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Aktuelle Beiträge

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Russland verdreifacht Anteil erneuerbarer Energie bis 2020

Rosnano-Tochterfirma baut Solarkapazitäten / Schwerpunkt liegt auf Windenergie
Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Russland will bis 2020 über 6 GW Kraftwerksleistung auf Basis alternativer Energiequellen installieren. Gerade in entlegenen Siedlungen im Fernen Osten und in Sibirien stellen Solaranlagen und Windräder günstige Alternativen zu Diesel und Masut dar. Potenzielle Investoren können zwar auf Staatshilfe hoffen. Doch diese ist nicht für jedermann zugänglich und ihre Vergabe ist bürokratisch. Einen Anspruch auf das Einspeisen von Öko-Strom ins staatliche Netz gibt es nicht.

Russland verfolgt große Ziele zum Ausbau von Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energien. Bis 2020 sollen die Kapazitäten auf 6,2 GW steigen. Damit würde der Anteil alternativer Energien in der Energiebilanz des größten Landes der Welt von zurzeit 0,8% auf 2,5% wachsen. Momentan arbeitet das russische Energieministerium an einem entsprechenden Entwicklungsplan, sagte der stellvertretende Direktor für die Entwicklung der Stromwirtschaft, Jegor Grinkewitsch, Anfang August 2013 auf einem Seminar der International Finance Corporation (IFC).

Langsam aber sicher unternimmt Russland Schritte in Richtung alternativer Energien. Auch wenn diese bislang schlecht durchdacht sind. Zurzeit sucht Russland nach Unternehmen, die bereit sind, in "grüne" Kraftwerke zu investieren. Das Unternehmen Administrator Torgowoi Sistemy (ATS), das den russischen Großhandelsmarkt für Strom überwacht, nimmt entsprechende Anträge von interessierten Investoren entgegen. Es geht dabei um Kraftwerke, die von 2014 bis 2017 in Betrieb genommen werden sollen. Im Rahmen dieser ersten Ausschreibung für "grüne" Kraftwerke in Russland wird ATS entscheiden, welche Projekte nach der Inbetriebnahme damit rechnen können, dass der erzeugte Strom über den Großhandelsmarkt abgenommen wird.

Die Fördergelder sind für insgesamt maximal 2,1 GW installierte Leistung vorgesehen. Im Jahr 2014 dürfen Energieanlagen mit insgesamt 100 MW und in den beiden Folgejahren mit jeweils 250 MW gebaut werden. Für das Jahr 2017 sind Fördergelder für Kraftwerke mit insgesamt 500 MW vorgesehen. Auf Solaranlagen entfallen die restlichen 710 MW und auf kleine Wasserkraftwerke rund 290 MW. Die Wirtschaftszeitung "Kommersant" zufolge erwartet ATS, dass die meisten Anlagen im Bereich Windenergie entstehen.

Darüber hinaus definiert ATS auch die obere Grenze für Investitionen. Bei Wasserkraftwerken liegt diese bei 146.000 Rubel (3.317 Euro; EZB-Wechselkurs vom 30.8.13: 1 Euro = 44,01 Rubel) pro kW Leistung. Die Auswahl der Projekte erfolgt bis Ende September 2013.

Soviel zu den Plänen. Der Haken an dem Schema: Wer in grüne Energie investieren möchte, der braucht dazu unbedingt die Gewährleistung beziehungsweise Garantie eines großen Energiekonzerns zur Abnahme der erzeugten Energie. Das sind Energiekonzerne mit einer installierten Leistung von 2,5 GW. Nur wer dies schafft, kann darauf hoffen, dass sich die Investition im Laufe von 15 Jahren amortisiert. Gewinnen sollen angeblich die Projekte mit den niedrigsten Selbstkosten. Laut dem Regulator für den Strommarkt NP Sowjet rynka gebe es nur zwölf qualifizierte Teilnehmer, die solch ein Angebot abgeben könnten, schreibt die Wirtschaftszeitung "Kommersant".

Solarenergie

Die Renova Gruppe und die Staatsholding Rosnano investieren über ihr Gemeinschaftsunternehmen Hevel 2,7 Mrd. Rubel (über 60 Mio. Euro) in den Bau von Solarkraftwerken. Bis 2020 wollen beide Firmen Kapazitäten von mehr als 600 MW schaffen. Die Module für die Anlagen soll Hevel liefern. Die Technologie für die Solarmodule entwickelt Hevel im physikalisch-technischen Joffe-Institut in Sankt Petersburg und im Innovationsstädtchen Skolkowo. Produziert werden sie im Werk in Nowotscheboksarsk in der Republik Tschuwaschien. Das Werk verfügt über eine Kapazität von jährlich 1 Mio. Photovoltaik-Modulen mit einer Gesamtleistung von 130 MW. Die Technologie lieferte die Schweizer Renova-Tochterfirma Oerlikon Solar.

Den Bau und Betrieb der Solarparks wird das Unternehmen Avelar Solar Technology übernehmen. Es gehört über die in der Schweiz ansässige Avelar Energy Group zur Renova-Holding des russischen Großindustriellen Wiktor Wekselberg. Avelar Solar Technology soll nach dem Willen der beiden Aktionäre Renova und Rosnano als Tochtergesellschaft an dem Projekt von Hevel beteiligt werden.

Die Solaranlagen sollen nicht in einer Region konzentriert, sondern in ganz verschiedenen Gebieten errichtet werden. Die Zeitung "Wedomosti" nannte die Regionen Altai, Baschkortostan und Orenburg. Zwischen 2015 und 2017 sollen Hevel-Anlagen mit Kapazitäten von über 100 MW in diesen drei Gebieten installiert werden.

Der südkoreanische Technologiekonzern LG will sich an den Photovoltaik-Projekten von Hevel und Avelar Solar Technology beteiligen. Die Konzerntochter LG CNS hat laut Medienberichten eine Absichtserklärung mit beiden Unternehmen unterzeichnet. LG CNS soll ein Joint Venture mit dem Solarparkentwickler und -betreiber Avelar gründen und sich an der Finanzierung der Projekte beteiligen.

Laut dem Energieminister der Russischen Föderation, Alexander Nowak, sind im auch Fernen Osten Russland große Solaranlagen geplant, darunter in der Republik Sacha-Jakutien und in der Region Kamtschatka. Die Gesamtkapazität dieser Projekte soll 46 MW betragen. Dazu will der Energiekonzern RAO ES Wostok bis 2015 allein auf Kamtschatka 7,1 Mio. Rubel (160.000 Euro) investieren - vorwiegend in kleinen, entlegenen Siedlungen.

Der Fonds Rusenergoinvest arbeitet an einem Projekt für Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 50 MW. Dieser Fonds wurde von früheren RAO EES-Topmanagern gegründet. Die Anlage könnte womöglich beim Kraftwerk Kislowodsk in der Region Stawropol gebaut werden. Die Kosten sollen bei 4 Mrd. Rubel (rund 90 Mio. Euro) liegen, sagte der Generaldirektor des Fonds Dmitri Gluchow.

Windkraft

Das russische Energieministerium und der Wasserkraftmonopolist RusHydro (RusGidro) wollen zehn Windparks im Fernen Osten Russlands bauen. Das hat Energieminister Aleksandr Nowak Ende August 2013 auf einer Sitzung zur Entwicklung der Energiewirtschaft in Sibirien und im Fernen Osten gesagt. Geplant seien Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 12 MW. Die meisten davon sollen entlang der Küste des Stillen Ozeans und am Jagdmeer entstehen. Nach zwölf Jahren, so der Minister, dürften sich die Investitionsprojekte amortisiert haben.

Der Energiekonzern RAO ES Wostok will in die Nutzung alternativer Energiequellen in der Region Kamtschatka investieren. Insgesamt sind bis 2017 Ausgaben von knapp 2 Mrd. Rubel geplant, davon der Löwenanteil im Bereich Windenergie. Für Wind-Diesel-Anlagen sind 1,98 Mrd. Rubel (45 Mio. Euro) vorgesehen.

Das Unternehmen Wetroenergetitscheskije sistemy (Windenergiesysteme) will bis 2014 im Kreis Ejsk im Gebiet Krasnojarsk eine Windenergieanlage mit einer Kapazität von 60 MW bauen. Die Kosten sollen maximal 3,9 Mrd. Rubel (knapp 89 Mio. Euro) betragen, sagte der Chef des Unternehmens, Georgi Jermolenko. Zur Finanzierung will Georgi Jermolenko ein großes Finanzinstitut als Partner gewinnen.

WetroOGK, ein Tochterunternehmen des Aktienkonzerns OAO Atomenergomasch, prüft seit Frühjahr 2013 die Effektivität von Windkraftanlagen in Südrussland. Einzelne Windräder werden in den Regionen Adygeja, Stawropol und Krasnodar getestet. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob es sich für das Unternehmen lohnt, dort Windparks zu errichten, sagte der Generaldirektor von Atomenergomasch, Andrei Nikipelow, gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Wasserkraft

Russlands größter Stromerzeuger, RusHydro, betreibt riesige Wasserkraftwerke an den Flüssen Jenissei, Angara und Wolga. RusHydro plant aber nicht nur ein Megakraftwerk für 20 GW an der unteren Tunguska, das sogar die Kapazitäten des bislang größten russischen Kraftwerks Sajano-Schuschensk übertreffen würde. RusHydro will künftig auch verstärkt in kleine Wasserkraftwerke investieren, die zu den alternativen Energiequellen gezählt werden. Eines davon soll das Sengilejewskaja malaja GES in der Region Stawropol mit einer Kapazität von 10 MW sein.

Biogas

Russlands Beamte sind gegen die Förderung von Biogas-Anlagen. Diese wurden aus dem System zur Entwicklung der erneuerbaren Energie ausgeschlossen. Grund: Die Produktion von Biogas erreiche keine industriellen Ausmaße, heißt es im Energieministerium. Dabei ist das Potenzial riesig. In Russland könnten 72 Mrd. cbm Biogas gewonnen werden. Das entspricht dem Gasverbrauch des Nachbarlandes Ukraine in einem Jahr. Bislang gibt es russlandweit nur zwei fertige Anlagen. Die Zertifizierung dauert sehr lange, die Anlagen werfen keinen Gewinn ab, schreibt die Wirtschaftszeitung "Kommersant".

Kontaktanschriften:

OOO Hevel
ul. Krasnaja Presnja 22, 123022 Moskau
Tel.: 007 495/ 662 35 45, Fax: -662 35 38
Generaldirektor: Igor Achmerov
(Eigner: Renova Gruppe - 51%, OAO Rosnano - 49%)
OOO Avelar Solar Technology
ul. Krasnaja Presnja 22, 123022 Moskau
Tel.: 007 495/662 35 45, intern. N 133
E-Mail: avelar-solar.com, Internet: http://www.avelar-solar.com
Geschäftsführer der Avelar Energy Group: Igor Achmerov (http://www.avelarenergy.com)
Assoziazija solnetschnoi energetiki Rossi (AESR)
(Assoziation der Solarenergie Russlands)
Tel.: 007 495/662 35 45, ext. 131
Kontakt: Anton Usachev (gesprochen: Usatschjov, Mobiltel.: 007 916/232 71 20, E-Mail: usachev@pvrussia.ru, a.usachev@hevelsolar.com)
Rossijskaja Assoziazija wetroindustri (RAWI)
(Russische Assoziation der Windindustrie)
Polustrowski projesd 60, 195197 Sankt Petersburg
Tel.: 007 812/324 31 62, Fax: -324 48 84
Präsident: Igor Bryzgunow
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland