Hersteller bauen Kapazitäten aus / Russland will Spezialfarben mit Dämmfunktion entwickeln
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Der letzte Feinschliff an den Bauten in der Olympiaregion
Sotschi beschert Herstellern von Lacken und Farben volle Auftragsbücher.
Auch bei Industrielacken ist die Nachfrage groß. Produktion und Importe
stiegen 2012 deutlich. Dieser Trend setzte sich in den ersten sieben
Monaten 2013 fort und dürfte weiter anhalten. Denn in den russischen
Regionen entstehen eine Reihe von Projekten. Einige Hersteller befassen
sich mit der Produktion von Farben mit Isolierfunktion.
Im Jahr 2012 wurden in Russland 1,34 Mio. t Farbe verkauft. Damit
stieg die Nachfrage um 7% gegenüber 2011. Das Marktvolumen entspricht
einem Verbrauch von 9,1 Kilogramm pro Einwohner. Den Wert der 2012
verkauften Lacke und Farben beziffert die Marktforschungsgesellschaft
Discovery Research Group auf rund 191 Mrd. Rubel (knapp 4,8 Mrd. Euro;
EZB-Jahreswechselkurs 2012: 1 Euro = 39,93 Rubel).
Der Import 2012
stieg im Vergleich zum Vorjahr um 8%. Insgesamt beziffert LKM den Wert
der 2012 importierten Lacke und Farben auf über 1 Mrd. US$. Deutschland
bleibt der wichtigste Lieferant von Lacken und Farben. Die
Bundesrepublik exportierte 2012 laut Branchenportal LKM 47.000 t im Wert
von 242 Mio. US$ nach Russland. Das zweitwichtigste Lieferland war
Schweden mit 23.000 t im Wert von 160 Mio. US$, gefolgt von Italien mit
23.500 t im Wert von 91 Mio. US$. Der Grund für die hohen Einfuhren: "In
Russland fehlt die Produktion von High-Tech-Farben und -Lacken. Dieser
Faktor treibt die Importe", sagt Dr. Norbert Richter, Geschäftsführer
bei OOO Caparol.
Dagegen ging der russische Export im zweiten Jahr
in Folge zurück. Zum einen ist das mit neuen Werken in den GUS-Ländern
zu erklären, die noch bis vor kurzem aus Russland beliefert wurden. Zum
anderen liegt das am WTO-Beitritt Russlands. Mit dem Beitritt zur WTO
stieg der Konkurrenzdruck auf die russischen Hersteller, vor allem durch
chinesische und türkische Anbieter, heißt es in dem Branchenblatt
"LakoKrasotschnaja Promyschlennost" (Lacke- und Farbenindustrie).
Russlandweit
wurden 2012 knapp 1,1 Mio. t Lacke und Farben produziert. Das
entspricht einem Plus von 6%. In den ersten sieben Monaten 2013
entwickelte sich die russische Produktion sogar noch besser: der Output
stieg um 10%, obwohl die verarbeitende Industrie in Russland
weitestgehend schwächelte. Zu den wichtigsten Herstellern in Russland
zählen die Unternehmen Tikkurila mit einer Produktion von 126.700 t
Farbwaren im Jahr 2012, der Empils-Konzern mit 73.500 t, OOO
Predprijatije WGT mit 43.000 t, OAO Russkije kraski mit 41.000 t und OOO
Lakra Sintes mit 40.700 t. Seit Jahren gehören diese fünf Unternehmen
zu den fünf größten Playern am russischen Markt. Ihr Anteil liegt bei
circa 30%. Bei den Industrielacken geben ausländische Hersteller den Ton
an, allen voran die Firmen AkzoNobel und BASF.
Der russische Markt für Lacke und Farben
| Kennzahl | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | Veränderung 2012/2011 in% |
| Marktvolumen | 1.268 | 1.044 | 1.169 | 1.249 | 1.341 | 7 |
| Produktion | 1.080 | 905 | 1.029 | 1.021 | 1.087 | 6 |
| Import | 258 | 200 | 228 | 272 | 294 | 8 |
| Export | 69 | 61 | 88 | 45 | 41 | -10 |
Quelle: Journal "LakoKrasotschnaja Promyschlennost"
Am
dynamischsten entwickelten sich die Marktsegmente für Dispersionsfarben
auf Wasserbasis und für Lackstammlösungen. Auch der Umsatz mit Farben
und Lacken aus Kondensationsharz legte 2012 um 6% zu. Für 2013 erwarten
Marktexperten eine positive Nachfrageentwicklung.
Die Nachfrage
nach organischen, wasserlöslichen Farben und Lacken für den
Do-it-yourself-Sektor ging 2011 und 2012 zurück. In den ersten Monaten
2013 stieg die Produktion von Dekorfarben lediglich schwach. Das spüren
vor allem die großen Hersteller von Farben und Lacken aus
Kondensationsharz wie Tikkurilla, Empils und Russkije kraski. Sie
produzieren vorwiegend im Niedrigpreis-Massensegment. In diesem Segment
verlieren die großen Konzerne zunehmend Marktanteile.
Qualitätshersteller,
wie die deutsche Firma Caparol, entwickeln sich dagegen besser als der
Marktdurchschnitt. "Unsere Produkte gehören zum Mittelpreis- oder
Premium-Segment und wir wachsen deutlich", sagt Norbert Richter.
Wachstumstreiber für Caparolfarben sind vor allem neue Logistikprojekte
oder Handelszentren. Da sieht Marktexperte Richter auch künftig die
besten Entwicklungschancen - und bei industriellen Anwendungen.
Nachfrage nach Sektoren 2012
| Farb- und Lacktypen | Volumen 2012 | Veränderung 2012/2011 in % |
| Farben und Lacke aus Kondensationsharz | 326,1 | 6 |
| Wasserdispersionsfarben | 458,9 | 15 |
| Lackstammlösungen | 142,9 | 21 |
| Andere Farben und Lacke | 158,9 | -29 |
Quelle: Journal "LakoKrasotschnaja Promyschlennost"
Im
Jahr 2013 wird das Umsatzvolumen voraussichtlich um 5 bis 7% steigen.
Dabei dürfte der Schwerpunkt auf Dekorfarben und auf industriellen
Lacken liegen. Der Bedarf geht aus von den Privathaushalten und von
staatlichen Programmen, wie dem zur Vorbereitung auf die Olympischen
Winterspiele 2014 in Sotschi.
Russische Hersteller stellen sich
auf den steigenden Verbrauch ein. Empils konzentriert sich 2013 auf die
Erweiterung seiner Produktion und investiert dafür rund 253 Mio. Rubel
(rund 6 Mio. Euro). Ab 2014 will Empils ein bestehendes Logistikzentrum
in der Region Rostow umbauen und 2015 eine neue Anlage zur
Lackherstellung errichten.
Mitte Oktober 2013 will das deutsche
Unternehmen OOO Henkel Bautechnik ein neues Farbenwerk in der Region
Stawropol eröffnen. Dort stellt das Unternehmen Grundier- und Baufarben
her. Geplant ist eine Kapazität von 120.000 bis 130.000 t pro Jahr.
In
der Region Sacha-Jakutien entwickelt das Unternehmen OOO Bige Farben
mit einer speziellen Wärmeisolierung. Das Produkt soll ab 2015 im
Technopark Jakutija hergestellt werden. Die Staatsholding OAO Rosnano
unterstützt das Projekt mit 400 Mio. Rubel (rund 9 Mio. Euro). Ein
ähnliches Produkt haben die Unternehmen Atlas Region und DeltaChim
entwickelt. Ihre Farben zur Bemalung von Beton sollen selbst bei extrem
kaltem Wetter acht bis zehn Jahre lang als Wärmeschutz dienen und ihre
Strahlkraft behalten. Neue Produktionskapazitäten planen auch die
Unternehmen PPG und Jotun. Farben für extreme Witterungsbedingungen -
das ist in Russland ein Kassenschlager.
Kontaktanschriften:
OOO Caparol
ul. Avangardnaja 3, 125493 Moskau
Tel.: 007 495/966 08 49, Fax: -645 57 99
E-Mail: caparol@caparol.ru, Internet: http://www.caparol.ru
OOO Predprijatije WGT
ul. Sowetskaja 2, 141231 pos. Lesnoj, Puschkinski rajon, Moskowskaja oblast
Tel.: 007 495/ 223 35 01
E-Mail: mail@vgtkraska.ru, Internet: http://www.vgtkraska.ru
SAO Empils
1. Maschinostroitelnyj pereulok 21, 344016 Rostow-na-Donu
Tel.: 007 863/305 35 22, -278 68 47
E-Mail: empils@empils.ru, Internet: http://www.empils.ru
OOO Tikkurila
Utkin projesd 15, 195112 Sankt Petersburg
Tel.: 007 812/380 33 99
E-Mail: info.russia@tikkurila.com, Internet: http://www.tikkurila.ru
OAO Russkije kraski
ul. B. Fjodorowskaja 96, 150002 Jaroslawl
Tel.: 007 4852/49 27 08
E-Mail: info@ruskraski.ru, Internet: http://www.ruskraski.ru
OOO Lakra Sintes
ul. Doroshnaja 5, 42450 pos. Kupawna, Noginski rajon, Moskowskaja oblast
Tel.: 007 495/995 78 58 (interne Nr. 181)
E-Mail: S.Tsarkova@lakra-sintez.ru
Internetportal LKM
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland