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Mittwoch, 23. Oktober 2013

Russische Stahlkonzerne straffen Investitionspläne

Metallurgiegiganten konzentrieren sich auf heimische Aktiva und investieren in Nischenprodukte
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russlands Metallurgiekonzerne stecken in der Krise. Einfache Massenmetalle sind kaum noch gefragt. Damit lässt sich kein Geld mehr verdienen. Auf Wachstum hoffen können nur Betriebe mit hoher Verarbeitungstiefe. Ihre Zukunft sehen Russlands Stahlgiganten als direkte Zulieferer der Automobilindustrie, des Schiffbaus und der Ausrüster für die Erdöl- und Erdgasbranche. Die Investitionen in die Metallerzeugung werden voraussichtlich künftig sinken.

Die russischen Metallurgiekonzerne drosseln ihre Produktion. In den ersten sechs Monaten 2013 sank der Output um 0,7%. Das Problem: Die Kosten für Energie, Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie Transport steigen in Russland aufgrund der Monopolstellung von Versorgern und Transportfirmen. Die Metallpreise sind jedoch aufgrund scharfer internationaler Konkurrenz im Keller. Die Werke sind kaum ausgelastet, die Rentabilität ist niedrig.

In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl kleiner Elektrostahlschmelzöfen in den russischen Regionen. Deren Hauptgeschäft ist die Verarbeitung von Metallschrott zu hochwertigem Stahl. Mittlerweile fehlt es immer öfter an einem wichtigen Rohstoff für die elektrometallurgische Produktion: Alteisen.
Die Triebfeder der russischen Stahlindustrie 2013 ist die positive Entwicklung im Bereich Stahlrohre. Alle Marktexperten erwarten eine deutliche Nachfragesteigerung nach Rohren mit großem Durchmesser. Doch klar ist: Die Nachfrage nach fertigem Walzgut wird im Vergleich zum Jahr 2012 sinken.

Mit Schwarz- und Buntmetallen allein lässt sich in Russland nichts mehr verdienen. Deshalb gehen große Metallurgiekonzerne dazu über, Spezialstähle für bestimmte Branchen zu produzieren. Im Fokus stehen die Automobilbranche, der Schiffbau, die Erdöl- und Erdgasindustrie. Der Stahlgigant Sewerstal etwa liefert an den spanischen Kfz-Teilehersteller Gestamp Automacion nach Kaluga. Von dort gehen die Komponenten direkt in die Produktion bei Volkswagen (VW). Kürzlich gab Gestamp bekannt, seinen Kapazitäten in Kaluga ausbauen zu wollen, weil die Nachfrage von VW nach Teilen steige. Sewerstal will 2013 wie geplant 1,3 Mrd. US$ investieren. Der Löwenanteil fließt in die Divisionen Russkaja Stal und Sewerstal resurs. Investitionen in Auslandsaktiva stellt der Konzern vorerst zurück.

Der Aluminiumgigant Rusal will seine defizitären Werke Bogoslowski, Uralski, Nadwoizki, Kandalakschski, Wolchowski und Wolgogradski am liebsten zu Komponentenherstellern für die Automobilindustrie umprofilieren. Rusal will internationalen Teileherstellern nicht nur den Rohstoff Aluminium zur Verfügung stellen, sondern auch die Fabrikinfrastruktur. Ein erster Schritt ist bereits getan. Rusal und die israelische Firma Omen High Pressure Die Casting haben sich bereits auf die Herstellung von Aluminiumteilen im Werk Wolchowski verständigt. Die Kosten des Projektes werden auf 12 Mio. US$ beziffert.
Bruttoanlageinvestitionen russischer Stahlerzeuger (in Mrd. Rubel)

2012 2013 *) 2014 *) 2015 *) 2016 *)
Investitionen in Ausrüstung zur Stahlerzeugung 249,5 210,5 190,8 184,7 185,8
Quelle: Wirtschaftsministerium der Russischen Föderation

Die Bruttoanlageinvestitionen in die Metallurgiebranche werden in den kommenden Jahren zwar zurückgehen. Aber es gibt trotzdem reichlich Projekte. Wie etwa bei OOO Abinski elektrometallurgitscheski sawod (Abbinsker Elektrometallurgisches Werk). Erst im August 2013 nahmen die Abinsker die zweite Produktionslinie für Elektrostahl in Betrieb, noch im laufenden Jahr soll mit der dritten Ausbaustufe des Werkes begonnen werden. Geplant ist eine Produktionsanlage für 600.000 t Stahldrähte pro Jahr. Wie die Administration der Region Krasnojarsk verlautbarte, soll bis 2016 zusätzlich noch in die Wasseraufbereitung und in weitere Lagerkapazitäten investiert werden.

Die Umsätze sinken, die Schuldenlast steigt - vor diesem Hintergrund will der Stahlriese Evraz sein Investitionsprogramm für 2013 massiv eindampfen. Von den geplanten 1,3 Mrd. US$ sollen in diesem Jahr lediglich 900 Mio. US$ investiert werden. Außerdem will Evraz die Stahlhütte Vitkovice Steel in Tschechien verkaufen. Wegen der niedrigen Nachfrage in Westeuropa werde das Werk nicht mehr gebraucht.

Auch der Nickelgigant Nornikel will sich bis Jahresende 2013 von Aktiva außerhalb des Kerngeschäftes trennen. Im 1. Halbjahr 2013 hat das Unternehmen die Ausgaben um 21% auf 900 Mio. US$ zurückgefahren. Der Grund: In diesem Zeitraum sind die Nickelpreise um durchschnittlich 12% gesunken, die Schulden stiegen um fast 37% auf knapp 6,9 Mrd. US$.
Der Stahlkonzern Metschel (Mechel) trennt sich ebenfalls von Produktionseinheiten. Für 425 Mio. US$ verkaufte Metschel das Eisenlegierungswerk Tichwinski Ferroslawnyi sawod in der Region Leningrad und das Bergbau-Aufbereitungswerk Woschod in Kasachstan. Damit gibt Metschel zwei bedeutende Aktiva zur Herstellung von Ferrolegierungen an die Türkische Yildirim-Gruppe ab.

Das Nowo-Lipetsker Metallurgische Kombinat (NLMK) rechnet für 2013 mit Investitionen von maximal 900 Mio. US$. Ursprünglich war das Management von mindestens 1 Mrd. US$ ausgegangen. Im Juli 2013 nahm NLMK eine neue Stahlanlage in Kaluga in Betrieb. Im 2. Halbjahr 2013 konzentriert sich der Konzern auf die Einführung eines neuen Verfahrens zur Kohlestaub-Injektion. Außerdem baut NLMK die Pelletierungskapazitäten im Aufbereitungswerk Stoilenski GOK auf 6 Mio. t pro Jahr aus.

Das Magnitogorsker Metallurgische Kombinat (MMK) im Südural rechnet in den kommenden Jahren mit einer Nachfragesteigerung in Russland von durchschnittlich 3% im Jahr. Zu den wichtigsten Abnehmern für MMK zählt Ewgeni Redin, Direktor für Geschäftsentwicklung, die Automobil- und die Schiffsbaubranche sowie den Erdgas- und Erdölsektor. Sein Unternehmen will er bei Produkten mit hohen Margen besonders stark aufstellen.

Kontaktanschriften:

Sewerstal
ul. Mira 30, 162608 Tscherepowez, Wologodskaja oblast
Tel.: 007 8202/53 09 00, Fax: -53 09 15
OOO Abinski Elektro-Metallurgitscheski sawod
ul. Promyschlennaja 4, 353320 Abinsk, Abinski rajon, Krasnodarski krai
Tel.: 007 86150/418 70
OOO Evraz Holding
ul. Beloweschskaja 4, Block B, 121353 Moskau
Tel.: 007 495/363 19 63
OAO Metschel (Mechel)
ul. Krasnoarmejskaja 1, 125993 Moskau
Tel.: 007 495/221 88 88
OAO Magnitogorski metallurgitscheski kombinat (MMK)
Kaufmännischer Direktor: Oleg Schaschkow
ul. Kirowa 93, Magnitogorsk, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 3519/24 55 77, Fax: -25 37 10
OAO Nowolipezki metallurgitscheski kombinat (NLMK)
Abteilung für technologische Ausrüstung
Leonid Sergejewitsch Tschistjakow, Leiter
Prospekt Metallurgow 2, 398040 Lipezk
Tel.: 007 4742/44 24 55, Fax: -44 11 11
E-Mail: info@nlmk.ru, Internet: http://www.nlmk.ru
OAO GMK "Norilski nikel"
ul. Bolschaja Tatarskaja 11, 115184 Moskau
Tel: 007 495/786 83 20, Fax: -797 86 13
UK Rusal
ul. Nikolo-Jamskaja 13, str. 1, 109240 Moskau
Tel.: 007 495/720 51 70, Fax: -745 70 46
(H.B.)


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