Staatliche Sberbank baut Urlaubsregion in Eigenregie fertig / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Im Skigebiet Gornaja Karusel werden sich Anfang 2014 die
Olympia- Skispringer messen, im Wintersportzentrum sollen Touristen und
Medienleute untergebracht werden. Doch die finalen Bauarbeiten wird
nicht mehr das Unternehmen Raswitije kurortow durchführen - bisher
Generalauftragnehmer für die Skisportregion. Zu hoch war die Gefahr,
dass das Megaprojekt nicht rechtzeitig fertig wird. Jetzt muss es die
staatliche Sberbank, die wichtigster Investor ist, richten.
Gornaja Karusel - das ist ein Skigebiet mit 36 Pisten und 70 km
Abfahrten. Und zwei nagelneuen Skisprungschanzen. Das Projekt sieht auch
die Bebauung von 864 Hektar Fläche mit Hotels, Appartmentwohungen,
Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen vor. Auch das olympische
Dorf liegt in dem Skigebiet. Insgesamt entstehen Immobilien mit einer
Gesamtfläche von 740.000 qm. Das Unternehmen Raswitije kurortow tritt
bei dem Projekt als Developer und technischer Generalauftragnehmer auf,
beziehungsweise trat bis Anfang Dezember auf. Nun wird die Russische
Sberbank, der wichtigste Investor, das Skigebiet selbst fertig bauen.
Die
Weichen für diesen Schichtwechsel stellte die Sberbank bereits im April
2012: Damals übernahm die Staatsbank für 9 Mrd. Rbl (225 Mio. Euro;
EZB-Wechselkurs vom 12.12.12: 1 Euro = 39,96 Rbl) mehr als 25% der
Anteile an dem Wintersportgebiet Krasnaja Poljana, der zentralen
Austragungsstätte für die Olympischen Winterspiele 2014. Seither verfügt
sie über ein Kontrollpaket von 50,03%. Die Sberbank stieg zu einem
Zeitpunkt in das Projekt ein, als bereits klar war, dass Krasnaja
Poljana und Raswitije kurortow den Zeitplan für den Bau der
Skisprungschanzen nicht würden einhalten können.
Ursprünglich
sollten die beiden Anlagen schon Ende 2011 fertig sein. Zuletzt war die
Rede von Ende 2013 - damit erst kurz vor dem Beginn der Olympischen
Spiele im Februar 2014. Auch wenn die Schanzen selbst stehen und die
ersten Wettbewerbe durchgeführt wurden, ringsherum gleicht die Anlage
einer Baustelle. Die Schiedsrichterkanzel fehlt wie auch die Straßen zu
der Anlage. Es gibt weder feste Zuschauerränge noch angrenzende Gebäude.
Außerdem
wird das Projekt - wie auch alles andere in und um Sotschi - deutlich
teurer als geplant. Zunächst waren 16 Mrd. Rbl vorgesehen. Mittlerweile
ist fraglich, ob 25 Mrd. Rbl reichen werden. Der Eigentümer des
Developers Raswitije kurortow, Achmed Bilalow, erklärt das mit den
exorbitanten und nicht vorhersehbaren Kosten für die Anlieferung der
Baustoffe. Die Straße zu dem Wintersportort sei viel zu spät fertig
gestellt worden, ein großer Teil der Materialien hätte mit dem
Hubschrauber herbeigeflogen werden müssen, argumentiert der
Bauunternehmer. Und für den Straßenbau sei die Staatsholding Olimpstroi
verantwortlich.
Trotzdem: Das Unternehmen Raswitije kurortow ist
raus aus dem Geschäft. Krasnaja Poljana wird die fehlende Infrastruktur
rund um die beiden gigantischen Skisprungschanzen bauen. Und deren
Hauptaktionär ist die Bank von Ex-Wirtschaftsminister German Gref. Jetzt
muss es schnell gehen. Die Voraussetzungen dafür stehen nicht schlecht:
Während Raswitije kurortow die Geschäfte von Moskau aus steuerte,
leitet Krasnaja Poljana das Projekt von Sotschi aus.
Aus Sicht des
russischen Rechnungshofes - die Wirtschaftszeitung Wedomosti zitiert
dazu einen hohen Beamten - sei das typisch für die komplette
Vorbereitung des Sportgroßereignisses in Sotschi. "Es fehlte bei allen
Großprojekten von vornherein an klaren Plänen, was wie gebaut werden
soll. Das wurde immer erst im Laufe der Bauarbeiten festgelegt".
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland