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Montag, 21. Oktober 2013

Russland baut neue Fabriken für Stahlrohre

Regierung prüft Ökoabgabe für Alteisenexporte
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Das Geschäft mit Stahlrohren in Russland floriert. Das Marktvolumen in der Zollunion Russland, Kasachstan und Belarus liegt bei 10 Mio. t pro Jahr. Die führenden russischen Konzerne investieren Hunderte Millionen US-Dollar in die Modernisierung ihrer Fabriken. Außerdem spezialisieren sie sich zusehends auf die Weiterverarbeitung von Schrott. Die Zollunion schützt sich mit tarifären Handelshemmnissen gegen Stahlrohrimporte aus der Volksrepublik China.

Das Unternehmen Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija (TMK) investiert zurzeit in zwei strategische Projekte. Erstens geht es um eine Walzanlage im Sewerski trubnyi sawod in der Stadt Polewski mit einer Kapazität von 600.000 t Nahtlosrohren pro Jahr. Zweitens um einen Elektroofen im Metallurgiewerk Taganrog in der Region Rostow mit einer Kapazität von 950.000 t. Dieser Elektroofen ist auch zur Verarbeitung von Altmetall geeignet. Im Jahr 2013 plant TMK-Chef Wladimir Schmatowitsch Investitionen von circa 400 Mio. US$. Für 2014 ist fast dieselbe Summe vorgesehen. Danach will Schmatowitsch zwar weiter investieren. Aber nicht mehr in neue Anlagen, sondern in die Modernisierung bestehender Produktionslinien.

TMK war schon in den vergangenen Jahren ein wichtiger Abnehmer von Technik zur Herstellung von Stahlrohren. Zuletzt lagen die jährlichen Investitionen stets zwischen 400 Mio. und 450 Mio. US$ jährlich. TMK gehört zu den wichtigsten Stahlrohrproduzenten weltweit und verkauft seine Produkte in über 65 Länder. Das Unternehmen verfügt über Produktionsanlagen in Russland (Taganrogski metsawod; Stahlrohrwerke Wolschski, Sinarski und Sewerski; TMK Neftegasservice), in den USA (TMK IPSCO), in Rumänien (Rohrwerk TMK-Artrom und Metallurgiewerk TMK-Resita) und in Kasachstan (TMK-Kastrubprom).

Mitte September 2013 gaben die TMK-Tochterfirma TMK-Inoks und die russische Staatsholding Rosnano die Übernahme des Moskauer Spezialstahlherstellers Arinyi bekannt. Das Unternehmen produziert elektrogeschweißte, rostfreie Stahlrohre her. Auf insgesamt acht Linien können in dem Werk 6.000 t Stahlrohre mit einem Durchmesser von 8 bis 76 mm erzeugt werden.

Die Russische Föderation ist ein wichtiger Markt für große Stahlrohre. Jahr für Jahr werden auf dem Gebiet der Zollunion Russland-Belarus-Kasachstan 10 Mio. t Stahlrohre verkauft, davon 2012 allein in Russland 1,8 Mio. t Rohre mit großem Durchmesser für den Pipelinebau. Das rohstoffreichste Land der Welt braucht Pipelines, um Erdöl und Erdgas ins Ausland zu exportieren. Die South-Stream-Pipeline und eine geplante neue Gasleitung aus der Republik Sacha-Jakutien in die Region Primorje sind die größten Projekte der kommenden Jahre.

Die Produktion von Stahlrohren in Russland ging 2012 um 40% auf 2 Mio. t zurück. Marktführer sind die vier russischen Konzerne Obedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija (OMK), Tscheljabinski truboprokatnyi sawod, Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija (TMK) und Isolazionnyi trubnyi sawod.

Für die Herstellung von Stahlrohren braucht es vor allem Stahl. Viel Stahl. So viel, dass Russland sich Sorgen macht um die Versorgungssicherheit seiner Hütten- und Walzwerke mit Eisenerz. Premier Dmitri Medwedew lässt die Beamten im Industrie- und Handelsministerium prüfen, wie der Ausverkauf von Metallschrott vermieden werden kann. Im Gespräch ist die Erhebung einer Ökoabgabe auf den Export von Alteisen. Alternativ könnte die Umsatzsteuer auf den Import von Eisenschrott abgeschafft werden.

Der Ansatz ist nachvollziehbar. In Russland boomen Mini-Stahlwerke, die teils oder sogar ausschließlich auf Alteisenbasis produzieren. So hat der Stahlgigant NLMK im Juni 2013 eine entsprechende Anlage in Betrieb genommen. TMK baut einen mit Metallschrott betriebenen Elektrostahlofen in Taganrog. Severstal verfolgt ein entsprechendes Projekt in Balakow. Wenn dieser Trend weiter anhält, dann könnte Russland bereits 2014 mit einem Metallschrottdefizit zu kämpfen haben. Die Folge. Alteisen müsste aus dem Ausland importiert werden. Insofern begrüßen Russlands Metallkonzerne sämtliche Maßnahmen, welche die Verfügbarkeit von Metallschrott verbessern.

Russische Rohrhersteller sind nicht nur bestrebt ihre Rohstoffbasis zu sichern, sie wehren sich zudem gegen Konkurrenz von außen. Seit Mitte April 2013 gilt in den Ländern der Zollunion Russland, Belarus und Kasachstan ein Importzollsatz von 19,15% auf nahtlose, rostfreie Rohre aus kaltgewalztem Stahl aus der Volksrepublik China. Außerdem haben die Marktführer längst das Ausland für sich als Absatzmarkt entdeckt. Das Tscheljabinski truboprokatnyi sawod will sich künftig gezielt auf Ausschreibungen in Ausland bewerben, sagte Generaldirektor Jaroslaw Schdan. Deshalb wird in Russland immer öfter auf hohem Qualitätsniveau produziert. Die dazu erforderlichen Anlagen erwerben Russlands Stahlriesen bevorzugt in Deutschland.

Bis 2011 übertrafen die Importe von Rohren aus Eisenmetall noch deutlich die Exporte. Im Jahr 2011 standen Einfuhren von Rohren aus Eisenmetall (HS-Positionen 7303 bis 7305) in Höhe von 2,3 Mrd. US$ Ausfuhren in Höhe von knapp 900 Mio. $ gegenüber. Im Jahr 2012 drehten sich die Vorzeichen. Importiert wurden nur noch Stahlrohre für 1,17 Mrd. $, während Rohre für 1,4 Mrd. $ exportiert wurden.
Verkäufe von Stahlrohren großen Durchmessers in Russland (in 1.000 t)

Jahr 2012
Insgesamt, davon 1.801,5
.Obedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija 600,0
.OAO Tscheljabinski truboprokatnyi sawod 541,9
.Isolazionnyi trubnyi sawod 296,0
.Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija 266,8
.Andere russische Rohrhersteller 47,4
.Charzyski trubnyi sawod (Ukraine) 27,7
.Andere ausländische Rohrhersteller 17,1
.Interpipe (Ukraine) 4,5
Quelle: OAO Tscheljabinski truboprokatnyi sawod, zitiert in "Wedomosti"

Kontaktanschriften:

Objedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija (OMK)
Oserkowskaja nab. 28, str. 2, 115184 Moskau
Tel.: 007 495/231 77 71, Fax: -231 77 72
Tscheljabinski truboprokatnyi sawod
ul. Maschinostroitelej 21, 454129 Tscheljabinsk
Tel.: 007 351/255 73 33
Isolazionnyi trubnyi sawod
ul. Babuschkina 9, 141320 Pereswet, Sergijewo-Posadski rajon, Moskowskaja oblast
Tel.: 007 495/988 06 86
Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija (TMK)
ul. Pokrowka 40, str. 2A, 105062 Moskau
Tel.: 007 495/775 76 00, Fax: -775 76 01
(H.B.)


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