Metallurgiegiganten konzentrieren sich auf heimische Aktiva und investieren in Nischenprodukte
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russlands Metallurgiekonzerne stecken in der Krise. Einfache
Massenmetalle sind kaum noch gefragt. Damit lässt sich kein Geld mehr
verdienen. Auf Wachstum hoffen können nur Betriebe mit hoher
Verarbeitungstiefe. Ihre Zukunft sehen Russlands Stahlgiganten als
direkte Zulieferer der Automobilindustrie, des Schiffbaus und der
Ausrüster für die Erdöl- und Erdgasbranche. Die Investitionen in die
Metallerzeugung werden voraussichtlich künftig sinken.
Die russischen Metallurgiekonzerne drosseln ihre Produktion. In
den ersten sechs Monaten 2013 sank der Output um 0,7%. Das Problem: Die
Kosten für Energie, Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie Transport
steigen in Russland aufgrund der Monopolstellung von Versorgern und
Transportfirmen. Die Metallpreise sind jedoch aufgrund scharfer
internationaler Konkurrenz im Keller. Die Werke sind kaum ausgelastet,
die Rentabilität ist niedrig.
In den vergangenen Jahren wuchs die
Zahl kleiner Elektrostahlschmelzöfen in den russischen Regionen. Deren
Hauptgeschäft ist die Verarbeitung von Metallschrott zu hochwertigem
Stahl. Mittlerweile fehlt es immer öfter an einem wichtigen Rohstoff für
die elektrometallurgische Produktion: Alteisen.
Die Triebfeder
der russischen Stahlindustrie 2013 ist die positive Entwicklung im
Bereich Stahlrohre. Alle Marktexperten erwarten eine deutliche
Nachfragesteigerung nach Rohren mit großem Durchmesser. Doch klar ist:
Die Nachfrage nach fertigem Walzgut wird im Vergleich zum Jahr 2012
sinken.
Mit Schwarz- und Buntmetallen allein lässt sich in
Russland nichts mehr verdienen. Deshalb gehen große Metallurgiekonzerne
dazu über, Spezialstähle für bestimmte Branchen zu produzieren. Im Fokus
stehen die Automobilbranche, der Schiffbau, die Erdöl- und
Erdgasindustrie. Der Stahlgigant Sewerstal etwa liefert an den
spanischen Kfz-Teilehersteller Gestamp Automacion nach Kaluga. Von dort
gehen die Komponenten direkt in die Produktion bei Volkswagen (VW).
Kürzlich gab Gestamp bekannt, seinen Kapazitäten in Kaluga ausbauen zu
wollen, weil die Nachfrage von VW nach Teilen steige. Sewerstal will
2013 wie geplant 1,3 Mrd. US$ investieren. Der Löwenanteil fließt in die
Divisionen Russkaja Stal und Sewerstal resurs. Investitionen in
Auslandsaktiva stellt der Konzern vorerst zurück.
Der
Aluminiumgigant Rusal will seine defizitären Werke Bogoslowski, Uralski,
Nadwoizki, Kandalakschski, Wolchowski und Wolgogradski am liebsten zu
Komponentenherstellern für die Automobilindustrie umprofilieren. Rusal
will internationalen Teileherstellern nicht nur den Rohstoff Aluminium
zur Verfügung stellen, sondern auch die Fabrikinfrastruktur. Ein erster
Schritt ist bereits getan. Rusal und die israelische Firma Omen High
Pressure Die Casting haben sich bereits auf die Herstellung von
Aluminiumteilen im Werk Wolchowski verständigt. Die Kosten des Projektes
werden auf 12 Mio. US$ beziffert.
Bruttoanlageinvestitionen russischer Stahlerzeuger (in Mrd. Rubel)
| 2012 | 2013 *) | 2014 *) | 2015 *) | 2016 *) | |
| Investitionen in Ausrüstung zur Stahlerzeugung | 249,5 | 210,5 | 190,8 | 184,7 | 185,8 |
Quelle: Wirtschaftsministerium der Russischen Föderation
Die
Bruttoanlageinvestitionen in die Metallurgiebranche werden in den
kommenden Jahren zwar zurückgehen. Aber es gibt trotzdem reichlich
Projekte. Wie etwa bei OOO Abinski elektrometallurgitscheski sawod
(Abbinsker Elektrometallurgisches Werk). Erst im August 2013 nahmen die
Abinsker die zweite Produktionslinie für Elektrostahl in Betrieb, noch
im laufenden Jahr soll mit der dritten Ausbaustufe des Werkes begonnen
werden. Geplant ist eine Produktionsanlage für 600.000 t Stahldrähte pro
Jahr. Wie die Administration der Region Krasnojarsk verlautbarte, soll
bis 2016 zusätzlich noch in die Wasseraufbereitung und in weitere
Lagerkapazitäten investiert werden.
Die Umsätze sinken, die
Schuldenlast steigt - vor diesem Hintergrund will der Stahlriese Evraz
sein Investitionsprogramm für 2013 massiv eindampfen. Von den geplanten
1,3 Mrd. US$ sollen in diesem Jahr lediglich 900 Mio. US$ investiert
werden. Außerdem will Evraz die Stahlhütte Vitkovice Steel in Tschechien
verkaufen. Wegen der niedrigen Nachfrage in Westeuropa werde das Werk
nicht mehr gebraucht.
Auch der Nickelgigant Nornikel will sich bis
Jahresende 2013 von Aktiva außerhalb des Kerngeschäftes trennen. Im 1.
Halbjahr 2013 hat das Unternehmen die Ausgaben um 21% auf 900 Mio. US$
zurückgefahren. Der Grund: In diesem Zeitraum sind die Nickelpreise um
durchschnittlich 12% gesunken, die Schulden stiegen um fast 37% auf
knapp 6,9 Mrd. US$.
Der Stahlkonzern Metschel (Mechel) trennt sich
ebenfalls von Produktionseinheiten. Für 425 Mio. US$ verkaufte Metschel
das Eisenlegierungswerk Tichwinski Ferroslawnyi sawod in der Region
Leningrad und das Bergbau-Aufbereitungswerk Woschod in Kasachstan. Damit
gibt Metschel zwei bedeutende Aktiva zur Herstellung von
Ferrolegierungen an die Türkische Yildirim-Gruppe ab.
Das
Nowo-Lipetsker Metallurgische Kombinat (NLMK) rechnet für 2013 mit
Investitionen von maximal 900 Mio. US$. Ursprünglich war das Management
von mindestens 1 Mrd. US$ ausgegangen. Im Juli 2013 nahm NLMK eine neue
Stahlanlage in Kaluga in Betrieb. Im 2. Halbjahr 2013 konzentriert sich
der Konzern auf die Einführung eines neuen Verfahrens zur
Kohlestaub-Injektion. Außerdem baut NLMK die Pelletierungskapazitäten im
Aufbereitungswerk Stoilenski GOK auf 6 Mio. t pro Jahr aus.
Das
Magnitogorsker Metallurgische Kombinat (MMK) im Südural rechnet in den
kommenden Jahren mit einer Nachfragesteigerung in Russland von
durchschnittlich 3% im Jahr. Zu den wichtigsten Abnehmern für MMK zählt
Ewgeni Redin, Direktor für Geschäftsentwicklung, die Automobil- und die
Schiffsbaubranche sowie den Erdgas- und Erdölsektor. Sein Unternehmen
will er bei Produkten mit hohen Margen besonders stark aufstellen.
Kontaktanschriften:
Sewerstal
ul. Mira 30, 162608 Tscherepowez, Wologodskaja oblast
Tel.: 007 8202/53 09 00, Fax: -53 09 15
E-Mail: severstal@severstal.com, Internet: http://www.severstal.com
OOO Abinski Elektro-Metallurgitscheski sawod
ul. Promyschlennaja 4, 353320 Abinsk, Abinski rajon, Krasnodarski krai
Tel.: 007 86150/418 70
E-Mail: priemnaya@abinmetall.ru, Internet: http://www.abinmetall.ru
OOO Evraz Holding
ul. Beloweschskaja 4, Block B, 121353 Moskau
Tel.: 007 495/363 19 63
E-Mail: info@evraz.com, Internet: http://www.evraz.com
E-Mail: mechel@mechel.ru, Internet: http://www.mechel.ru
OAO Metschel (Mechel)
ul. Krasnoarmejskaja 1, 125993 Moskau
Tel.: 007 495/221 88 88
OAO Magnitogorski metallurgitscheski kombinat (MMK)
Kaufmännischer Direktor: Oleg Schaschkow
ul. Kirowa 93, Magnitogorsk, Tscheljabinskaja oblast
Tel.: 007 3519/24 55 77, Fax: -25 37 10
Internet: http://www.mmk.ru
OAO Nowolipezki metallurgitscheski kombinat (NLMK)
Abteilung für technologische Ausrüstung
Leonid Sergejewitsch Tschistjakow, Leiter
Prospekt Metallurgow 2, 398040 Lipezk
Tel.: 007 4742/44 24 55, Fax: -44 11 11
E-Mail: info@nlmk.ru, Internet: http://www.nlmk.ru
OAO GMK "Norilski nikel"
ul. Bolschaja Tatarskaja 11, 115184 Moskau
Tel: 007 495/786 83 20, Fax: -797 86 13
E-Mail: gmk@nornik.ru, Internet: http://www.nornik.ru
UK Rusal
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Tel.: 007 495/720 51 70, Fax: -745 70 46
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