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Freitag, 30. November 2012

Russische Republik Mordowien investiert weltmeisterlich

Umgehungsstraße um Saransk und Wohngebiet für 300.000 Menschen geplant / Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Die russische Republik Mordowien war krasser Außenseiter bei der Wahl der Austragungsorte für die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland und ist dennoch unter den elf Gewinnern. Jetzt will die Region mit einem 1,5 Mrd. Euro schweren Investitionsprogramm beweisen, dass sie solche Großereignisse stemmen kann. Vor allem die Verkehrsinfrastruktur muss verbessert werden. Und zwar nicht nur in der Hauptstadt Saransk, sondern in der gesamten Republik.

Seit Ende September 2012 steht fest: In Saransk, Hauptstadt der russischen Republik Mordowien, werden Spiele der Fußballweltmeisterschaft 2018 ausgetragen. Die Republik hat lediglich 826.000 Einwohner, davon leben gut 300.000 Menschen in Saransk. Dort soll jetzt mitten im Stadtzentrum und auf einer Fläche von 52 Hektar ein Fußballpalast für 45.000 Fans entstehen. Die Kosten hierfür werden auf 140 Mio. Euro geschätzt. Das Stadion soll bereits 2015 fertig sein.

Bereits heute steht fest, dass die Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft die Republik teuer zu stehen kommen wird. Mindestens 60 Mrd. Rbl (circa 1,5 Mrd. Euro; EZB-Wechselkurs vom 17.10.12: 1 Euro = 40,29 Rbl) sollen dafür ausgegeben werden. Das Geld kommt aus dem föderalen und dem regionalen Haushalt sowie von privaten Investoren.

Das Geld aus dem Staatsbudget fließt in erster Linie in den Ausbau und die Modernisierung des Verkehrsnetzes. Alle föderalen Trassen werden erneuert, um die Gebietshauptstadt herum soll eine Umgehungsstraße entstehen. Außerdem werden in der Nähe des neuen Stadions Autobahnkreuze sowie neue Übergänge und Brücken über den Fluss Insar errichtet. Und schließlich will die Regierung eine zusätzliche Eisenbahnlinie bauen.

Durch Mordowien führt auch die geplante Schnellzugverbindung von Moskau nach Samara. Sobald diese Verbindung steht, wird die Fahrtzeit von der russischen Hauptstadt zum größten Verkehrsknotenpunkt Mordowiens, Rusajewka, nur noch vier bis sechs Stunden betragen. Auch der Flughafen von Saransk soll modernisiert werden. Im Gespräch ist ein komplett neuer Terminal, an dem bis zu 1.000 Passagiere pro Stunde abgefertigt werden können.

Aber auch auf regionaler Ebene wird sich einiges tun. Aus dem Budget der Republik sollen kleinere Landes- und Kreisstraßen ausgebessert, die städtische Infrastruktur in Schuss gebracht und nicht zuletzt der Stadionbau mitfinanziert werden. Außerdem versprach Wladimir Wolkow, das Oberhaupt der Republik Mordowien - der Titel Präsident wurde 1993 abgeschafft -, dass in Saransk Hotels unter dem Namen Dwe Swesdy gebaut und nach der Fußballweltmeisterschaft in Studentenwohnheime umfunktioniert werden. Desweiteren hat Wolkow für die Sportgroßveranstaltung ein olympisches Dorf sowie ein neues "Mikroviertel" für 300.000 Einwohner versprochen, berichtet die Nachrichtenagentur Praim. Unklar ist, wer dort wohnen soll. Denn das würde bedeuten, dass sich die Einwohnerzahl der Hauptstadt Saransk verdoppeln müsste.

Die wichtigsten Industriezweige der Republik sind der Maschinenbau, die Metallverarbeitung sowie die Lebensmittelindustrie. Die Industrieproduktion Mordowiens legte 2011 gerade einmal um 0,5% zu. Dafür stieg der Wert der ausgeführten Bauleistungen um 42% auf knapp 25,7 Mrd. Rbl. Deutschland ist für die Republik der wichtigste Handelspartner. Bei den mordowischen Exporten war die Bundesrepublik der zweitwichtigste Abnehmer. Waren und Dienstleistungen im Wert von 55 Mio. Euro kamen aus Deutschland. Das entspricht einem Anteil von 35% an den gesamten Importen. Und das könnte auch so bleiben. Denn beim Bau größerer Sportstätten hat die Region bisher wenig Erfahrung, von erstklassigen WM-Stadien ganz zu schweigen. Sie dürfte daher auf professionelle Hilfe bei der Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft angewiesen sein.

Kontaktanschriften:

Regierung der Republik Mordowien
ul. Sowjetskaja 35, 430002 Saransk, Republik Mordowien
Tel./Fax: 007 834/232 77 11
Ansprechpartner für Fußball-WM: Aleksandr Rjatnikow (Leiter des Regierungsapparates)
Ministerium für Sport, Kultur und Tourismus der Republik Mordowien
ul. Kommunistitscheskaja 33, 430000 Saransk, Republik Mordowien
Tel.: 007 834/232 72 25
Ansprechpartner für Fußball-WM: Wladimir Kirejew (Sportminister)
(H.B.)


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