Starke Nachfrage nach Dämm- und Isolierstoffen / Mängel bei Verkehrsinfrastruktur erschweren Transport und Lagerung von Baustoffen
Von Ullrich Umann
Moskau (gtai) - Energieeffizienz wird in
Russland immer mehr zum Thema. Deshalb florieren die Umsätze in
Baumärkten, und auch sonst hat sich die Baustoff- und
Baumaterialienindustrie 2012 stabil entwickelt. Das Vorkrisenniveau des
Jahres 2008 ist allerdings noch nicht erreicht worden. Viele baunahe
Branchen schrieben 2012 rote Zahlen. Positive Ausnahmen waren unter
anderem die Chemie- und Kunststoffindustrie. Mehrere große
Dämmstoffhersteller werden ihre Produktionskapazitäten erweitern.
Baumärkte und "Do-it-Yourself-Geschäfte" (DiY) erreichten 2012 in
Russland eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von 20%. Das
Umsatzvolumen von Baumärkten liegt im europäischen Vergleich auf dem
zweiten Platz nach Frankreich. Mehr als 30 Mrd. US$ wurden auf dem
russischen DiY-Markt umgesetzt. Allerdings beginnt die Dominanz
ausländischer Groß- und Einzelhändler zu schwinden. Russische
Verkaufsketten lernen schnell und setzen internationale Erfahrungswerte
um (http://www.diynews.ru).
Mit
der doppelten Anhebung der Wohnnebenkosten im Jahr 2012 ist die
Nachfrage nach Wärmedämmstoffen und Isoliermaterial sowie nach modernen
Fenstern und Türen deutlich gestiegen. Ein Großteil der Arbeiten wird
eigenständig vom Mieter und Wohnungseigentümer erledigt, weniger von
spezialisierten Handwerksfirmen. Das beschert Baumärkten einen guten
Umsatz. Da 70% der Bevölkerung nicht mehr als 700 Euro im Monat
verdient, ist der hohe Anteil an Eigenarbeit verständlich.
Ein
großes Problem für Baumärkte sowie für Hersteller von Baustoffen und
Baumaterial ist der Transport und die Lagerung der Ware. Straßen sind
zeitweise überlastet oder in einem schlechten Zustand. Der
Schienentransport ist langsam und teuer. Regelrecht brennend für
Baumarktketten ist die Transport- und Lagerfrage in mittelgroßen
Städten, weil sie dort aktuell verstärkt expandieren. Dazu gehören auch
Drive-in-Baumärkte, in denen der Kunde sein Auto nicht zu verlassen
braucht. Er fährt mit seinem Pkw an eine Kasse, bestellt, bezahlt und
rollt dann weiter zu einer Laderampe.
Im Jahr 2012 hat sich die
Baustoff- und Baumaterialienindustrie stabil entwickelt. Trotz des
Wachstums haben die meisten Unterpositionen allerdings noch nicht das
Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 erreicht, so der föderale
Statistikdienst Rosstat.
Die Hersteller von Sand, Kies und
Schotter erhöhten ihre Produktion um 16,6% auf 412,5 Mio. cbm. Die
Produktion von Wärmedämmstoffen aus Mineral- und Glaswolle legte um
10,4% auf 23,3 Mio. cbm zu. Der Verkauf von Eisenbeton stieg um 9,6% auf
24,9 Mio. cbm. Die Zementwerke verzeichneten einen Produktionszuwachs
von 9,5% auf 61,5 Mio. t. Die Herstellung von Bausteinen stieg um 5,3%
auf 16,75 Mrd. Stück, die von Bauglas um 2,6% auf 217,9 Mio. qm. Leicht
rückgängig war dagegen die Produktion von Dach- und
Isolationsabdeckungen. Bei einem Minus von 1,8% erreichte sie eine Höhe
von 483,3 Mio. qm. Die Produktion von Asbestplatten ist um 38,8% auf 720
Mio. Stück eingebrochen.
Die baunahen Branchen der Chemie- und
Kunststoffindustrie waren 2012 im Plus. Die Betriebe konnten ihre
Produktion um 4,3 beziehungsweise 1,5 % steigern. Auch die
Holzverarbeitungswerke verzeichneten Produktionszuwächse von 2,6%. Die
Möbelproduktion ist ebenfalls leicht gestiegen. Viele andere baunahe
Industriezweige schrieben dagegen rote Zahlen, beispielsweise die
Hersteller von Fahrstühlen.
Produktionsmenge von Baumaterialien 2012 (Veränderung gegenüber 2011 in %)
| Produktion von Baumaterialien | 2012 | Veränderung |
| Klebefurnier aus Sperrholz (in 1.000 cbm) | 3.150 | 3,9 |
| Sperrholzplatten (in 1.000 cbm) | 6.753 | 4,1 |
| Fensterrahmen aus Holz (in 1.000 qm) | 1.215 | 34,3 |
| Parkett aus Holz (in 1.000 qm) | 3.036 | 5,7 |
| Holzkonstruktionen (in 1.000 cbm) | 747 | -19,5 |
| Holzfertighäuser, in 1.000 qm | 186 | -8,1 |
| Beläge aus Kunststoff (in Mio. qm) | 349 | 17,6 |
| Fensterrahmen aus Kunststoff (in Mio. qm) | 24,3 | 6,1 |
| Bodenfliesen aus Keramik (in Mio. qm) | 88,1 | 6,7 |
| Fassadenplatten aus Keramik (in Mio. qm) | 2.276 | 52,6 |
| Bau- und Fassadenglas (in Mio. qm) | 150 | 6,3 |
| Ziegelsteine (in Mrd. Stück) | 6.799 | 9,6 |
| Stahlkonstruktionen (in Mio. cbm) | 3.795 | 14,1 |
| Zement (in Mio. t) | 61,5 | 9,5 |
| Stahlbeton-Konstruktionen (in Mio. cbm) | 24,9 | 9,6 |
| Kunststoffrohre, -schläuche, -fittings und Teile (in 1.000 t) | 701 | 24,8 |
| Stahlrohre (in Mio. t) | 9.657 | -3,3 |
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2013
Der
Automobilhersteller Awtotor will zusammen mit der Verwaltung von
Kaliningrad eine Produktionsstätte für Baumaterialien hochziehen. Das
ist notwendig, weil Awtotor bis 2020 ein komplettes Automobilcluster
bauen will. Geplant sind unter anderem 15 Montagelinien für Fahrzeuge
der Marken BMW und Kia sowie 6 Produktionslinien für Autoteile.
In
Kaliningrad fehlt es zurzeit an ausreichend Materialien, um den Bau des
Clusters zu vertretbaren Kosten und im angemessenen Zeitraum
voranzutreiben. Neben dem Industriepark soll eine Wohnanlage für 50.000
Einwohner entstehen.
Die Firma Rockwool, weltgrößter Hersteller
von Dämmstoffen für Wärme und Akustik, will seine Kapazität im Werk
Wyborg (Leningrader Gebiet) auf 160.000 jato verdoppeln. Die Kommune
stellt für dieses Vorhaben 3 ha Land zur Verfügung.
TechnoNikol
wird ein Werk für Isolierstoffe aus Mineralwolle für 3 Mrd. Rubel (75
Mio. Euro) im Gebiet Krasnosulinsk errichten. Mit der
Produktionsaufnahme wird im März 2015 gerechnet. In der ersten
Ausbaustufe sind Kapazitäten von 86.000 jato geplant. Von den
Investitionsmitteln bringt das Unternehmen 45 Mio. Euro selbst auf; der
Rest wird fremdfinanziert.
Die Produktion von Metall- und
Zimmertüren ohne Holz wird nach Angaben von BusinesStat wachsen. Bis
2016 soll die Fertigung um jährlich 5,5% zulegen und ein Volumen von 1,8
Mio. Stück pro Jahr erreichen.
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland