Kunden setzen auf Verkürzung der Zustellzeiten und Zuverlässigkeit, erst danach kommt der Preis
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Die Nachfrage nach Kurierdienstleistungen in Russland wächst.
Dafür sorgt der expandierende Internethandel. Zudem belebt sich der
Warenaustausch mit dem Ausland nach dem erfolgtem WTO-Beitritt und durch
den Ausbau der Zollunion mit Belarus und Kasachstan. Die staatliche
Post, Potschta Rossii, steht mit ihrer starren Struktur dieser
Entwicklung schier hilflos gegenüber. Eine Teilprivatisierung wird als
Ausweg angestrebt. In der Zwischenzeit nutzen Wettbewerber die Gunst der
Stunde.
Der Einkauf im Internet wird auch in Russland immer beliebter.
Bis 2014 wird der Warenimport, der aus dem Internethandel herrührt,
voraussichtlich die Marke von 1 Mrd. US$ erreichen und anschließend
jährlich um 20 bis 30% zulegen. Für Kurierdienste stellt das höhere
Anforderungen an die Fahrzeugflotten: sie müssen einerseits wachsen,
andererseits auch flexibler und modularer ausfallen. Erforderlich sind
Vereinfachungen bei der Zollabfertigung. In beiden Bereichen besteht
massiver Handlungsbedarf.
Am Markt für Kurierdienstleistungen sind
drei große Unternehmen mit ausländischen Kapitalanteilen aktiv: DHL
(Marktanteil von 40%), UPS (12%) und TNT (10%). Des Weiteren operieren
rein russische Unternehmen, die sowohl den Binnenmarkt abdecken als auch
ins Ausland liefern. Dazu gehört EMS Pochta Rossii (Marktanteil von
20%) mit einem nationalen und internationalen Geschäft. Außerdem gibt es
372 mittlere und kleine Anbieter, die sich auf Kurierdienste nur in
Moskau und der näheren Umgebung der Hauptstadt spezialisiert haben.
Einige
der mittleren und kleinen Anbieter sind jedoch Teil internationaler
Allianzen, beispielsweise SAO Armadillo und SAO Armadillo Business
Potschta. Beide befinden sich unter dem Dach der Holding GeoPost und
bieten in diesem Rahmen Dienste unter dem Markennamen DPD an. Sowohl die
Allianzen und Kooperationen als auch deren Marktanteile verändern sich
jährlich. Insbesondere in Wachstumsphasen ändert sich die
Wettbewerbssituation häufig, wie es gegenwärtig der Fall zu sein
scheint.
Im größten Flächenstaat der Welt sind zudem
Sonderdienstleistungen gefragt, die auch speziell vergütet werden. Dazu
gehört die schnelle Zustellung von dringend benötigten Medikamenten und
Chemikalien, auch in schwer zugänglichen Gebieten. Auch der
Schnelltransport von temperaturempfindlichen Substanzen (Kosmetika,
verderbliche Lebensmittel, Medikamente, Chemikalien) über verschiedene
Klimazonen hinweg ist häufig gefragt, was spezielle Anforderungen an
Kühl-, Heiz- und Klimatechnik in Lagern und Fahrzeugen stellt.
B2B-Geschäfte
machen mit 65% den Großteil der Geschäfte auf dem Markt für
Kurierdienste aus. Auf B2C entfallen 20% laut einer Studie von PWC. Beim
verbleibenden Rest handelt es sich unter anderem um den Eilversand von
Dokumenten.
Vor allem der expandierende Internethandel führt zu
einer Zunahme von Zustellungen, darunter auch an Privathaushalte. Eine
Besonderheit in Russland besteht darin, dass durch Zollkontrollen
Warensendungen an Privathaushalte aus dem Ausland mehrere Tage, wenn
nicht gar Wochen dauern können. Das B2C-Geschäft leidet deutlich
darunter.
Wie die russische Post (Potschta Rossii) mitteilte,
haben Privathaushalte im Jahr 2012 insgesamt 30 Mio. Pakete aus dem
Ausland erhalten. Rund 70% der Sendungen wurden durch den Internethandel
ausgelöst. Davon hat Pochta Rossii 90% abgewickelt. Bei 69% der
Sendungen dauerte die Zustellung zwischen zwei Wochen und zwei Monaten,
was der Staatspost starke Kritik einbrachte.
Zu ihrer Verteidigung
führt Potschta Rossii an, dass dafür die Gebühren äußerst moderat
seien. Für eine Zustellung aus dem Ausland muss ein russischer Kunde
zwischen 300 und 600 Rubel (7,50 bis 15 Euro) ausgeben. Ausländische
Kurierdienste überstellen Sendungen zwar wesentlich schneller, berechnen
aber in der Tat höhere Gebühren.
Gegenwärtig diskutiert das
Parlament eine Teilprivatisierung von Potschta Rossii. Nach dem
derzeitigen Stand soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, der die
russische Staatspost ein Teil ihrer Aktiva überschreibt. Dazu sollen
dem Vernehmen nach 2 automatisierte Sortierzentren, 50 manuell
betriebene Sortierzentren, 786 Postämter und 17.000 Fahrzeuge gehören.
Ein Großteil der Fahrzeuge muss allerdings durch neue ersetzt werden, da
sie schon länger als zehn Jahre im Dienst stehen. Der
Investitionsbedarf für alle Aktiva zusammen wird insgesamt mit 24,5 Mrd.
Rubel (613 Mio. Euro) angegeben.
Neben einem Finanzinvestor soll
ein Kurierunternehmen an der Privatisierung beteiligt werden. Alle bis
dato bestehenden sozialen Verpflichtungen für die von der Privatisierung
betroffenen Postmitarbeiter übernimmt der Staat. Die neuen Besitzer
sollen dadurch schneller in die Gewinnzone kommen. Eine Subventionierung
der dann privaten Post wird für die Zukunft ausgeschlossen. Die Duma
wird eigens eine Gesetzesnovelle "Über die Postdienste" verabschieden.
Als
Argument für die Privatisierung nehmen die Abgeordneten eine
Untersuchung der Discovery Research Group, wonach die Konsumenten mehr
als in der Vergangenheit Wert auf Zuverlässigkeit und auf kurze
Zustellzeiten legen, und dafür auch bereit sind, höhere Tarife zu
bezahlen. Somit entscheidet nicht mehr allein der Preis, sondern eine
Kombination aus Qualität und Preis. Die privatisierte Post muss daher
ihre Abläufe optimieren, was Geld kostet. Im Gegenzug kann sie aber auch
höhere Tarife festlegen.
(U.U.)
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland