Fußballfans landen sanft: Regionen erneuern Airports in großem Stil
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Fußballfans, die 2018 zur Weltmeisterschaft nach Russland
reisen, sollen in allen elf Austragungsorten an einem modernen Flughafen
landen. Beim ersten Kontakt mit den Sportbegeisterten wollen sich die
Regionen von ihrer besten Seite zeigen. Billig wird das nicht. Bis 2016
werden knapp 4 Mrd. Euro in die Modernisierung der Airports zu
investieren sein. Der Löwenanteil fließt in die Hauptstadtflughäfen.
Dabei spielt der Staat eine wichtige Rolle als Investor.
Sotschi, Kasan und Jekaterinburg haben eines gemeinsam: sie
verfügen über Top-Flughäfen. Wenn 2018 Fußballfans aus aller Welt
anreisen, um ihre Teams anzufeuern, dann sind diese drei Städte bestens
gerüstet. Auch die drei Hauptstadtflughäfen Domodedowo, Scheremetjewo
und Wnukowo genügen westlichen Standards. Aber die Kapazitäten für die
Abfertigung von Passagieren könnten schon bald zu gering sein.
Von
2013 bis 2016 plant die russische Regierung deshalb über 112 Mrd. Rubel
(rund 2,8 Mrd. Euro, EZB-Wechselkurs vom 15.5.13: 1 Euro = 40,49 Rubel)
in den Ausbau des Moskauer Drehkreuzes zu stecken. Die Airports in den
anderen WM-Städten sollen mit knapp 43 Mrd. Rubel (knapp 1,1 Mrd. Euro)
herausgeputzt werden. Das sieht das Entwicklungsprogramm der russischen
Luftfahrtbehörde Rosawiazija vor, meldete Nachrichtendienst Prime.
Dieses Programm gilt für die Jahre 2013 bis 2015, trotzdem werden dort
Investitionsvolumina bis einschließlich 2016 genannt.
Für das
Moskauer Drehkreuz mit den Flughäfen Domodedowo, Scheremetjewo und
Wnukowo soll es aus der öffentlichen Kasse 38 Mrd. Rubel (knapp 940 Mio.
Euro) geben, für die anderen zehn Flughäfen über 16,6 Mrd. Rubel (411
Mio. Euro). An den drei Moskauer Flughäfen wird das Geld dringend
gebraucht. Neuesten Prognosen zufolge dürfte es dort spätestens 2020 zu
Engpässen kommen. Besonders problematisch könnte es 2030 werden. In
diesem Jahr sollen in Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo gemeinsam
179 Mio. Passagiere starten und landen können. Doch selbst im
Basisszenario ihrer Prognose rechnen die Beamten des Moskauer
Luftfahrkreuzes mit einem Passagieraufkommen von 220 Mio. Menschen im
Jahr 2030. Nach dem innovativen Szenario könnten es sogar 300 Mio.
Menschen sein. Diese Innovationsannahme tritt jedoch bereits für den
Fall ein, dass das Fluggastaufkommen in den kommenden Jahren ähnlich
dynamisch steigt wie in den vergangenen Jahren; da lagen die
Wachstumsraten zwischen 10 und 20%.
Mitte März 2013 wurde bekannt,
dass am Flughafen Scheremetjewo ein neuer Terminal für 200 Mio. US$
gebaut werden soll. Dieser Terminal soll anstelle des alten Terminals B
im Norden des Flughafengeländes entstehen und die Kapazität auf 40 Mio.
Passagiere pro Jahr erhöhen. Die Terminals sollen durch einen Tunnel
verbunden werden. Die Kosten liegen bei 100 Mio. bis 150 Mio. US$. Dafür
wird sich der Bau der dritten Start- und Landebahn in Scheremetjewo
weiter verzögern. Auch in Domodedowo wird es bis auf Weiteres keine
dritte Start- und Landebahn geben.
In Russlands zweitgrößter Stadt
Sankt Petersburg ist Fliegen eine Last. Der Flughafen Pulkowo ist nicht
mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans Stadtzentrum angeschlossen. Der
Terminal glänzt bestenfalls durch Sowjetcharme. Besserung steht für 2014
in Aussicht, da soll das neue, futuristische Terminal eröffnet werden.
Doch bis heute ist unklar, ob der Flughafen bis 2018 einen neuen
Anschluss per Aeroexpress oder per Metro erhält.
In einem noch
schäbigeren Zustand als Pulkowo befindet sich der Flughafen Kurumotsch
der Millionenstadt Samara an der Wolga. Dort werden zurzeit kleine
Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Aber erst mit dem neuen Terminal
wird Samara in den Besitz eines repräsentativen Flughafens kommen. Ende
Mai 2013 soll die Wahl des Generalauftragnehmers entschieden sein. Zu
den Kandidaten, die es in die Endauswahl geschafft haben, zählen
folgende Unternehmen: die Moskauer Firmen OAO SKM Engineering, SAO
Renaissance Construction und OOO Rasen stroj, das Unternehmen SAO
Kompakt aus Sankt Petersburg, OOO Alfa Stroj aus Jekaterinburg und OOO
Monolit-Beton aus Saratow.
Für 12 Mrd. Rubel will Investor SAO
Kurumotsch-Invest, ein Unternehmen der SAO UK Aeroporty Regionow, auf
35.000 qm einen neuen Terminal für 3,5 Millionen Passagiere pro Jahr
bauen. Nach der für Ende 2014 geplanten Inbetriebnahme des ersten
Bauabschnittes soll(en) die Flughafenkapazität erweitert sowie ein
Hotel, ein Business-Zentrum und Parkplätze gebaut werden.
Die
Projektierung des neuen Flughafens Juschni bei Rostow am Don übernimmt
FGUP GPI NII GA Aeroprojekt. Das hat das Ministerium für Inneres und
Information der Region Mitte Mai 2013 bekannt gegeben. Danach hat sich
Aeroprojekt verpflichtet, die Projektierung des neuen Flughafens in 411
Tagen abzuschließen. Dafür wird das Unternehmen 431 Mio. Rubel (knapp 11
Mio. Euro) erhalten. Der Bau in der Siedlung Guschewsk soll 2015
beginnen; 2017 dürfte der neue Airport fertig sein. Guschewsk liegt etwa
29 km außerhalb von Rostow am Don. Die Gesamtkosten für das geplante
Drehkreuz in Süd-Russland liegen bei 27,4 Mrd. Rubel (rund 677 Mio.
Euro).
In Kaliningrad wird der bestehende Flughafen lediglich
modernisiert. Die Terminalfläche soll auf über 50.000 qm verdoppelt
werden. Dieser Prozess soll in der ersten Hälfte 2014 abgeschlossen
werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 3,2 Mrd. Rubel (knapp
80 Mio. Euro). Das Unternehmen Aeroinvest will in unmittelbarer Nähe zum
Flughafen das Projekt "Aero-City" verwirklichen: Hotels, Parkplätze,
Konferenzhalle, Transport- und Logistikzentren.
Im
Überraschungsaustragungsort für die Fußball-WM 2018, Saransk, gibt es
noch nicht einmal einen internationalen Flughafen. Gerade einmal 15.000
Passagiere wurden in diesem Regionalflughafen 2012 abgefertigt. Im Laufe
des Jahres 2013 soll die Start- und Landebahn modernisiert werden. Die
Republik Mordowien plant den Komplettumbau des Flughafens mit einem
neuen Terminal. Dort sollen künftig bis zu 1.000 Passagiere pro Stunde
abgefertigt werden können.
Dem Flughafen Wolgograd steht eine
Generalsanierung für etwa 3 Mrd. Rubel (rund 74 Mio. Euro) bevor. Mit
diesem Geld wird die Start- und Landebahn erneuert, Drainagen werden
verlegt, die Zu- und Abfahrten erneuert, energiesparende Leuchtdioden
weisen Piloten den Weg. Außerdem soll im September 2013 mit dem Bau
eines 6.000 qm großen Terminals für internationale Flugverbindungen
begonnen und dieses 2015 vollendet werden, heißt es beim Branchenportal http://www.aviaport.ru. Ab 2017 dürfte zusätzlich ein Terminal für innerrussische Flüge gebaut werden.
Die
Modernisierung des Flughafens Nischni Nowgorod wurde bereits im August
2011 beschlossen. Damals war von einer Investitionssumme von 1,7 Mrd.
Rubel die Rede. Nach heutigem Stand sollen das neue Passagierterminal
und die anderen Modernisierungsarbeiten bis 2021 sogar 2,7 Mrd. Rubel
(knapp 67 Mio. Euro) kosten.
Passagieraufkommen russischer WM-Flughäfen
| Flughafen/Stadt | Beförderte Passagiere 2012 (in 1.000) |
| Domodedowo/Moskau | 28.200 |
| Scheremetjewo/Moskau | 26.200 |
| Pulkowo/Sankt Petersburg | 11.200 |
| Wnukowo/Moskau | über 10.000 |
| Kolzowo/Jekaterinburg | 3.800 |
| Sotschi | 2.120 |
| Kurumotsch/Samara | 1.891 |
| Rostow am Don | 1.850 |
| Kasan | 1.500 |
| Chrabrowo/Kaliningrad | 1.200 |
| Nishni Nowgorod | 747 |
| Wolgograd | 565 |
| Saransk | 15 *) |
*) Zahlen für 2011; Saransk hat als einziger WM-Austragungsort keinen internationalen Flughafen
Quellen: Flughäfen, russische Presse, Recherchen von Germany Trade & Invest
Kontaktanschriften
Federalnoje agentstwo wosduschnogo transporta (Rosawiazija)
(Föderale Agentur für den Lufttransport)
Leningradski prospekt 37, korpus 2, 125993 Moskau
Tel.: 007 499/231 50 09, Fax: -231 56 66
E-Mail: rusavia@scaa.ru, Internet: http://www.favt.ru
FGUP GPI NII GA Aeroprojekt
Leningradskoje schosse 7,125171 Moskau
Tel.: 007 499/150 02 22, Fax: -150 32 83
E-Mail: info@aeroproject.ru, Internet: http://www.aeroproject.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland