Stahlindustrie, Holzbearbeitung, Maschinenbau und Biolebensmittel gehören zu den regionalen Stärken
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Das Gebiet Wologda sucht Investoren aus Deutschland.
Gebietsgouverneur Oleg Kuwschinnikow stellte auf der Hannover-Messe 2013
die Industrieparks "Scheksna" (Stahl- und Eisenindustrie, Maschinenbau,
Automobilzulieferer) und "Sokol" (Holzverarbeitung) vor. Maschinen und
Anlagen aus Deutschland laufen schon vor Ort. Was fehlt, sind
niedergelassene deutsche Unternehmen. Interessant wäre beispielsweise
die Nahrungsmittelindustrie, die sich auf Bioprodukte spezialisiert hat.
Im Industriepark Scheksna unterhält der Stahlkonzern Sewerstal
ein nagelneues Rohrwerk (Sewerstal TPZ-Scheksna) im Wert von 150 Mio.
US$. Dort laufen unter anderem Anlagen von der SMS Meer GmbH. Auf einer
Pressekonferenz in Moskau kündigte Kuwschinnikow die Errichtung eines
Zellulose- und Papierkombinats durch polnische Investoren im Wert von 6
Mrd. Rubel (125 Mio. Euro) in seinem Gebiet an. Doch wollte er den
genauen Standort nicht nennen: "Der Investor wird in Kürze persönlich an
die Massenmedien mit entsprechenden Informationen herantreten. Ich
möchte dem nicht vorgreifen."
Wichtig sei, so der Gouverneur, dass
mit dem Bau des Werks der Holzreichtum der Region vor Ort besser
verwertet und diversifiziert werden kann. Mit dem neuen Zellulosewerk
tritt die Region Wologda gleichzeitig in den direkten Standortwettbewerb
zu den Gebieten Archangelsk und Moskau, wo seit längerem sowohl
Zellulose als auch fertige Papier- und Kartonprodukte erzeugt werden. In
der Region Wologda verbreitet ist bereits die Verwendung von Holz als
Baumaterial für Häuser.
Der Stahlriese Sewerstal betreibt neben
dem erwähnten Rohrwerk noch eine Stahlhütte in Tscherepowetz (TscherMK
OAO Severstal), ebenfalls im Gebiet Wologda. Die Hütte beliefert unter
anderem das VW-Werk in Kaluga mit Blechen. Neben der Realisierung
umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen hat Sewerstal in den letzten zehn
Jahren ganze Betriebsteile, die nicht zum Kerngeschäft gehörten,
ausgegliedert und in die wirtschaftliche Selbstständigkeit entlassen.
"Auf diese Weise ist die Belegschaft von ehemals 80.000 auf 20.000
geschmolzen. Gleichzeitig entstand aber auch eine Reihe von kleinen und
mittleren Unternehmen", so Kuwschinnikow.
Der Gouverneur ging vor
einem Jahr, als er das Amt übernahm, in seinem Apparat einen ähnlichen
Weg und baute die Zahl der Verwaltungsangestellten ab. "Auf der einen
Seite liegen wir bei der internen Verschuldung mit 92% von den 83
Gebietskörperschaften der Russischen Föderation auf Platz 81 und damit
ganz hinten. Mit dem Personalabbau und weiteren Ausgabenkürzungen möchte
ich aber die finanzielle Last, die ich von meinem Vorgänger übernommen
habe, im Laufe nur weniger Jahre aus der Welt schaffen. Auf der anderen
Seite bedeuten weniger Beamte auch weniger Bürokratie."
Kuwschinnikow
bietet allen in- und ausländischen Unternehmen an, die Investitionen im
Gebiet Wologda in Erwägung ziehen, sich mit ihm persönlich zu treffen,
um wichtige Fragen zu besprechen. Im Februar 2012 wurde eine regionale
Entwicklungsgesellschaft gegründet, die sich um alle Belange von
Investoren kümmert. Die Gesellschaft konnte seither 22
Investitionsprojekte im Gesamtwert von 6,8 Mrd. Rubel (170 Mio. Euro)
begleiten. Dazu gehören ein Werk für sterile Watte und die
Projektvorbereitung für eine Fabrik zur Verzinkung von
Metallerzeugnissen. Des Weiteren hat sich ein Hersteller
biotechnologischer Produkte niedergelassen. GazpromNeft wird unter
eigenem Logo ein Tankstellennetz errichten.
"Neben der
Stahlindustrie (Sewerstal) nehmen wir führende Plätze bei der Erzeugung
von Mineraldünger (OAO Ammofos, OAO Asot), Kugellagern (Wologda
Kugellagerfabrik) und Biolebensmitteln ein. Bereits 16
Lebensmittelerzeuger haben sich einer freiwilligen Zertifizierung
unterzogen, darunter die Hersteller von schockgefrorenen Waldfrüchten
und Beeren, schwarzem Kaviar und Milchprodukten, darunter auch die in
vielen Landesteilen Russlands und selbst in der Ukraine häufig imitierte
Wologdaer Butter."
Da Bioprodukte ohne künstliche Zusätze
auskommen und relativ schnell konsumiert werden müssen, werden vor allem
die nahegelegenen Großstädte Moskau und Sankt Petersburg beliefert.
"Aus genau diesem Grund kommen unsere Hersteller nicht in die
russlandweit operierenden Supermarktketten rein. Dort werden haltbare
Nahrungsmittel gesucht", so der Gouverneur. "Generell leben um uns herum
aber 50 Mio. Menschen. Daran können sie ablesen, dass eine
Nahrungsmittelproduktion bei uns Perspektive hat." Darüber hinaus ist
das Gebiet Wologda ein Zentrum der Herstellung und Verarbeitung von
Leinen.
Was den Zustand der Straßen im Gebiet angeht, sind die
Bundesstraßen laut Kuwschinnikow in einem guten Zustand. Für deren Bau
und Erhalt kommt die Föderale Straßenbaubehörde Rosavtodor auf. Das
Gebiet ist bei der derzeitigen Haushaltssituation aber nicht in der
Lage, für Infrastruktur mehr als 4 Mrd. Rubel (100 Mio. Euro) pro Jahr
auszugeben. Die Situation wird sich ab 2015 bessern, wenn der Haushalt
saniert sein soll. Benötigt werden insgesamt 100 Mrd. Rubel (2,5 Mrd.
Euro), um das komplette Straßensystem zu sanieren.
Internetadressen:
Offizielle Interseite des Gebiets Wologda
http://vologda-oblast.ru/en/
Gesellschaft zur Entwicklung des Gebiets Wologda
Rat für Investitionen beim Gouverneur des Gebiets Wologda
http://vologda-oblast.ru/ru/government/committees/list_committees/index.php?id_15=317
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland