Internet ermöglicht Zugang zu heranwachsenden Kundengruppen und weniger erschlossenen Landesteilen
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Russische Einzelhandelsketten entdecken das Internet für sich.
Mit Onlineshops wollen sie neue Kunden gewinnen und den Verkauf von
Waren und Dienstleistungen geographisch ausweiten. Im größten
Flächenstaat der Welt könnten viele Kunden in der Provinz sonst gar
nicht erreicht werden. Bremsend wirken sich die unvollständige
Verbreitung von Festnetzanschlüssen in Privathaushalten, lange
Zustellzeiten für Warensendungen und komplizierte Bezahlmodi aus.
Der Internethandel hat ordentlich zugelegt. Rund 32.000 Firmen
bieten ihre Waren inzwischen in Onlineshops an, meldet der
Internetdienstleister Insales.ru. Ihr Gesamtumsatz betrug 2012 rund 10,4
Mrd. US$, ermittelte PricewaterhouseCoopers. Morgan Stanley gab die
Umsätze im Internet davon abweichend mit 12 Mrd. US$ an. Bis 2015 wird
sich dieser Wert laut gleicher Quelle auf 35 Mrd. US$ verdreifachen.
Weitere fünf Jahre später könnte Russland bereits zum weltweit
viertgrößten Internetmarkt aufsteigen. Morgan Stanley bezeichnete das
Jahr 2013 sogar als entscheidend für den Wachstumspfad.
Umsatzwachstum im Internetverkauf nach Warengruppen (Stand: 2012)
| Warengruppe | Wachstumsrate in % |
| Mobiltelefone | 83 |
| Bekleidung und Schuhe | 42 |
| Kinderwaren | 36 |
| Heimelektronik und Elektrohausgeräte | 34 |
| Computertechnik und Accessoires | 29 |
Quelle: InSales.ru
Umsatzstärkste Warengruppen (Stand: 2012)
| Warengruppe | Jahresumsatz in Mrd. Rubel *) |
| Heimelektronik und Elektrohausgeräte | 76,5 |
| Bekleidung und Schuhe | 60,1 |
| Computertechnik und Accessoires | 45,6 |
| Mobiltelefone | 21,7 |
| Kinderwaren | 18,8 |
*) Wechselkurs: 1 Euro = 40,7 Rubel
Quelle: InSales.ru
Russland
folgt den Konsumtrends aus Nordamerika und Westeuropa für gewöhnlich
mit einiger zeitlicher Verzögerung, so die US-Investmentbanker. Hat der
Umsatz in dem neuen Geschäftsfeld aber erst einmal angezogen, holte das
Land bisher immer kräftig auf und stellt in puncto Verkaufsvolumen sogar
westeuropäische Märkte in den Schatten. Der nachholende Trend im
Internethandel soll nun genau 2013 an Dynamik gewinnen, wie Morgan
Stanley betont. Im osteuropäischen Kontext ist Russlands E-Commerce
sogar schon die Nummer eins, berichtet Euromonitor International.
Anteil von Warengruppen am gesamten Internethandel (Stand: 2012)
| Warengruppe | Anteil in % |
| Heimelektronik und Elektrohausgeräte | 22 |
| Bekleidung und Schuhe | 17 |
| Computertechnik | 13 |
| Mobiltelefon | 6 |
| Kinderwaren | 5 |
| Kfz-Ersatzteile | 4 |
| Möbel | 4 |
| Nahrungsmittel | 4 |
| Baumaterial | 3 |
| Sport- und Touristikwaren, Angelbedarf | 3 |
| Bürobedarf | 3 |
| B2B | 3 |
| Haushaltswaren | 3 |
| Bücher | 2 |
| Accessoires | 1 |
| Kosmetik und Parfüm | 1 |
| Geschenkartikel | 1 |
Quelle: Insales.ru
Dass E-Commerce in
Russland auf dem Vormarsch ist, unterstreichen auch Untersuchungen des
Zahlungszentrums PayU und der Agentur Data Insight. Demnach veranlassen
17 Mio. von rund 143 Mio. Einwohnern Zahlungen über das Internet. Davon
tätigen 12 Mio. Menschen nach eigenen Angaben regelmäßig
Internetgeschäfte, etwa einmal pro Monat. Zu den genutzten Diensten
gehören zudem Internetbanking, die Bezahlung von Mobilfunkgebühren und
das Begleichen der Strom-, Wasser oder Gasrechnung. Selbst Steuern
können online abgeführt werden.
Die Anzahl der regelmäßigen
Internetnutzer in Russland, die neben kommerziellen Angeboten täglich
kostenfreie Dienste im World Wide Web in Anspruch nehmen und damit eine
interessante Zielgruppe für Werbung darstellen, gibt Internet World
Stats (ITU) mit 61,5 Mio. zum 31.12.2011 an. Das wären 43,3% der
Bevölkerung. Bis Ende 2014 wird diese Ziffer voraussichtlich auf 63 Mio.
steigen. Zusammen mit der Zahl der sporadischen Surfer sind in einem
Jahr vermutlich sogar 90 Mio. Menschen im Internet unterwegs.
Der
Versandhandel von Waren und Dienstleistungen über das Internet -
teilweise auch per Telefon - legt vor allem in der weit entfernten,
strukturarmen und vom etablierten Einzelhandel nur wenig erschlossenen
russischen Provinz zu. Dazu gehören teilweise sogar Städte mit bis zu
300.000 Einwohnern. Die dortige Bevölkerung ist mangels Alternative und
den daraus resultierenden hohen Preisen regelrecht gezwungen, auf
E-Commerce zu setzen. Auf diese Weise können stunden- oder gar tagelange
Fahrten in die nächstliegenden großen Einkaufszentren vermieden werden.
Bislang
ist die Zahl fester Internetanschlüsse in einigen Landesteilen
unzureichend. Das behindert den Vormarsch des elektronischen Handels.
Dafür sind Mobiltelefone jedoch weit verbreitet. Die Kosten für die
Nutzung des mobilen Internets per Smartphone oder Tablett-PC sind auf
ein annehmbares Maß gesunken. E-Commerce stößt so rasch in Gebiete vor,
in denen das Mobilfunknetz im Standard 3G oder LTE ausgebaut wurde. Dies
geschieht vorrangig in urbanen Zentren und entlang wichtiger
Verkehrswege.
Der Internethandel hat aber auch in den großen
Metropolen wie Moskau an Attraktivität gewonnen. Daran ändert der Fakt
nichts, dass der Einzelhandel dort bereits über eine große Handelsfläche
pro Kopf und breite Markenvielfalt verfügt, wie man sie in New York
findet. Zu dieser Aussage ließ sich CBRE verleiten, eine auf
Handelsimmobilien spezialisierte weltweit operierende
Unternehmensberatung.
In den Großstädten sind es vor allem junge
Leute im Alter unter 35 Jahren, die per Mausklick ordern. Ihnen geht es
dabei besonders um die Vergleichbarkeit von Preisen. Diese spezielle
Zielgruppe ist gewöhnlich gut über die neuesten Produkte informiert und
verspürt daher keinen Beratungsbedarf durch einen Fachverkäufer. Sollten
dennoch Rückfragen kommen, sind diese schnell per Chat oder Telefon
geklärt. Genau aus diesem Grund arbeiten große Handelsfirmen mit
professionellen Callcentern zusammen. In kleinen Handelshäusern geht
dagegen auch mal der Chef persönlich ans Telefon.
(U.U)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland