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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Schaffung einer Sonderwirtschaftszone in Sotschi erwogen

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit der olympischen Winterspiele soll gesichert werden

Moskau (gtai) - Vor der Olympiade ist nach der Olympiade für Investoren und öffentliche Verwaltung. Sowohl das olympische Dorf als auch die Sportstätten sollen auf lange Sicht optimal genutzt werden. Mit der Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone (SWZ) würden umfangreiche Investitionen steuerlich besser gestellt und die Chancen erhöht, dass sich weitere Unternehmen zu einem Engagement in der Region Sotschi entschließen. 

"Sonderwirtschaftszonen für Tourismus und Erholung" existieren seit längerem in den Gebieten Kaliningrad, Irkutsk und Stawropol und seit kurzem in sieben Ortschaften des Nordkaukasus, allerdings mit nur mäßigem Erfolg. In Sotschi soll das Modell dank der internationalen Aufmerksamkeit, die eine Olympiade genießt, aber besser greifen. Zu den stärksten Befürwortern der SWZ Sotschi gehört der Gouverneur des Gebiets Krasnodar, Aleksander Tkatschew.

Für ihn ist bereits heute absehbar, dass sich zum Unterhalt von Objekten und Infrastruktur nach der Olympiade zu wenig Geld im Regionalhaushalt befinden wird. Bei Einrichtung einer SWZ wäre dafür aber eine Verwaltungsgesellschaft zuständig, die ihren Haushalt aus Gebühren und der Verwertung von Einrichtungen auf dem Gebiet der Zone speist.
Ausgaben vermeiden zählt für den Gouverneur zu den erstrebenswerten Zielen. Die in einer SWZ gewährten Steuergeschenke würden sein Budget kaum schmälern. Die Immobiliensteuer in Höhe von 2,2% fließt von vornherein nicht dem Regionalhaushalt zu, ebenfalls die Sozialversicherungsabgaben nicht; ganz zu schweigen von der Bodenpacht. Selbst die Körperschaftsteuer wird für Residenten einer SWZ lediglich um den föderalen Teil ermäßigt, wogegen der regionale Anteil in Höhe von 13,5% ungekürzt nach Krasnodar überwiesen würde.

Die Investoren in Sport- und Tourismuseinrichtungen unterstützen erwartungsgemäß die Idee einer SWZ. Zu ihnen gehört unter anderem der Investitionsfonds des Konzerns "Interros", der den Kurort "Roza Chutor" in der Siedlung Krasnaja Poljana entwickelt. Nur scheint sich der Fonds finanziell verkalkuliert zu haben. So liefen die Kosten nach eigenen Angaben aus dem Ruder: von 1,5 Mrd. auf 2,3 Mrd. US$. Seither wurde der Ruf nach staatlicher Unterstützung laut.

Im zuständigen Ministerium für regionale Entwicklung scheinen die Verantwortlichen von der Idee einer SWZ grundsätzlich überzeugt zu sein. Dies gilt erst recht, nachdem Staatspräsident Putin im Mai 2012 abgelehnt hat, die Kostenexplosion beim Bau olympischer Objekte mit Zahlungen aus dem Zentralhaushalt aufzufangen. Doch haben die Moskauer Ministerialbeamten eigene Vorstellungen bezüglich einer künftigen SWZ Sotschi.
Insbesondere um die Fragen der einzusetzenden Verwaltungsgesellschaft und der territorialen Ausdehnung einer SWZ hat zwischen dem Ministerium und der Regionalverwaltung eine Diskussion eingesetzt, die seither nicht mehr abgeflaut ist. Für Klarheit dürften üblicherweise richtungsweisende Worte aus dem Kreml sorgen.

Stein des Anstoßes ist, dass Gouverneur Tkatschew im Februar 2012 die Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft "Kurorty Sewernowo Kawkaza" AG (KSK) als Verwaltungsgesellschaft für die künftige SWZ Sotschi ins Spiel gebracht hat. KSK entwickelt und verwaltet seit seiner Gründung im Jahr 2010 sieben Wintersportgebiete im nördlichen Kaukasus. Aus dem Staatsbudget flossen 60 Mrd. Rubel als Startkapital.
Seither bemüht sich die Gesellschaft KSK, die sich zu 98% im Besitz des Staates und zu 2% im Besitz der gleichfalls staatlichen Banken Sberbank und VEB befindet, recht erfolglos um private Geldgeber, die an der Entwicklung des Sporttourismus in ausgesuchten und malerischen Gegenden des Nordkaukasus interessiert wären. Zwar wurden im Rahmen verschiedener Staatsbesuche milliardenschwere Absichtserklärungen seitens Frankreichs, Italiens, der VR China und der Republik Korea abgegeben. Wirklich geschehen ist aber nicht viel.

Interessierte private Investoren für Sportstätten, Hotels und Restaurants soll es zwar im In- und Ausland geben. Doch ist niemand bereit, Geld für die Entwicklung der Transportinfrastruktur auszugeben, zumal es dafür noch rechtliche Fragen zu klären gäbe. Ohne komfortable Anreisemöglichkeiten bleiben Erholungssuchende aber aus. Hinzu kommt, dass die Meldungen über bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen nationalistischen Extremisten und Sicherheitskräften nicht abreißen. Der nördliche Kaukasus kann daher nicht als befriedet gelten. Neben dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur muss der Staat auch hier weiter in Vorleistung gehen.

Unabhängig davon wäre KSK sicher in der Lage, eine SWZ Sotschi zu verwalten und weiter zu entwickeln. Doch interessiert sich KSK dem Vernehmen nach vorrangig für das "Bergcluster" von Sotschi, das heißt für Krasnaja Poljana. Den Plänen nach soll KSK die dortigen Sport- und Tourismuseinrichtungen aufkaufen und das Gebiet auf diese Weise mit den anderen sieben Skiorten in der Region (die auch durch KSK verwaltet werden) zu einem Gesamtkonzept verschmelzen.

Für den Kauf von Immobilien und Infrastruktur würde KSK 40 Mrd. Rubel bekommen, obwohl die Investitionen zu deren Bau wesentlich höher ausgefallen sind. So veranschlagt Interros allein für die Entwicklung von "Roza Chutor" 74 Mrd. Rubel. Für den Bau des Sportkomplexes "Gornaja Karusel" hat der Investor NBB-Development weitere 40 Mrd. Rubel aufgewendet. Die Investitionen von Gasprom in verschiedene Objekte (Projektname "Laura") in Krasnaja Poljana beliefen sich auf 29 Mrd. Rubel.

Sämtliche Investoren würden zwar die Einrichtung einer SWZ begrüßen, lehnen aber einen Verkauf ihrer Objekte an KSK - vor allem unter Bauwert - ab. Inzwischen hat auch das Finanzministerium verneint, die erwähnten 40 Mrd. Rubel für KSK zur Verfügung stellen zu können. Somit wird dem KSK-Entwicklungskonzept von zwei Seiten gleichermaßen die wirtschaftliche Basis entzogen, von den Investoren und dem Fiskus.

Für das Ministerium für regionale Entwicklung bleiben darüber hinaus zwei weitere Fragen offen. KSK erwähnt in der Entwicklungsplanung für die SWZ nur das "Bergcluster" Krasnaja Poljana. Andere zu Sotschi gehörende Siedlungen und Stadtteile, darunter die Bucht Imeretin in Adler, bleiben außen vor.

Bei Imeretin handelt es sich um das 48 km südöstlich von Krasnaja Poljana gelegene "Küstencluster" von Sotschi, wo ebenfalls umfangreiche bauliche Vorbereitungen für die Olympischen Spiele ablaufen. Dort werden das Zentralstadion und verschiedene Eissporthallen für unterschiedliche Wettkämpfe gebaut. Bei der Gründung einer SWZ sollen nach Anschauungen des Ministeriums das Bergcluster und das Küstencluster gleichberechtigt berücksichtigt werden, das heißt beide Territorien in die SWZ eingehen.

Die zweite offene Frage umfasst die Zukunft von Olimpstroi, der staatlichen Gesellschaft zur Aufsicht und Koordinierung aller Bauvorhaben zur Vorbereitung der Olympischen Winterspiele. Im Gründungserlass aus dem Jahr 2007 steht zwar, dass die Gesellschaft nach der Olympiade zu liquidieren sei. Doch sieht das Ministerium gerade in Olimpstroi eine mögliche Verwaltungsgesellschaft für die territorial erweiterte SWZ.
Dafür müsste Olimpstroi nach der Olympiade in eine offene Aktiengesellschaft umstrukturiert werden, was nach Expertenmeinung kein Problem darstellen sollte. Der Vorteil an dem Modell mit Olimpstroi an der Spitze besteht darin, dass die Gesellschaft alle durchgeführten Vorhaben, und damit alle Immobilien in ihrer Entstehungsgeschichte von A bis Z kennt. Kompetenz zur Entwicklung sowohl des Berggebiets als auch des Küstengebiets läge damit vor.

Tipp

Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 finden Sie unter:
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland