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Dienstag, 2. Juli 2013

Do-it-yourself-Märkte boomen in Russland

Starke Nachfrage nach Dämm- und Isolierstoffen / Mängel bei Verkehrsinfrastruktur erschweren Transport und Lagerung von Baustoffen

Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Energieeffizienz wird in Russland immer mehr zum Thema. Deshalb florieren die Umsätze in Baumärkten, und auch sonst hat sich die Baustoff- und Baumaterialienindustrie 2012 stabil entwickelt. Das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 ist allerdings noch nicht erreicht worden. Viele baunahe Branchen schrieben 2012 rote Zahlen. Positive Ausnahmen waren unter anderem die Chemie- und Kunststoffindustrie. Mehrere große Dämmstoffhersteller werden ihre Produktionskapazitäten erweitern.

Baumärkte und "Do-it-Yourself-Geschäfte" (DiY) erreichten 2012 in Russland eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von 20%. Das Umsatzvolumen von Baumärkten liegt im europäischen Vergleich auf dem zweiten Platz nach Frankreich. Mehr als 30 Mrd. US$ wurden auf dem russischen DiY-Markt umgesetzt. Allerdings beginnt die Dominanz ausländischer Groß- und Einzelhändler zu schwinden. Russische Verkaufsketten lernen schnell und setzen internationale Erfahrungswerte um (http://www.diynews.ru).

Mit der doppelten Anhebung der Wohnnebenkosten im Jahr 2012 ist die Nachfrage nach Wärmedämmstoffen und Isoliermaterial sowie nach modernen Fenstern und Türen deutlich gestiegen. Ein Großteil der Arbeiten wird eigenständig vom Mieter und Wohnungseigentümer erledigt, weniger von spezialisierten Handwerksfirmen. Das beschert Baumärkten einen guten Umsatz. Da 70% der Bevölkerung nicht mehr als 700 Euro im Monat verdient, ist der hohe Anteil an Eigenarbeit verständlich.

Ein großes Problem für Baumärkte sowie für Hersteller von Baustoffen und Baumaterial ist der Transport und die Lagerung der Ware. Straßen sind zeitweise überlastet oder in einem schlechten Zustand. Der Schienentransport ist langsam und teuer. Regelrecht brennend für Baumarktketten ist die Transport- und Lagerfrage in mittelgroßen Städten, weil sie dort aktuell verstärkt expandieren. Dazu gehören auch Drive-in-Baumärkte, in denen der Kunde sein Auto nicht zu verlassen braucht. Er fährt mit seinem Pkw an eine Kasse, bestellt, bezahlt und rollt dann weiter zu einer Laderampe.

Im Jahr 2012 hat sich die Baustoff- und Baumaterialienindustrie stabil entwickelt. Trotz des Wachstums haben die meisten Unterpositionen allerdings noch nicht das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 erreicht, so der föderale Statistikdienst Rosstat.
Die Hersteller von Sand, Kies und Schotter erhöhten ihre Produktion um 16,6% auf 412,5 Mio. cbm. Die Produktion von Wärmedämmstoffen aus Mineral- und Glaswolle legte um 10,4% auf 23,3 Mio. cbm zu. Der Verkauf von Eisenbeton stieg um 9,6% auf 24,9 Mio. cbm. Die Zementwerke verzeichneten einen Produktionszuwachs von 9,5% auf 61,5 Mio. t. Die Herstellung von Bausteinen stieg um 5,3% auf 16,75 Mrd. Stück, die von Bauglas um 2,6% auf 217,9 Mio. qm. Leicht rückgängig war dagegen die Produktion von Dach- und Isolationsabdeckungen. Bei einem Minus von 1,8% erreichte sie eine Höhe von 483,3 Mio. qm. Die Produktion von Asbestplatten ist um 38,8% auf 720 Mio. Stück eingebrochen.

Die baunahen Branchen der Chemie- und Kunststoffindustrie waren 2012 im Plus. Die Betriebe konnten ihre Produktion um 4,3 beziehungsweise 1,5 % steigern. Auch die Holzverarbeitungswerke verzeichneten Produktionszuwächse von 2,6%. Die Möbelproduktion ist ebenfalls leicht gestiegen. Viele andere baunahe Industriezweige schrieben dagegen rote Zahlen, beispielsweise die Hersteller von Fahrstühlen.
Produktionsmenge von Baumaterialien 2012 (Veränderung gegenüber 2011 in %)
Produktion von Baumaterialien 2012 Veränderung
Klebefurnier aus Sperrholz (in 1.000 cbm) 3.150 3,9
Sperrholzplatten (in 1.000 cbm) 6.753 4,1
Fensterrahmen aus Holz (in 1.000 qm) 1.215 34,3
Parkett aus Holz (in 1.000 qm) 3.036 5,7
Holzkonstruktionen (in 1.000 cbm) 747 -19,5
Holzfertighäuser, in 1.000 qm 186 -8,1
Beläge aus Kunststoff (in Mio. qm) 349 17,6
Fensterrahmen aus Kunststoff (in Mio. qm) 24,3 6,1
Bodenfliesen aus Keramik (in Mio. qm) 88,1 6,7
Fassadenplatten aus Keramik (in Mio. qm) 2.276 52,6
Bau- und Fassadenglas (in Mio. qm) 150 6,3
Ziegelsteine (in Mrd. Stück) 6.799 9,6
Stahlkonstruktionen (in Mio. cbm) 3.795 14,1
Zement (in Mio. t) 61,5 9,5
Stahlbeton-Konstruktionen (in Mio. cbm) 24,9 9,6
Kunststoffrohre, -schläuche, -fittings und Teile (in 1.000 t) 701 24,8
Stahlrohre (in Mio. t) 9.657 -3,3
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2013

Der Automobilhersteller Awtotor will zusammen mit der Verwaltung von Kaliningrad eine Produktionsstätte für Baumaterialien hochziehen. Das ist notwendig, weil Awtotor bis 2020 ein komplettes Automobilcluster bauen will. Geplant sind unter anderem 15 Montagelinien für Fahrzeuge der Marken BMW und Kia sowie 6 Produktionslinien für Autoteile.

In Kaliningrad fehlt es zurzeit an ausreichend Materialien, um den Bau des Clusters zu vertretbaren Kosten und im angemessenen Zeitraum voranzutreiben. Neben dem Industriepark soll eine Wohnanlage für 50.000 Einwohner entstehen.
Die Firma Rockwool, weltgrößter Hersteller von Dämmstoffen für Wärme und Akustik, will seine Kapazität im Werk Wyborg (Leningrader Gebiet) auf 160.000 jato verdoppeln. Die Kommune stellt für dieses Vorhaben 3 ha Land zur Verfügung.

TechnoNikol wird ein Werk für Isolierstoffe aus Mineralwolle für 3 Mrd. Rubel (75 Mio. Euro) im Gebiet Krasnosulinsk errichten. Mit der Produktionsaufnahme wird im März 2015 gerechnet. In der ersten Ausbaustufe sind Kapazitäten von 86.000 jato geplant. Von den Investitionsmitteln bringt das Unternehmen 45 Mio. Euro selbst auf; der Rest wird fremdfinanziert.
Die Produktion von Metall- und Zimmertüren ohne Holz wird nach Angaben von BusinesStat wachsen. Bis 2016 soll die Fertigung um jährlich 5,5% zulegen und ein Volumen von 1,8 Mio. Stück pro Jahr erreichen.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland