Erste Ausschreibungsrunden beendet / Experten befürchten Kostenexplosion / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Die russische Baufirma OOO Inteks will sich um den Bau aller
Stadien für die Fußball-WM 2018 bewerben. Doch auch die Konkurrenz
bringt sich in Stellung. Gute Chancen dürften Baukonzerne mit Erfahrung
im Stadion-Bereich haben. Davon gibt es in Russland nicht viele.
Parallel will das Sportministerium ein Monopol für eine staatliche
Baufirma durchsetzen. Die Teilnehmer am Tender für die Stadien Wolgograd
und Rostow am Don stehen bereits fest.
Wer macht das Rennen um die Generalaufträge für die zwölf
WM-Stadien in Russland? Transstroi, Ingeokom, NPO Mostowik und die
Summa-Gruppe haben bereits Erfahrung im Bereich Stadionbau. "Wir
überlegen, ob wir uns nicht an allen Ausschreibungen zum Bau sämtlicher
Stadien für die Fußballweltmeisterschaft 2018 bewerben sollen", zitiert
die Wirtschaftszeitung Wedomosti einen Vertreter des russischen
Baukonzerns OOO Inteks, der zur Summa-Gruppe gehört.
An zwei
Ausschreibungen hat Inteks bereits teilgenommen: So steht Inteks auf der
Liste der Bewerber um die Projektarbeiten zur Vorbereitung des Baus der
WM-Stadien in Rostow am Don (Auftragssumme: 940 Mio. Rubel, circa 23,5
Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 29.11.12: 1 Euro = 40,06 Rubel) und
Wolgograd (1,092 Mrd. Rubel). Um den Auftrag in Rostow haben sich auch
FGUP Sportengineering, OOO Rosstroiengineering aus Sankt Petersburg, die
vor Ort angesiedelte geschlossene Aktiengesellschaft IBS und das
Moskauer Bauunternehmen OOO Stroiinvestengineering SU-848. In Wolgograd
rechnen sich folgende Mitbewerber von Inteks gute Chancen aus:
Rosstroiengineering, FGUP Sport-Enginering, OOO E, OOO Masterstroigroup
und Transstroi (die Baugesellschaft des Oligarchen Oleg Deripaska).
Inteks
hat das günstigste Angebot für die Rostower Fußballarena abgegeben -
dieses lag 18% unter dem Startpreis. In der Ausschreibung in Wolgograd,
zu der die Tenderunterlagen spätestens am 21.11.2012 abgegeben werden
mussten, ist FGUP Sport-Engineering der preisgünstigste Anbieter: die
vom Sportministerium kontrollierte Baufirma unterbot den Startpreis von
knapp 1,1 Mrd. Rubel um 19%.
Bislang fehlt ein offizielles
Programm zur Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 2018. Dafür
könnten die Vorschläge kaum bunter sein: Das Sportministerium etwa
erwägt, die Projektierung der WM-Stadien einzig und allein dem
Staatsunternehmen FGUP Sport-Engineering zu übertragen. Gegenüber der
Wirtschaftszeitung Kommersant betonte der Architekt Juri Grigorjan, das
russische Generalauftragnehmer kaum Erfahrung beim Stadionbau hätten -
und wenn, dann handle es sich um Einzelfälle.
Für die WM 2018
müssen zwölf Stadien gebaut werden: zwei in Moskau und jeweils eins in
Sankt Petersburg, Jekaterinburg, Sotschi, Kasan, Nischni Nowgorod,
Samara, Rostow am Don, Kaliningrad, Wolgograd und Saransk. Für das
Moskauer Luschniki-Stadion steht noch kein Generalauftragnehmer fest.
Finanziert wird der Bau aus dem Budget der russischen Hauptstadt. Den
Bau des Moskauer Spartak-Stadions wird das Unternehmen OOO Stadion
Spartak leiten. Unterstützt wird das Projekt von Leonid Fedun,
Vizepräsident des Ölgiganten Lukoil und Aufsichtsratsvorsitzender des
Clubs. Das Stadion in Sotschi wird im Rahmen der Vorbereitung auf die
Winterolympiade 2014 errichtet. Generalauftragnehmer ist Ingeokom.
Auftragnehmer für das Stadion in der tatarischen Hauptstadt Kasan ist
die Summa-Gruppe. Das Stadion muss rechtzeitig zu Beginn der Universiade
2013 (Weltstudentenspiele) fertig sein. Alle anderen Stadien - außer
dem Luschniki-Stadion und der Fußballarena in Jekaterinburg - müssen von
Null auf gebaut werden.
Die Kosten zur Vorbereitung auf die
Fußball-WM beziffert das russische Sportministerium auf 600 Mrd. Rubel
(rund 15 Mrd. Euro). Aber Vorsicht mit solchen Zahlen: Die Olympiade in
Sotschi wurde zunächst mit 314 Mrd. Rubel veranschlagt. Die endgültigen
Kosten sind jedoch noch immer nicht abzusehen. Klar ist nur: Das
Wintersportspektakel wird den russischen Staat und private Investoren
mehr als 1 Billion Rubel kosten - das ist weit mehr als das Dreifache
des ursprünglich angesetzten Betrags. Der Leiter des
Organisationskomitees zur Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft
2018, Aleksei Sorokin, räumt bereits heute ein, dass die tatsächlichen
Kosten über den veranschlagten 600 Mrd. Rubel liegen könnten.
Die
geplanten Investitionen in die russischen Stadien nehmen sich im
internationalen Vergleich eher bescheiden aus. So soll die Erneuerung
des Luschniki-Stadions 189 Mio. US$ kosten. Das wären gerade einmal
2.116 $ pro Platz. Im Zenit-Stadion in Sankt Petersburg sind es immerhin
4.547 $ pro Platz. Dort werden die Gesamtkosten auf 316 Mio. $
geschätzt. Einer Studie des Unternehmens Gardiner & Theobald zufolge
liegen die Selbstkosten für einen Sitzplatz durchschnittlich bei 6.000
$. Wie realistisch die offizielle Kostenschätzung ist, zeigt sich an der
Kalkulation von Transstroi, Generalauftragnehmer des Sankt Petersburger
Zenit-Stadions: Transstroi rechnet mit Kosten von über 900 Mrd. Rubel.
Das wären dann bereits 13.600 $ pro Sitz. Dieser Wert entspricht viel
eher der russischen Realität als die optimistischen Schätzungen des
Sportministeriums.
Kontaktanschriften:
OOO Inteks
Kutosowski prospekt 45, 121170 Moskau
Tel.: 007 495/380 39 41
E-Mail: intex-2005@mc-intex.ru, Internet: http://www.mc-intex.ru
NPO Mostowik
Prospekt Mira 5, korpus 5, 644080 Omsk
Tel.: 007 3812/658 83 7, Fax: -666 68 6
E-Mail: info@mostovik.ru, Internet: http://www.mostovik.ru
Ingeokom
Jakowoapostolski pereulok 5, stroenije 1, 105064 Moskau
Tel.: 007 495/980 10 00
Internet: http://www.engeocom.ru
Transstroi
uliza Sadowo-Spasskaja 21/1, 107217 Moskau
Tel.: 007 495/782 96 65, -782 98 13
E-Mail: info@transtroy.ru, Internet: http://www.transstroy.ru
(H.B.)
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