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Mittwoch, 3. Juli 2013

Messe Metalloobrabotka bestätigt hohen Maschinenbedarf in Russland

Regierung setzt auf Technologietransfer / Protektionismus nimmt zu

Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Der deutsche Branchenverband VDW prognostiziert für 2013 einen Absatzanstieg bei Werkzeugmaschinen von 7,3% auf dem russischen Markt. Russland ist hochgradig von der Einfuhr moderner Maschinen und Anlagen abhängig. Deutschen Maschinen- und Anlagenherstellern bieten sich gute Lieferchancen. Allerdings müssen sie mit zunehmendem Protektionismus bei der Einfuhr fertiger Erzeugnisse rechnen. Das gilt vor allem für Werkzeug- und Landmaschinen.

Die wachsende Nachfrage in Russland wird zurzeit vorrangig über Importe befriedigt. Internationale Anbieter punkten nicht nur mit Spitzentechnik. Günstige Finanzierungen, Ausbildung des Bedienungspersonals und ein erstklassiger After-Sales-Service sind Bestandteile einer erfolgreichen Paketlösung. Russische Maschinenbauer können den weltweiten Branchenführern weder technologisch noch stückzahlenmäßig das Wasser reichen. Wie der Präsident des russischen Werkzeugmaschinenverbands Stankoinstrument, Georgi Samodurow, am Rande der Leitmesse für Metallverarbeitung "Metalloobrabotka 2013" (27. bis 31.5.2013) in Moskau hervorhob, hat sich seine Branche nach der Finanzmarktkrise 2009 noch nicht wieder erholt. Erst für 2013/2014 erwartet Herr Samodurow, dass Russlands Maschinenbauer den Vorkrisenstand erreichen.

Zu den wichtigsten Lieferländern von Maschinen gehören Deutschland, Japan, Italien, die VR China, die Schweiz und Taiwan. Auf der "Metalloobrabotka" nahmen mehr als 1.200 Aussteller aus 27 Ländern teil, darunter 700 russische. Ein Gemeinschaftsstand aus dem Freistaat Sachsen präsentierte sich unter dem Motto "Sachsen-Live". Die sächsischen Maschinenbauer Metrom Mechatronische Maschinen GmbH und WEMA Glauchau GmbH konnten während der Messe Verträge abschließen. Die Gildemeister AG zog zusammen mit ihrem japanischen Partner Mori Seiki einen Auftrag im Wert von 36,7 Mio. Euro an Land.
Einfuhr ausgewählter Maschinen nach Russland (in Mio. US$)
HS-Code Warenbezeichnung 2011 2012 davon aus Deutschland (2012)
8429-30, 8479.10, 8474 Bau- und Baustoffmaschinen, Bergbaumaschinen 5.492 7.554 1.158
8444-49, 8451-53 Textil- und Ledermaschinen 412 366 65
8439-42, 8443.11-.19 Druck- und Papiermaschinen 698 622 168
8422.30, 8422.40, 8437, 8438, 8479.20 Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen 1.559 1.882 562
8465, 8479.30 Holzbearbeitungsmaschinen 713 898 337
8477 Kunststoff- und Gummimaschinen 811 831 230
8413, 8414 Pumpen, Kompressoren 3.757 4.150 734
8425-28 Fördertechnik 2.923 3.332 774
8456-63 Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung 1.540 1.892 399
Quelle: UN Comtrade

Deutsche Maschinen- und Anlagenhersteller müssen allerdings mit zunehmendem Protektionismus der russischen Behörden bei der Einfuhr fertiger Erzeugnisse rechnen. Das gilt vor allem für Werkzeugmaschinen und Landmaschinen, wie Ullrich Ackermann, Leiter der Außenwirtschaftsabteilung des VDMA, Anfang Juni 2013 in Moskau unterstrich. Zwar geschieht das seit dem WTO-Beitritt Russlands nicht mehr über das Hochsetzen von Importzöllen. Dafür werden nichttarifäre Handelsbarrieren aufgetürmt. So wird die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen an die Erfüllung von "local content"-Bestimmungen geknüpft oder es werden Maschinen russischer Hersteller bevorzugt.

Für eine Reihe von Importprodukten, darunter für Werkzeugmaschinen, wird für die Zulassung zu öffentlichen Ausschreibungen mit Prüfanträgen gearbeitet. Dabei wird untersucht, ob analoge Technik nicht auch in Russland hergestellt wird. Sollte das der Fall sein, ist der ausländische Hersteller von öffentlich finanzierten oder bezuschussten Projekten ausgeschlossen.

Die Anträge müssen vor der Wareneinfuhr gemäß Regierungsverordnung Nr. 56 vom 7.2.2011 im Ministerium für Industrie und Handel eingereicht werden (Dokument: http://www.pro-goszakaz.ru/regulations/36093/). Innerhalb von zwei Jahren sind 2.455 Prüfanträge eingegangen. Im Ergebnis wurden 1.554 Importgenehmigungen und 707 Ablehnungen erteilt. Verlief der Antragseingang in der Anfangsphase eher zähflüssig, bearbeitet die zuständige Arbeitseinheit im Ministerium inzwischen jeden Monat bis zu 400 Neuanträge.

Der Druck auf ausländische Maschinenhersteller wird in dem Maße steigen, wie die aktuelle Politik der Importsubstitution und Modernisierung eigener Erzeugerkapazitäten greift. Den Fortbestand dieser seit 2011 verfolgten und vorerst bis 2016 ausgelegten Strategie hat der Vizeminister für Industrie und Handel, Gleb Nikulin, auf der "Metalloobrabotka 2013" noch einmal ausdrücklich betont.

Nach seinen Worten stellt sein Ministerium bis 2016 insgesamt 26 Mrd. Rubel (rund 650 Mio. Euro) an Staatshilfen bereit. Mit dem Geld werden in russischen Firmen und FuE-Zentren Bearbeitungstechnologien für Metalle, Kunststoffe und völlig neuartige Materialien entwickelt. Auf Basis der Forschungsergebnisse sollen eigenentwickelte Werkzeugmaschinen in die Serienfertigung gelangen.

Ein Großteil der Maschinenbaubetriebe wird zudem unter dem Dach der Staatsholding Rostec (Rostechnologii, http://www.rostec.ru) zusammengefasst. Die Holding schafft unter den Herstellern Synergien, koordiniert Forschung und Entwicklung, und gewährt technische, personelle und finanzielle Hilfe. Nicht zuletzt soll die Holding auch das Interesse der russischen Bankenwirtschaft für Finanzierungen anheben.

Gerade die eigenen Banken halten sich bislang mit günstigen Krediten für Geschäfte des russischen Maschinenbaus auffällig zurück. Das liegt unter anderem daran, dass die kleinen und mittelgroßen Maschinenbaubetriebe in Russland keine ausreichenden Sicherheiten beibringen können. Gleiches gilt bis zu einem bestimmten Grad auch für potenzielle Maschinenabnehmer vor Ort.

Rund 48% der russischen Maschinenbauerzeugnisse gehen in den Export. Das mutet auf den ersten Blick kurios an. Doch gerade in Transformations- und Entwicklungsländern ist die als robust und preisgünstig geltende Technik aus Russlands Fabriken gefragt. Wichtigstes Abnehmerland ist die VR China. Den etwa 100 russischen kleinen und mittleren Werkzeugmaschinenbauern kommt insbesondere gelegen, dass sie im Ausland sofort Geld für ihre Ware sehen. Abnehmer auf dem russischen Markt sind dagegen Finanzierungen mit mehrjährigen Laufzeiten gewöhnt. Die Zinsen orientieren sich dabei am europäischen und nicht am russischen Durchschnittsniveau. Insbesondere dadurch haben russische Maschinenbauer gegenüber der westlichen Konkurrenz schlechte Karten. Deshalb will das Ministerium für Industrie und Handel in Moskau der heimischen Branche durch Zuschüsse und zinsverbilligte Finanzhilfen unter die Arme greifen.

Erklärtes industriepolitisches Ziel der Regierung ist es, neben der Modernisierung der russischen Maschinenbaubranche, international renommierte Branchengrößen zur Einrichtung von Produktionsniederlassungen vor Ort zu bewegen. Damit würde der Technologietransfer beschleunigt und ein möglichst hoher Grad an Wertschöpfung in Russland erreicht. Dass ein solcher Prozess nur schrittweise und über einen längeren Zeitraum vollzogen werden kann, ist den Verantwortlichen klar. Dies wird offen eingeräumt.
Ausländische Maschinenbauer sollen neben der Einführung neuester Technologien helfen, die derzeit nur bruchstückhaft existierende Zulieferindustrie zu entwickeln und Fachkräfte auszubilden. Das braucht Zeit sowie die Unterstützung der Städte und Gemeinden vor Ort. Praktisch wird der in der Fahrzeugindustrie gelungene Versuch, ausländische Marktführer zur Errichtung von Montagekapazitäten im Land zu bewegen, im Maschinenbau wiederholt. Unter dem Strich zusammengefasst lautet das Angebot: ein erleichterter Marktzutritt im Tausch gegen Technologietransfer. 

Produktion ausgewählter Maschinenbauerzeugnisse in Russland
Produktion von Maschinenbauerzeugnisse 2011 2012 Veränderung (in %)
Spanabhebende Werkzeugmaschinen (in Stück) 2.479 3.321 4,4
Holzbearbeitungsmaschinen (in Stück) 3.514 4.270 21,5
Umformmaschinen (in Stück) 2.241 1.951 -21,4
Gießereiausrüstung (in 1.000 t) 27 23,9 -12,2
Gasturbinen (in 1.000 kW) 2.491 1.687 -25,4
Dampfturbinen (in 1.000 kW) 4.274 2.445 -41,5
Bohranlagen (in Stück) 2.816 2.208 -21,6
Brückenkräne (in Stück) 2.913 2.925 0,4
Mähdrescher (in Stück) 6.203 5.812 -8,2
Bagger (in Stück) 1.983 1.933 -6,8
Quelle: Föderaler Statistikdienst (Rosstat), Moskau

Kontaktanschriften:

Messe "Metalloobrabotka 2014"
Termin: 16. bis 20.6.2014, Austragungsort: Expocenter
Krasnopresnenskaja nabereshnja 14, 123100 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/499/795 37 99
E-Mail: centrexpocentr.ru, Internet: http://www.metobr-expo.ru
Ministerium für Industrie und Handel
Kitaigorodski proezd 7, 109074 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/539 21 87
Stankoinstrument
(Verband der Werkzeugmaschinenindustrie)
Twerskaja ulitza 22A, strojenie 2, a/ja 3, 125009 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/650 38 11
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland