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Freitag, 27. März 2015

Russische Eisenerzförderer investieren in neue Lagerstätten und Aufbereitungsfabriken

Projekte in den Regionen Jakutien und Kemerowo / Aluminiumkonzern Rusal modernisiert Siliziumanlagen
Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Deutsche Hersteller von Bergbautechnik können auf einen Ausbau der Eisenerzförderung in Russland setzen. Neue Projekte werden vorrangig für Jakutien und Westsibirien angekündigt. Beim Bauxitabbau geht es dem Aluminiumkonzern Rusal zwar inzwischen finanziell besser. Doch sind die Vorkommen in Russland begrenzt. Dagegen verfügt der Konzern über fünf Minen in Übersee. Daher wären Drittlandgeschäfte möglich. Die Fachmesse "Mining World" findet im April 2015 in Moskau statt.

Aktuell sind gleich mehrere Projekte zur Erschließung von Eisenerzlagerstätten und zum Bau von Aufbereitungsfabriken in Planung. Das ZAO Gorno-Metallurgitscheski Kombinat (GMK) Timir hat vor, in der Republik Sacha (Jakutien) bis 2017 zwei Kombinate zur Eisenerzaufbereitung zu errichten. Diese werden benötigt, damit die ebenfalls geplante Erschließung der Eisenerzlagerstätten Gorkitskoje, Tarynnachskoje, Desowskoje und Tajeschnoje wirtschaftlich Sinn macht.

Für alle Projekte in Jakutien wird GMK Timir zusammen 60 Mrd. Rubel (864 Mio. Euro; 1 Euro = 69,4644 Rubel, Stand: 4.3.2015) aufbringen. Die autonome Republik Jakutien verzichtet im Gegenzug für die gesamte Bauzeit auf ihren regionalen Anteil an den Steuern. Bei ZAO GMK Timir handelt es sich um ein Gemeinschaftsunternehmen des Diamantenkonzerns Alrosa und des Mischkonzerns Evraz (Eisen, Stahl und Eisenerz).

Generell scheint der Bergbau in Jakutien und in nördlich angrenzenden Arktis eine gesicherte Zukunft zu haben und mit ihm die Hersteller von Bergbautechnik. Die Regionalbehörde für Geologie, Goskomgeologika, beziffert die Aufwendungen für Erkundungsarbeiten allein in der Republik Sacha (Jakutien) für 2015 mit 25 Mrd. Rubel (360 Mio. Euro). Neben Eisenerz, Erdöl und Gas werden neue Lagerstätten für Diamanten (Konzern Alrosa), Gold (Konzerne Polyus Gold und Seligdar), Kohle, Wolfram, Blei, seltene Erden und Uran erforscht.

Evrazruda investiert in Eisenerzförderung im Gebiet Kemerowo (Westsibirien)

Auch im Gebiet Kemerowo in Westsibirien wird die Eisenerzförderung ausgebaut. Die OAO Evrazruda, eine Tochterfirma der Evraz Plc, kündigte Investitionen in die Ausweitung des Eisenerzabbaus in der Mine Gorno-Schorski an. Dort soll der Ausstoß bis 2018 auf 4,8 Mio. jato Eisenerz verdoppelt werden. Die Reserven werden an diesem Standort auf 37 Mio. t geschätzt. Die Eisenkonzentration im Gestein beträgt 30%.

Im Geschäftsjahr 2014 förderte die OAO Evrazruda russlandweit 5,72 Mio. t Eisenerz. Dies stellte allerdings einen Rückgang von knapp 50% im Vergleich zum Vorjahr dar. Den Einbruch erklärte ein Unternehmenssprecher mit Verkäufen gleich mehrerer Unternehmensteile, darunter der Minen Abakanski und Tejski an den Wettbewerber Ruda Chakasii (deutsch: Erze Chakassiens).

Am Standort Tejski sind nun Investitionen von Ruda Chakasii in Höhe von bis zu 5 Mrd. Rubel erforderlich, um dort die Ausbeute an Eisenerz über das Jahr 2017 hinaus rentabel zu halten. Dies hängt damit zusammen, dass das Bergwerk 1960 in Betrieb genommen wurde und einer grundsätzlichen Modernisierung bedarf.

Die Investitionsankündigungen kommen etwas überraschend, denn bei Eisenerz sind die Aussichten auf einen Anstieg der Weltmarktpreise wenig rosig, prognostiziert die Weltbank für 2015.
Russland: Förderung und Export von Eisenerz (in Mio. t)
Jahr Fördermenge Exportmenge
2011 104 27,5
2012 104 25,5
2013 102 25,7
2014 102 22,9
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2015

Zukunft des Bauxitabbaus in Russland gesichert

Im Bauxitabbau Russlands dominiert eindeutig der weltgrößte Hersteller von Aluminium: UC Rusal. Der Konzern förderte 2014 laut Geschäftsbericht insgesamt 12,108 Mio. t Bauxit. Das entsprach einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 2,9%.

Inzwischen hat Rusal die Übernahme der Mine Boksit Timana in der Republik Komi, in der 30% der gesamten russischen Vorkommen vermutet werden, vollständig abgeschlossen. Von dort können nun 3 Mio. jato Bauxit in die Aluminiumhütten des Konzerns im Ural und in Bogoslowsk verbracht werden. Eine zweite Bauxitmine betreibt Rusal im Nord-Ural.

Die anderen fünf Minen des Konzerns befinden sich allesamt im Ausland - in der Karibik (Jamaika), Südamerika (Guyana) und Afrika (Nigeria, Guinea). Daher wären Drittlandgeschäfte für deutsche Hersteller von Bergbautechnik möglich.

Aluminiumkonzern Rusal modernisiert Siliziumanlagen für 10 Mio. US$

Rusal kündigt für 2015 Investitionen in Höhe von 10 Mio. US$ in die Modernisierung von Siliziumanlagen an. Völlig überraschend erklärte ein Unternehmenssprecher im Sommer 2014, als sich die Wirtschaftslage in Russland deutlich eintrübte, die jahrelange Talfahrt des Aluminiumkonzerns für beendet. Demnach fahren alle aktiven Aluhütten im Bestand der UC Rusal wieder Gewinne ein. Diese Ankündigung erstaunte umso mehr, als Rusal erst 2013 fünf Aluminiumhütten wegen zu hoher Verluste geschlossen und 4.500 Mitarbeiter entlassen hatte.

In der Zwischenzeit erholte sich aber die Nachfrage nach Aluminium auf den Weltmärkten (außerhalb der VR China) spürbar, was zu einem Preisanstieg führte. Dadurch verbesserten sich die Einnahmen von Rusal, zumal der Konzern zu 90% vom Aluminiumexport abhängt. Hinzu gesellte sich die starke Abwertung des Rubels im 2. Halbjahr 2014, wodurch sich die Exporteinnahmen auf Rubel-Basis noch einmal deutlich erhöhten.

Im Ergebnis konnte Rusal das Geschäftsjahr 2014 mit einem Nettogewinn von 293 Mio. $ abschließen. Im Jahr zuvor waren noch Verluste von 3,344 Mrd. $ angefallen. Ausgehend von der aktuellen Dynamik bleibt der Konzern für das Geschäftsjahr 2015 optimistisch. So prognostiziert Rusal einen Anstieg der globalen Nachfrage nach Aluminium um 6,5%, auf insgesamt 59 Mio. Tonnen.
Russland: aktuelle Entwicklung in ausgewählten Zweigen des Bergbaus
Rohstoff Geförderte Menge im Jahr 2014 Veränderung 2014 ggü. 2013 (in %) Geförderte Menge im Dez. 2014 Veränderung Dez. 2014 ggü. Dez. 2013 (in %) Veränderung Dez. 2014 ggü. Nov. 2014 (in %)
Eisenerzkonzentrat (Mio. t) 102,0 0,1 8,8 2,8 4,4
Eisenerzpellets (oxydiert) (Mio. t) 39,7 0,7 3,5 0,5 4,4
Goldhaltige Erze und Konzentrate k.A. 7,9 k.A. -11,5 0,0
Zinkhaltige Konzentrate k.A. 1,0 k.A. -0,7 21,6
Loparithaltige Konzentrate k.A. 3,9 k.A. 14,4 11,4
Marmor und ähnliche Gesteine (1.000 t) 1.614 19,3 110 46,5 18,2
Andere nicht-erzhaltige Baustoffe (Mio. cbm) 411 -0,8 27,1 -11,0 -24,3
Lehm, Ton (1.000 t) 9.575 -9,5 721 -19,7 1,6
Asbest (1.000 t) 732 -9,7 48,8 -3,0 -2,7
Naturdiamanten, unsortiert k.A. -4,7 k.A. -1,1 -4,3
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2015

Fachmesse:

MiningWorld Russia (21.-23.4.2015)
Ort: Crocus Expo International Exhibition Center, Moskau
Veranstalter: PRIMEXPO, ul. Jakubowitscha 24, 190 000 Sankt-Petersburg
Deutscher Pavilion aus dem Jahr 2014: http://www.miningworld.german-pavilion.com

Kontaktanschriften:

Goskomgeologika der Republik Sacha
ul. Kirowa 11, 677022 Jakutsk, Republik Sacha (Jakutien), Russland
Tel.: 007/4112/423 503
Internet: ww.sakha.gov.ru/goscomgeo
Vorsitzender: Leonid Nikolajewitsch Kowalew
ZAO Gorno-Metallurgitscheski Kombinat (GMK) Timir
pr. Geologow 4, 678960 Nerjungi, Republik Sacha (Jakutien), Russland
Tel.: 007/41147/451 76, Fax: -452 22
OAO Evrazruda - OOO Evrazholding
ul. Beloweschskaja 4, Block 4, 121353 Moskau, Russland
Tel.: 007/495/363 19 63
UC Rusal
ul. Nikolojamskaja 13, Haus 1, 109240 Moskau, Russland
Tel.: 007/495/720 51 70
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland