Einheimische Hersteller decken nur ein Zehntel des Bedarfs / Einsatz westlicher Komponenten zur Qualitätssteigerung / Von Gerit Schulze
Moskau (gtai) - Vom neuen Boom am russischen Baumaschinenmarkt profitieren auch die Hersteller von Rad- und Frontladern. Die Verkaufszahlen haben sich 2010 mehr als verdoppelt. Allerdings werden 90% der Nachfrage durch Importe gedeckt, vor allem aus der VR China. Die einheimischen Hersteller hoffen, durch Investitionen in neue Modelle und mehr Qualität Marktanteile zurück zu gewinnen. Sie setzen dabei auch immer mehr westliche Komponenten ein.
Der russische Markt für Radlader ist fest in ausländischer Hand. Allein ein Drittel des Absatzes entfällt auf den belarussischen Hersteller Amkodor. Während im Krisenjahr 2009 die preisgünstigen Lader aus dem Nachbarland den Markt dominierten, konnten westliche und asiatische Modelle 2010 wieder deutlich stärker zulegen. Ihre Verkäufe in Russland stiegen um beeindruckende 408%, berichtet die russische Fachzeitschrift für den Baumaschinenmarkt "CTT".
Dabei führen seit etwa fünf Jahren chinesische Anbieter die Importstatistik an. Auf XCMG entfielen 2010 etwa 20% der Importe, auf SDLG 18%, auf Changlin 9%. Die Produzenten aus der VR China bieten zu Preisen an, die zum Teil unter denen der russischen Hersteller liegen. Außerdem können sie in der Regel sehr kurzfristig liefern.
Die weltweit führenden Konzerne hatten dagegen 2010 nur relativ geringe Marktanteile: Volvo: 6% der russischen Radlader-Einfuhren, Caterpillar, Komatsu und Liebherr: je 3%, JCB und John Deere je 2%. Ihre Fahrzeuge kosten nach Angaben der Zeitschrift CTT drei- bis viermal so viel wie russische und chinesische Modelle. Negativ auf das Geschäft wirken sich auch die langen Lieferfristen der bekannten Markenhersteller aus. Mehrere Konzerne wie Komatsu, Liebherr und Hitachi sind daher dazu übergegangen, eigene Fabriken in Russland zu errichten. Bislang werden dort aber vor allem Hydraulikbagger produziert.
Insgesamt wurden 2010 in Russland rund 4.400 Radlader verkauft, ein Plus von 137% gegenüber dem Vorjahr. Darin enthalten sind auch 261 importierte Gebrauchtfahrzeuge. Vom bisherigen Rekordjahr 2007, als allein der Import rund 4.500 Radlader ausmachte, ist der Markt noch ein Stück entfernt. Experten rechnen aber fest damit, dass spätestens 2012 die alten Höchststände wieder erreicht werden. Russland steht vor einem Boom beim Infrastrukturbau, der vor allem durch große Autobahnprojekte, geplante Hochgeschwindigkeitsstrecken für die Eisenbahn und die Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 angetrieben wird.
Einheimische Produzenten fertigen Radlader nur in kleinen Stückzahlen. Im bisherigen Rekordjahr 2007 lag der Jahresausstoß bei 800 Rad- und Frontladern. Ein Jahr später waren es noch 550 Fahrzeuge. Im Krisenjahr 2009 kam die russische Produktion in vielen Werken zum Stillstand und erreichte nicht einmal 250 Radlader.
Doch der Aufschwung der Baumaschinen-Branche ging auch an den russischen Werken 2010 nicht vorüber. Sie konnten ihren Ausstoß um 60% auf 410 Rad- und Frontlader vergrößern. Dabei entfallen zwei Drittel der Inlandsproduktion auf Fahrzeuge mit einer Hublast von drei bis vier Tonnen.
Quellen: Fachzeitschrift CTT Nr. 4/2011 ( www.mediaglobe.ru/ctt_magazine/), AS Marketing
Trotz der geringen Stückzahlen sind die russischen Hersteller interessant für deutsche Lieferanten von Komponenten, etwa von Hydraulikantrieben. Die Unternehmen sind bestrebt, ihre Modellpalette zu erweitern und zu modernisieren. Da sie immer mehr auch Absatzmärkte im Ausland im Blick haben und bessere Qualität bieten müssen, kaufen sie verstärkt Teile bei westlichen Herstellern ein.
Das Tscheljabinsker Werk TschSDM zum Beispiel setzt bereits hydromechanische Antriebssysteme von ZF Friedrichshafen ein. Die Motoren kommen aus dem Motorenwerk Jaroslawl. Orjol-Pogrustschik verwendet hauptsächlich belarussische Motoren aus dem Minsker Motorenwerk. Außerdem ordert das Unternehmen Hydraulikgetriebe beim US-Herstellers Dana.
Das Traktorenwerk Uraltrak produziert erst seit 2006 Radlader. Derzeit entwickelt der Hersteller ein neues Modell mit einer höheren Hublast von bis zu neun Tonnen. Dabei sollen deutsche Deutz-Motoren eingesetzt werden. Außerdem kauft Uraltrak Komponenten bei ZF, Danfoss und Hydrocontrol ein. Das Unternehmen verkauft seine Radlader auch erfolgreich im Ausland. Neben den GUS-Staaten gehören Polen, Ungarn und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Abnehmerländern.
Quellen: Fachzeitschrift CTT Nr. 4/2011, Recherchen von Germany Trade and Invest
(S.Z.)
Der russische Markt für Radlader ist fest in ausländischer Hand. Allein ein Drittel des Absatzes entfällt auf den belarussischen Hersteller Amkodor. Während im Krisenjahr 2009 die preisgünstigen Lader aus dem Nachbarland den Markt dominierten, konnten westliche und asiatische Modelle 2010 wieder deutlich stärker zulegen. Ihre Verkäufe in Russland stiegen um beeindruckende 408%, berichtet die russische Fachzeitschrift für den Baumaschinenmarkt "CTT".
Dabei führen seit etwa fünf Jahren chinesische Anbieter die Importstatistik an. Auf XCMG entfielen 2010 etwa 20% der Importe, auf SDLG 18%, auf Changlin 9%. Die Produzenten aus der VR China bieten zu Preisen an, die zum Teil unter denen der russischen Hersteller liegen. Außerdem können sie in der Regel sehr kurzfristig liefern.
Die weltweit führenden Konzerne hatten dagegen 2010 nur relativ geringe Marktanteile: Volvo: 6% der russischen Radlader-Einfuhren, Caterpillar, Komatsu und Liebherr: je 3%, JCB und John Deere je 2%. Ihre Fahrzeuge kosten nach Angaben der Zeitschrift CTT drei- bis viermal so viel wie russische und chinesische Modelle. Negativ auf das Geschäft wirken sich auch die langen Lieferfristen der bekannten Markenhersteller aus. Mehrere Konzerne wie Komatsu, Liebherr und Hitachi sind daher dazu übergegangen, eigene Fabriken in Russland zu errichten. Bislang werden dort aber vor allem Hydraulikbagger produziert.
Insgesamt wurden 2010 in Russland rund 4.400 Radlader verkauft, ein Plus von 137% gegenüber dem Vorjahr. Darin enthalten sind auch 261 importierte Gebrauchtfahrzeuge. Vom bisherigen Rekordjahr 2007, als allein der Import rund 4.500 Radlader ausmachte, ist der Markt noch ein Stück entfernt. Experten rechnen aber fest damit, dass spätestens 2012 die alten Höchststände wieder erreicht werden. Russland steht vor einem Boom beim Infrastrukturbau, der vor allem durch große Autobahnprojekte, geplante Hochgeschwindigkeitsstrecken für die Eisenbahn und die Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 angetrieben wird.
Einheimische Produzenten fertigen Radlader nur in kleinen Stückzahlen. Im bisherigen Rekordjahr 2007 lag der Jahresausstoß bei 800 Rad- und Frontladern. Ein Jahr später waren es noch 550 Fahrzeuge. Im Krisenjahr 2009 kam die russische Produktion in vielen Werken zum Stillstand und erreichte nicht einmal 250 Radlader.
Doch der Aufschwung der Baumaschinen-Branche ging auch an den russischen Werken 2010 nicht vorüber. Sie konnten ihren Ausstoß um 60% auf 410 Rad- und Frontlader vergrößern. Dabei entfallen zwei Drittel der Inlandsproduktion auf Fahrzeuge mit einer Hublast von drei bis vier Tonnen.
| 2009 | 2010 | Veränderung in % | |
| Verkaufsvolumen insgesamt (in Stück) | 1.858 | 4.405 | 137 |
| ..davon Inlandsproduktion | 246 | 410 | 67 |
| ..Importe aus Belarus | 1.042 | 1.663 | 60 |
| ..sonstige Importe | 408 | 2.071 | 408 |
| ..Importe von Gebraucht-Fahrzeugen | 162 | 261 | 61 |
Trotz der geringen Stückzahlen sind die russischen Hersteller interessant für deutsche Lieferanten von Komponenten, etwa von Hydraulikantrieben. Die Unternehmen sind bestrebt, ihre Modellpalette zu erweitern und zu modernisieren. Da sie immer mehr auch Absatzmärkte im Ausland im Blick haben und bessere Qualität bieten müssen, kaufen sie verstärkt Teile bei westlichen Herstellern ein.
Das Tscheljabinsker Werk TschSDM zum Beispiel setzt bereits hydromechanische Antriebssysteme von ZF Friedrichshafen ein. Die Motoren kommen aus dem Motorenwerk Jaroslawl. Orjol-Pogrustschik verwendet hauptsächlich belarussische Motoren aus dem Minsker Motorenwerk. Außerdem ordert das Unternehmen Hydraulikgetriebe beim US-Herstellers Dana.
Das Traktorenwerk Uraltrak produziert erst seit 2006 Radlader. Derzeit entwickelt der Hersteller ein neues Modell mit einer höheren Hublast von bis zu neun Tonnen. Dabei sollen deutsche Deutz-Motoren eingesetzt werden. Außerdem kauft Uraltrak Komponenten bei ZF, Danfoss und Hydrocontrol ein. Das Unternehmen verkauft seine Radlader auch erfolgreich im Ausland. Neben den GUS-Staaten gehören Polen, Ungarn und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Abnehmerländern.
| Hersteller / Region | Jahresproduktion vor der Finanzkrise (Schätzungen) | Produktpalette (Betriebsgewicht) | Internet |
| Orjol-Pogrustschik / Orjol | 150 bis 300 | 8 bis 11 t | www.orel.ru/~ozp |
| Tscheljabinskie stroitelno-doroschnye maschiny (TschSDM) / Tscheljabinsk | bis zu 400 | 14 bis 28 t | www.chsdm.ru |
| Promtraktor / Tschuwaschien | k.A. | 14 bis 53 t | www.tplants.com |
| Doneks / Rostow-am-Don | 50 bis 100 | 10 bis 11 t | www.donex.ru |
| TschTS Uraltrak / Tscheljabinsk | 50 | 10 bis 28 t | http://chtz-uraltrac.ru |
| Peterburgski traktorny sawod / Sankt Petersburg | 50 | 21 bis 26 t | www.kirovets-ptz.com |
(S.Z.)