Rosnano-Tochterfirma baut Solarkapazitäten / Schwerpunkt liegt auf Windenergie
Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Russland will bis 2020 über 6 GW Kraftwerksleistung auf Basis
alternativer Energiequellen installieren. Gerade in entlegenen
Siedlungen im Fernen Osten und in Sibirien stellen Solaranlagen und
Windräder günstige Alternativen zu Diesel und Masut dar. Potenzielle
Investoren können zwar auf Staatshilfe hoffen. Doch diese ist nicht für
jedermann zugänglich und ihre Vergabe ist bürokratisch. Einen Anspruch
auf das Einspeisen von Öko-Strom ins staatliche Netz gibt es nicht.
Russland verfolgt große Ziele zum Ausbau von Kraftwerken auf
Basis erneuerbarer Energien. Bis 2020 sollen die Kapazitäten auf 6,2 GW
steigen. Damit würde der Anteil alternativer Energien in der
Energiebilanz des größten Landes der Welt von zurzeit 0,8% auf 2,5%
wachsen. Momentan arbeitet das russische Energieministerium an einem
entsprechenden Entwicklungsplan, sagte der stellvertretende Direktor für
die Entwicklung der Stromwirtschaft, Jegor Grinkewitsch, Anfang August
2013 auf einem Seminar der International Finance Corporation (IFC).
Langsam
aber sicher unternimmt Russland Schritte in Richtung alternativer
Energien. Auch wenn diese bislang schlecht durchdacht sind. Zurzeit
sucht Russland nach Unternehmen, die bereit sind, in "grüne" Kraftwerke
zu investieren. Das Unternehmen Administrator Torgowoi Sistemy (ATS),
das den russischen Großhandelsmarkt für Strom überwacht, nimmt
entsprechende Anträge von interessierten Investoren entgegen. Es geht
dabei um Kraftwerke, die von 2014 bis 2017 in Betrieb genommen werden
sollen. Im Rahmen dieser ersten Ausschreibung für "grüne" Kraftwerke in
Russland wird ATS entscheiden, welche Projekte nach der Inbetriebnahme
damit rechnen können, dass der erzeugte Strom über den Großhandelsmarkt
abgenommen wird.
Die Fördergelder sind für insgesamt maximal 2,1
GW installierte Leistung vorgesehen. Im Jahr 2014 dürfen Energieanlagen
mit insgesamt 100 MW und in den beiden Folgejahren mit jeweils 250 MW
gebaut werden. Für das Jahr 2017 sind Fördergelder für Kraftwerke mit
insgesamt 500 MW vorgesehen. Auf Solaranlagen entfallen die restlichen
710 MW und auf kleine Wasserkraftwerke rund 290 MW. Die
Wirtschaftszeitung "Kommersant" zufolge erwartet ATS, dass die meisten
Anlagen im Bereich Windenergie entstehen.
Darüber hinaus definiert
ATS auch die obere Grenze für Investitionen. Bei Wasserkraftwerken
liegt diese bei 146.000 Rubel (3.317 Euro; EZB-Wechselkurs vom 30.8.13: 1
Euro = 44,01 Rubel) pro kW Leistung. Die Auswahl der Projekte erfolgt
bis Ende September 2013.
Soviel zu den Plänen. Der Haken an dem
Schema: Wer in grüne Energie investieren möchte, der braucht dazu
unbedingt die Gewährleistung beziehungsweise Garantie eines großen
Energiekonzerns zur Abnahme der erzeugten Energie. Das sind
Energiekonzerne mit einer installierten Leistung von 2,5 GW. Nur wer
dies schafft, kann darauf hoffen, dass sich die Investition im Laufe von
15 Jahren amortisiert. Gewinnen sollen angeblich die Projekte mit den
niedrigsten Selbstkosten. Laut dem Regulator für den Strommarkt NP
Sowjet rynka gebe es nur zwölf qualifizierte Teilnehmer, die solch ein
Angebot abgeben könnten, schreibt die Wirtschaftszeitung "Kommersant".
Solarenergie
Die
Renova Gruppe und die Staatsholding Rosnano investieren über ihr
Gemeinschaftsunternehmen Hevel 2,7 Mrd. Rubel (über 60 Mio. Euro) in den
Bau von Solarkraftwerken. Bis 2020 wollen beide Firmen Kapazitäten von
mehr als 600 MW schaffen. Die Module für die Anlagen soll Hevel liefern.
Die Technologie für die Solarmodule entwickelt Hevel im
physikalisch-technischen Joffe-Institut in Sankt Petersburg und im
Innovationsstädtchen Skolkowo. Produziert werden sie im Werk in
Nowotscheboksarsk in der Republik Tschuwaschien. Das Werk verfügt über
eine Kapazität von jährlich 1 Mio. Photovoltaik-Modulen mit einer
Gesamtleistung von 130 MW. Die Technologie lieferte die Schweizer
Renova-Tochterfirma Oerlikon Solar.
Den Bau und Betrieb der
Solarparks wird das Unternehmen Avelar Solar Technology übernehmen. Es
gehört über die in der Schweiz ansässige Avelar Energy Group zur
Renova-Holding des russischen Großindustriellen Wiktor Wekselberg.
Avelar Solar Technology soll nach dem Willen der beiden Aktionäre Renova
und Rosnano als Tochtergesellschaft an dem Projekt von Hevel beteiligt
werden.
Die Solaranlagen sollen nicht in einer Region
konzentriert, sondern in ganz verschiedenen Gebieten errichtet werden.
Die Zeitung "Wedomosti" nannte die Regionen Altai, Baschkortostan und
Orenburg. Zwischen 2015 und 2017 sollen Hevel-Anlagen mit Kapazitäten
von über 100 MW in diesen drei Gebieten installiert werden.
Der
südkoreanische Technologiekonzern LG will sich an den
Photovoltaik-Projekten von Hevel und Avelar Solar Technology beteiligen.
Die Konzerntochter LG CNS hat laut Medienberichten eine
Absichtserklärung mit beiden Unternehmen unterzeichnet. LG CNS soll ein
Joint Venture mit dem Solarparkentwickler und -betreiber Avelar gründen
und sich an der Finanzierung der Projekte beteiligen.
Laut dem
Energieminister der Russischen Föderation, Alexander Nowak, sind im auch
Fernen Osten Russland große Solaranlagen geplant, darunter in der
Republik Sacha-Jakutien und in der Region Kamtschatka. Die
Gesamtkapazität dieser Projekte soll 46 MW betragen. Dazu will der
Energiekonzern RAO ES Wostok bis 2015 allein auf Kamtschatka 7,1 Mio.
Rubel (160.000 Euro) investieren - vorwiegend in kleinen, entlegenen
Siedlungen.
Der Fonds Rusenergoinvest arbeitet an einem Projekt
für Photovoltaikanlagen mit einer Kapazität von 50 MW. Dieser Fonds
wurde von früheren RAO EES-Topmanagern gegründet. Die Anlage könnte
womöglich beim Kraftwerk Kislowodsk in der Region Stawropol gebaut
werden. Die Kosten sollen bei 4 Mrd. Rubel (rund 90 Mio. Euro) liegen,
sagte der Generaldirektor des Fonds Dmitri Gluchow.
Windkraft
Das
russische Energieministerium und der Wasserkraftmonopolist RusHydro
(RusGidro) wollen zehn Windparks im Fernen Osten Russlands bauen. Das
hat Energieminister Aleksandr Nowak Ende August 2013 auf einer Sitzung
zur Entwicklung der Energiewirtschaft in Sibirien und im Fernen Osten
gesagt. Geplant seien Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 12 MW.
Die meisten davon sollen entlang der Küste des Stillen Ozeans und am
Jagdmeer entstehen. Nach zwölf Jahren, so der Minister, dürften sich die
Investitionsprojekte amortisiert haben.
Der Energiekonzern RAO ES
Wostok will in die Nutzung alternativer Energiequellen in der Region
Kamtschatka investieren. Insgesamt sind bis 2017 Ausgaben von knapp 2
Mrd. Rubel geplant, davon der Löwenanteil im Bereich Windenergie. Für
Wind-Diesel-Anlagen sind 1,98 Mrd. Rubel (45 Mio. Euro) vorgesehen.
Das
Unternehmen Wetroenergetitscheskije sistemy (Windenergiesysteme) will
bis 2014 im Kreis Ejsk im Gebiet Krasnojarsk eine Windenergieanlage mit
einer Kapazität von 60 MW bauen. Die Kosten sollen maximal 3,9 Mrd.
Rubel (knapp 89 Mio. Euro) betragen, sagte der Chef des Unternehmens,
Georgi Jermolenko. Zur Finanzierung will Georgi Jermolenko ein großes
Finanzinstitut als Partner gewinnen.
WetroOGK, ein
Tochterunternehmen des Aktienkonzerns OAO Atomenergomasch, prüft seit
Frühjahr 2013 die Effektivität von Windkraftanlagen in Südrussland.
Einzelne Windräder werden in den Regionen Adygeja, Stawropol und
Krasnodar getestet. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob es sich für das
Unternehmen lohnt, dort Windparks zu errichten, sagte der
Generaldirektor von Atomenergomasch, Andrei Nikipelow, gegenüber der
Nachrichtenagentur Ria Nowosti.
Wasserkraft
Russlands
größter Stromerzeuger, RusHydro, betreibt riesige Wasserkraftwerke an
den Flüssen Jenissei, Angara und Wolga. RusHydro plant aber nicht nur
ein Megakraftwerk für 20 GW an der unteren Tunguska, das sogar die
Kapazitäten des bislang größten russischen Kraftwerks Sajano-Schuschensk
übertreffen würde. RusHydro will künftig auch verstärkt in kleine
Wasserkraftwerke investieren, die zu den alternativen Energiequellen
gezählt werden. Eines davon soll das Sengilejewskaja malaja GES in der
Region Stawropol mit einer Kapazität von 10 MW sein.
Biogas
Russlands
Beamte sind gegen die Förderung von Biogas-Anlagen. Diese wurden aus
dem System zur Entwicklung der erneuerbaren Energie ausgeschlossen.
Grund: Die Produktion von Biogas erreiche keine industriellen Ausmaße,
heißt es im Energieministerium. Dabei ist das Potenzial riesig. In
Russland könnten 72 Mrd. cbm Biogas gewonnen werden. Das entspricht dem
Gasverbrauch des Nachbarlandes Ukraine in einem Jahr. Bislang gibt es
russlandweit nur zwei fertige Anlagen. Die Zertifizierung dauert sehr
lange, die Anlagen werfen keinen Gewinn ab, schreibt die
Wirtschaftszeitung "Kommersant".
Kontaktanschriften:
OOO Hevel
ul. Krasnaja Presnja 22, 123022 Moskau
Tel.: 007 495/ 662 35 45, Fax: -662 35 38
E-Mail: info@hevelsolar.ru, Internet: http://www.hevelsolar.ru
Generaldirektor: Igor Achmerov
(Eigner: Renova Gruppe - 51%, OAO Rosnano - 49%)
OOO Avelar Solar Technology
ul. Krasnaja Presnja 22, 123022 Moskau
Tel.: 007 495/662 35 45, intern. N 133
E-Mail: avelar-solar.com, Internet: http://www.avelar-solar.com
Geschäftsführer der Avelar Energy Group: Igor Achmerov (http://www.avelarenergy.com)
Assoziazija solnetschnoi energetiki Rossi (AESR)
(Assoziation der Solarenergie Russlands)
Tel.: 007 495/662 35 45, ext. 131
Internet: http://www.pvrussia.ru
Kontakt: Anton Usachev (gesprochen: Usatschjov, Mobiltel.: 007 916/232 71 20, E-Mail: usachev@pvrussia.ru, a.usachev@hevelsolar.com)
Rossijskaja Assoziazija wetroindustri (RAWI)
(Russische Assoziation der Windindustrie)
Polustrowski projesd 60, 195197 Sankt Petersburg
Tel.: 007 812/324 31 62, Fax: -324 48 84
E-Mail: bryzgunov@rawi.ru, Internet: http://www.rawi.ru
Präsident: Igor Bryzgunow
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland