Hersteller erweitern ihre Kapazitäten / Zementbedarf dürfte weiterhin hoch bleiben / Von Ulrich Umann
Moskau
(gtai) - In Russland ist der Bedarf an Baumaterialien nicht zuletzt
aufgrund der umfangreichen Baumaßnahmen im Zusammenhang mit den
Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi deutlich gestiegen. Das
Nachfragehoch ist bislang noch nicht überschritten. Wegen des anhaltend
hohen Bedarfs haben sich eine Reihe von Herstellern zu
Kapazitätserweiterungen entschlossen. Für 2013 prognostizieren Fachleute
einen doppelt so hohen Zementabsatz wie 2009. Der Markt für
Wärmeisolationen soll um 35% wachsen.
In Russland stieg die Produktion von Zement 2011 um 11,4% auf
56,1 Mio. t. Einen hohen Anteil an der Nachfragesteigerung hatten
Bauprojekte zur Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 2014 in
Sotschi. Die Herstellung von Eisen- und Metallkonstruktionen für den Bau
nahm im genannten Jahr um 11,2% auf 22,9 Mio. cbm zu.
Durch den
Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele kamen die Industrien
für Baustoffe und Baumaterialien relativ gut durch die Finanzmarktkrise
des Jahres 2009. Landesweit wurden zwar Projekte auf Eis gelegt oder
komplett abgesagt, nicht jedoch im Gebiet Krasnodar im Süden Russlands.
Die Olympiade erwies sich damit als ein wichtiger Teil des staatlichen
Konjunkturprogramms.
Das durch Olympiaprojekte erzeugte
Nachfragehoch ist aktuell noch nicht einmal überschritten. Ursprünglich
wurde davon ausgegangen, dass nach 2010/11 die Bauaktivitäten
kontinuierlich abnehmen und sich zum Beispiel die Zementnachfrage in der
Region wieder beruhigt. Durch Übergabeverzögerungen und Nachbesserungen
an Olympiaobjekten hat sich der Absatzzenit für Baustoffe dem Vernehmen
nach aber um zwei Jahre nach hinten verschoben.
So soll der
Zementabsatz im Jahr 2013 im Vergleich zum Krisenjahr 2009 im Gebiet
Krasnodar sogar doppelt so hoch ausfallen. Dafür müssten täglich 319
Waggons mit dem Baustoff entladen werden, einschließlich der
Wochenenden. Um den Transport von Baustoffen und -material überhaupt
noch bewerkstelligen zu können, wurden Hafenkapazitäten in der näheren
Umgebung von Sotschi ausgebaut. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch,
dass ausländische Zementhersteller eine reale Absatzchance erhalten,
sofern sie ihren Baustoff auf dem Seeweg zu überschaubaren Kosten
heranschaffen können. Zurzeit sind erst 30% aller Bauobjekte in Sotschi
fertig gestellt. Etwa 180 Projekte befinden sich in der
Ausführungsphase. Bis 2014 sollen 545 Vorhaben des Hoch- und Tiefbaus
übergeben werden. Dies bedeutet, dass die Zementnachfrage bis kurz vor
der feierlichen Eröffnung der Olympiade im Februar 2014 hoch bleiben
wird.
Der Zementanlagenbauer KHD Humboldt Wedag International
meldete im Mai 2012, dass er einen Auftrag im Wert von 80 Mio. Euro vom
Zementhersteller Eurocement zur Erweiterung des Zementwerks SSSM im
nordkaukasischen Stawropol erhalten hat. Damit werden sich die dortigen
Kapazitäten um 1,3 Mio. jato erhöhen. In Woronesch eröffnet der
Hersteller bereits im November 2012 zusätzliche Kapazitäten über 2,4
Mio. jato. Der Zement wird in Woronesch komplett im Trockenverfahren
hergestellt. Eurocement reagiert mit den Kapazitätserweiterungen nicht
nur auf die Nachfrage, die von der Vorbereitung der Olympischen
Winterspiele ausgeht, sondern auch auf den massiven Ausbau der
Infrastruktur und des Tourismus in der gesamten Region Nordkaukasus.
Produktion ausgewählter Baustoffe und Baumaterialien (Veränderungen in %)
| Baustoff | 1. Hj. 2012 | Veränd. Juni 2012/Juni 2011 | Veränd. Juni 2012/Mai 2012 | Veränd. 1. Hj. 2012/1. Hj. 2011 |
| Holzbretter (dicker als 6 mm) in Mio. cbm | 10,3 | -2,9 | -0,7 | -0,8 |
| Holzfurniere in Mio. cbm | 1,6 | 3,6 | 3,0 | 7,1 |
| Grobspanplatten in Mio. qm | 225 | 1,4 | 1,7 | 5,6 |
| Tischlereiwaren in 1.000 cbm | 338 | -17,3 | 6,0 | -15,0 |
| Lacke und Farben aus Polymeren in 1.000 t | 443 | -0,7 | 3,2 | 2,7 |
| Fenster und Fensterbänke aus Polymeren in Mio. cbm | 9,2 | 0,4 | 13,6 | 0,8 |
| unbearbeitetes Glas in Mio. qm | 33,7 | 4,5 | 2,7 | -2,3 |
| Thermo- oder Mattglas in Mio. qm | 76,1 | 20,8 | -5,7 | 15,5 |
| ungebrannte Ziegelsteine in 1.000 t | 647 | -5,0 | -3,5 | -0,4 |
| Bodenfließen in Mio. qm | 42,7 | 7,8 | -3,1 | 9,2 |
| keramische Bausteine in Mrd. Stück | 3,2 | 6,6 | 0,5 | 16,0 |
| Zement in Mio. t | 27,8 | 9,2 | 9,9 | 14,4 |
| Betonpaneelen in Mio. Bausteineinheiten | 357 | -2,6 | 4,8 | 3,3 |
| Konstruktionen aus Stahlbeton in Mio. cbm | 11,6 | 8,9 | 0,2 | 13,4 |
| Beton in Mio. cbm | 13,4 | -24,6 | 18,3 | -9,5 |
| gewellte Asbestplatten in Mio. Stück | 413 | -36,3 | -3,5 | -19,5 |
| Dachabdeckungen aus Asphalt oder Bitumen in Mio. qm | 206 | 5,7 | 24,0 | 13,6 |
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2012
Wegen
des anhaltend hohen Bedarfs an Baumaterialien und -stoffen haben sich
eine Reihe russischer und ausländischer Hersteller zu
Kapazitätserweiterungen entschlossen. Einer der größten russischen
Anbieter von Dach- und Isoliermaterial, TechnoNIKOL, wird in Rostow ab
2013 ein Werk für 86.000 jato Isoliermaterial aus Basaltfasern bauen,
das im März 2015 den Betrieb aufnehmen soll. Der Projektwert wird mit 3
Mrd. Rubel (Durchschnittlicher Wechselkurs im November 2012: 1 Euro =
40,207 Rubel) beziffert.
Weitere 2 Mrd. Rubel will TechnoNIKOL bis
2014 zur besseren Markterschließung im Fernen Osten Russlands
investieren. In der fernöstlichen Region Chabarowsk steht bereits ein
Werk zur Herstellung von Isoliermaterial aus Steinwolle mit dem
Firmennamen OAO Basalit DW. Hier soll eine zweite Linie mit einer
Kapazität von 50.000 jato gebaut werden. Mit der Produktionsaufnahme
wird für 2014 gerechnet. Darüber hinaus sucht das Unternehmen im Fernen
Osten nach einem geeigneten Standort zur Produktion nicht brennbarer
Wärmeisolationen, die sich leicht in Länder des asiatisch-pazifischen
Raums exportieren lassen.
Der dänische Wettbewerber Rockwool
kündigte unterdessen eine Verdoppelung seiner Kapazitäten in Wyborg
(Leningrader Gebiet) auf 160.000 t Deckenplatten an. Die dortige
Produktionsniederlassung firmiert unter dem Namen Rockwool-Sewer. Die
Fabrik steht auf einem 30 ha großen Grundstück, zu dem die
Gebietsverwaltung 3 ha als Investitionszuschuss hinzu gibt. Weitere
Niederlassungen zur Herstellung von Isoliermatten unterhält der Konzern
in Schelesnodoroschnoje, Troizk und Elabuga.
Für 2012
prognostizieren Experten ein Wachstum des Marktes für Wärmeisolationen
aller Art von 35%, nachdem der Zuwachs 2011 satte 100% betragen hatte,
allerdings ausgehend von einem niedrigen Basiswert im Nachklang zur
Finanzmarktkrise 2009. Im Jahr 2013 und darüber hinaus wird mit
Zuwächsen von jährlich 10 bis 15% gerechnet. Hier wirken sich unter
anderem die strenger werdenden Anforderungen an energiesparende
Baumaterialien aus. Das Wachstum führen aktuell Dämmplatten aus
Polysterol an, gefolgt von Schichten aus Mineralwolle. Die wichtigsten
weltweit agierenden Produzenten besitzen bereits eigene Produktionen vor
Ort, wodurch sie schnell und kostengünstig auf Marktsignale reagieren
können.
Mit Russlands Beitritt zur WTO steigen die ausländischen
Direktinvestitionen. Dabei kommen die Investoren vorwiegend aus anderen
Ländern, als ursprünglich erwartet worden war. Ein erheblicher Teil der
Finanzmittel fließt zudem in den asiatischen Teil Russlands. So nahm in
Nowosibirsk das russisch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen
Gusinobrodski Ziegelwerk mit einer Jahreskapazität von 100 Mio.
Ziegelsteinen die Produktion auf (Investition: 300 Mio. Rubel). Vorerst
arbeitet eine Linie für 50 Mio. Ziegelsteine. Eine zweite Linie wird
2014 in Betrieb gehen. Bei dem chinesischen Investor handelt es sich um
das Unternehmen Hebei Xinjian Jianshe. Eingesetzt wird ausschließlich
chinesische Technologie. Selbst der Großteil des Personals wird aus der
VR China kommen.
Eine weitere Ziegelei entsteht in Adygeja im
Gebiet Maikopsk. Hier will die spanische Asicer S.A. im Herbst 2012 den
Grundstein für eine neue Produktionsanlage legen. Als örtlicher Partner
tritt die Krasnodarer Firma Jug-Service auf. Die Investitionen werden
mit 30 Mio. Euro beziffert. Ausschlaggebend für die Standortwahl waren
die Verfügbarkeit von Rohstoffen und von Arbeitskräften sowie die
Unterstützung seitens der örtlichen Verwaltung, teilte ein Vertreter des
spanischen Unternehmens mit. Weiterhin spielte die Nähe zu Sotschi, dem
Austragungsort der olympischen Winterspiele 2014, und von wichtigen
Projektgebieten zum Ausbau des Tourismus im Nordkaukasus eine Rolle.
Das
Unternehmen OAO Slawjanski Kirpitsch baut eine Ziegelei mit einer
Jahreskapazität von 60 Mio. Standardziegelsteinen sowie 0,14 Mio. t
Keramiksteinen für den Häuser- und Straßenbau im Gebiet Slawjanski
(Region Krasnodar). Die Neuinvestition wird mit 2 Mrd. Rubel beziffert.
Slawjanski Kirpitsch betreibt bereits zwei Ziegeleien.
Dass mit
WTO-Beitritt die Konkurrenz mit ausländischen Anbietern an Schärfe
zunimmt, veranlasst russische Hersteller verstärkt auf Qualität zu
achten. So kündigte einer der größten Baukonzerne, SU-155, an, die
unternehmenseigene Herstellung von Baumaterial im nordöstlichen
Landesteil Russlands einer freiwilligen Zertifizierung zu unterziehen.
Damit könnte SU-155 der erste Projektentwickler beziehungsweise das
erste Bauunternehmen werden, das vom Baumaterial bis hin zu fertigen
Bauobjekten durchgängig zertifiziert wäre.
Der Konzern ist schon
50 Jahre geschäftlich in Russland aktiv und kontrolliert 28
Baumaterialproduzenten in 17 Städten. So erwarb der Konzern 2012 für 1,5
Mrd. Rubel den Hersteller Sibirski Element, der über eine Kapazität von
60 Mio. Ziegelsteinen pro Jahr verfügt. Zurzeit werden Bauprojekte an
50 Standorten der GUS realisiert. Der Umsatz betrug 2011 82,7 Mrd.
Rubel. Im Jahr zuvor wurden 78,7 Mrd. Rubel erwirtschaftet.
Als
nächstes Projekt geht SU-155 die Ausweitung seiner Fahrstuhlsparte an.
Bislang hält das Unternehmen 40% der Marktanteile bei der Produktion von
Fahrstühlen der Economy-Class. Bei Fahrstühlen der Business-Class will
SU-155 mit einer Investition von 3 Mrd. Rubel die bislang führenden
ausländischen Hersteller mit Neuentwicklungen angreifen. Bis zu 13.000
Fahrstühle der eigenen Marke Wellmak sollen in Kürze pro Jahr verfügbar
sein. Die gesamte Nachfrage liegt in Russland bei etwas mehr als 30.000
Fahrstühlen pro Jahr.
In Dubki (Gebiet Saratow) wird im 4. Quartal
2012 der Bau eines Werks für Dachbelag und wasserabweisendes
Isolationsmaterial aus Bitumen und Polymeren im Gesamtwert von 1,5 Mrd.
Rubel in die Wege geleitet. Die Betriebsaufnahme ist für 2015 geplant.
Mit der Planung wurde bereits 2008 begonnen. Doch verzögerte sich der
Baubeginn durch die Finanzmarktkrise des Jahres 2009.
Die
französische Saint-Gobain Stroitelnaja Produkcija Rus wird in Nischni
Nowgorod ein Werk für Gipskarton im Wert von 3 Mrd. Rubel bauen. Die
Kapazität soll 30 Mio. qm betragen. Die russische Niederlassung der
britischen BPB, die von Saint-Gobain kontrolliert wird, will mit der
Erschließung einer Gipslagerstätte am Standort Gomsowo (Gebiet Pawlowsk)
beginnen. Es wird damit gerechnet, in der Lagerstätte jährlich 300.000 t
Gips fördern zu können.
Auch die OOO Henkel Bautechnik erweitert
ihre Kapazitäten. So entsteht im Gebiet Stawropol ein neues Werk für
150.000 jato bauchemische Produkte, darunter Kleber und Farben
(Investition: 16 Mio. Euro). Henkel ist sich sicher, dass alle Produkte
ihren Käufer finden und verweist dabei vor allem auf den
Qualitätsaspekt. So ist der Markt für Bauchemie 2011 um 19% gewachsen.
Die ersten Linien für 70.000 jato gehen 2013 in Betrieb. Zwei Jahre
später sollen die vollen Planziele erreicht werden.
Dass
insbesondere im Fernen Osten Baumaterial und Baustoffe knapp und teuer
sind, hat die Gebietsadministration von Magadan zum Anlass genommen, ein
Entwicklungsprogramm aufzulegen, wonach bis zum Jahr 2020 ein
Zementwerk, ein Werk für Rigips-Platten sowie ein Holzverarbeitungswerk
zur Herstellung von Komponenten zum Bau kompletter Holzhäuser entstehen.
Bestehende Kapazitäten in neun Fabriken, zum Beispiel zur Erzeugung von
Isolierplatten, werden erweitert. Die dafür notwendigen Mittel stammen
zum Teil aus dem Regionalbudget, zum Teil aus privaten Quellen. Das Ziel
ist, mittels Erhöhung des Angebots die Preise auf Baustoffe und
-material zu senken, um auf diese Weise den sozialen Wohnungsbau
vorantreiben zu können.
Im sibirischen Swirsk (Gebiet Irkutsk)
plant die Schweizer Interwood Invest AG ein Werk für Grobspanplatten,
mitteldichte Holzfaserplatten sowie Isolierplatten aus Holzfasern im
Wert von 600 Mio. Euro. Mit der Produktion soll 2015 begonnen werden.
Eigens werden 1.000 Arbeiter und Verwaltungskräfte eingestellt. Das
Material dient dem Häuserbau.
Am Standort Nischni Nowgorod
investiert der größte russische Hersteller von Vinyltapeten, Palitra,
gleich in zwei Werke. Zusammen mit seinem deutschen Joint Venture
Partner, der A.S. Creation Tapeten AG, baut Palitra im Industriepark
Dserschinsk für 1,9 Mrd. Rubel ein Tapetenwerk. Darüber hinaus
investiert Palitra im Alleingang 50 Mio. Euro in eine Fabrik für
keramische Fliesen. Der genaue Standort steht noch nicht fest, doch
läuft vieles ebenfalls auf Dserschinsk hinaus.
Am gleichen
Standort hat auch die belgische Unilin Flooring 1,2 Mrd. Rubel in eine
Anlage für Bodenbeläge gesteckt und dafür eigens das Werk Zarja
übernommen. Der Ausstoß beträgt 7 Mio. qm Laminat pro Jahr. Jetzt wird
der Bau einer zweiten Linie erwogen, womit sich der Ausstoß auf 15 Mio.
qm erhöhen würde. Unilin Flooring, die zum US-Konzern Mohawk Industries
Incorporated (Baumaterialien aus Holz) gehört, plant eine Anlage für
Keramikfließen in Nischni Nowgorod sowie eine Anlage für mitteldichte
Holzfaserplatten.
Ebenfalls in Nischni Nowgorod betreibt die
französische Onduline S.A. seit 2008 ein Werk für 15 Mio. qm
Dachmaterialien pro Jahr (Investition: 20 Mio. US$). Im Jahr 2012 ging
eine zweite Linie an den Start, so dass sich der Ausstoß auf 30 Mio. qm
erhöht hat. Damit entstand in Russland das größte europäische Werk für
Dachmaterialien.
Änderungen am Markt für Betonplatten zur
Fertigteilbauweise bewirkt die Ankündigung der italienischen Itaco
Precast S.r.l., in Rostow ein Werk im Wert von 4 Mrd. Rubel errichten zu
wollen. Die Regionalverwaltung verpflichtete sich zu einer maximal
möglichen Erleichterung bei der Ausstellung aller dafür notwendigen
Genehmigungen und verspricht sich im Gegenzug nicht nur belebende
Effekte für den regionalen Arbeitsmarkt, sondern auch einen Aufschwung
im sozialen Wohnungsbau durch die bessere Verfügbarkeit von
Baumaterialien.
Wie der beim Ministerium für regionale Entwicklung
angesiedelte Fonds zur Förderung des Wohnungsbaus (RZhS) mitteilte,
wird Itaco an acht Standorten, darunter auch in Saratow und eventuell in
Perm, Fabriken für Fertigbauteile bauen und dafür bis zu 1 Mrd. Euro
aufwenden. Bislang existierten 2011 im gesamten Land Kapazitäten zur
Produktion von 19,3 Mio. qm Fertigbauteilen (Sandwich-Paneele), wie die
Agentur INFOline mitteilte. Benötigt wurden 19,6 Mio. qm, wovon 0,5 Mio.
qm aus Polen, Korea (Rep.) und der VR China importiert wurden. Nach
Kasachstan, Aserbaidschan und in die Ukraine wurde 0,2 Mio. qm
exportiert.
Im 1. Halbjahr 2012 kamen laut INFOline neun
Fertigungslinien hinzu. Dazu gehört eine Anlage des Unternehmens Metall
Profil am Standort in der Region Iskitim (Nowosibirsk). Wie die
Analysten von INFOline feststellten, wächst das Angebot an
Fertigbauteilen schneller als die Nachfrage. Zudem verliert die
bisherige Produktionsregion in den nord-westlichen Landesteilen an
Exklusivität durch Kapazitätserweiterungen in anderen Regionen. Sowohl
der Transport als auch der interregionale Handel werden in Folge
einbüßen, die Kapazitätsauslastung im Nordwesten sinkt ebenfalls.
Der
Glasproduzent OAO Salawatsteklo kündigte den Bau einer Flachglasfabrik
in Rostow an. Die Regionalverwaltung will bei der Suche eines geeigneten
Grundstückes behilflich sein. Mit seiner Investition reagiert der
Hersteller auf die steigende Nachfrage nach Flachglas aller Art. Das
Marktforschungsunternehmen ABARUS Market Research geht für 2013 davon
aus, dass die Nachfrage auf 260 Mio. qm Flachglas steigt und damit 60
Mio. qm importiert werden müssten, vorrangig aus der VR China. Zu den
Zentren der Glasproduktion avancierten die Gebiete Nischni Nowgorod und
Saratow sowie die Republik Baschkortostan in der Wolga-Region. Der
Branchenverband StekloSojuz prognostiziert für 2015 eine Nachfrage nach
350 Mio. und für 2020 für 600 Mio. qm.
Eine Anlage zur
Granitbearbeitung entsteht in Nowoorsk (Gebiet Orenburg). Die ZAO
AllTrade hat dafür 250 Mio. Rubel in die Hand genommen. Eine zweite
Linie ist derzeit im Entstehen. Nach Fertigstellung zum Ende 2012 werden
jährlich 1,3 Mio. t Granitsteine das Werktor verlassen. Aus dem
Regionalbudget wurden 11,3 Mio. Rubel als Zuschuss zur Kredittilgung
bewilligt.
Der Absatz von Fenstern mit Kunststoffrahmen entwickelt
sich äußerst wechselhaft. In den Jahren 2010 und 2011 stieg das
Marktvolumen von 52,8 Mio. qm auf 55,4 Mio. qm. Dafür nahm das Wachstum
von 30% (2010) auf 5% (2011) ab. Allerdings betrug der Zuwachs in den
klimatisch schwierigen Zonen Sibiriens und des Fernen Ostens 2011
zwischen 6,5 und 8,5%, doch halten diese beiden flächenmäßig riesigen
Regionen einen Marktanteil von lediglich 15%. Allein die Stadt und das
Gebiet Moskau bringen es auf 20%. Für 2012 gehen die Experten von einem
Wachstum um die 2% im Vergleich zum Vorjahr aus und begründen das mit
dem relativ geringen Interesse der Bevölkerung an neuen Fenstern und mit
den eher mäßigen Fortschritten beim Bau neuer Gebäude.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland