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Freitag, 21. Dezember 2012

Russland hat Nachholbedarf an Klima- und Heizungstechnik

Trend geht zu energiesparenden Systemen / Ausländische Technik zum Teil zu teuer / Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Russland hat Nachholbedarf bei der Installation von Klima- und Heizungstechnik. Die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt. Bei den Verkäufen geht die Tendenz zu energiesparenden Pump- und Zirkulationssystemen. In einzelnen Regionen werden komplette Fernwärmenetze neu gebaut. Bei Luftaustauschern und Klimatechnik gehört Russland inzwischen zu den größten europäischen Absatzmärkten. Jährlich werden fast 2 Mio. dezentrale Klimaanlagen für den Büro- und Heimbedarf verkauft.

Der Preis für Energie ist in Russland im Vergleich zu Westeuropa zwar gering, doch die Energiekosten steigen unaufhörlich. Für den dänischen Hersteller Grundfos ist die Russische Föderation bereits der zweitgrößte europäische Absatzmarkt nach Deutschland. Im Unterschied zu Westeuropa, wo der Absatz eher stagniert, wird in Russland weiterhin Wachstum erreicht.

Grundfos registriert in Russland ein verstärktes Interesse an energiesparender Pumpentechnologie, auch für den Einsatz in Gebäuden. Weitere Erfolgsgaranten des Unternehmens sind die Qualität, das breite Sortiment an Pumptechnik und Serviceleistungen. Das Wachstum von Grundfos auf dem russischen Markt lag 2011 bei circa 25%.

Grundfos verfügt über eine Produktionsniederlassung im Moskauer Gebiet, in die einschließlich eines nachträglichen Ausbaus 80 Mio. Euro investiert worden sind. Im Jahr 2011 setzte das Unternehmen in Russland Waren und Dienstleistungen im Wert von 200 Mio. Euro um. Es existieren 26 regionale Vertretungen und 7 Großlager. Bis 2016 will Grundfos seinen Umsatz verdoppeln.

Wie das Moskauer Energieinstitut (MEI) herausgefunden hat, gehen in Russland 6 bis 7% der Fernwärme auf dem Weg zum Verbraucher verloren. Gleichzeitig liegt die aufgewendete Wärmeenergie pro Kopf der Bevölkerung um 30 bis 40% über dem Vergleichswert in europäischen Ländern mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie zum Beispiel Skandinavien. Ein Großteil der verlorenen Wärme wird durch enge und verschlungene Rohrsysteme verursacht, wie die Wissenschaftler unterstreichen. Wird dieses erneuert beziehungsweise begradigt, stellen sich schnell positive Effekte ein.

Ausländische Wärmepumpen seien auch nach Ansicht des MEI zwar qualitativ hochwertig, doch teurer als russische Produkte, etwa des heimischen Herstellers Gruppa GMS. Zudem sind alle älteren Heizungssysteme und Rohrleitungen für den Einsatz russischer Pumptechnik projektiert worden - ein Einbau von importierten Pumpen kann ein aufwändiges Unterfangen werden. Daher müsse genau überlegt werden, an welcher Stelle ausländische Pumpen ökonomisch Sinn machen.

Oft reichen die billigeren Produkte aus dem heimischen Angebot, um ähnlich hohe Einsparungseffekte im Energieverbrauch zu erzielen. Vielerorts stellt sich nicht einmal die Frage, welche Art Pumpen zum Einsatz gelangen, sondern, ob bislang überhaupt Pumpen verwendet wurden, so das MEI. Statt, wie empfohlen, jährlich 10% der vorhandenen Wärmenetze zu warten oder zu modernisieren, sind es in Russland nur 2 bis 3%. Durch Einsparungen bei der Wartung verlieren die Wärmeversorger aber mehr Geld durch Übertragungsverluste in Folge unterlassener Wartungen.

In einzelnen Regionen werden komplette Fernwärmenetze neu gebaut. Beispielsweise werden in Karelien 70 Heizhäuser errichtet, womit 78 technisch abgeschriebene Anlagen ersetzt werden sollen, die mit schwerem Heizöl befeuert werden. Die neuen Anlagen sollen dagegen vorzugsweise vor Ort vorhandene alternative Energieträger zur Wärmeerzeugung nutzen, darunter Torf und Holzabfälle. Für das Projekt stellt die Regionalverwaltung 2,5 Mrd. Rubel bereit. Weiterhin investiert die Region 1 Mrd. Rubel in den Ausbau der Erdgasnetze.

Autonome beziehungsweise dezentrale Klimaanlagen für den Büro- und Heimbedarf werden jedes Jahr im Umfang zwischen 1,5 Mio. und 2 Mio. Stück verkauft. Hier wirkt vor allem die vorherrschende Meinung positiv auf den Absatz, dass sich bei ihrem Einsatz das Raumklima verbessert. Zentrale Anlagen werden lediglich in Gebäuden der Klasse A eingebaut. In allen anderen Gebäudeklassen versuchen Investoren, die Ausgaben dafür einzusparen und damit letztendlich auch mehr Miet- oder Verkaufsfläche zur Verfügung zu haben.

Gebäude aus der Sowjetzeit waren häufig so projektiert, dass ein wirksamer Wärme- und Luftaustausch über die Außenfenster mit Holzrahmen sowie über Abzugsschächte in den Küchen und Bädern erfolgte. Durch den massiven Austausch der oft undichten alten Holzfenster durch Fenster mit dichten Kunststoffrahmen wurde die Zirkulation aber unterbrochen. Die Nachfrage nach Luftaustauschern und Klimatechnik für den Heimbedarf sprang vor allem nach den verheerenden Waldbränden von 2010 um 50% an. So stieg der Absatz im Zeitraum 2009 bis 2011 von jährlich 0,8 Mio. auf 2,85 Mio. Klimaanlagen des Typs Split-System. Für 2012 wird von 1,9 Mio. verkauften Geräten ausgegangen, wobei der Löwenanteil auf Moskau entfällt.

Russland gehört bei Luftaustauschern und Klimatechnik inzwischen zu den größten europäischen Absatzmärkten, zusammen mit der Ukraine und der Türkei. Dennoch bezeichnen führende Anbieter Russland als einen Markt, der erst im Entstehen begriffen ist. So halten Luftaustauscher gerade einmal 1,5% vom Gesamtmarkt bei Luft- und Klimatechnik. Auch hat das eher kühle Sommerwetter 2012 die Nachfrage nach Kühl- und Klimatechnik ein wenig gehemmt. Die meisten Geräte stammen aus der VR China, gefolgt von Japan und Korea (Rep.). In Russland werden jährlich etwa 93.000 Klimageräte und Luftaustauscher gefertigt.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland