäft.

Doch damit will der Konzern künftig aufräumen. Ein milliardenschweres Investitionsprogramm soll Abhilfe schaffen. Mittelfristig sollen 113 Mrd. Rubel (über 2,8 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 27.9.12: 1 Euro = 40,17 Rubel). Davon sind bis 2016 mehr als 100 Mrd. Rubel eingeplant.
Ein wichtiger Modernisierungsschwerpunkt ist die Ausstattung der mehr als 10.000 Postfahrzeuge mit dem neuen Glonass-Navigationssystem. Bis zum Jahresende 2012 sollen die letzten 4.000 Automobile und 500 Waggons mit dem Satellitensystem ausgerüstet werden. Gleichzeitig hat die Post in allen 84 Filialen Russlands ein Transport-Monitoring eingeführt. Dadurch verspricht sich der Staatskonzern Echtzeitkontrolle über alle Fahrzeuge, verbesserte Verkehrsrouten und kürzere Zustellzeiten bei reduziertem Benzinverbrauch.

Aber das beste Satellitensystem hilft nichts, wenn tagtäglich Millionen Briefe und Pakete von Hand sortiert werden müssen. Um die Prozesse zu beschleunigen, will Potschta Rossii ein ganzes Netz von automatisierten Sortierzentren bauen. Zwei Pilotprojekte im Moskauer Gebiet und in Sankt Petersburg hätten sich bereits bewährt, sagte Aleksandr Timofejew Mitte September 2012 in der Wedomosti-Beilage "Transport i Logistika". Timofejew leitet bei der russischen Post die Abteilung zur Organisation der Arbeitsprozesse. Insgesamt sollen bis 2020 mindestens 35 moderne Verteilzentren gebaut werden, unter anderem in Woronesch, Jekaterinburg, Nowosibirsk, Mineralnye Wody, Kasan, Jaroslawl, Kirow, Nischni Nowgorod, Samara, Saratow, Krasnodar, Chabarowsk und in der Region Primorje (Wladiwostok). Allein diese Verteilzentren dürften die russische Post bis 2020 rund 5 Mrd. Euro kosten, heißt es beim Nachrichtendienst Infranews.ru.

An Russlands fünftgrößtem Flughafen Kolzowo bei Jekaterinburg soll schon bald eine neue Sortieranlage entstehen. Sie wäre die erste nach den beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. Damit würde auch die Hauptstadt der Region Swerdlowsk entlastet werden. Die Projektkosten belaufen sich auf 1,5 Mrd. Rubel (37 Mio. Euro). Im Jahr 2011 wurden an dem Flughafen knapp 25.000 t Post und Pakete abgewickelt. Dank der neuen Sortieranlage dürfte der Umschlag von Postsendungen um das Fünffache steigen. Generalauftragnehmer des neuen Jekaterinburger Flughafens ist der deutsche Konzern Hochtief Airports. An dem neuen Standort im Gebiet Swerdlowsk wird künftig auch Post aus den Nachbarregionen Tscheljabinsk, Swerdlowsk, Tjumen und Kurgan sortiert und weitergeschickt.

Erst im September 2012 ist der zweite Bauabschnitt der Sortieranlage in Podolsk im Gebiet Moskau fertig gestellt worden. Den Werksbau sowie die Lieferung und die Montage der Sortieranlagen hat das italienische Unternehmen Selex Elsag S.p.A. übernommen. In den beiden Anlagen im Gebiet Moskau und in Sankt Petersburg werden 4,7 Mio. Sendungen pro Tag bearbeitet.
Allerdings hat die Russische Post Probleme mit der Finanzierung. Grundsätzlich sollte der Staatskonzern die Hälfte der Investitionssumme von 113 Mrd. Rubel aus eigenen Mitteln bestreiten, den Rest sollte der Finanzminister aus dem föderalen Budget bereit stellen als Teil des Staatsprogrammes "Informazionnoje Obschestwo" (Informationsgesellschaft), wie die Wirtschaftszeitung Wedomosti schreibt. Doch obwohl die Regierung das Programm bestätigt hat, ist die Finanzierung bislang nicht vorgesehen.

Ein Paradox, auf das die Post bislang nur eine Antwort weiß: auf eigene Faust und mit eigenen Mitteln finanzieren. Am besten über Firmenanleihen. Damit das künftig leichter fällt, hat die Post ein internationales Rating erstellen lassen. Die Agentur Fitch hat dem russischen Staatskonzern das Rating BBB zuerkannt. Brancheninsider wie der Analyst Aleksandr Kurdin von Troika Dialog glauben, dass ein solches Kreditrating die Attraktivität festverzinslicher Postanleihen erhöhen wird. Erst seit Mitte 2012 darf der Staatskonzern Unternehmensanleihen ausgeben.

Wenn schon nicht mit direkten Finanzspritzen, so gibt der russische Gesetzgeber der Post wenigstens indirekt Schützenhilfe. Das neue Gesetz "Über das Postnetz" sieht vor, dass periodisch erscheinende Erzeugnisse nur von einem Anbieter zugestellt werden dürfen, der über eine entsprechende Infrastruktur, Transportmöglichkeiten, Sortieranlagen und Logistikknotenpunkte verfügt. Doch über eine solche Infrastruktur verfüge nur die russische Post, kritisierte ARPP, der Verband der Weiterverbreiter von Druckerzeugnissen mit 90 Mitgliedern, in einem Brief an das Ministerium für Netze und Massenkommunikation. Laut ARPP lag das Marktvolumen für die Verteilung von Druckerzeugnissen 2011 bei über 20 Mrd. Rubel (rund 500 Mio. Euro).
Investitionen der Potschta Rossii (Russische Post)

2009 2010 2011
Investitionssumme (Mrd. Rubel) 5,0 8,0 8,5
Quelle: Potschta Rossii, zitiert in der Wirtschaftszeitung "Wedomosti"
Die russische Post unterhält 42.000 Büros im gesamten Staatsgebiet und deckt damit über 50 Mio. Haushalte ab, wie es auf der Homepage des Konzerns heißt. Jahr für Jahr stellt Potschta Rossii 1,5 Mrd. Briefe und 52 Mio. Pakete zu, zahlt 514 Mio. mal die Monatsrente aus. Der Reingewinn der Russischen Post lag 2011 bei knapp 20 Mio. Euro und damit 65% mehr als im Vorjahr.

Kontaktanschriften:

PotschtaRossii
Warschawskoje schosse 37, 131000 Moskau
Tel.: 007 495/956 20 67, Fax: -956 99 51
Ansprechpartner:
Denis Tschujko (Stellvertretender Geschäftsführer),
Alexandr Timofejew (Leiter der Direktion für Produktionsprozesse)
Assoziazija rasprostranitelei petschatnoi produkzi (ARPP)
Verband der Weiterverbreiter von Druckerzeugnissen
Zwetnoi bulwar 30, str. 1, 127051 Moskau
Tel.: 007 495/694 15 84, Fax: -694 23 21
E-Mail: arpp@arpp.ru, Internet: http://www.arpp.ru
Ansprechpartner: Dmitri Martynow, Präsident
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland