Projektierungsfirmen stehen fest / Sankt Petersburg und Jekaterinburg liegen deutlich hinter Zeitplan
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Tribünen für zehntausende Fußballfans, High-Tech-Dächer,
präzise Sicherheitssysteme, neue Rasenanlagen, trendige Außenflächen -
Russland investiert Milliarden Euro in die modernsten Fußballstadien der
Welt. Mittlerweile stehen die Projektierungsbüros fest. Über sie können
deutsche Projektmanager, Stadienausstatter und Baumaterialhersteller
zum Zuge kommen. Germany Trade & Invest und die Deutsch-Russische
Auslandshandelskammer haben die entscheidenden Firmen recherchiert.
Die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 werden in elf
Städten ausgetragen: in Moskau mit den Stadien Luschniki und Spartak,
Sankt Petersburg, Nischni Nowgorod, Kasan, Samara, Saransk, Sotschi,
Rostow am Don, Wolgograd, Jektarinburg und Kaliningrad. Für die
Fußball-WM 2018 sollen 126 Sportgebäude errichtet oder renoviert werden,
darunter acht neue Stadien. Hierfür werden 172 Mrd. Rubel (knapp 4,3
Mrd. Euro) als Zuschuss aus dem föderalen Budget bereitgestellt.
Mittlerweile stehen die Generalauftragnehmer zur Projektierung neuer
oder zum Umbau bestehender Stadien fest.
Im Moskauer Stadion
"Luschniki", dem traditionsreichsten und bekanntesten Sportgelände
Russlands, wird das Finale der Fußball-WM ausgetragen. Das Stadion soll
nach der Leichtathletik-WM und der Rugby-WM 2013 in eine moderne
Fußballarena umgebaut werden. Die Kosten dafür betragen 1,1 Mrd. bis 1,5
Mrd. Euro. Zuständig für die Projektierung ist ein Konsortium aus den
Firmen PI Arena, GUP MNIIP Mosprojekt-4 und dem deutschen
Architekturbüro GMP aus Hamburg. Diese Unternehmen übernehmen auch die
Dokumentation für das Megaprojekt. Sie zeichnen verantwortlich für die
Planung des Innenlebens des Stadions, für das Dach, für die Tribünen und
die Zonen dahinter, für die technische Gebäudeausrüstung, für das
Sicherheitssystem sowie für die Einhaltung der russischen
Bauvorschriften und der FIFA-Normen. Bis September 2013 sollen die
Projektierungsarbeiten abgeschlossen sein.
Am neuen Stadion des
Moskauer Fußballclubs "Spartak" wird schon gebaut. Die Montagearbeiten
am Dach der "Open Arena" haben im Mai begonnen. Das Stadion wird
voraussichtlich 12 Mrd. Rubel kosten. Seine Eröffnung ist für das
Frühjahr 2014 geplant. Außerdem laufen die Umbauarbeiten am Stadion
"Dynamo" (Projekt VTB Arena) und die Fertigstellung der Arena für den
Fußballklub ZSKA Moskau, sagte Walentin Pachomonov, Vorsitzender der
Bauaufsichtsbehörde Mosgosstrojnadzor.
Die Zenit-Arena in Sankt
Petersburg soll jetzt doch 10 Mrd. Rubel weniger kosten als
zwischenzeitlich geplant. Für das neue Stadion am Finnischen Meerbusen
sind nun 34 Mrd. Rubel veranschlagt. Der ursprüngliche Kosten- und
Zeitrahmen des Projekts ist längst überschritten. Von 2006 bis 2012
flossen aus dem Haushalt von Sankt Petersburg bereits 14,4 Mrd. Rubel in
das Stadion. Es soll Ende 2016 oder Anfang 2017 fertig gestellt werden.
Das ist auch der letztmögliche Zeitpunkt, denn 2017 soll im Stadion
bereits der Confederations-Cup ausgetragen werden. Früher hieß es, dass
die Arbeiten schon Mitte Dezember 2015 abgeschlossen sein würden. Zu
Beginn der Bauarbeiten 2006 war der Generalauftragnehmer, OOO Avant,
sogar noch davon ausgegangen, dass das Eröffnungsspiel im Laufe des
Jahres 2009 stattfinden könne.
In Samara steht der
Generalauftragnehmer für die Projektierung ebenfalls fest: Den Zuschlag
erhielt die lokale staatliche Firma GUP TerrNIIgraschdanprojekt (Wert:
835,5 Mio. Rubel) im Januar 2013. Das architektonische Design hat GMP
(Director Russia: Martin Krebes) als Subauftragnehmer ausgearbeitet.
Geplant ist eine moderne, kuppelförmige Arena mit Facetten wie bei einem
geschliffenen Edelstein und einer Höhe von bis zu 80 Metern. Das
Stadion soll für 45.000 Gäste ausgelegt werden - 2.280
Journalistenplätze, 650 VIP-Plätze und 75 Super-VIP-Plätze in Logen. Das
Projekt sieht ferner 10.000 montier- und demontierbare Zuschauerplätze
vor. Die Kosten werden auf 9 Mrd. Rubel beziffert.
Für die Stadien
in Nischni Nowgorod, Wolgograd und Rostow am Don wurde das staatliche
Unternehmen FGUP Sport Engineering als Generalauftragnehmer zur
Projektierung ausgewählt. Die Firma gehört zum Sportministerium der
Russischen Föderation, kann aber bisher keine Referenzprojekte im
Stadionbau vorweisen. Vielleicht hat sie deshalb das deutsche
Architekturbüro GMP als Subauftragnehmer beauftragt.
Der
Projektierungsauftrag für das neue, multifunktionale Stadion in Nischni
Nowgorod hat einen Wert von 22,25 Mio. Euro. Die Planungsunterlagen
sollen bis September 2013 vorliegen und die Bauarbeiten im Stadtviertel
"Strelka" bereits im 4. Quartal 2013 oder 1. Quartal 2014 beginnen. Nach
der Fußball-WM soll das Stadion von 45.000 auf 30.000 Plätze
zurückgebaut werden.
Der Bau der Fußball-Arena "Pobeda" (dt.:
Sieg) mit 45.000 Sitzplätzen in Wolgograd soll nach jüngsten
Ankündigungen im Februar 2014 beginnen. Der Auftragswert für
Projektierung und Bau schwankt zwischen 10 Mrd. und 12 Mrd. Rubel (250
Mio. und 300 Mio. Euro). Aktuell erstellt Sport Engineering ein
Gutachten zum bautechnischen Zustand des bestehenden Wolgograder
Fußball-Stadions. Im Sommer 2013 sollen die Schlussfolgerungen daraus
vorliegen. Neben der Arena sollen bis 2018 weitere Sporteinrichtungen im
Gesamtwert von 39 Mrd. Rubel (975 Mio. Euro) entstehen, wie der Chef
der Wolgograder Regionalregierung, Oleg Kersanow, mitteilte.
Außerdem
projektiert Sport Engineering das Stadion in Rostow am Don
(Auftragswert: 22,25 Mio. Euro). Das Design der Arena war bereits 2011
durch die britische Firma Populous und die OOO Inteks entworfen worden.
Der Bau soll im 2. Quartal 2014 beginnen. Daneben sollen als
Trainingsplätze die kleineren Stadien "Junost Rossii", SKA, "Olymp-2",
"Lokomotiv", "Torpedo" in Tanganrog, "Lutsch" in Asow und "Ermak" in
Nowotscherkassk renoviert werden. Insgesamt will das Gebiet Rostow in
den kommenden Jahren knapp 17 Mrd. Rubel (425 Mio. Euro) in die
Sportinfrastruktur investieren.
In Jekaterinburg hatte Sport
Engineering ebenfalls den Auftrag zur Projektierung der Rekonstruktion
des Stadions erhalten. Diesen Auftrag im Wert von knapp 900 Mio. Rubel
(22,5 Mio. Euro) hat Sport Engineering jedoch postwendend an das noch
unbekanntere Moskauer Unternehmen StroiImpuls übertragen und zahlt dafür
nur 683 Mio. Rubel. Die Planungsarbeiten in Jekaterinburg liegen
bereits deutlich hinter dem Zeitplan. Das bestehende Zentralstadion soll
faktisch durch eine neue Fußballarena am gleichen Platz ersetzt werden.
Dem Stadtbaurat liegen zwei Varianten für das rund 11 Mrd. Rubel teure
Projekt vor. Beide sehen vor, die Zahl der Sitzplätze auf 45.000 zu
erhöhen und dafür die Laufbahnen für die Leichtathleten zu opfern.
Erschwerend wirkt sich allerdings aus, dass das alte Stadion 2007 unter
Denkmalschutz gestellt worden war. Außerdem sollen 130 Parkplätze und
zwei unterirdische Parkhäuser mit 900 und 600 Stellplätzen entstehen.
Für die Baumaßnahmen wird das Zentralstadion 2014 geschlossen. Damit der
lokale Fußballklub "Ural", der gerade in die erste Liga aufgestiegen
ist, trotzdem eine Spiel- und Trainingsstätte hat, soll bis 2014 das
Stadion "Uralmasch" (10.000 Plätze) rekonstruiert werden. Zusätzlich
sollen Trainingscamps und -plätze in Jekaterinburg, Sredneuralsk,
Syserti, Werchnoe Dubrowo und Werchnjaja Pyschma eingerichtet werden.
Ungewöhnlich
lange mussten die Behörden der Region Kaliningrad auf die Genehmigung
ihres WM-Stadions seitens des Sportministeriums warten. Immer wieder
tauchten Zweifel auf, ob das Stadion mit 45.000 Sitzplätzen am geplanten
Standort auf der Insel Lomse mit schwierigen geologischen Verhältnissen
überhaupt gebaut werden kann. Ende März 2013 erhielt der Gouverneur von
Kaliningrad, Nikolaj Zukanow, dann doch das Einverständnis von
Sportminister Vitalij Mutko. Den Auftrag für die Projektierung im Wert
von 849,8 Mio. Rubel hat die Firma Mostowik aus Omsk gewonnen. Nach
offiziellen Angaben belaufen sich die Baukosten des Stadions auf 15,8
Mrd. Rubel (400 Mio. Euro). Hinzu kommen drei Trainingscamps und vier
Trainingsstadien, die zu renovieren sind: Stadion "Lokomotiv" im Park
"Jushny" (135,3 Mio. Rubel), Stadion "Krasnaja swesda" am Moskowskij
prospekt (245 Mio. Rubel), Stadion "Trudowyje reserwy" (210 Mio. Rubel)
und Stadion "Baltika" (580 Mio. Rubel). Trainingscamps sind geplant in
Orlowka neben dem Hotel des Ministeriums für Tourismus (75 Mio. Rubel),
in Swetlogorsk neben dem Hotel "Falke" (88 Mio. Rubel) und in Rodniki
(494 Mio. Rubel).
Der kleinste Austragungsort der Fußball-WM,
Saransk (Hauptstadt der Republik Mordowien), will sein Stadion
"Jubilejny" auf einem Grundstück nahe dem Stadtzentrum bauen.
Auftragnehmer ist die lokale Firma OOO Projektnyi institut
Saranskgraschdanprojekt.
Den geringsten Investitionsbedarf dürfte
es in Sotschi und Kasan geben. In Kasan ist das Stadion für die
Universiade 2013 unlängst fertig gestellt worden. Auch das große
Sportstadion "Fischt" in Sotschi, in dem die Olympischen Winterspiele
2014 eröffnet werden, muss später nur um 5.000 Sitzplätze erweitert
werden.
Russlands WM-Stadien auf einen Blick
| Stadion / Stadt | Kapazität | Kosten (in Mrd. Rubel) | Generalauftragnehmer / Stand |
| Moskau "Luschniki" | 89.300 | 40 bis 65 | Konsortium für Projekt- und Kostendokumentation: PI Arena, GUP MNIIP Mosprojekt-4 und GMP; Start der Rekonstruktion nach Leichtathletik- und Rugby-WM 2013 |
| Moskau "Spartak" | 12 | PSK BelEnergoStroi; Ingenieur für Projektierung der Spartak-Arena: Aleksei Dworak | |
| Sabkt Petersburg "Zenit-Arena" | 69.500 | 34 | Transstroi; Stadion zu 35% fertig; Bauende: zum Jahreswechsel 2016/2017 |
| Jekaterinburg | 80.000 | 5 *) | StroiImpuls; Umbau soll 2016 oder 2017 erfolgen |
| Nischni Nowgorod | 60.000 | 12 bis 14 | Sport Engineering; Teile der Bauarbeiten sollen von der ukrainischen Baufirma Kiewgosstroi übernommen werden; Fertigstellung: Ende 2015 geplant |
| Wolgograd | 45.000 | 10 bis 12 | Sport Engineering; Baubeginn: geplant für 2014, Fertigstellung: 2017 |
| Rostow am Don | 45.000 | 10 | Sport Engineering, Unterauftragnehmer: Inteks und Populos; Fertigstellung: 2015 |
| Samara | 45.000 | 9 | GUP TerrNIIgraschdanprojekt |
| Kaliningrad | 45.000 | 15,8 | Mostowik, Hauptarchitekt: Jewgeni Wdowin; Baugenehmigung Ende März 2013 erteilt |
| Saransk | 45.000 | 9 | Saranskgraschdanprojekt; kleinster Austragungsort; dort sollen nur ein oder zwei Spiele ausgetragen werden; Fertigstellung: für 2016 geplant |
| Sotschi | 45.000 | 15 | GK Olimpstroi; Fertigstellung: 2013; Das Stadion wird nach den Olympischen Winterspielen im Februar 2014 für Fußball genutzt |
| Kasan | 45.000 | 13 | Hauptprojektant: GUP Tatinvestgraschdanprojekt; Bauarbeiten bereits abgeschlossen für Universiade 2013. |
*) 10,8 Mrd. Rubel inklusive Infrastrukturkosten
EZB-Wechselkurs vom 22.5.2013: 1 Euro = 40,32 Rubel
Quellen:
Pressemeldungen der Regionen, russische Medien, Recherchen von Germany
Trade & Invest, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer
Krasnodar,
das bei der Bewerbung als Austragungsort für die Fußball-WM 2018 leer
ausgegangen war, baut dennoch ein neues Stadion für seinen Fußballklub.
Das verkündete der Generaldirektor des Klubs, Wladimir Chaschig. Alle
34.000 bis 35.000 Sitzplätze sollen überdacht sein und das ganze Projekt
rund 200 Mio. Euro kosten.
Kontaktanschriften
FGUP Sport Engineering
(gehört zum Sportministerium der RF)
ul. Kazakowa 18, 105064 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007 495/982 51 92, Fax: -982 51 90
Geschäftsführer: Alexandr Wasjukow
PI Arena
ul. Bolschaja sadowaja 8, stroenije 1, 123001 Moskau
Tel.: 007 495/650 22 18, Fax: -650 18 79
E-Mail: info@piarena.ru, Internet: http://www.piarena.ru
GUP MNIIP Mospojekt
ul. 2-ja Brestskaja 29A, 123056 Moskau
Tel.: 007 499/251 90 58, Fax: -251 59 23
E-MaiI: info@mosproekt-4.ru, Internet: http://www.mniip.ru
OOO PSK Transstroi
ul. Sadowo-Spasskaja 21/1, 107217 Moskau
Tel.: 007 495/777 79 08
E-Mail: info@transstroy.ru, Internet: http://www.transstroy.ru
SAO StroiImpuls
Prospekt Wernadskogo 39, 119415 Moskau
Tel.: 007 495/679 8424
GUP TerrNIIgraschdanprojekt
ul. Galaktionowskaja 132, 443100 Samara
Tel.: 007 846/332 84 32, Fax: -337 75 97
E-Mail: info@stri.ru, Internet: http://www.stri.ru
OOO NPO Mostowik
Prospekt Mira 5, korpus 5, 644080 Omsk
Tel.: 007 3812/658 83 7, Fax: -696 68 6
E-Mail: info@mostovik.ru, Internet: http://www.mostovik.ru
PSK BelEnergoStroi
ul. Knjasja Trubezkogo 24, 308000 Belgorod
Tel.: 007 4722/78 84 04, Fax: -58 49 78
E-MaiI: info@belenergostroy.ru, Internet: http://www.belenergostroy.ru
OOO Projektnyi institut Saranskgraschdanprojekt
ul. Tolstogo 14, 430005 Saransk, Republik Mordowien
Tel.: 007 8342/243 80 9, Fax: -248 47 5
GUP Tatinvestgraschdanprojekt
ul. Tschechowa 28, 420043 Kasan, Republik Tatarstan
Tel./Fax: 007 843/236 08 12
Internet: http://www.tigp.ru
GK Olimpstroi
ul. Kurortnyi prospekt 37, 354000 Sotschi
Tel.: 007 862/243 48 21
Internet: http://www.sc-os.ru
GMP
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Elbchaussee 139, 22763 Hamburg
Tel.: 040/88 15 10, Fax: -881 511 77
E-Mail: hamburg-e@gmp-architekten.de, Internet: http://www.gmp-architekten.com
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland