MBC Corporation beginnt mit Ausbeutung der Zinkfelder in Burjatien / Exporte steigen / Von Bernd Hones und Stephanie Adam
Moskau (gtai) - Die russische Zinkindustrie erholt sich. Die
Uralskaja Gornometallurgitscheskaja Kompanija (Ural Bergbau- und
Metallurgie-Gesellschaft) investiert kräftig in den Zugang zu neuen
Zinkreserven. Metropol Resources will Erz aus dem Osernoje Lager in
Burjatien fördern. Auch die größten Zinkproduzenten Tscheljabinsker Zink
Werk und Elektrozink planen beträchtliche Investitionen. In Sibirien
gibt es noch große unerschlossene Zinkfelder.
Der russische Zinkmarkt erholt sich vom krisenbedingten
Nachfrageeinbruch der letzten Jahre. Die Volkswirtschaften in Europa,
Asien und Amerika benötigen wieder mehr Zink. Anfang Juli 2011
kletterten die Preise auf knapp 2.400 US $ pro Tonne. Auch die
Automobilindustrie, ein wichtiger Zinkabnehmer, boomt wie nie - das gilt
gerade für Russland. Der Volkswagen-Konzern etwa verkaufte im 1.
Halbjahr 2011 doppelt so viele Autos wie im Vorjahreszeitraum. Die
Produktion bei der GAZ-Gruppe läuft auf Rekordniveau. Über 500 Fahrzeuge
laufen pro Schichtbetrieb im Gorkowsker Automobilwerk vom Band.
Die steigende Nachfrage schlägt sich in den Auftragsbüchern der
Zinkproduzenten nieder. Anfang 2011 schätzte Metalresearch, dass die
russische Minenproduktion in diesem Jahr um 8,2% zulegen wird. Auch für
raffiniertes Zink prognostizierten die Analysten Zuwächse. Der Föderale
Statistikdienst der Russischen Föderation konnte diese Einschätzungen
bisher jedoch nicht bestätigen, im Gegenteil. Ende Juni 2011 gab das Amt
bekannt, dass die russische Zinkproduktion im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum während der ersten fünf Monate des Jahres 2011 um 0,4%
gesunken sei.
Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Ergebnisse auf das Kalenderjahr
hochrechnen lassen. Ende März 2011 prognostizierte ein Vertreter des
Unternehmens Tscheljabinsker Zink Werk (Tscheljabinski Zinkowi Sawod)
noch, dass 2011 die Menge des in Russland produzierten Zinks auf 250.000
t klettern könnte. Im Jahr zuvor waren es 243.300 t. Auch Analysten von
Grandis Capital erwarten weiterhin einen inländischen Nachfrageanstieg
von 15 bis 20%. Von Pessimismus also keine Spur.
Von den positiven Marktentwicklungen könnten zwei russische
Unternehmen besonders profitieren: Tscheljabinsker Zink Werk und OAO
Elektrozink. Zusammen produzieren beide Firmen 98% des russischen Zinks.
Beide profitieren von der großen gemeinsamen Schnittmenge ihrer
Aktionäre. So stehen die Marktführer nicht im direkten Konkurrenzkampf,
sondern können ihre Produkte zu vorteilhaften Preisen auf dem
Inlandsmarkt absetzen - allerdings zum Leidwesen der Abnehmer.
Das Tscheljabinsker Zink Werk (TZS) ist das größere der beiden
Unternehmen und der einzige russische Hersteller von sogenanntem
"Special High Grade"-Zink. Jährlich werden in Tscheljabinsk etwa 60% des
russischen Zinks produziert; das entspricht circa 1,3% der
Weltproduktion. Wichtigste Anteilseigner des TZS sind die Uralskaja
Gornometallurgitscheskaja Kompanija (UGMK) und die Russkaja Mednaja
Kompanija (RMK). Nachdem TZS seinen Output schon im Jahr 2010 um 28% auf
153.300 t Zink erhöht hat, strebt es für 2011 eine Produktionsmenge von
160.000 t an. Um dieses Ziel zu erreichen, investiert die Firma in
diesem Jahr 1,37 Mrd. Rbl (49 Mio. $, Wechselkurs der russischen
Zentralbank vom 9.7.2011: 1 US$ = 27,89 Rbl). Im 1. Quartal 2011 betrug
der Output bereits knapp 40.000 t. Die Zukunftspläne sind noch
ambitionierter. Nur etwa die Hälfte der Produktion wird auf dem
russischen Markt frei verkauft. Den Rest gibt das TZS im Rahmen von
sogenannten Tolling-Verträgen ab. Das heißt: Bereits vor der Herstellung
legen sich TZS und der Kunde auf Produktionsumfang und Preis fest.
Lediglich 1% des Outputs wird exportiert.
OAO Elektrozink, eine Tochter der UGMK, ist Russlands zweitgrößter
Zinkproduzent. Momentan erzeugt das Unternehmen knapp 100.000 t Zink pro
Jahr. Bis 2012 will es seine Kapazitäten auf 110.000 t ausweiten. Für
Investitionen in die Produktionsentwicklung stehen im Jahr 2011 deshalb
870 Mio. Rubel (31 Mio. $) zur Verfügung, ein Großteil fließt in die
Zinkproduktion. Da Elektrozink keine eigene Rohstoffbasis hat, muss es
sämtliche Zinkkonzentrate einkaufen. Die wichtigsten Lieferanten sind
andere Töchter der UGMK, die im Gegenzug fertiges Zink erhalten.
Seit der Wirtschaftskrise verkauft das Unternehmen etwa 90% seiner
Produktion im Rahmen von Tolling-Verträgen. Nach Schätzungen von Grandis
Capital entgehen dem Unternehmen aus diesem Grund jährlich Gewinne in
Höhe von 13 Mio. bis 15 Mio. $. Bis zum Ende des Jahres 2011 könnte sich
das allerdings ändern: Die Duma plant die Verrechnungspreise strenger
zu regulieren und Preisabweichungen vom Börsenkurs einzuschränken. Unter
diesen Bedingungen könnte Elektrozink gezwungen werden, die
Tolling-Agreements aufzugeben und zu Marktpreisen zurück zu kehren.
Alternativ müsste UGMK seine Anteile an Elektrozink auf über 90%
erhöhen. Dann dürfte alles beim Alten bleiben.
Neben den beiden großen Zinkproduzenten gibt es in Russland eine
Reihe von Unternehmen, die Zinkerze und -konzentrat fördern und
herstellen. Sie sind meist ebenfalls Tochterunternehmen der UGMK, RMK
beziehungsweise MBC Corporation. Noch konzentriert sich die
Minenproduktion in Tscheljabinsk, Swerdlowsk, Orenburg und der Republik
Baschkortostan. Sobald jedoch die großen Zinkfelder in Sibirien
erschlossen sind, könnte sich dieses Bild ändern.
So hat etwa die Firma MBC Resources Lizenzen an den Erzvorkommen
Osernoje und Cholodninskoje in Burjatien erworben. Damit besitzt sie
Zugang zu fast 50% der russischen Zinkreserven. Das sind über 180 Mio.
Tonnen. Jetzt beginnen die Tochtergesellschaften Oserni GOK und
Cholodninski GOK die Lager zu erschließen. Aus dem Osernoje Lager will
die MBC Corporation im laufenden Jahr 2011 rund 1 Mio. t Erz gewinnen.
Damit will sie in einer Pilotanlage Produktionsprozesse simulieren und
perfektionieren. In zwei Jahren soll die Anlage ihre geplante Kapazität
erreichen und jährlich 740.000 t Zinkkonzentrat mit einem Metallgehalt
von über 50% herstellen. Wann die Cholodninskoje-Minen ihre Arbeit
aufnehmen können, ist dagegen noch ungewiss. Sie liegen in einem
gesetzlich geschützten Naturkorridor um den Baikalsee, wo jede
gewerbliche Tätigkeit verboten ist. Schätzungen von MBC Resources zu
Folge könnte die Cholodninskij GOK jährlich 235.700 t 55-prozentigen
Zinkkonzentrats produzieren.
Auch die UGMK investiert in ihren Rohstoffkomplex. Schon im 1.
Quartal 2011 gab die Utschalinski GOK ein gutes Drittel der investierten
365,64 Mio. Rbl (13,11 Mio. $) zu diesem Zweck aus. In Konstruktion
befinden sich Minen der Lagerstätten Nowo Utschalinskoje,
Sapadno-Osernoje und Osernoje. Zusätzlich wurden die Mittel für die
Entwicklung des Gajski GOK auf 4,3 Mrd. Rbl erhöht (154,19 Mio. $). Die
beiden Unternehmen sind die Hauptlieferanten von Metallkonzentraten an
OAO Elektrozink.
| 2008 | 2009 | 2010 | Veränderung 2010/2009 in % | |
| Minenproduktion in 1.000 t | 204 | 225 | 245 | 9 |
| Zink(raffiniert) in 1.000 t | 263 | 202 | 255 *) | 26 |
| Import gesamt, in Mio. US$ | 57,0 | 47,3 | 67,6 | 43 |
| Export gesamt, in Mio. US$, davon | 173,3 | 113,4 | 163,1 | 44 |
| unverarbeitet in Mio. US$ | 173,0 | 112,8 | 162,4 | 44 |
| nach Deutschland in 1.000 US$ | 0,3 | 1.462,3 | 3.347,5 | 29 |
| Marktvolumen in 1.000 t | 172 | 159 | 170 | 7 |
| Preise an LME in US$ pro Tonne | 1.870 | 1.657 | 2.170 | 31 |
*) GTAI-Schätzung auf Basis der Produktionszahlen des TZS
Quellen: UN Comtrade, US Geological Survey, RBC Daily, Metalresearch, GLG Research
Exportiert wird fast ausschließlich Zinkkonzentrat. Nachdem die
Preise im Jahr 2009 in Folge der Finanzkrise stark eingebrochen waren,
sieht es seit 2010 wieder besser aus. Im weltweiten Vergleich ist
Russlands Außenhandel mit Zinkkonzentrat jedoch relativ unbedeutend.
Etwas anders sieht es beim Export raffinierten Zinks aus. Hier hat die
Russische Föderation immerhin einen Handelsanteil von 2%. Die auffallend
hohen und sogar steigenden Zinkimporte erklären sich aus der
Abhängigkeit der OAO Elektrozink und des Tscheljabinsker Zink Werks von
Zinkkonzentratlieferungen.
Dass Russland Zink importiert, scheint im Hinblick auf den
Ressourcenreichtum des Landes befremdlich. Noch 2009 betrugen die
Zinkvorräte Russlands etwa 9% der weltweit bekannten Ressourcen.
Langfristig hat dieses Bild allerdings keinen Bestand. Werden die
prognostizierten Ressourcen mit einbezogen, dann schrumpft der russische
Anteil an den Weltreserven auf 3%.
Kontaktanschriften
OAO Tscheljabinski Zinkowyj Sawod
24 Swerdlowskij Trakt, 454008 Tscheljabinsk
Tel.: 007 351/799 0009, Fax: -799 00 65
E-Mail:
vab@zinc.ru, Internet:
www.zinc.ru
OAO Elektrozink
ul. Sawodskaja 1, 362001 Wladikawkas
Tel.: 007 867/251 51 22, Fax: 007 867/276 44 90
E-Mail:
elz@osetia.ru, Internet:
http://electrozink.ugmk.com
Weiterführende Internetseiten:
(H.B.)