Erwerb von Neufahrzeugen wird bezuschusst / Zollsenkungen bei Umbausätzen und Tankstellen für Autogas folgen
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Russlands Regierung fördert den Kauf von Fahrzeugen mit
Gasantrieb. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Hälfte aller Busse
im öffentlichen Personennahverkehr und aller Kommunalfahrzeuge zukünftig
Gas (LPG, CNG, LNG) tankt. Dadurch sollen Preis- und Umweltvorteile
erzielt und Begleitgas einer wirtschaftlichen Verwendung zugeführt
werden, das ansonsten abgefackelt wird.
Premier Medwedew hat den Minister für Transport und den Minister
für Industrie und Handel im Mai 2013 angewiesen, Zollsenkungen für
Kfz-Um- und Einbausätze sowie für entsprechende Tankstellenausrüstungen
vorzubereiten. Die in Russland erhältliche Technik reicht nicht aus, um
das ehrgeizige Ziel zu verfolgen. Da es sich um eine
Regierungsinitiative handelt, die ausdrücklich die Unterstützung des
Präsidialamtes hat, sind zusätzlich Fördermaßnahmen zur Ansiedlung
ausländischer Hersteller entsprechender Technik zu erwarten.
Kommunale
Transportunternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs können seit
2012 staatliche Zuschüsse für den Kauf von Fahrzeugen, die mit Autogas
angetrieben werden, beantragen. Wegen Anlaufschwierigkeiten konnte diese
Möglichkeit im vergangenen Jahr aber nur in vier von 83 russischen
Regionen genutzt werden. Dabei handelte es sich um das Moskauer Gebiet,
das Gebiet Pensa, Tatarstan und Inguschetien. Kommunale
Transportunternehmen in anderen Regionen werden 2013 mit Beschaffungen
nachziehen. So hat das Ministerium für Transport 35 Zuschussanträge für
den Kauf von 619 Bussen bewilligt.
Nach Angaben des auf Kraftfahrzeuge spezialisierten Marktforschungsunternehmens Awtostat (http://www.autostat.ru)
sind von den insgesamt in Russland gemeldeten 44,9 Mio. Fahrzeugen rund
1,2 Mio. mit einen Gasantrieb ausgerüstet. Der Energiekonzern Gazprom
bezifferte die Zahl der Fahrzeuge, die davon mit komprimierten Erdgas
(CNG) fahren, auf 90.000. Allein zum Fuhrpark von Gazprom gehören 4.140
mit CNG angetriebene Fahrzeuge.
Von den russischen Herstellern
bieten Kamaz und GAZ serienmäßig entsprechende Fahrzeuge an. Ausgehend
von der sich abzeichnenden Entwicklung kündigte Kamaz vorsichtige
Produktionssteigerungen an. So sollen statt bislang 300 bald 1.000
Fahrzeuge mit Gasantrieb pro Jahr vom Band rollen. Dafür muss der
Hersteller die notwendige Zusatzausrüstung importieren. Der Wettbewerber
GAZ bezieht die für Flüssiggas oder komprimiertes Erdgas notwendigen
Tanks aus Italien. Eingebaut werden diese in die Modellreihen LiAZ und
Gazel.
Das Unternehmen Traktornye Zawody hat am 26.4.2013 den
Prototyp eines Traktoren mit Methanantrieb vorgestellt. Als Vorteil
wurde hervorgehoben, dass Methan durch das bestehende Gaspipelinenetz
schon in fast allen Landesteilen erhältlich sei. Der Vertrieb aller
anderen Energieträger (LPG, CNG, LNG) muss dagegen erst aufgebaut
werden.
Die Verbreitung von Gasantrieben wird in der Tat durch die
geringe Zahl an Tankstellen, an denen Autogas erhältlich ist,
behindert. Zurzeit gibt es 246 Gastankstellen in 58 Regionen. Eine
Besonderheit besteht darin, dass es sich in der überwiegenden Mehrheit
um spezialisierte Tankstellen handelt, die nur Autogas anbieten und kein
Benzin oder Diesel.
Gazprom betreibt allein 210 Gastankstellen
(85,4%). Der Konzern teilte mit, dass er 2012 insgesamt 390 Mio. cbm
komprimiertes Erdgas (CNG) als Kraftstoff verkauft hat. Das stellt eine
Steigerung um 28,4 Mio. cbm gegenüber dem Vorjahr dar.
Für 2014
bis 2017 plant Gazprom ein Programm zur verstärkten Vermarktung von
Erdgas als Kraftstoff umzusetzen. Dazu wurde die Tochterfirma OOO
Gazprom gasomotornoje topliwo gegründet. Allein 2013 sollen 1 Mrd. Rubel
(25 Mio. Euro) in die Erweiterung des Tankstellennetzes investiert
werden. Geplant ist der Bau von 39 Erdgastankstellen in den Regionen
Leningrad, Wologda, Nowgorod, Nishni Nowgorod, Kaluga, Woronesh,
Tatarstan, Nowosibirsk, Orlow, Rjasan, Rostow, Tambow, Perm, Saratow und
Stawropol. Des Weiteren werden in 23 Regionen Grundstücke für
Erdgastankstellen gesucht. Gazprom will die Umstellung seiner eigenen
Fahrzeugflotte auf CNG vorantreiben und darüber hinaus neue Kunden in
der Landwirtschaft, der Flussschifffahrt und beim Eisenbahntransport
gewinnen. Die kurzfristig mobilisierbaren Zusatzkapazitäten zur
Erzeugung von komprimiertem Erdgas gab Unternehmenschef Aleksej Miller
mit 3 Mrd. cbm an. Das wäre weit mehr als die absehbare
Nachfragesteigerung.
Die angekündigte Senkung der Einfuhrzölle auf
Tankstellentechnik und Kfz-Umrüstsätze wird aller Wahrscheinlichkeit
nach weitere Investoren anlocken. Der weltgrößte Erdölkonzern Rosneft
hat bereits sein Interesse bekundet.
Rosneft fördert im
Joint-Venture mit MGK Itera eigenes Erdgas. Zusätzlich wird Begleitgas
auf Ölfeldern und in Raffinerien im großen Stil abgefackelt. Daher kam
dem Staatskonzern die politische Initiative der Regierung und des
Präsidialamtes entgegen, Fahrzeugflotten auf Gasantrieb umzurüsten. Ab
2013 stellt Rosneft 60 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro) für den Bau von 1.000
Gastankstellen und für Erzeugerkapazitäten bereit.
Darüber hinaus
ist Rosneft eine Reihe von Kooperationsabkommen mit Herstellern,
Abnehmern und Gebietsverwaltungen eingegangen. Darunter befinden sich
die Volkswagen Group Rus und Kamaz sowie die Eisenbahngesellschaft OAO
RZD. Für den Ausbau der Erzeugerkapazitäten und des Tankstellennetzes
für Flüssiggas hat Rosneft einen Vertrag mit der Holding Russkije
Maschiny unterschrieben, die sich im Besitz des Großindustriellen Oleg
Deripaska befindet. Die Kooperationsabkommen mit den Regionalregierungen
aus Woronesh, Stawropol, Samara und Krasnodar weisen darauf hin, dass
in diesen Gebieten die ersten Rosneft-Projekte realisiert werden.
Technologisch
geht die Entwicklung in Richtung einer erhöhten Sicherheit. Nachdem im
Mai 2013 der auf dem Dach befestigte Gastank eines Moskauer Linienbusses
der Marke LiAZ explodierte, wurden 50 Fahrzeuge dieser Marke
unverzüglich still gelegt bis zur endgültigen Klärung der Ursache. Eine
derartige Havarie soll sich nicht wiederholen, so Regierungschef
Medwedew. (U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland