Erneuerbare Energiequellen werden ausgebaut / Regierung vergibt Projektzuschüsse
Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Die russische Regierung hat ein Entwicklungsprogramm für die
Branchen Biotechnologie und Gentechnik bis 2019 verabschiedet. Mit
einbezogen ist die stärkere Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Bei der
Umsetzung ist Eile geboten, denn die Finanzierung für einen Großteil
der Projekte soll bereits 2013 und 2014 freigegeben werden.
Das Entwicklungsprogramm nimmt das Marktvolumen für biotechnische
und genmodifizierte Produkte als Ausgangspunkt. Dieses lag 2012 nach
amtlichen Angaben bei 128 Mrd. Rubel (2,92 Mrd. Euro; 1 Euro = 43,81
Rubel). Dieser Umfang soll bis 2019 schrittweise wachsen. Für 2015 wird
ein Marktvolumen von 180 Mrd. Rubel (4,11 Mrd. Euro) angepeilt. In der
Endstufe 2018 soll das Volumen 300 Mrd. Rubel (6,85 Mrd. Euro)
erreichen.
Der Ausbau der Kapazitäten zur Herstellung von bei
biotechnischen und genmodifizierten Produkten soll auch helfen, die
energie- und rohstofflastigen Exporte umzustrukturieren. Mit Ausfuhren
von weniger als 1 Mrd. Rubel (230 Mio. Euro) lag der Weltmarktanteil
Russlands bei biotechnischen und genmodifizierten Produkten 2012 bei nur
0,1%. Geht alles nach Plan, werden die Ausfuhren bis 2018 auf 50 Mrd.
Rubel (1,14 Mrd. Euro) anwachsen. Einige Produkte, etwa Biosprit oder
kompostierfähige Erzeugnisse, werden in Russland überhaupt noch nicht
hergestellt. Auch das soll sich ändern.
Anders als Biosprit werden
feste Biobrennstoffe bereits in Russland erzeugt. Der Ausstoß lag 2012
bei 3 Mio. t. Im Jahr 2018 sollen schon 16 Mio. t angeboten werden.
Parallel zu diesem Ausbau werden Raffinerien für Biosprit und
pflanzliche Kraftstoffzusätze errichtet. Angepeilt wird ein Anteil von
Biosprit und Zusätzen am gesamten Treibstoffverbrauch von 8% im Jahr
2018.
Die Regierung wird Fördermittel ausschließlich bestimmte
Regionen überweisen. Auch wenn das Auswahlverfahren noch läuft, ist
jetzt schon klar, dass die Anzahl der Projekte zur Erzeugung von
Biotreibstoffen und zur Nutzung alternativer Energiequellen steigen wird
- von aktuell 2 auf 10 im Jahr 2015 und weiter auf 20 im Jahr 2018.
Die
Regierung stellt bis 2018 für den Ausbau der Nutzung erneuerbarer
Energiequellen 1,8 Mrd. Rubel (410 Mio. Euro) an Zuschüssen zu Projekten
bereit. Im Ergebnis sollen grüne Kapazitäten im Umfang von 6,2 GW
entstehen, so die Prognosen des Energieministeriums. Der Anteil der
erneuerbaren Energien an der russischen Energiebilanz würde damit von
derzeit 0,8 auf 2,5% steigen, Wasserkraft nicht mit gerechnet.
Dass
bei der Nutzung alternativer Energiequellen und bei der Erzeugung von
Biosprit bislang wenig läuft, wird mit dem Überangebot an Erdöl, Erdgas
und Kohle erklärt. Demnach würden preisliche Anreize zum Ausbau
erneuerbarer und sauberer Energiequellen fehlen. Dies hat die Politik
erkannt und sich im Sommer 2013 die Aufgabe gestellt, bindende Vorgaben
zu erlassen und begleitend zur Implementierung Finanzierungen
bereitzustellen.
Auf politische Appelle zum Ausbau der
alternativen Energiegewinnung haben in der Vergangenheit vorrangig
Energiekonzerne reagiert, die sich mehrheitlich in staatlichem Besitz
befinden. Diese haben Evaluierungen durchgeführt und Pilotprojekte in
die Wege geleitet. Die Energiekonzerne sind sich darüber hinaus bewusst,
dass ihre Ölquellen nicht unendlich sprudeln und eines Tages auch kein
Erdgas mehr gefördert werden kann.
Darüber hinaus sinken die
Selbstkosten, zu denen Energie aus alternativen Quellen gewonnen werden
kann, bei gleichzeitig steigenden Ausgaben zur Förderung von
Kohlenwasserstoffen. Auch der russische Verbraucher fragt in der Tendenz
mehr "grüne" Energieformen nach. Mit alternativer Energie lässt sich
perspektivisch in Russland handfestes Geld verdienen.
Im größten
Flächenland der Welt spielen auch geographische, geologische und
klimatische Gründe eine Rolle beim geplanten Ausbau alternativer
Energien. So sind in der vulkanisch aktiven Zone Kamtschatkas
Geothermalkraftwerke schon seit Jahrzehnten in Betrieb. Andere
Landesteile, die ähnlich abgeschieden liegen, besitzen nur beschränkten
oder gar keinen Zugang zum Stromübertragungsnetz. Hier sehen Planer
genügend Gründe für die Nutzung autarker Energiequellen wie Wind und
Sonne. Dies betrifft unter anderem den Fernen Osten Russlands, wo Wind,
Sonne, Thermalenergie, Holzabfälle und Meeresströmungen für die
energetische Nutzung in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Gleiches
gilt für den Süden Russlands, wo sich zusätzlich noch Thermalquellen
und Abfälle aus der Massentierhaltung zur Energieerzeugung nutzen
lassen. Gleiches gilt für Zuckerraffinerien, aus denen als Nebenprodukt
Biobrennstoff gewonnen werden kann.
Eine Expertenkommission
stellte unlängst eine Landkarte für geeignete Standorte auf. Demnach
empfehlen sich für den Ausbau der Photovoltaik die Gebiete Astrachan,
Orenburg und Wolgograd sowie die Republik Kalmykien. Für
Windparkprojekte werden die Gebiete Uljanowsk, Astrachan und Orenburg
als geeignet befunden.
Zu den Vorreitern unter den
Versorgungsunternehmen rückte in jüngster Zeit die RAO ES Wostok auf.
Der Energieversorger baut im nördlichen Jakutien photovoltaische Anlagen
zur Erzeugung von 54.000 kWh Elektroenergie auf. In Burjatien soll mit
japanischer Hilfe die Windenergie Auftrieb erhalten. Im Zentralen
Föderalen Gebiet entsteht die größte Biogasanlage Russlands mit einer
Leistung von 56.000 kWh. Diesem Beispiel will das Gebiet Belgorod
folgen.
Gegen die stärkere Nutzung erneuerbarer Energiequellen
formiert sich aber auch Widerstand. Angeführt wird dieser von
Verbraucherverbänden und einigen Stromerzeugern. Das Argument der
Stromerzeuger stellt auf die vermeintlich hohen Investitionskosten für
Anlagen der alternativen Energieerzeugung nebst nachgeordneter
Infrastruktur zur Übertragung von Strom und zum Ausgleich von
Schwankungen ab. Die Verbraucherverbände warnen vor der Überwälzung
dieser Zusatzkosten von geschätzten 85 Mrd. Rubel (1,94 Mrd. Euro) pro
Jahr auf die privaten Haushalte.
Kontaktanschriften:
Ministerium für Energiewirtschaft
ul. Schepkina 42, 107996 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/631 98 58
E-Mail: minenergo@minenergo.gov.ru, Internet: http://minenergo.gov.ru
RAO ES Wostok
ul. Obraszowa 21, Gebäude A, 127018 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495/287 67 03
E-Mail: rao-esv@rao-esv.ru, Internet: http://rao-esv.ru
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland