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Montag, 3. Juni 2013

Russlands fördert Gasantrieb für Nutzfahrzeuge

Erwerb von Neufahrzeugen wird bezuschusst / Zollsenkungen bei Umbausätzen und Tankstellen für Autogas folgen
Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Russlands Regierung fördert den Kauf von Fahrzeugen mit Gasantrieb. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Hälfte aller Busse im öffentlichen Personennahverkehr und aller Kommunalfahrzeuge zukünftig Gas (LPG, CNG, LNG) tankt. Dadurch sollen Preis- und Umweltvorteile erzielt und Begleitgas einer wirtschaftlichen Verwendung zugeführt werden, das ansonsten abgefackelt wird.

Premier Medwedew hat den Minister für Transport und den Minister für Industrie und Handel im Mai 2013 angewiesen, Zollsenkungen für Kfz-Um- und Einbausätze sowie für entsprechende Tankstellenausrüstungen vorzubereiten. Die in Russland erhältliche Technik reicht nicht aus, um das ehrgeizige Ziel zu verfolgen. Da es sich um eine Regierungsinitiative handelt, die ausdrücklich die Unterstützung des Präsidialamtes hat, sind zusätzlich Fördermaßnahmen zur Ansiedlung ausländischer Hersteller entsprechender Technik zu erwarten.

Kommunale Transportunternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs können seit 2012 staatliche Zuschüsse für den Kauf von Fahrzeugen, die mit Autogas angetrieben werden, beantragen. Wegen Anlaufschwierigkeiten konnte diese Möglichkeit im vergangenen Jahr aber nur in vier von 83 russischen Regionen genutzt werden. Dabei handelte es sich um das Moskauer Gebiet, das Gebiet Pensa, Tatarstan und Inguschetien. Kommunale Transportunternehmen in anderen Regionen werden 2013 mit Beschaffungen nachziehen. So hat das Ministerium für Transport 35 Zuschussanträge für den Kauf von 619 Bussen bewilligt.

Nach Angaben des auf Kraftfahrzeuge spezialisierten Marktforschungsunternehmens Awtostat (http://www.autostat.ru) sind von den insgesamt in Russland gemeldeten 44,9 Mio. Fahrzeugen rund 1,2 Mio. mit einen Gasantrieb ausgerüstet. Der Energiekonzern Gazprom bezifferte die Zahl der Fahrzeuge, die davon mit komprimierten Erdgas (CNG) fahren, auf 90.000. Allein zum Fuhrpark von Gazprom gehören 4.140 mit CNG angetriebene Fahrzeuge.

Von den russischen Herstellern bieten Kamaz und GAZ serienmäßig entsprechende Fahrzeuge an. Ausgehend von der sich abzeichnenden Entwicklung kündigte Kamaz vorsichtige Produktionssteigerungen an. So sollen statt bislang 300 bald 1.000 Fahrzeuge mit Gasantrieb pro Jahr vom Band rollen. Dafür muss der Hersteller die notwendige Zusatzausrüstung importieren. Der Wettbewerber GAZ bezieht die für Flüssiggas oder komprimiertes Erdgas notwendigen Tanks aus Italien. Eingebaut werden diese in die Modellreihen LiAZ und Gazel.

Das Unternehmen Traktornye Zawody hat am 26.4.2013 den Prototyp eines Traktoren mit Methanantrieb vorgestellt. Als Vorteil wurde hervorgehoben, dass Methan durch das bestehende Gaspipelinenetz schon in fast allen Landesteilen erhältlich sei. Der Vertrieb aller anderen Energieträger (LPG, CNG, LNG) muss dagegen erst aufgebaut werden.

Die Verbreitung von Gasantrieben wird in der Tat durch die geringe Zahl an Tankstellen, an denen Autogas erhältlich ist, behindert. Zurzeit gibt es 246 Gastankstellen in 58 Regionen. Eine Besonderheit besteht darin, dass es sich in der überwiegenden Mehrheit um spezialisierte Tankstellen handelt, die nur Autogas anbieten und kein Benzin oder Diesel.
Gazprom betreibt allein 210 Gastankstellen (85,4%). Der Konzern teilte mit, dass er 2012 insgesamt 390 Mio. cbm komprimiertes Erdgas (CNG) als Kraftstoff verkauft hat. Das stellt eine Steigerung um 28,4 Mio. cbm gegenüber dem Vorjahr dar.

Für 2014 bis 2017 plant Gazprom ein Programm zur verstärkten Vermarktung von Erdgas als Kraftstoff umzusetzen. Dazu wurde die Tochterfirma OOO Gazprom gasomotornoje topliwo gegründet. Allein 2013 sollen 1 Mrd. Rubel (25 Mio. Euro) in die Erweiterung des Tankstellennetzes investiert werden. Geplant ist der Bau von 39 Erdgastankstellen in den Regionen Leningrad, Wologda, Nowgorod, Nishni Nowgorod, Kaluga, Woronesh, Tatarstan, Nowosibirsk, Orlow, Rjasan, Rostow, Tambow, Perm, Saratow und Stawropol. Des Weiteren werden in 23 Regionen Grundstücke für Erdgastankstellen gesucht. Gazprom will die Umstellung seiner eigenen Fahrzeugflotte auf CNG vorantreiben und darüber hinaus neue Kunden in der Landwirtschaft, der Flussschifffahrt und beim Eisenbahntransport gewinnen. Die kurzfristig mobilisierbaren Zusatzkapazitäten zur Erzeugung von komprimiertem Erdgas gab Unternehmenschef Aleksej Miller mit 3 Mrd. cbm an. Das wäre weit mehr als die absehbare Nachfragesteigerung.

Die angekündigte Senkung der Einfuhrzölle auf Tankstellentechnik und Kfz-Umrüstsätze wird aller Wahrscheinlichkeit nach weitere Investoren anlocken. Der weltgrößte Erdölkonzern Rosneft hat bereits sein Interesse bekundet.
Rosneft fördert im Joint-Venture mit MGK Itera eigenes Erdgas. Zusätzlich wird Begleitgas auf Ölfeldern und in Raffinerien im großen Stil abgefackelt. Daher kam dem Staatskonzern die politische Initiative der Regierung und des Präsidialamtes entgegen, Fahrzeugflotten auf Gasantrieb umzurüsten. Ab 2013 stellt Rosneft 60 Mrd. Rubel (1,5 Mrd. Euro) für den Bau von 1.000 Gastankstellen und für Erzeugerkapazitäten bereit.

Darüber hinaus ist Rosneft eine Reihe von Kooperationsabkommen mit Herstellern, Abnehmern und Gebietsverwaltungen eingegangen. Darunter befinden sich die Volkswagen Group Rus und Kamaz sowie die Eisenbahngesellschaft OAO RZD. Für den Ausbau der Erzeugerkapazitäten und des Tankstellennetzes für Flüssiggas hat Rosneft einen Vertrag mit der Holding Russkije Maschiny unterschrieben, die sich im Besitz des Großindustriellen Oleg Deripaska befindet. Die Kooperationsabkommen mit den Regionalregierungen aus Woronesh, Stawropol, Samara und Krasnodar weisen darauf hin, dass in diesen Gebieten die ersten Rosneft-Projekte realisiert werden.

Technologisch geht die Entwicklung in Richtung einer erhöhten Sicherheit. Nachdem im Mai 2013 der auf dem Dach befestigte Gastank eines Moskauer Linienbusses der Marke LiAZ explodierte, wurden 50 Fahrzeuge dieser Marke unverzüglich still gelegt bis zur endgültigen Klärung der Ursache. Eine derartige Havarie soll sich nicht wiederholen, so Regierungschef Medwedew. (U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland