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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Russlands Düngemittelhersteller wollen Kali-Schock schnell überwinden

Investitionen in Modernisierung und neue Projekte gehen weiter
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russlands Düngemittelkonzerne sind erfolgsverwöhnt. Sie produzieren zu extrem niedrigen Herstellkosten - dank guter Lagerstätten. Doch ein schwacher Rubelkurs und die gesunkene Nachfrage haben die Reingewinne im 1. Halbjahr 2013 schmelzen lassen. Dazu kam das Ausscheren von Uralkali aus dem gemeinsamen Vertrieb mit Belaruskali. Auch wenn das die Preise erheblich unter Druck setzte, die Investitionsrally in Lagerstätten und moderne Ausrüstung geht weiter.

Kalihersteller und Investoren waren schockiert: Der weltgrößte Kaliproduzent, Uralkali, hat mit seiner Ankündigung für Furore gesorgt. Generaldirektor Wladislaw Baumgertner gab Ende Juli 2013 bekannt, dass Uralkali künftig seine Produkte auf den Weltmärkten eigenständig vertreiben wolle und nicht mehr zusammen mit Belaruskali über den gemeinsamen Distributor Belorusskaja Kalinaja Kompanija (BKK). Uralkali wolle nicht länger auf hohe Preise setzen, sondern in erster Linie auf höhere Volumina. Uralkali will 2014 das Maximum an Düngemitteln verkaufen: 14 Mio. t. Im Jahr 2013 werden es voraussichtlich 10,5 Mio. t sein.

Innerhalb kürzester Zeit sank die Marktkapitalisierung der beiden größten Branchenunternehmen weltweit um 20 Mrd. US$. Mittlerweile sitzt Baumgertner in Belarus in Haft. Das Land wirft dem Uralkali-Chef vor, bei der Entscheidung Ende Juli sein Amt missbraucht zu haben. Schließlich ist Baumgertner auch Vorsitzender des Gemeinschaftsunternehmens BKK und hätte zugleich die Interessen des Exportkonsortiums im Blick haben müssen.

Für Agrarbetriebe hingegen bedeutet das: Sie werden künftig voraussichtlich wesentlich günstiger Düngemittel kaufen können. Die russische Wettbewerbsbehörde Föderaler Antimonopoldienst (FAS) begrüßt den gestiegenen Wettbewerb am russischen Markt und vor allem, "dass Belaruskali und Uralkali jetzt direkte Konkurrenten sind", sagt Sergei Werschinin. Werschinin ist der stellvertretende Abteilungsleiter für die chemische Industrie und den Agrarsektor bei FAS. Marktexperten wie Fares Kilzie von der Chemieberater-Gesellschaft Creon Energy glauben: Die Kalipreise dürften für lange Zeit unter den Durchschnittspreis der vergangenen Jahre fallen.

Nicht nur die Kalipreise stehen unter Druck. Die Hersteller von Düngemittel auf Phosphor- und Stickstoffbasis klagen über den schlechten Wechselkurs des Rubel und die verhaltene Nachfrage. Doch Besserung scheint in Sicht: Ewrochim-Marketingchef Dmitri Magasanik rechnet bereits zum Jahresende 2013 mit einer Nachfragesteigerung. Das sagte er auf der "6. Internationalen Düngemittelkonferenz" der Chemieberaterfirma Creon Energy Mitte September 2013 in Moskau. Auch ein Phosagro-Manager gab sich betont gelassen: In zwei, drei Monaten dürfte sich die Lage wieder etwas entspannen - zumindest aus Sicht der Düngemittelkonzerne.

Jetzt beginnt das Rätselraten: Welche Lagerstätten können angesichts der gesunkenen Preise noch erschlossen werden? Wo lohnen sich die immensen Investitionen nicht mehr? Klar ist: Wenig rentable Lagerstätten kommen wohl auf den Prüfstand. Marktexperte Fares Kilzie sagte dazu gegenüber Germany Trade and Invest: "Die Projekte in Russland gehen weiter, sie sind auch zu den derzeitigen Preisen rentabel."

Neue Lagerstätten, neue Ausrüstung, neue Projekte - Russlands Düngemittelriesen haben tatsächlich gigantische Pläne. Uralkali will zwischen 2013 und 2020 circa 2,3 Mrd. US$ investieren. Die Kapazitäten sollen auf 15 Mio. t Chlorkali pro Jahr steigen. Im Jahr 2015 wollen die Verantwortlichen bei Uralkali zusätzlich über die Lagerstätten Polowodowski und den zweiten Abschnitt der Solikamsk-3-Lagerstätte entscheiden. Allein mit diesen beiden Projekten ließen sich zusätzliche Kapazitäten von 4,2 Mio. t Kali jährlich erschließen.

Die russische Chemie- und Düngemittelholding Ewrochim (Eurochem) will ein Ammoniakwerk an ihrem Standort in Kingisepp bauen. Bis Oktober 2013 soll ein Generalauftragnehmer für den Bau ausgewählt werden. Die geplante Kapazität beträgt 700.000 t Ammoniak pro Jahr. Damit könnte Ewrochim künftig den Bedarf seiner Düngemittelwerke an Ammoniak eigenständig decken. Die Investitionssumme wird bei etwa 1 Mrd. US$ liegen. Bis 2017 will Ewrochim 4 Mrd. US$ investieren: 3,5 Mrd. US$ in die Kalisparte und 500 Mio. US$ in die Stickstoff- und Phosphorproduktion.

Der Düngemittelproduzent Phosagro hat im 1. Halbjahr 2013 den Output um 13% gesteigert. Dieser Expansionskurs soll fortgesetzt werden. Zusätzliche Kapazitäten, neue Düngemittelmarken und eine flexible, an der Nachfrage orientierte Produktion sollen den Geschäftserfolg des Unternehmens garantieren. Phosagro will künftig stärker auf dem russischen Markt aktiv sein. Dazu baut Phosagro in Tscherepowets im Gebiet Wologda eine neue Ammoniakanlage für 785 Mio. US$. Die Projektierung übernehmen zwei japanische Firmen: Mitshubishi Heavy Industries und Sijitz. Die türkische Firma Renaissance Heavy Industries baut die Anlage inklusive der dazu gehörenden Infrastruktur. Die Lizenz kommt von der dänischen Firma Haldor Topsoe.

Die russische Chemieholding Uralchim investiert im Laufe des Jahres 2013 knapp 90 Mio. Euro an zwei Standorten in der Region Perm. Davon fließen 52 Mio. Euro in das Werk in der Stadt Berezniki und 27 Mio. Euro an Mineralnyje Udobrenija in Perm. Dort soll unter anderem eine Ammoniakanlage modernisiert werden, um die Produktion von 25.000 auf 520.000 t zu steigern. Insgesamt investiert Uralchim 2013 rund 300 Mio. US$, sagte Generaldirektor Dmitri Konjajew in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung Rbk daily.

Ein weiterer russischer Düngemittelgigant, Akron, erschließt zurzeit die Lagerstätte Werchnekamsk im Gebiet Perm in der Ural-Region. Das erste Chlorkali soll ab 2016 aus dem Bergbau- und Aufbereitungskombinat Talizki gewonnen werden. Die Kapazitäten betragen etwa 2 Mio. t. Akron will 2013 und 2014 rund 600 Mio. US$ investieren.

Das Unternehmen Kuibyschewasot, Russlands größter Kaprolaktam-Produzent, will die Investitionen 2013 auf 6 Mrd. Rubel (rund 138 Mio. Euro; EZB-Wechselkurs vom 12.9.2013: 1 Euro = 43,54 Rubel) nahezu verdoppeln im Vergleich zum Vorjahr. Das wichtigste Projekt bis 2016 ist der Bau einer energieeffizienten Fabrik zur Herstellung von jährlich 140.000 t Cyclohexan.

Im Jahr 2011 hat die Holding Sibirski Delowoi Sojus die Kemerower Düngemittelfabrik Asot übernommen. Seither wird fleißig modernisiert. Die Kosten waren und sind immens: von 800 Mio. Rubel im Jahr 2011 stiegen die Investitionen im Folgejahr auf 1,6 Mrd. Rubel und schließlich auf 3 Mrd. Rubel (rund 68,9 Mio. Euro) im Jahr 2013. Im Jahr 2014 werden sie voraussichtlich auf ähnlich hohem Niveau liegen. Dieser finanzielle Kraftakt dürfte sich lohnen. Die Produktion von Ammoniak wird wahrscheinlich 2014 auf ein Volumen von über 1 Mio. t steigen, sagte der Generaldirektor des Werkes, Wiktor Smojago, gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Das wäre ein Plus von 7%. Dasselbe Wachstum prognostiziert er auch für die Produktion von Ammoniaksalpeter.

Russland produziert jährlich 50 Mio. t Düngemittel. Davon gehen 43 Mio. t ins Ausland. Nur 7 Mio. t verbrauchen heimische Landwirte selbst. Schuld daran ist vor allem die Finanzierung. Nach den Dürrejahren 2010 und 2011 sind viele Bauern bankrott, erhalten keine Kredite. Russische Düngemittelkonzerne stört das kaum: Sie verkaufen ihre Produkte ohnehin lieber im Ausland, denn da lassen sich Weltmarktpreise erzielen. In Russland drängen Regierung und Antimonopolbehörden die Chemiegiganten zu Rabatten für die heimischen Landwirte.

Kontaktanschriften

Creon Energy
Universitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: FaresKilzie@creonenergy.ru)
OAO Fosagro (Phosagro)
Leninski projesd 55/1, str. 1
Tel.: 007 495/232 96 89, Fax: -956 19 02
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Butikowski pereulok 7, 119034 Moskau
Tel.: 007 495/730 23 71, Fax: -730 23 93
OAO Akron
ul. Pretschistenka 37, str. 2, 119034 Moskau
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OAO OHK Uralchim
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Tel.: 007 495/721 89 89, Fax: -721 85 85
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OAO Kuibyschewasot
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(H.B.)


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