Staatsunternehmen könnte Monopol auf Tageszeitungsversand erhalten / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Eine bessere Logistik-Infrastruktur, neue Transportmittel und
modernere Filialen - die Russische Post will bis 2016 über 2,5 Mrd. Euro
investieren. Weil aus dem Staatshaushalt keine Zuschüsse zu erwarten
sind, muss der staatliche Paketdienst Kredite aufnehmen. Ein Rating bei
der Agentur Fitch soll festverzinsliche Postanleihen attraktiver machen.
Mit frischem Geld will der russische Postriese sein gigantisches
Modernisierungsprogramm stemmen. In den Regionen entstehen moderne
Sortieranlagen.
Schlechte Verkehrsinfrastruktur, riesige Entfernungen und extreme
Temperaturen - in kaum einem Land der Welt gestaltet sich der Versand
von Waren und Dokumenten schwieriger als in Russland. Der einzige,
flächendeckend aktive Versandanbieter in Russland ist die Potschta
Rossii - Russische Post. Doch der Ruf des Staatsunternehmens ist nicht
der beste. Schuld daran sind lange Lieferzeiten, schwacher Service und
regelmäßiges Chaos im Vorweihnachtsgeschäft.
Doch damit will der
Konzern künftig aufräumen. Ein milliardenschweres Investitionsprogramm
soll Abhilfe schaffen. Mittelfristig sollen 113 Mrd. Rubel (über 2,8
Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 27.9.12: 1 Euro = 40,17 Rubel). Davon
sind bis 2016 mehr als 100 Mrd. Rubel eingeplant.
Ein wichtiger
Modernisierungsschwerpunkt ist die Ausstattung der mehr als 10.000
Postfahrzeuge mit dem neuen Glonass-Navigationssystem. Bis zum
Jahresende 2012 sollen die letzten 4.000 Automobile und 500 Waggons mit
dem Satellitensystem ausgerüstet werden. Gleichzeitig hat die Post in
allen 84 Filialen Russlands ein Transport-Monitoring eingeführt. Dadurch
verspricht sich der Staatskonzern Echtzeitkontrolle über alle
Fahrzeuge, verbesserte Verkehrsrouten und kürzere Zustellzeiten bei
reduziertem Benzinverbrauch.
Aber das beste Satellitensystem hilft
nichts, wenn tagtäglich Millionen Briefe und Pakete von Hand sortiert
werden müssen. Um die Prozesse zu beschleunigen, will Potschta Rossii
ein ganzes Netz von automatisierten Sortierzentren bauen. Zwei
Pilotprojekte im Moskauer Gebiet und in Sankt Petersburg hätten sich
bereits bewährt, sagte Aleksandr Timofejew Mitte September 2012 in der
Wedomosti-Beilage "Transport i Logistika". Timofejew leitet bei der
russischen Post die Abteilung zur Organisation der Arbeitsprozesse.
Insgesamt sollen bis 2020 mindestens 35 moderne Verteilzentren gebaut
werden, unter anderem in Woronesch, Jekaterinburg, Nowosibirsk,
Mineralnye Wody, Kasan, Jaroslawl, Kirow, Nischni Nowgorod, Samara,
Saratow, Krasnodar, Chabarowsk und in der Region Primorje (Wladiwostok).
Allein diese Verteilzentren dürften die russische Post bis 2020 rund 5
Mrd. Euro kosten, heißt es beim Nachrichtendienst Infranews.ru.
An
Russlands fünftgrößtem Flughafen Kolzowo bei Jekaterinburg soll schon
bald eine neue Sortieranlage entstehen. Sie wäre die erste nach den
beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. Damit würde auch die
Hauptstadt der Region Swerdlowsk entlastet werden. Die Projektkosten
belaufen sich auf 1,5 Mrd. Rubel (37 Mio. Euro). Im Jahr 2011 wurden an
dem Flughafen knapp 25.000 t Post und Pakete abgewickelt. Dank der neuen
Sortieranlage dürfte der Umschlag von Postsendungen um das Fünffache
steigen. Generalauftragnehmer des neuen Jekaterinburger Flughafens ist
der deutsche Konzern Hochtief Airports. An dem neuen Standort im Gebiet
Swerdlowsk wird künftig auch Post aus den Nachbarregionen Tscheljabinsk,
Swerdlowsk, Tjumen und Kurgan sortiert und weitergeschickt.
Erst
im September 2012 ist der zweite Bauabschnitt der Sortieranlage in
Podolsk im Gebiet Moskau fertig gestellt worden. Den Werksbau sowie die
Lieferung und die Montage der Sortieranlagen hat das italienische
Unternehmen Selex Elsag S.p.A. übernommen. In den beiden Anlagen im
Gebiet Moskau und in Sankt Petersburg werden 4,7 Mio. Sendungen pro Tag
bearbeitet.
Allerdings hat die Russische Post Probleme mit der
Finanzierung. Grundsätzlich sollte der Staatskonzern die Hälfte der
Investitionssumme von 113 Mrd. Rubel aus eigenen Mitteln bestreiten, den
Rest sollte der Finanzminister aus dem föderalen Budget bereit stellen
als Teil des Staatsprogrammes "Informazionnoje Obschestwo"
(Informationsgesellschaft), wie die Wirtschaftszeitung Wedomosti
schreibt. Doch obwohl die Regierung das Programm bestätigt hat, ist die
Finanzierung bislang nicht vorgesehen.
Ein Paradox, auf das die
Post bislang nur eine Antwort weiß: auf eigene Faust und mit eigenen
Mitteln finanzieren. Am besten über Firmenanleihen. Damit das künftig
leichter fällt, hat die Post ein internationales Rating erstellen
lassen. Die Agentur Fitch hat dem russischen Staatskonzern das Rating
BBB zuerkannt. Brancheninsider wie der Analyst Aleksandr Kurdin von
Troika Dialog glauben, dass ein solches Kreditrating die Attraktivität
festverzinslicher Postanleihen erhöhen wird. Erst seit Mitte 2012 darf
der Staatskonzern Unternehmensanleihen ausgeben.
Wenn schon nicht
mit direkten Finanzspritzen, so gibt der russische Gesetzgeber der Post
wenigstens indirekt Schützenhilfe. Das neue Gesetz "Über das Postnetz"
sieht vor, dass periodisch erscheinende Erzeugnisse nur von einem
Anbieter zugestellt werden dürfen, der über eine entsprechende
Infrastruktur, Transportmöglichkeiten, Sortieranlagen und
Logistikknotenpunkte verfügt. Doch über eine solche Infrastruktur
verfüge nur die russische Post, kritisierte ARPP, der Verband der
Weiterverbreiter von Druckerzeugnissen mit 90 Mitgliedern, in einem
Brief an das Ministerium für Netze und Massenkommunikation. Laut ARPP
lag das Marktvolumen für die Verteilung von Druckerzeugnissen 2011 bei
über 20 Mrd. Rubel (rund 500 Mio. Euro).
Investitionen der Potschta Rossii (Russische Post)
| 2009 | 2010 | 2011 | |
| Investitionssumme (Mrd. Rubel) | 5,0 | 8,0 | 8,5 |
Quelle: Potschta Rossii, zitiert in der Wirtschaftszeitung "Wedomosti"
Die
russische Post unterhält 42.000 Büros im gesamten Staatsgebiet und
deckt damit über 50 Mio. Haushalte ab, wie es auf der Homepage des
Konzerns heißt. Jahr für Jahr stellt Potschta Rossii 1,5 Mrd. Briefe und
52 Mio. Pakete zu, zahlt 514 Mio. mal die Monatsrente aus. Der
Reingewinn der Russischen Post lag 2011 bei knapp 20 Mio. Euro und damit
65% mehr als im Vorjahr.
Kontaktanschriften:
PotschtaRossii
Warschawskoje schosse 37, 131000 Moskau
Tel.: 007 495/956 20 67, Fax: -956 99 51
E-Mail: client@russianpost.ru, Internet: http://www.russianpost.ru
Ansprechpartner:
Denis Tschujko (Stellvertretender Geschäftsführer),
Alexandr Timofejew (Leiter der Direktion für Produktionsprozesse)
Assoziazija rasprostranitelei petschatnoi produkzi (ARPP)
Verband der Weiterverbreiter von Druckerzeugnissen
Zwetnoi bulwar 30, str. 1, 127051 Moskau
Tel.: 007 495/694 15 84, Fax: -694 23 21
E-Mail: arpp@arpp.ru, Internet: http://www.arpp.ru
Ansprechpartner: Dmitri Martynow, Präsident
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland