Sortiment wird erweitert / Experimentelle Neugestaltung von Verkaufsräumen
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Der Zuwachs an Handelsfläche stößt in Moskau an die
Sättigungsgrenze. Zudem unterscheiden sich Shopping Malls oft nur noch
nach dem Äußeren, jedoch nicht mehr nach dem Angebot. Die für den
Verbraucher wichtigen Konturen verschwimmen. Handelsketten suchen
deshalb nach neuen Alleinstellungsmerkmalen. Selbst Supermärkte gehen
diesen Weg.
Russland hat in puncto Handelsfläche kräftig aufgeholt. Im 1.
Quartal 2013 lag das Land mit 16,47 Mio. qm Verkaufsräumen der Kategorie
A im europäischen Vergleich bereits auf Platz drei. Nur Großbritannien
und Frankreich verfügten über mehr Fläche im Einzelhandel. In
Deutschland betrug der Vergleichswert 13,94 Mio. qm, wie
PricewaterhouseCoopers feststellte.
Entgegen der wachsenden
Verkaufsfläche blieb die Anzahl der potenziellen Käufer aber konstant.
Für die Einzelhändler ist das problematisch, da sich inzwischen ein
gewisser Grad an Marktsättigung eingestellt hat, zumindest in den
Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. Freiraum besteht allerdings noch
in den anderen elf Millionenstädten. Ein regelrechter Nachholbedarf ist
in Städten mit einer Einwohnerzahl von unter 1 Mio. zu konstatieren.
In
Moskau berichten Betreiber von Handelszentren sogar schon von
rückläufigen Besucherzahlen. Erklärt wird diese Entwicklung allerdings
nicht allein mit dem gestiegenen Angebot an konkurrierenden Geschäften.
Eine Rolle spielt dabei auch das allgemein nachlassende
Wirtschaftswachstum. In der Bevölkerung verursacht das eine gewisse
Nervosität und Kaufzurückhaltung; nicht zu vergessen die gestiegene
Verschuldung privater Haushalte.
Wer kann, reist zudem gern ins
Ausland, sowohl zur Erholung oder Weiterbildung, aber auch gezielt zum
Shoppen. Dabei wird gern das Preisgefälle genutzt, das sich dabei
bietet. Schließlich gehört Moskau zu den teuersten Städten der Welt und
im Fernen Osten sind die Lebenshaltungskosten sogar noch ein Stück
höher. In privaten Gesprächen gilt es als regelrecht schick zu betonen,
dass das eine oder andere Accessoire oder Bekleidungsstück nicht etwa in
einem russischen Kaufhaus, sondern in Istanbul oder New York erworben
wurde.
Handelsketten wollen den Russinnen und Russen den Kauf von
Konsumartikeln in der unmittelbaren Wohnumgebung wieder schmackhaft
machen. In den beiden Metropolen Moskau und Sankt Petersburg wurde die
Zahl der Einzelhandelszentren und Shopping Malls in den letzten Jahren
deshalb aufgestockt. Inzwischen arbeiten in der russischen Hauptstadt
mehr als 100 großflächige Einkaufszentren der Kategorie A. Im Jahr 2013
werden zehn weitere eröffnet, vorrangig am Stadtrand.
Handelsfläche in Moskauer Einkaufszentren (in qm, Anteil in %)
| Immobilien unternehmen | Gesamtfläche | Flächenzuwachs im 1. Quartal 2013 | unvermietete Handelsfläche (Anteil) | erwarteter Zuwachs bis Ende 2013 |
| Colliers International | 3.847.490 | 0 | 3,0 | 324.940 |
| CBRE | 3.976.000 | 0 | 2,5 | 400.000 |
| Magazin Magazinow | 3.995.300 | 0 | 2,5 | 332.000 |
| Cushman & Wakefield | 3.495.500 | 0 | 0 | 200.000 |
| Jones Lang Lasalle | 3.294.584 | 0 | 2,5 | 355.000 |
| Knight Frank | 3.506.545 | 5.500 | 2,5 | 302.000 |
Quelle: "Vedomosti", Moskau, April 2013
Wie
Cushman & Wakefield festgestellt hat, haben sich in den
einschlägigen Einkaufszentren aber fast immer die gleichen
Markengeschäfte und Verkaufsketten eingemietet. Die Zentren
unterscheiden sich zwar durch ihre Verkehrsanbindung, Architektur und
Inneneinrichtung. Hingegen verschwimmen die Konturen im Angebot.
Mietpreise für Handelsfläche in Moskau
| durchschnittliche Mietfläche pro Händler (in qm) | durchschnittliche Mietpreise (in US$/qm/Jahr) | |
| Hypermärkte *) | mehr als 8.000 | 150 bis 280 |
| 4.000 bis 8.000 | 250 bis 400 | |
| Supermärkte | mehr als 10.000 | 180 bis 300 |
| Baumärkte | 1.000 bis 4.000 | 450 bis 650 |
| Haushaltstechnik und Elektronik *) | 1.500 bis 4.000 | 300 bis 600 |
| 4.000 bis 6.000 | 200 bis 300 | |
| Sportwaren | 1.000 bis 2.500 | 300 bis 600 |
| Kinderwaren | 1.500 bis 2.500 | 300 bis 500 |
| Multikino | 3.000 bis 5.000 | 170 bis 300 |
| Mieter in Einkaufszentren *) | 500 bis 1.200 | 500 bis 800 |
| 250 bis 500 | 800 bis 1.200 | |
| 100 bis 250 | 1.200 bis 1.800 | |
| 50 bis 100 | 1.700 bis 2.300 | |
| unter 50 | 2.000 bis 3.500 | |
| Restaurants | 300 bis 600 | 500 bis 900 |
| Kaffes | 150 bis 300 | 1.200 bis 2.500 |
| Food Courts | 50 bis 100 | 1.600 bis 2.300 |
*) Es handelt sich jeweils um den gleichen
Objekttyp. Nur die Größe/Mietfläche ist unterschiedlich. In Abhängigkeit
von der Größe ändert sich der Jahresmietpreis pro Quadratmeter.
Quelle: Colliers International, Moskau, 2013
Jede
neue Handelsmarke stellt daher eine Bereicherung für das Angebot dar.
Doch müssen die Handelsmarken bei Markteintritt akribisch darauf achten,
dass sie sich von der Konkurrenz deutlich unterscheiden. Sonst laufen
sie Gefahr, nicht wahrgenommen zu werden. Dies bedeutet nicht allein
eine attraktive Schaufenstergestaltung, sondern tatsächlich neue
Produkte.
Wie die Wirtschaftszeitung "Vedomosti" berichtete, hat
zum Beispiel der türkische Einzelhändler DeFacto vor, den Moskauer Markt
2013 mit zwei Geschäften zu betreten. Das Alleinstellungsmerkmal
basiert auf preiswerter Jugendmode, aber ausdrücklich ohne Jeans.
Vielmehr setzt der Händler auf den Slogan "bequeme Bekleidung zu
günstigen Preisen". Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal soll eine
freundliche und zuvorkommende Bedienung darstellen.
Der
Modeanbieter Mango strebt eine Erweiterung seiner Verkaufsketten in den
Jahren 2014/15 an. Dabei setzen die Macher dieser Marke auf ein neues,
verbreitertes Sortiment: Bekleidung für Herren, Damen mittleren Alters,
Jugendliche und Kinder, Sportbekleidung, Accessoires.
Änderungen
und Neuerungen sehen inzwischen sogar Supermärkte als notwendig an. So
entwickelt die Kette X5 Retail Group das Konzept eines Farmermarktes.
Unter einem Dach wird eine Vielfalt kleiner Einzelhändler mit
unterschiedlichen Produkten untergebracht, ganz wie auf einem Markt. Der
Kunde bezahlt aber nur ein einziges Mal beim Herausgehen an einer
Zentralkasse.
Ein weiterer Trend besteht in der Einrichtung von
Bio-Supermärkten und Reformhäusern. Den in Moskau bekannten
"Bio-Market"-Geschäften gesellte sich Konkurrenz unter dem Logo
"Biostoria" sowie "Bioprodukty" hinzu. Eine landesweite Ausdehnung
dieser Spezialgeschäfte steht aber das relativ enge Angebot an echten
Bioprodukten aus der unmittelbaren Umgebung entgegen.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland