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Dienstag, 2. Juli 2013

Russische Zement- und Bauchemiehersteller bauen Kapazitäten aus

Mangel an Zement lässt Preise steigen / Deutsche Großunternehmen investieren weiter

Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Trotz der insgesamt eher eingetrübten Konjunkturlage schauen die Zementwerke in Russland optimistisch in die Zukunft. Im Jahr 2013 wollen sie den gesamten Inlandsbedarf an Zement bedienen. Die Nachfrage schätzt der Branchenverband Sojuzzement auf 70 Mio. t. Mehrere Unternehmen errichten zurzeit Werke für Bau- und Ziegelsteine. Bewegung gibt es auch bei den Produzenten von Bauchemie: Der Bedarf soll in Zukunft steigen, so dass zahlreiche Hersteller investieren.

Das Produktionsergebnis von 63,8 Mio. t Zement im Jahr 2012 war beachtlich. Noch nie haben die Unternehmen in der Russischen Föderation in den vergangenen 20 Jahren so viel produziert wie in diesem Jahr. Die Produktionskapazitäten der Industrie liegen dagegen bei 103 Mio. t. 

Der Zementimport, wie zum Beispiel auf den Olympiabaustellen in Sotschi, dürfte nach Ansichten des Verbandes zurückgehen. Im Jahr 2012 wurden 5 Mio. t Zement eingeführt. Die Lieferungen stammten aus der Türkei, Belarus und dem Baltikum. Die Ausfuhren erreichten eine Gesamtmenge von 1,3 Mio. t und gingen vorrangig nach Kasachstan, Aserbaidschan und Belarus.

Der Zementverband bemängelt aber die fehlende Pflicht zur Qualitätszertifizierung in Russland. Daher kommt es je nach Region zu falschen Etikettierungen des Baustoffes. Auf ihnen werden Qualitätsmerkmale ausgewiesen, die der Zement nicht hat.
Schwarze Schafe in der Branche nutzen diese Lücke, um minderwertige Ware teuer zu verkaufen. Nicht zuletzt profitieren sie vom regionalen Mangel an Zement. Im Jahr 2012 stiegen die Zementpreise um 12,9% auf 4.041 Rubel pro t (ca. 100 Euro).

Energieeffizienz wird auch in der russischen Zementindustrie immer stärker ein Thema. Grund dafür sind anziehende Energiepreise und die langfristig vorhersehbare Stromknappheit in einigen Regionen. Zurzeit wird im Land zu 70% das Nass- und Halbnassverfahren anwendet. Würde das moderne Trockenverfahren eingesetzt, bestünde nach Anschauungen der internationalen Energieagentur in Russland ein hohes Potenzial für CO2-Einsparungen. Dies kann sich als eine Triebfeder für Anlagenkäufe in der Zementindustrie erweisen. Das Unternehmen Wolgazement eröffnet beispielsweise im 3. Quartal 2013 eine neue Produktionslinie in der Stadt Wolsk. Der Investitionswert wird mit 5 Mrd. Rubel (125 Mio. Euro) angegeben.

Ein Werk für Porenbetonsteine hat im 4. Quartal 2012 in Nowosibirsk seine Pforten geöffnet. Der Investor, das Unternehmen Sibirskij Stroitel, hat für den Bau 3 Mrd. Rubel (75 Mio. Euro) aufgebracht. Die Staatsbank VTB war unter Nutzung staatlicher Bürgschaften maßgeblich an der Finanzierung beteiligt. Ohne öffentliche Hilfe dürfte das Projekt nicht zu stemmen gewesen sein. Darauf lässt die Beteiligung des Gouverneurs Wassili Jurtschenko bei den Feierlichkeiten zur Betriebseröffnung schließen. In seiner Rede wies er darauf hin, dass die Region an einer Intensivierung der Bautätigkeit und an einer Senkung der Baukosten im Wohnungsbau interessiert sei. Dazu würde das neue Werk beitragen.

Als nächstes Projekt nimmt Sibirskij Stroitel den Bau einer Produktionslinie für Kalk in Angriff. In der Region soll ein komplettes Cluster für Baustoffe und Baumaterialien aus dem Boden gestampft werden.
Das deutsche Unternehmen Knauf USG plant im Gebiet Tula ein Werk für Zementplatten zu errichten, berichtete die Nachrichtenagentur Prime. Die Firma hat mit der Gebietsverwaltung eine Vereinbarung geschlossen, wonach die örtlichen Autoritäten den Projektfortschritt aktiv unterstützen werden. Das Investitionsvolumen wird mit 1 Mrd. Rubel (25 Mio. Euro) angegeben. Darüber hinaus eröffnet Knauf im Sommer 2013 ein Werk für Baugips in Nowomoskowsk. Die Baukosten liegen auch hier bei 1 Mrd. Rubel.

Im Großraum Nischni Nowgorod entstehen zwei Betriebe für Bau- und Ziegelsteine. Das Unternehmen Ufimskaja Stroitelnaja Kompania eröffnet im Sommer 2013 ein Werk. Projektwert: 1,3 Mrd. Rubel (32,5 Mio. Euro). Die Baufirma TUS nimmt im Herbst 2013 eine Anlage für 1,03 Mrd. Rubel (25,7 Mio. Euro) in Betrieb. Ausgangspunkt für beide Projekte war die nur schwer zu deckende Nachfrage in der Region. Die Preise für Bau- und Ziegelsteine zählen deshalb zu den höchsten in ganz Russland.

Der russische Baukonzern LRS will ebenfalls ein Werk für Bau- und Ziegelsteine eröffnen. Dafür fallen Kosten in Höhe von 10 Mrd. Rubel (250 Mio. Euro) an. Hier sollen Erzeugnisse in einer größeren Vielfalt auf vollautomatischen Linien hergestellt werden. Gemessen an der Kapazität dürfte das geplante Werk zu den größten in Europa gehören.

Das französische Unternehmen Saint-Gobain wird 2013 in seinem Werk für Baugips im Ural voraussichtlich die volle Auslastung erreichen. Diese liegt bei 130.000 t pro Jahr. In unmittelbarer Nähe betreibt die Schweizer Omya ein Werk zum Zermahlen von Marmor, das an Saint-Gobain liefert. Das gemeinsame Endprodukt wird unter dem Markennamen Weber Vetonit vertrieben. Damit können Importe aus dem Saint-Gobain Werk in Finnland reduziert werden, was sich in 20% höheren Margen niederschlägt.

Zu den weiteren Projekten von Saint-Gobain zählt die Erschließung einer Gipslagerstelle in Baschkirien, die 2014 abgeschlossen werden soll. Im Jahr 2015 wird ein Werk für Gipskarton in unmittelbarer Nähe die Produktion aufnehmen. Die Gesamtinvestitionen betragen 80 Mio. Euro. Davon entfallen 65 Mio. Euro auf den Werksbau. Die Kapazitäten sollen 40 Mio. qm Gipskarton betragen. Bislang verfügt das Unternehmen über Produktionsstätten in Jegorewsk und Tscheljabinsk (Isoliermaterialien), in Arzamas und Polewskoj (Baugipse), in Kamyschin und Mineralnye Wody (Glasverpackungen).

Die Europäische Bank für Rekonstruktion und Entwicklung (EBRE) prüft, ihre Anteile an der russischen Niederlassung von Saint-Gobain um 976 Mio. Rubel auf 33% aufzustocken. Zum derzeitigen Zeitpunkt hält die EBRE Anteile in Höhe von 11,19% an Saint-Gobain Russia.
Das russische Unternehmen Unis baut im Gebiet Sengiley eine Produktionsstätte für Gipswerkstoffe und bringt dafür 800 Mio. Rubel (20 Mio. Euro) auf. Dort soll ein Zentrum der Baustoffindustrie entstehen, wie die Regionalverwaltung in Uljanowsk mitteilte. Die Werkseröffnung ist für Oktober 2013 geplant. Knauf, Saint-Gobain und Unis belegen die drei führenden Plätze auf dem Markt für Baugipse.

Der deutsche Chemieriese BASF baut zurzeit ein Werk für Betonzusatzstoffe im Gewerbepark Chimgrad in Kazan. Darüber hinaus hat BASF Interesse an der Zusammenarbeit mit Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen in Kazan zur Entwicklung neuer Produkte der Bauchemie verkündet. Ein erstes Werk für Betonzusatzstoffe hatte BASF 2012 in Podolsk im Moskauer Gebiet eröffnet. Das Unternehmen schloss nicht aus, dass es seine Investitionen in die russische Bauchemie ausweiten wird.

Polyplast, ein russischer Hersteller von Bauchemie, will bis 2016 seine Produktion auf 162,4 Mio. t verdreifachen. Damit will das Unternehmen 56% des für 2016 prognostizierten Marktvolumens für Bauchemie in Höhe von 290 Mio. t abdecken. Der Prognose von Polyplast zufolge wird allein der Absatz von Betonzusatzstoffen von 75.000 t im Jahr 2012 auf 130.000 t im Jahr 2016 ansteigen. Andere Erzeugnisse der Bauchemie werden im gleichen Zeitraum von 28.200 auf 90.000 Jahrestonnen (jato) zulegen.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland