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Mittwoch, 3. Juli 2013

Russlands Onlineshops bevorzugen Inhouse-Logistik

Kontrolle soll auch bei Kurierdiensten gewahrt sein / Kunden bevorzugen Barzahlung

Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - In Russland hat der Internethandel 2012 im Umsatz um 36% zugelegt. Dies errechnete der Internetdienstleister InSale.ru. Das schnelle Wachstum führt zu Investitionen in firmeneigene Transportdienste und Logistikketten. Kuriere arbeiten gelegentlich als Multitalente: Sie sind nicht nur Lieferant und Kassierer, sondern auch Stilist, Berater, Verkäufer und Dienstleister. Ein Problem stellt die weit verbreitete Skepsis russischer Kunden gegenüber internetgestützten Bezahldiensten dar.

Der Versand der Ware kann für Onlinehändler in Russland gelegentlich ein Problem darstellen. Die russische Post (Pochta Rossii) braucht meist mehrere Wochen, um Pakete auszuliefern. Bei Sendungen aus dem Ausland im Wert von über 1.000 US$ kommen - je nach Herkunftsland - auch noch Zollformalitäten hinzu. Neben der Staatspost liefern die drei weltweit operierenden Unternehmen DHL (Marktanteil in Russland: 40%), UPS (12%) und TNT (10%) importierte Warensendungen aus. Diese Kurierdienste sind zwar schnell, doch zahlt der Kunde dafür einen höheren Preis.

Wie Pochta Rossii mitteilte, haben Privathaushalte im Jahr 2012 insgesamt 30 Mio. Pakete aus dem Ausland erhalten. Rund 70% der Sendungen wurden durch den Internethandel veranlasst. Bei 69% der Zustellungen hat Pochta Rossii Zeiträume zwischen zwei Wochen und zwei Monaten gebraucht, was der Post starke Kritik einbrachte.

Daneben gibt es andere russische Unternehmen, die sowohl den Binnenmarkt abdecken als auch ins Ausland liefern. Zu dieser Gruppe gehört EMS Pochta Rossii (Marktanteil: 20%). Erst mit einigem Abstand folgen 372 mittlere und kleine Operateure, die sich auf Zustelldienste in Moskau und in der näheren Umgebung spezialisiert haben.
Die zehn umsatzstärksten Internethändler (Stand: 2012)
Handelsfirma Warengruppen Internetadresse
Ozon breites Angebot http://www.ozon.ru
Wildberries Bekleidung und Schuhe http://www.wildberries.ru
Utkonos breites Angebot und Lebensmittel http://www.utkonos.ru
Lamoda Bekleidung und Schuhe http://www.lamoda.ru
Komus Bürobedarf http://www.komus.ru
Svyaznoy Mobiltelefone, Computer, Fototechnik http://www.svyaznoy.ru
Quelle Bekleidung und Schuhe http://www.quelle.ru
Holodilnik Elektrohausgeräte und Heimelektronik http://www.holodilnik.ru
Mvideo Mobiltelefone, Computer, Fototechnik http://www.mvideo.ru
KupiVip Bekleidung, Schuhe, Accessoires http://www.kupivip.ru/catalog/
Quelle: Insales.ru

Einige der mittleren und kleinen Versanddienstleister haben sich internationalen Allianzen angeschlossen. Dazu zählen SAO Armadillo und SAO Armadillo Business Pochta. Beide gehören zur Holding GeoPost, die Dienste unter dem Logo DPD anbietet. Sowohl Allianzen als auch Kooperationen variieren aber häufig. Insbesondere in Wachstumsphasen ändert sich die Wettbewerbssituation rasch, wie es 2013 gerade der Fall zu sein scheint.

Das Wachstumspotenzial für Kurierdienstleistungen wird bis Ende 2013 längst noch nicht ausgereizt sein. So soll der Warenimport, der aus dem Internethandel herrührt, 2014 die Marke von 1 Mrd. US$ erreichen und anschließend jährlich um 20 bis 30% zulegen. Für Kurierdienste stellt das höhere Anforderungen an die Fahrzeugflotten, die nicht nur wachsen, sondern auch flexibler und modularer werden müssen. Außerdem sind vereinfachte Zollabfertigungsverfahren notwendig. In beiden Bereichen besteht massiver Handlungsbedarf.

Viele Interhändler, vor allem in den 13 Millionenstädten, gehen auf Nummer sicher und stellen eigene Kuriere ein oder beschäftigen sie auf Honorarbasis. Dadurch kann in den Städten eine Auslieferung der Ware noch am gleichen Tag oder spätestens am folgenden Werktag garantiert werden.

Außerdem führen diese Kuriere gleich noch Zusatzdienstleistungen aus, wie das Aufstellen oder Montieren der Ware, etwa bei Elektrohausgeräten oder Möbeln. Oder sie führen Produkte vor und begleiten den Besteller fachlich bei der Auswahl (Heimtextilien, Innendekoration, Schmuck). Teils bringen sie sogar Zeit mit, um den Kunden in Ruhe die Ware in unterschiedlichen Größennummern oder Farben anprobieren zu lassen (Bekleidung, Schuhe).

Kuriere sind auch Zahlstelle und Geldbote. Da das Bezahlen der Ware per Überweisung nicht bei jeder Bank unbürokratisch und zeitsparend abläuft, wird überwiegend in bar bei Übergabe der Ware gezahlt. Auch herrscht in Russland eine spezielle Skepsis gegenüber der Übermittlung persönlicher Daten im Internet. Da Kuriere für gewöhnlich mobile Kartenterminals bei sich führen, kann der Kunde die Rechnung auch persönlich per Bankkarte begleichen. Die Nutzung von Bezahldiensten im Internet, etwa PayPal oder des russischen Gegenstücks Yandex.Dengi, erscheint einigen Verbrauchern dagegen als intransparent oder kompliziert.
Zahlungsmodi bei B2C (in %, Mehrfachangaben und Überschneidungen zulässig)
Zahlungsart 2009 2012
bar beim Kurier 59 58
per Bankkarte im Internet oder beim Kurier 20 32
Zahlungsdienste im Internet 49 49
Banküberweisung 27 23
Zahlung per SMS 0 12
Zahlung per Terminal in spezialisierten Verkaufsstellen 0 10
Quelle: Morgan Stanley

Die firmengebundenen Kuriere liefern die bestellte Ware zur verabredeten Zeit und am vereinbarten Ort erfahrungsgemäß recht zuverlässig an. Den Kunden kostet diese Zustellung gewöhnlich einen Aufpreis von 200 bis 400 Rubel (5 bis 10 Euro). Im Umkehrschluss erspart der Kurier dem Kunden Wege und Zeit. Handelt es sich um einen höheren Anschaffungswert, in der Regel ab 3.000 bis 5.000 Rubel (75 bis 125 Euro) aufwärts, stellt der Internethändler seinen Kurierservice sogar kostenfrei zur Verfügung.

Internetfirmen investieren aber nicht nur in eigene Kurierdienste. Auch Lager- und Transportkapazitäten nennen sie ihr eigen. Anders wären sie inzwischen nicht mehr in der Lage zu wachsen. Die Handelsgesellschaft Ozon hat zum Beispiel im Gebiet Twer ein nagelneues Lager mit 16.000 qm Fläche für 20 Mio. US$ eingeweiht. Erst anschließend wurde der Online-Händler Sapato.ru übernommen. Der Wettbewerber Utkonos unterhält ein Lager mit einer Fläche von 44.000 qm, das 250 Mio. US$ gekostet hat. Allerdings handelt Utkonos mit Lebensmitteln und Frischware, weshalb an die Logistikkette qualitative Höchstforderungen gestellt werden.

Gegen das Outsourcing von Lagerkapazitäten sträubt sich jeder Internethändler, der es sich leisten kann. Zu sehr werden zeitliche oder qualitative Pannen befürchtet. Der Internethandel lebt von raschen Zustellzeiten und verlässlichen Produktqualitäten. Ist das Renommee erst einmal angekratzt, wandern die Kunden schnell ab, so die vorherrschende Meinung.

Nach der Absendung der Ware aus dem Zentrallager des Internethändlers sorgen Spediteure oder Kurierdienste für den Weitertransport zum Kunden. Die Kurierfirmen verfügen über eigene Logistikketten und Umschlaghubs, selbst wenn sie Teil des Handelsunternehmens sind. Ein klassisches Beispiel ist der Kurierdienst O-Kurier, der von Ozon gegründet wurde. O-Kurier nimmt auch Transportaufträge anderer Internethändler an und lastet damit seine Kapazitäten besser aus. Um unabhängig zu bleiben, baute O-Kurier von Ozon getrennte Logistikketten auf.

Um die Sprachbarriere für das Bestellen in ausländischen Internetgeschäften zu beseitigen, hat sich in Russland eine völlig neue Dienstleistung etabliert. Es wurden russischsprachige Portale eingerichtet, auf denen das Angebot verschiedener internationaler Anbieter verglichen wird. Andere Portale verbinden den Kunden mit Onlineshops, zum Beispiel in den USA oder der VR China, und stellen dafür übersetzte Produktkataloge zur Verfügung. Die Kataloge sind mit den Bestellseiten im Ausland entsprechend verlinkt.

Im westlichen Ausland ordern Russinnen und Russen vorzugsweise Modeartikel und Bekleidung, aus Sortimentsgründen wie es heißt. Aber auch angeblich günstigere Preise sollen einen Ausschlag geben. Im Gegenzug nehmen die Besteller die langsame Anlieferung durch Pochta Rossii oder die wesentlich teureren Dienstleistungen der internationalen Kurierdienste in Kauf.

Internetgeschäfte scheinen in Russland die Lieblinge von Venture Fonds zu sein. Wie einer Statistik zu entnehmen ist, entfallen etwa 50% der Fondsinvestitionen auf start-ups aus dem Bereich Internethandel. Den Rest der zur Verfügung stehenden Fondssummen teilen sich Clouddienste, Softwareentwickler und Anbieter von Telekommunikationsleistungen. 
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland