Regierung prüft Ökoabgabe für Alteisenexporte
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Das Geschäft mit Stahlrohren in Russland floriert. Das
Marktvolumen in der Zollunion Russland, Kasachstan und Belarus liegt bei
10 Mio. t pro Jahr. Die führenden russischen Konzerne investieren
Hunderte Millionen US-Dollar in die Modernisierung ihrer Fabriken.
Außerdem spezialisieren sie sich zusehends auf die Weiterverarbeitung
von Schrott. Die Zollunion schützt sich mit tarifären Handelshemmnissen
gegen Stahlrohrimporte aus der Volksrepublik China.
Das Unternehmen Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija (TMK)
investiert zurzeit in zwei strategische Projekte. Erstens geht es um
eine Walzanlage im Sewerski trubnyi sawod in der Stadt Polewski mit
einer Kapazität von 600.000 t Nahtlosrohren pro Jahr. Zweitens um einen
Elektroofen im Metallurgiewerk Taganrog in der Region Rostow mit einer
Kapazität von 950.000 t. Dieser Elektroofen ist auch zur Verarbeitung
von Altmetall geeignet. Im Jahr 2013 plant TMK-Chef Wladimir
Schmatowitsch Investitionen von circa 400 Mio. US$. Für 2014 ist fast
dieselbe Summe vorgesehen. Danach will Schmatowitsch zwar weiter
investieren. Aber nicht mehr in neue Anlagen, sondern in die
Modernisierung bestehender Produktionslinien.
TMK war schon in den
vergangenen Jahren ein wichtiger Abnehmer von Technik zur Herstellung
von Stahlrohren. Zuletzt lagen die jährlichen Investitionen stets
zwischen 400 Mio. und 450 Mio. US$ jährlich. TMK gehört zu den
wichtigsten Stahlrohrproduzenten weltweit und verkauft seine Produkte in
über 65 Länder. Das Unternehmen verfügt über Produktionsanlagen in
Russland (Taganrogski metsawod; Stahlrohrwerke Wolschski, Sinarski und
Sewerski; TMK Neftegasservice), in den USA (TMK IPSCO), in Rumänien
(Rohrwerk TMK-Artrom und Metallurgiewerk TMK-Resita) und in Kasachstan
(TMK-Kastrubprom).
Mitte September 2013 gaben die TMK-Tochterfirma
TMK-Inoks und die russische Staatsholding Rosnano die Übernahme des
Moskauer Spezialstahlherstellers Arinyi bekannt. Das Unternehmen
produziert elektrogeschweißte, rostfreie Stahlrohre her. Auf insgesamt
acht Linien können in dem Werk 6.000 t Stahlrohre mit einem Durchmesser
von 8 bis 76 mm erzeugt werden.
Die Russische Föderation ist ein
wichtiger Markt für große Stahlrohre. Jahr für Jahr werden auf dem
Gebiet der Zollunion Russland-Belarus-Kasachstan 10 Mio. t Stahlrohre
verkauft, davon 2012 allein in Russland 1,8 Mio. t Rohre mit großem
Durchmesser für den Pipelinebau. Das rohstoffreichste Land der Welt
braucht Pipelines, um Erdöl und Erdgas ins Ausland zu exportieren. Die
South-Stream-Pipeline und eine geplante neue Gasleitung aus der Republik
Sacha-Jakutien in die Region Primorje sind die größten Projekte der
kommenden Jahre.
Die Produktion von Stahlrohren in Russland ging
2012 um 40% auf 2 Mio. t zurück. Marktführer sind die vier russischen
Konzerne Obedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija (OMK),
Tscheljabinski truboprokatnyi sawod, Trubnaja metallurgitscheskaja
kompanija (TMK) und Isolazionnyi trubnyi sawod.
Für die
Herstellung von Stahlrohren braucht es vor allem Stahl. Viel Stahl. So
viel, dass Russland sich Sorgen macht um die Versorgungssicherheit
seiner Hütten- und Walzwerke mit Eisenerz. Premier Dmitri Medwedew lässt
die Beamten im Industrie- und Handelsministerium prüfen, wie der
Ausverkauf von Metallschrott vermieden werden kann. Im Gespräch ist die
Erhebung einer Ökoabgabe auf den Export von Alteisen. Alternativ könnte
die Umsatzsteuer auf den Import von Eisenschrott abgeschafft werden.
Der
Ansatz ist nachvollziehbar. In Russland boomen Mini-Stahlwerke, die
teils oder sogar ausschließlich auf Alteisenbasis produzieren. So hat
der Stahlgigant NLMK im Juni 2013 eine entsprechende Anlage in Betrieb
genommen. TMK baut einen mit Metallschrott betriebenen Elektrostahlofen
in Taganrog. Severstal verfolgt ein entsprechendes Projekt in Balakow.
Wenn dieser Trend weiter anhält, dann könnte Russland bereits 2014 mit
einem Metallschrottdefizit zu kämpfen haben. Die Folge. Alteisen müsste
aus dem Ausland importiert werden. Insofern begrüßen Russlands
Metallkonzerne sämtliche Maßnahmen, welche die Verfügbarkeit von
Metallschrott verbessern.
Russische Rohrhersteller sind nicht nur
bestrebt ihre Rohstoffbasis zu sichern, sie wehren sich zudem gegen
Konkurrenz von außen. Seit Mitte April 2013 gilt in den Ländern der
Zollunion Russland, Belarus und Kasachstan ein Importzollsatz von 19,15%
auf nahtlose, rostfreie Rohre aus kaltgewalztem Stahl aus der
Volksrepublik China. Außerdem haben die Marktführer längst das Ausland
für sich als Absatzmarkt entdeckt. Das Tscheljabinski truboprokatnyi
sawod will sich künftig gezielt auf Ausschreibungen in Ausland bewerben,
sagte Generaldirektor Jaroslaw Schdan. Deshalb wird in Russland immer
öfter auf hohem Qualitätsniveau produziert. Die dazu erforderlichen
Anlagen erwerben Russlands Stahlriesen bevorzugt in Deutschland.
Bis
2011 übertrafen die Importe von Rohren aus Eisenmetall noch deutlich
die Exporte. Im Jahr 2011 standen Einfuhren von Rohren aus Eisenmetall
(HS-Positionen 7303 bis 7305) in Höhe von 2,3 Mrd. US$ Ausfuhren in Höhe
von knapp 900 Mio. $ gegenüber. Im Jahr 2012 drehten sich die
Vorzeichen. Importiert wurden nur noch Stahlrohre für 1,17 Mrd. $,
während Rohre für 1,4 Mrd. $ exportiert wurden.
Verkäufe von Stahlrohren großen Durchmessers in Russland (in 1.000 t)
| Jahr 2012 | |
| Insgesamt, davon | 1.801,5 |
| .Obedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija | 600,0 |
| .OAO Tscheljabinski truboprokatnyi sawod | 541,9 |
| .Isolazionnyi trubnyi sawod | 296,0 |
| .Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija | 266,8 |
| .Andere russische Rohrhersteller | 47,4 |
| .Charzyski trubnyi sawod (Ukraine) | 27,7 |
| .Andere ausländische Rohrhersteller | 17,1 |
| .Interpipe (Ukraine) | 4,5 |
Quelle: OAO Tscheljabinski truboprokatnyi sawod, zitiert in "Wedomosti"
Kontaktanschriften:
Objedinjonnaja metallurgitscheskaja kompanija (OMK)
Oserkowskaja nab. 28, str. 2, 115184 Moskau
Tel.: 007 495/231 77 71, Fax: -231 77 72
Internet: http://www.omk.ru
Tscheljabinski truboprokatnyi sawod
ul. Maschinostroitelej 21, 454129 Tscheljabinsk
Tel.: 007 351/255 73 33
Internet: http://www.chelpipe.ru
Isolazionnyi trubnyi sawod
ul. Babuschkina 9, 141320 Pereswet, Sergijewo-Posadski rajon, Moskowskaja oblast
Tel.: 007 495/988 06 86
Internet: http://www.i-t-z.ru
Trubnaja metallurgitscheskaja kompanija (TMK)
ul. Pokrowka 40, str. 2A, 105062 Moskau
Tel.: 007 495/775 76 00, Fax: -775 76 01
E-Mail: tmk@tmk-group.com, Internet: http://www.tmkgroup.ru
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland