RusHydro legt Projekte zum Hochwasserschutz neu auf
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Die russische Betreibergesellschaft für Wasserkraftwerke
RusHydro kündigte Ende August 2013 den Bau von sechs Großanlagen im
Fernen Osten des Landes an. Sie sollen die Regionen im Amur-Becken in
erster Linie besser vor Hochwasser schützen. Stromerzeugung fällt
praktisch nebenbei ab. Allerdings muss die produzierte Elektrizität über
weite Entfernungen zu potenziellen Abnehmern transportiert werden. Die
Finanzierung ist noch ungeklärt.
Zu den ausgewählten Standorten für die Wasserkraftanlagen zählen
die Gebiete Schilinsk mit 730 MW (Fluss Schilka), Selemdschinsk und
Rusinowsk mit zusammen 770 MW (Selemdsch als Nebenfluss der Zeja),
Nischnemansk mit 600 MW (Fluss Niman), Dalneretschensk mit 400 MW (Fluss
Bolschaja Ussurka) sowie Nischnezejsk mit 400 MW (Fluss Zeja).
Die
Projekte sind dem Fachpublikum nicht neu. Vorplanungen fanden Jahre
zuvor statt und Gutachten liegen vor. Für die meisten Vorstudien wurde
das Ingenieurunternehmen Sibirski Energetitscheski
Nautschno-Technitscheski Zentr beauftragt. Aus unterschiedlichen Gründen
wurden die Vorhaben anschließend jedoch auf Eis gelegt.
Dass die
Unterlagen im August 2013 aus der Schublade gezogen wurden, hängt nur
zum Teil mit Stromengpässen im fernöstlichen Russland zusammen. Viel
mehr ist das verheerende Hochwasser vom Sommer 2013 schuld, das große
Flächen im Amur-Becken überzogen hat. Nach amtlichen Angaben sind 50.000
Menschen direkt von den Überschwemmungen betroffen. Die Schäden gehen
in die Milliarden. Eigens reiste Präsident Putin zum Krisengipfel an das
Wasserkraftwerk Sajano-Schuschensk, das vor Jahren durch einen Unfall
schwer beschädigt worden war und derzeit neu errichtet wird. Fünf von
zehn Turbinen laufen wieder.
Um die Hochwasserschäden zukünftig zu
reduzieren, legte Jewgeni Dod, Geschäftsführer bei RusHydro, ein
Konzept vor, wie sein Unternehmen über Kaskaden von neuen Staubecken den
Wasserstand des Amur künftig unter die kritische Marke von 7,50 m
drücken will. Die alten Pläne für den Bau von Staubecken und
Wasserkraftanlagen kamen da wie gerufen.
Die Höhe der Baukosten
und die Finanzierung sind noch nicht geklärt. Zunächst muss RusHydro die
Kosten neu berechnen, weil die vorhandenen Preiskalkulationen mehrere
Jahre alt sind. Anschließend muss das Unternehmen die Technologie für
seine Kraftwerke auswählen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sich
die Prioritäten im Vergleich zu früheren Planungen verschoben haben:
Hochwasserschutz hat inzwischen Vorrang und die Stromerzeugung hat sich
dem unterzuordnen.
Für die zusätzlich entstehenden Kapazitäten zur
Stromerzeugung müssen entweder Fernübertragungslinien nach Chabarowsk
und in die Region Primorje gebaut werden. Oder das im Fernen Osten
isoliert aufgestellte Stromverbundnetz wird mit dem Energiesystem
Sibiriens verknüpft. Letztes hätte den Vorteil, dass die verschiedenen
Zeitzonen genutzt werden können, um Spitzen auszugleichen. Diese
strategische Entscheidung steht noch aus.
Aus eigener Kraft
scheint RusHydro nicht in der Lage zu sein, eine Finanzierung für die
sechs Wasserkraftwerke hinzubekommen. Derzeit sind die Strompreise stark
reguliert und bestimmte industrielle Großabnehmer müssen sogar zu
Vorzugsbedingungen beliefert werden. Möglich wären die Emission
sogenannter Infrastrukturobligationen oder eine Kapitalerhöhung bei
RusHydro beziehungsweise die Kreditaufnahme im Tausch gegen
Besitzanteile an den neuen Anlagen. Eventuell wären an der letzten
Lösung Investoren aus der Volksrepublik China interessiert.
Weil
das Thema Hochwasserschutz drängt, dürfte sich der Staat an den
Gesamtkosten beteiligen. Die dazu notwendigen Milliardenbeträge könnten
dem Pensionsfonds oder dem Stabilitätsfonds entnommen werden. Das
Finanzministerium, das sich in die Debatte um den Hochwasserschutz
eingeschaltet hat, bevorzugt die Mittelentnahme aus dem Pensionsfonds.
Präsident Putin scheint ebenfalls in diese Richtung zu tendieren.
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E-Mail: office@rushydro.ru, Internet: http://www.rushydro.ru
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ul.Sovietskaja 5, Bürozenter Kronos, 630007 Novosibirsk
Tel./Fax: 007 383/289 18 09
E-Mail: post@energosib.ru, Internet: http://www.e4-energosib.ru
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