Höhere Qualitätsstandards verschärfen Konkurrenzdruck auf russische Hersteller von Basiskautschuk / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russland ist ein wichtiger Kautschukexporteur, während die
Inlandsnachfrage zuletzt verhalten ausfiel. Das 1. Halbjahr 2012 war
zwar noch von starkem Wachstum geprägt - der Markt für Reifen legte um
ein Viertel zu. Aber seit Sommer ist der Aufwind verflogen. Doch je mehr
Reifen in Russland produziert werden, desto besser die Absatzchancen
für russische Kautschukhersteller. Entscheidend wird sein, ob ihre
Produkte den steigenden Qualitätsanforderungen entsprechen können.
Russische Chemiekonzerne produzieren rund 8% der weltweit
erzeugten synthetischen Kautschuke. Das ist Platz 5 im internationalen
Ranking. Den größten Marktanteil haben russische Unternehmen bei
herkömmlichen Kautschuken. Spezialkautschuke kommen selten aus dem
größten Land der Welt. Wegen der schwachen Inlandsnachfrage
konzentrieren sich die Hersteller auf den Export. Russlands Marktführer
Sibur rechnet für 2012 mit einem Exportanteil von 68%. Davon gehen rund
zwei Drittel nach Europa, 18% nach Asien und 6% auf den amerikanischen
Kontinent.
Im Jahr 2012 dürften in Russland 1,2 Mio. t
synthetischen Kautschuks produziert werden. Die Kapazitäten liegen bei
1,44 Mio. t. Sprich: Der Auslastungsgrad liegt bei ordentlichen 80%. In
Russland dürften 2012 rund 430.000 t synthetischen Kautschuks
nachgefragt werden, über 800.000 t gehen in den Export, schätzt Sibur.
Zum Jahr 2017 dürften die Kapazitäten für synthetischen Kautschuk auf
1,66 Mio. t steigen, die Inlandsnachfrage legt auf über 500.000 t zu.
Russland ist ein sehr spezifischer Markt. Denn der hohe Exportanteil
bedeutet längst nicht, dass Russland sich selbst versorgen kann. Das
gilt nur für Basiskautschuke. Bei Spezialkautschuken gibt es Defizite.
Dasselbe gilt für Additive. Das dürfte auch weiterhin so bleiben.
Entscheidend
für die gesamte Branche ist die Entwicklung des Automobil- und
Reifenmarktes. Russland steht kurz davor, der größte Kfz-Markt Europas
zu werden. Nur in der Bundesrepublik Deutschland werden mehr
Neufahrzeuge angemeldet als in der Russischen Föderation. Sicherer,
leiser, umweltfreundlicher - die neuen technischen Anforderungen an die
Reifenqualität auf europäischer Ebene bescheren den Herstellern von
Spezialkautschuken volle Auftragsbücher. Für Hersteller von
Standardkautschuksorten - und dazu zählen auch russische Konzerne -
dürfte der Konkurrenzdruck hingegen deutlich zunehmen. Noch ist unklar,
ob und wann Russland bei den Anforderungen nachzieht, aber dauerhaft
wird sich das Land diesen höheren Standards nicht verschließen können.
Produktionskapazitäten von Reifenherstellern in Russland (in Mio. Stück)
| Unternehmen | 2012 | 2017 *) |
| Nokian | 10,0 | 16,0 |
| Michelin | 1,3 | 4,0 |
| Yokohama Rubber | 1,4 | 3,5 |
| Pirelli | 10,5 | 12,4 |
| Continental | - | 4,0 |
*) Prognose
Quellen: Sibur, Creon Energy
Heute
gibt es laut Russian Automotive Market Research (RAMR) einen 39,5 Mio.
Automobile zählenden Pkw-Fuhrpark in Russland, 2011 waren 3,9 Mio. Lkw
und 800.000 Busse gemeldet. Kein Wunder also, dass 2012 bis zu 40 Mio.
Pkw-Ersatzreifen gekauft werden dürften, davon mehr als die Hälfte
Winterreifen. Dies prognostizierte John McClure von der
Marktforschungsgesellschaft LMC International auf der Internationalen
Kautschuk- und Reifen-Konferenz des Berater- und
Marktforschungsunternehmens Inventra Ende November 2012 in Moskau.
Markt für Reifen in Russland (in Mio. Stk./in Mrd. Rbl) 1)
| Reifenmarkt | 1. Hj. 2010 | 1. Hj. 2011 | 1. Hj. 2012 | Veränderung 1. Hj. 2012 / 1. Hj. 2011 in % |
| in Mio. Stück | 20,2 | 25,8 | 31,9 | 23,3 |
| in Mrd. Rubel 2) | 78,7 | 108,4 | 135,4 | 24,9 |
1) für Pkw, Lkw und Busse 2) EZB-Wechselkurs vom 28.11.2012: 1 Euro = 40,15 Rubel
Quellen: Russian Automotive Market Research, Creon Energy
In
den vergangenen Jahren haben die Reifenimporte stark zugelegt: Im Jahr
2011 hat Russland mehr als 12 Mio. Pkw- und 2 Mio. Nfz-Reifen
eingeführt. Die meisten Kfz-Reifen kamen aus Japan, Westeuropa und
Südostasien. Bei Lastkraftwagen war die Volksrepublik China das
wichtigste Lieferland. Künftig, so John McClure, würden die Importe
jedoch nur noch leicht wachsen, die Pkw-Reifenproduktion von heute 35
Mio. auf über 50 Mio. Stück zum Jahr 2017 stark steigen.
Wachstumstreibend
wirkt der nach wie vor steigende Markt für die Erstausstattung von
Kraftfahrzeugen. In Russland dürften 2012 rund 2,8 Mio. Pkw und leichte
Nutzfahrzeuge verkauft werden. Tendenz: weiter steigend. Das
Interessante für die Reifenindustrie: Schon bald dürften davon mehr als 2
Mio. Automobile vor Ort in Russland produziert werden. Für das Jahr
2012 prognostizierte Tatjana Arabadschi von RAMR jedenfalls ein
Produktionsvolumen von knapp 1,9 Mio. Personenkraftwagen.
Haupttriebfeder sind vor allem ausländische Automobilschmieden. Damit
dürfte sich deren Marktanteil von derzeit rund zwei Drittel weiter
erhöhen. Das heißt aber auch: Schon bei der Erstausstattung wachsen die
Geschäftschancen für Reifenproduzenten. Und je höher der Anteil
ausländischer Marken ist, desto ausgeprägter auch das Bewusstsein für
qualitativ hochwertige Reifen.
Kontaktanschrift:
Inventra - ein Unternehmen der Creon-Gruppe
Universitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
E-Mail: org@creonenergy.ru; Internet: http://www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: fk@creon-online.ru)
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland