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Mittwoch, 8. Mai 2013

Projektierung der Fußball-Stadien fast komplett vergeben

Deutsche Architekten als Unterauftragnehmer verpflichtet / Baustart soll meist 2014 sein  Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - An nahezu allen Austragungsorten der Fußball-WM 2018 stehen die Generalauftragnehmer zur Projektierung neuer Stadien oder zum Umbau bestehender fest. Gleich dreimal erhielt das Büro Sport Engineering den Zuschlag - in Wolgograd, Nischni Nowgorod und Rostow am Don. Auch an den Wettbewerben in Kaliningrad und Jekaterinburg will sich das Büro beteiligen.
Der Bau der Fußball-Arena "Pobeda" (dt.: Sieg) in Wolgograd soll nach jüngsten Verlautbarungen im Februar 2014 beginnen. Mit der Projektierung hat die zuständige Föderale Agentur Rossport das Büro Sport Engineering beauftragt. Die Arena soll nach Fertigstellung mit 45.000 Sitzplätzen ausgestattet sein. Der Wert des Auftrags zur Projektierung und zum Bau schwankt nach ersten Schätzungen zwischen 10 Mrd. und 12 Mrd. Rubel (250 Mio. und 300 Mio. Euro). Die Stadtverwaltung hat davon 890 Mio. Rubel (22,25 Mio. Euro) für Gutachten ausgegeben.

Sport Engineering setzte sich in Wolgograd dem Vernehmen nach gegen fünf Wettbewerber durch. Laut Wirtschaftsjournal "Expert" handelte es sich dabei um ZAO RosEngineering (Bieterpreis 849 Mio. Rubel), OOO E (1,082 Mrd. Rubel), OOO Inteks (988 Mio. Rubel), OAO Transstroj (928 Mio. Rubel) und OOO Masterstrojgroup (983 Mio. Rubel).

Aktuell erstellt Sport Engineering ein Gutachten zum bautechnischen Zustand des bereits bestehenden Wolgograder Fußballstadions. Im Sommer 2013 sollen die Schlussfolgerungen daraus vorliegen. Neben der Arena sollen bis 2018 weitere Sporteinrichtungen im Gesamtwert von 39 Mrd. Rubel (975 Mio. Euro) entstehen, wie der Chef der Wolgograder Regionalregierung, Oleg Kersanow, offiziell mitteilte.

Neben Wolgograd hat Sport Engineering im Dezember 2012 einen Projektierungsauftrag im Wert von 890 Mio. Rubel (22,25 Mio. Euro) für das neue Stadion in Nischni Nowgorod erhalten. Hierfür verpflichtete Sport Engineering eigens das deutsche Architektenbüro GMP als Subauftragnehmer, wie die "Rossijskaja Gazeta" am 19.12.2012 berichtete. In Nischni Nowgorod trat Sport Engineering bei der Ausschreibung gegen die Wettbewerber Inteks, E, Rosscheldorprojekt, Zentralny Nautschno-Issledowatelskij Institut Schilych i Obschestwennych Zdanii und Homeland Architektura an.

Des Weiteren projektiert Sport Engineering für 890 Mio. Rubel das Stadion in Rostow am Don. Hier setzte sich Sport Engineering wiederum gegen die Wettbewerber ZAO IBS, RosEngineering-Projekt, Strojinvest-Engineering und Inteks durch. Der Bau soll im 2. Quartal 2014 beginnen. Neben dem Neubau der Zentralarena sollen als Trainingsplätze die kleineren Stadien "Junost Rossii", SKA, "Olymp-2", "Lokomotiv", "Torpedo" in Tanganrog, "Lutsch" in Asow und "Ermak" in Nowotscherkassk renoviert werden. Insgesamt will das Gebiet Rostow in den kommenden Jahren knapp 17 Mrd. Rubel (425 Mio. Euro) in die Sportinfrastruktur investieren.

Interesse hat Sport Engineering darüber hinaus an der Projektierung der Stadien in Jekaterinburg und Kaliningrad bekundet. In Jekaterinburg soll das bestehende Zentralstadion faktisch durch eine neue Fußballarena am gleichen Platz ersetzt werden. Dem Stadtbaurat liegen zwei Varianten für das rund 11 Mrd. Rubel teure Projekt vor. Beide sehen vor, die Zahl der Sitzplätze auf 45.000 zu erhöhen und dafür die Laufbahnen für die Leichtathleten zu opfern. Außerdem sollen 130 Parkplätze und zwei unterirdische Parkhäuser mit 900 und 600 Stellplätzen entstehen. Erschwerend wirkt sich allerdings aus, dass das alte Stadion 2007 unter Denkmalschutz gestellt worden war. Für die Baumaßnahmen wird das Zentralstadion 2014 geschlossen. Damit der lokale Fußballklub "Ural", der gerade in die erste Liga aufgestiegen ist, trotzdem eine Spiel- und Trainingsstätte hat, soll bis 2014 das Stadion "Uralmasch" (10.000 Plätze) rekonstruiert werden. Zusätzlich sollen Trainingscamps und -plätze in Jekaterinburg, Sredneuralsk, Syserti, Werchnoe Dubrowo und Werchnjaja Pyschma eingerichtet werden. Und weil zukünftig die Laufbahnen für die Leichtathleten wegfallen, wird die Möglichkeit für den Bau eines Leichtathletikstadions mit 5.000 Plätzen geprüft.

Den Auftrag für die Projektierung des Fußballstadions in Samara erhielt die lokale staatliche Firma GUP TerrNIIgrashdanprojekt (Wert: 835,5 Mio. Rubel) im Januar 2013. Geplant ist eine moderne, kuppelförmige Arena mit Facetten wie bei einem geschliffenen Edelstein und einer Höhe von 80 Metern. In der ursprünglichen Planung des Architekten Martin Krebes vom Büro GMP (Subauftragnehmer) waren skyboxes (geschlossene Logen) für 650 Zuschauer vorgesehen, aber der Gouverneur des Gebiets Samara, Nikolaj Merkuschkin, bevorzugt eine Variante für 1200 Zuschauer. Als Besonderheit sollen die zwei-etagigen Tribünen eine Infrarotheizung bekommen. Die Baukosten werden auf 13,5 Mrd. Rubel beziffert.

Ungewöhnlich lange mussten die Behörden der Region Kaliningrad auf die Genehmigung ihres WM-Stadions seitens des Sportministeriums warten. Immer wieder tauchten Zweifel auf, ob das Stadion mit 45.000 Sitzplätzen am geplanten Standort auf der Insel Lomse mit schwierigen geologischen Verhältnissen überhaupt gebaut werden kann. Nun scheinen die technischen Probleme gelöst und der Gouverneur von Kaliningrad, Nikolaj Zukanow, erhielt Ende März 2013 das Einverständnis von Sportminister Vitalij Mutko. Den Auftrag für die Projektierung im Wert von 849,8 Mio. Rubel hat die Firma Mostowik aus Omsk gewonnen. Nach offiziellen Angaben belaufen sich die Baukosten des Stadions auf 15,8 Mrd. Rubel (400 Mio. Euro). Hinzu kommen drei Trainingscamps und vier Trainingsstadien, die zu renovieren sind: Stadion "Lokomotiv" im Park "Jushny" (135,3 Mio. Rubel), Stadion "Krasnaja swesda" am Moskowskij prospekt (245 Mio. Rubel), Stadion "Trudowyje reserwy" (210 Mio. Rubel) und Stadion "Baltika" (580 Mio. Rubel). Trainingscamps sind geplant in Orlowka neben dem Hotel des Ministeriums für Tourismus (75 Mio. Rubel), in Swetlogorsk neben dem Hotel "Falke" (88 Mio. Rubel) und in Rodniki (494 Mio. Rubel).

Der kleinste Austragungsort der Fußball-WM, Saransk (Hauptstadt der Republik Mordowien), will sein Stadion "Jubilejny" auf einem Grundstück nahe dem Stadtzentrum bauen. Im gleichnamigen neuen Stadtbezirk sollen die Hotels für die Fans entstehen.
Wie das Journal "Expert" ausführt, wurde das Büro Sport Engineering 2006 gegründet. Laut Wirtschaftszeitung "Wedomosti" handelte es sich damals um eine Umfirmierung des ehemaligen Studios "Sportfilm", das über die Jahre zu einem Filmarchiv ohne größere Öffentlichkeitswirksamkeit verkam. Im Jahr 2007 begann das umfirmierte Büro unter dem Namen Sport Engineering im Auftrag der Föderalen Agentur Rossport den Bau von Sport- und Freizeiteinrichtungen auszuschreiben. Einen seiner ersten eigenen Großaufträge zog Sport Engineering 2009 an Land. Damals ging es um die Projektierung eines Sport- und Freizeitzentrums im Wert von 1,65 Mrd. Rubel (41,25 Mio. Euro). Auftraggeber war das Föderale Sportministerium. Seither scheint die Erfolgsserie von Sport Engineering als Bieter bei öffentlichen Ausschreibungen nicht mehr abzureißen.

Besonders gut verdient das Büro mit Projekten zur Vorbereitung der Fußball-WM 2018, obwohl Sport Engineering zuvor kein einziges Fußball-Stadion entworfen hatte und demzufolge auch keine einschlägigen Erfahrungen besaß. Zudem existiert bis heute kein eigener Internetauftritt, was für ein Unternehmen, dass sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt und über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen sollte, recht ungewöhnlich erscheint. Vollständigkeitshalber muss aber hinzu gefügt werden, dass kein einziger der gegenwärtig auftretenden russischen Wettbewerber eigene Erfahrungen beim Bau moderner Stadien hatte.

Am Wettbewerb um den Bau eines Stadions in Krasnodar beteiligte sich zum Beispiel das in dieser Hinsicht erfahrene italienische Unternehmen Synthesis. Prompt erhielten die Italiener den Zuschlag. Nur gehört Krasnodar nicht zu den Austragungsorten der WM, obwohl sich die Stadt im Vorfeld große Hoffnungen gemacht hatte. Auch ist der Stadionbau in Krasnodar dem Vernehmen nach nicht öffentlich, sondern privat finanziert. Als Investor tritt Oleg Mkrtschan auf, einer von zwei Inhabern der ukrainischen Metallgesellschaft "Industrialnyj Sojus Donbass" und gleichzeitig Eigentümer des Fußballklubs "Kuban". Die Bauarbeiten sollen am 15. Mai 2013 beginnen, kündigte der Generaldirektor des Klubs, Wladimir Chaschig, an. Alle 34.000 bis 35.000 Sitzplätze sollen überdacht sein und das ganze Stadion rund 200 Mio. Euro kosten.

Kontaktanschrift:

Sport Engineering
ul. Kazakowa 18, 105064 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/982 51 92, Fax: -982 51 90
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland