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Montag, 3. Juni 2013

Russische WM-Austragungsorte modernisieren Flughäfen

Fußballfans landen sanft: Regionen erneuern Airports in großem Stil
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Fußballfans, die 2018 zur Weltmeisterschaft nach Russland reisen, sollen in allen elf Austragungsorten an einem modernen Flughafen landen. Beim ersten Kontakt mit den Sportbegeisterten wollen sich die Regionen von ihrer besten Seite zeigen. Billig wird das nicht. Bis 2016 werden knapp 4 Mrd. Euro in die Modernisierung der Airports zu investieren sein. Der Löwenanteil fließt in die Hauptstadtflughäfen. Dabei spielt der Staat eine wichtige Rolle als Investor.

Sotschi, Kasan und Jekaterinburg haben eines gemeinsam: sie verfügen über Top-Flughäfen. Wenn 2018 Fußballfans aus aller Welt anreisen, um ihre Teams anzufeuern, dann sind diese drei Städte bestens gerüstet. Auch die drei Hauptstadtflughäfen Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo genügen westlichen Standards. Aber die Kapazitäten für die Abfertigung von Passagieren könnten schon bald zu gering sein.

Von 2013 bis 2016 plant die russische Regierung deshalb über 112 Mrd. Rubel (rund 2,8 Mrd. Euro, EZB-Wechselkurs vom 15.5.13: 1 Euro = 40,49 Rubel) in den Ausbau des Moskauer Drehkreuzes zu stecken. Die Airports in den anderen WM-Städten sollen mit knapp 43 Mrd. Rubel (knapp 1,1 Mrd. Euro) herausgeputzt werden. Das sieht das Entwicklungsprogramm der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija vor, meldete Nachrichtendienst Prime. Dieses Programm gilt für die Jahre 2013 bis 2015, trotzdem werden dort Investitionsvolumina bis einschließlich 2016 genannt.

Für das Moskauer Drehkreuz mit den Flughäfen Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo soll es aus der öffentlichen Kasse 38 Mrd. Rubel (knapp 940 Mio. Euro) geben, für die anderen zehn Flughäfen über 16,6 Mrd. Rubel (411 Mio. Euro). An den drei Moskauer Flughäfen wird das Geld dringend gebraucht. Neuesten Prognosen zufolge dürfte es dort spätestens 2020 zu Engpässen kommen. Besonders problematisch könnte es 2030 werden. In diesem Jahr sollen in Domodedowo, Scheremetjewo und Wnukowo gemeinsam 179 Mio. Passagiere starten und landen können. Doch selbst im Basisszenario ihrer Prognose rechnen die Beamten des Moskauer Luftfahrkreuzes mit einem Passagieraufkommen von 220 Mio. Menschen im Jahr 2030. Nach dem innovativen Szenario könnten es sogar 300 Mio. Menschen sein. Diese Innovationsannahme tritt jedoch bereits für den Fall ein, dass das Fluggastaufkommen in den kommenden Jahren ähnlich dynamisch steigt wie in den vergangenen Jahren; da lagen die Wachstumsraten zwischen 10 und 20%.

Mitte März 2013 wurde bekannt, dass am Flughafen Scheremetjewo ein neuer Terminal für 200 Mio. US$ gebaut werden soll. Dieser Terminal soll anstelle des alten Terminals B im Norden des Flughafengeländes entstehen und die Kapazität auf 40 Mio. Passagiere pro Jahr erhöhen. Die Terminals sollen durch einen Tunnel verbunden werden. Die Kosten liegen bei 100 Mio. bis 150 Mio. US$. Dafür wird sich der Bau der dritten Start- und Landebahn in Scheremetjewo weiter verzögern. Auch in Domodedowo wird es bis auf Weiteres keine dritte Start- und Landebahn geben.

In Russlands zweitgrößter Stadt Sankt Petersburg ist Fliegen eine Last. Der Flughafen Pulkowo ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln ans Stadtzentrum angeschlossen. Der Terminal glänzt bestenfalls durch Sowjetcharme. Besserung steht für 2014 in Aussicht, da soll das neue, futuristische Terminal eröffnet werden. Doch bis heute ist unklar, ob der Flughafen bis 2018 einen neuen Anschluss per Aeroexpress oder per Metro erhält.

In einem noch schäbigeren Zustand als Pulkowo befindet sich der Flughafen Kurumotsch der Millionenstadt Samara an der Wolga. Dort werden zurzeit kleine Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Aber erst mit dem neuen Terminal wird Samara in den Besitz eines repräsentativen Flughafens kommen. Ende Mai 2013 soll die Wahl des Generalauftragnehmers entschieden sein. Zu den Kandidaten, die es in die Endauswahl geschafft haben, zählen folgende Unternehmen: die Moskauer Firmen OAO SKM Engineering, SAO Renaissance Construction und OOO Rasen stroj, das Unternehmen SAO Kompakt aus Sankt Petersburg, OOO Alfa Stroj aus Jekaterinburg und OOO Monolit-Beton aus Saratow.

Für 12 Mrd. Rubel will Investor SAO Kurumotsch-Invest, ein Unternehmen der SAO UK Aeroporty Regionow, auf 35.000 qm einen neuen Terminal für 3,5 Millionen Passagiere pro Jahr bauen. Nach der für Ende 2014 geplanten Inbetriebnahme des ersten Bauabschnittes soll(en) die Flughafenkapazität erweitert sowie ein Hotel, ein Business-Zentrum und Parkplätze gebaut werden.

Die Projektierung des neuen Flughafens Juschni bei Rostow am Don übernimmt FGUP GPI NII GA Aeroprojekt. Das hat das Ministerium für Inneres und Information der Region Mitte Mai 2013 bekannt gegeben. Danach hat sich Aeroprojekt verpflichtet, die Projektierung des neuen Flughafens in 411 Tagen abzuschließen. Dafür wird das Unternehmen 431 Mio. Rubel (knapp 11 Mio. Euro) erhalten. Der Bau in der Siedlung Guschewsk soll 2015 beginnen; 2017 dürfte der neue Airport fertig sein. Guschewsk liegt etwa 29 km außerhalb von Rostow am Don. Die Gesamtkosten für das geplante Drehkreuz in Süd-Russland liegen bei 27,4 Mrd. Rubel (rund 677 Mio. Euro).

In Kaliningrad wird der bestehende Flughafen lediglich modernisiert. Die Terminalfläche soll auf über 50.000 qm verdoppelt werden. Dieser Prozess soll in der ersten Hälfte 2014 abgeschlossen werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf 3,2 Mrd. Rubel (knapp 80 Mio. Euro). Das Unternehmen Aeroinvest will in unmittelbarer Nähe zum Flughafen das Projekt "Aero-City" verwirklichen: Hotels, Parkplätze, Konferenzhalle, Transport- und Logistikzentren.

Im Überraschungsaustragungsort für die Fußball-WM 2018, Saransk, gibt es noch nicht einmal einen internationalen Flughafen. Gerade einmal 15.000 Passagiere wurden in diesem Regionalflughafen 2012 abgefertigt. Im Laufe des Jahres 2013 soll die Start- und Landebahn modernisiert werden. Die Republik Mordowien plant den Komplettumbau des Flughafens mit einem neuen Terminal. Dort sollen künftig bis zu 1.000 Passagiere pro Stunde abgefertigt werden können.

Dem Flughafen Wolgograd steht eine Generalsanierung für etwa 3 Mrd. Rubel (rund 74 Mio. Euro) bevor. Mit diesem Geld wird die Start- und Landebahn erneuert, Drainagen werden verlegt, die Zu- und Abfahrten erneuert, energiesparende Leuchtdioden weisen Piloten den Weg. Außerdem soll im September 2013 mit dem Bau eines 6.000 qm großen Terminals für internationale Flugverbindungen begonnen und dieses 2015 vollendet werden, heißt es beim Branchenportal http://www.aviaport.ru. Ab 2017 dürfte zusätzlich ein Terminal für innerrussische Flüge gebaut werden.

Die Modernisierung des Flughafens Nischni Nowgorod wurde bereits im August 2011 beschlossen. Damals war von einer Investitionssumme von 1,7 Mrd. Rubel die Rede. Nach heutigem Stand sollen das neue Passagierterminal und die anderen Modernisierungsarbeiten bis 2021 sogar 2,7 Mrd. Rubel (knapp 67 Mio. Euro) kosten.
Passagieraufkommen russischer WM-Flughäfen
Flughafen/Stadt Beförderte Passagiere 2012 (in 1.000)
Domodedowo/Moskau 28.200
Scheremetjewo/Moskau 26.200
Pulkowo/Sankt Petersburg 11.200
Wnukowo/Moskau über 10.000
Kolzowo/Jekaterinburg 3.800
Sotschi 2.120
Kurumotsch/Samara 1.891
Rostow am Don 1.850
Kasan 1.500
Chrabrowo/Kaliningrad 1.200
Nishni Nowgorod 747
Wolgograd 565
Saransk 15 *)
*) Zahlen für 2011; Saransk hat als einziger WM-Austragungsort keinen internationalen Flughafen
Quellen: Flughäfen, russische Presse, Recherchen von Germany Trade & Invest

Kontaktanschriften

Federalnoje agentstwo wosduschnogo transporta (Rosawiazija)
(Föderale Agentur für den Lufttransport)
Leningradski prospekt 37, korpus 2, 125993 Moskau
Tel.: 007 499/231 50 09, Fax: -231 56 66
FGUP GPI NII GA Aeroprojekt
Leningradskoje schosse 7,125171 Moskau
Tel.: 007 499/150 02 22, Fax: -150 32 83
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland