Trend geht zu energiesparenden Systemen / Ausländische Technik zum Teil zu teuer / Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Russland hat Nachholbedarf bei der Installation von Klima- und
Heizungstechnik. Die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt. Bei den
Verkäufen geht die Tendenz zu energiesparenden Pump- und
Zirkulationssystemen. In einzelnen Regionen werden komplette
Fernwärmenetze neu gebaut. Bei Luftaustauschern und Klimatechnik gehört
Russland inzwischen zu den größten europäischen Absatzmärkten. Jährlich
werden fast 2 Mio. dezentrale Klimaanlagen für den Büro- und Heimbedarf
verkauft.
Der Preis für Energie ist in Russland im Vergleich zu Westeuropa
zwar gering, doch die Energiekosten steigen unaufhörlich. Für den
dänischen Hersteller Grundfos ist die Russische Föderation bereits der
zweitgrößte europäische Absatzmarkt nach Deutschland. Im Unterschied zu
Westeuropa, wo der Absatz eher stagniert, wird in Russland weiterhin
Wachstum erreicht.
Grundfos registriert in Russland ein
verstärktes Interesse an energiesparender Pumpentechnologie, auch für
den Einsatz in Gebäuden. Weitere Erfolgsgaranten des Unternehmens sind
die Qualität, das breite Sortiment an Pumptechnik und Serviceleistungen.
Das Wachstum von Grundfos auf dem russischen Markt lag 2011 bei circa
25%.
Grundfos verfügt über eine Produktionsniederlassung im
Moskauer Gebiet, in die einschließlich eines nachträglichen Ausbaus 80
Mio. Euro investiert worden sind. Im Jahr 2011 setzte das Unternehmen in
Russland Waren und Dienstleistungen im Wert von 200 Mio. Euro um. Es
existieren 26 regionale Vertretungen und 7 Großlager. Bis 2016 will
Grundfos seinen Umsatz verdoppeln.
Wie das Moskauer
Energieinstitut (MEI) herausgefunden hat, gehen in Russland 6 bis 7% der
Fernwärme auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Gleichzeitig liegt die
aufgewendete Wärmeenergie pro Kopf der Bevölkerung um 30 bis 40% über
dem Vergleichswert in europäischen Ländern mit ähnlichen klimatischen
Bedingungen wie zum Beispiel Skandinavien. Ein Großteil der verlorenen
Wärme wird durch enge und verschlungene Rohrsysteme verursacht, wie die
Wissenschaftler unterstreichen. Wird dieses erneuert beziehungsweise
begradigt, stellen sich schnell positive Effekte ein.
Ausländische
Wärmepumpen seien auch nach Ansicht des MEI zwar qualitativ hochwertig,
doch teurer als russische Produkte, etwa des heimischen Herstellers
Gruppa GMS. Zudem sind alle älteren Heizungssysteme und Rohrleitungen
für den Einsatz russischer Pumptechnik projektiert worden - ein Einbau
von importierten Pumpen kann ein aufwändiges Unterfangen werden. Daher
müsse genau überlegt werden, an welcher Stelle ausländische Pumpen
ökonomisch Sinn machen.
Oft reichen die billigeren Produkte aus
dem heimischen Angebot, um ähnlich hohe Einsparungseffekte im
Energieverbrauch zu erzielen. Vielerorts stellt sich nicht einmal die
Frage, welche Art Pumpen zum Einsatz gelangen, sondern, ob bislang
überhaupt Pumpen verwendet wurden, so das MEI. Statt, wie empfohlen,
jährlich 10% der vorhandenen Wärmenetze zu warten oder zu modernisieren,
sind es in Russland nur 2 bis 3%. Durch Einsparungen bei der Wartung
verlieren die Wärmeversorger aber mehr Geld durch Übertragungsverluste
in Folge unterlassener Wartungen.
In einzelnen Regionen werden
komplette Fernwärmenetze neu gebaut. Beispielsweise werden in Karelien
70 Heizhäuser errichtet, womit 78 technisch abgeschriebene Anlagen
ersetzt werden sollen, die mit schwerem Heizöl befeuert werden. Die
neuen Anlagen sollen dagegen vorzugsweise vor Ort vorhandene alternative
Energieträger zur Wärmeerzeugung nutzen, darunter Torf und Holzabfälle.
Für das Projekt stellt die Regionalverwaltung 2,5 Mrd. Rubel bereit.
Weiterhin investiert die Region 1 Mrd. Rubel in den Ausbau der
Erdgasnetze.
Autonome beziehungsweise dezentrale Klimaanlagen für
den Büro- und Heimbedarf werden jedes Jahr im Umfang zwischen 1,5 Mio.
und 2 Mio. Stück verkauft. Hier wirkt vor allem die vorherrschende
Meinung positiv auf den Absatz, dass sich bei ihrem Einsatz das
Raumklima verbessert. Zentrale Anlagen werden lediglich in Gebäuden der
Klasse A eingebaut. In allen anderen Gebäudeklassen versuchen
Investoren, die Ausgaben dafür einzusparen und damit letztendlich auch
mehr Miet- oder Verkaufsfläche zur Verfügung zu haben.
Gebäude aus
der Sowjetzeit waren häufig so projektiert, dass ein wirksamer Wärme-
und Luftaustausch über die Außenfenster mit Holzrahmen sowie über
Abzugsschächte in den Küchen und Bädern erfolgte. Durch den massiven
Austausch der oft undichten alten Holzfenster durch Fenster mit dichten
Kunststoffrahmen wurde die Zirkulation aber unterbrochen. Die Nachfrage
nach Luftaustauschern und Klimatechnik für den Heimbedarf sprang vor
allem nach den verheerenden Waldbränden von 2010 um 50% an. So stieg der
Absatz im Zeitraum 2009 bis 2011 von jährlich 0,8 Mio. auf 2,85 Mio.
Klimaanlagen des Typs Split-System. Für 2012 wird von 1,9 Mio.
verkauften Geräten ausgegangen, wobei der Löwenanteil auf Moskau
entfällt.
Russland gehört bei Luftaustauschern und Klimatechnik
inzwischen zu den größten europäischen Absatzmärkten, zusammen mit der
Ukraine und der Türkei. Dennoch bezeichnen führende Anbieter Russland
als einen Markt, der erst im Entstehen begriffen ist. So halten
Luftaustauscher gerade einmal 1,5% vom Gesamtmarkt bei Luft- und
Klimatechnik. Auch hat das eher kühle Sommerwetter 2012 die Nachfrage
nach Kühl- und Klimatechnik ein wenig gehemmt. Die meisten Geräte
stammen aus der VR China, gefolgt von Japan und Korea (Rep.). In
Russland werden jährlich etwa 93.000 Klimageräte und Luftaustauscher
gefertigt.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland