Schlüsselprojekte: Stammwerk in Nishni Tagil und Traktorenwerk in Tscheljabinsk / Expansion nach Kasachstan / Von Edda Wolf
Moskau (gtai) - Der staatliche russische Konzern OAO NPK Uralwagonsawod
plant umfassende Investitionen in die Modernisierung des Stammwerks in
Nishni Tagil und des Traktorenwerks "Uraltrak" in Tscheljabinsk.
Außerdem will das Unternehmen ein Montagewerk für Waggons in Kasachstan
bauen und sich den Gütertransport als neues Geschäftsfeld erschließen.
Auf dem Programm steht ferner die Entwicklung neuer Produkte wie
Hebekräne für die Ölindustrie sowie Energiesparen und moderne IT.
Die OAO NPK Uralwagonsawod (Nishni Tagil, Gebiet Swerdlowsk) ist
ein bedeutender Produzent unter anderem von Güterwaggons, Traktoren und
Raupenfahrzeugen. Zur Holding gehören 19 Unternehmen, Institute und
Konstruktionsbüros. Derzeit plant Uralwagonsawod zahlreiche
Investitionsprojekte. Das Budget hierfür beläuft sich im Zeitraum 2011
bis 2013 auf circa 130 Mrd. Rubel (rund 3,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 40,387
Rubel; Wechselkurs vom 30.6.11). Im Einzelnen handelt es sich um
folgende Vorhaben:
1. Programm "Rekonstruktion und technische Umrüstung der OAO NPK Uralwagonsawod";
2.
Projekt "Technische Umrüstung im Rahmen der Zusammenarbeit mit der
Czech Export Bank" (Kreditlinie über 1 Mrd. Euro, Laufzeit: 2008 bis
2015);
3. Projekt "Beginn der Produktion von mobilen Hebekränen
mit einer Tragkraft von 125 und 160 Tonnen für Bohrwerke und die
Generalreparatur von Bohrlöchern";
4. Projekt "Schaffung eines Waggon-Montagewerks in der Republik Kasachstan";
5. Projekt "OOO UWS-Logistik" - Schaffung eines Transportunternehmens;
6. Programm "Senkung des Energieverbrauchs";
7. Programm "Entwicklung der Informationstechnologien".
Das
Programm "Entwicklung und Modernisierung der OAO NPK Uralwagonsawod von
2011 bis 2015" sieht Investitionen in Höhe von 41,155 Mrd. Rubel vor.
Der Konzern plant faktisch den Neubau seines Maschinenbauwerks am
Stammsitz in Nishni Tagil. Dazu gehören die Errichtung eines Stahlwerks
(10,404 Mrd. Rubel), sowie die Rekonstruktion und technische Umrüstung
des Waggonbauwerks (4,357 Mrd. Rubel), des Montagewerks (14,171 Mrd.
Rubel) und des Werks für Sonderausrüstungen (96 Mio. Rubel). Für die
Modernisierung der Energieversorgungsanlagen sind 8,568 Mrd. Rubel
vorgesehen. Die Rekonstruktion der Tochterfirma Woltschanski
mechanitscheski sawod (www.vmzavod.ru)
kostet 658 Mio. Rubel. Außerdem soll ein neues Produktionslogistik- und
Lagersystem eingeführt werden; die Ausschreibung für die Auswahl eines
Consulting-Büros fand im Januar 2011 statt. Näheres zu diesem Projekt
beinhaltet der GTAI-Artikel "Russlands Waggonbauer haben volle
Auftragsbücher" vom 2.6.11.
Bei der Modernisierung arbeitet
Uralwagonsawod eng mit tschechischen Partnern zusammen. Die Czech Export
Bank hat eine Kreditlinie über 1 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt und
die Firma ALTA a.s. aus Brno/Brünn liefert Werkzeugmaschinen zur
Metallbearbeitung. Außerdem sollen elektrische und andere technologische
Ausrüstungen in Tschechien gekauft werden.
Bei der Tochterfirma
OOO Tscheljabinsker Traktorenwerk "Uraltrak" sollen zunächst die
Produktionsanlagen für die Herstellung von Dieselmotoren und
Fahrgestellen modernisiert werden (2011 bis 2013), ab 2013 bis 2020 dann
das gesamte Werk. Zum einen steht der Start der Serienfertigung einer
neuen Baureihe von Dieselmotoren für Zivil- und Militärfahrzeuge an. Zum
anderen soll die Qualität der Fahrgestelle verbessert werden. Darüber
hinaus will das Management von Uralwagonsawod auf Basis von Uraltrak die
neue Division "Straßen-Baumaschinen und Kommunaltechnik" schaffen, in
der alle Aktiva zur Produktion von ziviler Technik gebündelt werden
sollen. Details zu diesem Projekt bietet der GTAI-Artikel
"Uralwagonsawod plant Großprojekt zur Produktion von Straßenbaumaschinen
und Straßenbahnen".
Um ihre Position am Markt der Ausrüstungen
für die Öl- und Gasindustrie zu festigen, arbeitet die OAO NPK
Uralwagonsawod an einem neuen Hebekran für Bohrwerke mit einer Tragkraft
von 125 und 160 t. Es handelt sich um eine mobile Bohrstation, die
sowohl für den laufenden Vortrieb als auch die Generalreparatur von
Bohrlöchern geeignet ist. Das Budget dieses Projekts beträgt 216 Mio.
Rubel.
Im Rahmen der "Strategie zur Entwicklung des
Eisenbahntransports in der Russischen Föderation bis 2030" trägt
Uralwagonsawod zur Erneuerung des Güterwagenparks bei und entwickelt
neue Waggon-Modelle. Das Budget hierfür ist anfänglich mit 325,5 Mio.
Rubel angesetzt.
Ein weiteres Schlüsselvorhaben für Uralwagonsawod
ist die Expansion nach Kasachstan. Geplant ist der Bau eines
Montagewerks für Güterwagen mit einer Kapazität von rund 5000 Waggons
pro Jahr. Die Kosten des Projekts werden mit 12 Mrd. Rubel beziffert.
Bis zum Herbst 2011 erfolgt die Ausarbeitung der Details des Projekts,
läuft die Projektierung und die Auswahl des Grundstücks. In der
Anfangsphase wird der neue Betrieb als 100-prozentige Tochterfirma von
Uralwagonsawod firmieren. Im Weiteren sei die Einbeziehung eines
Investors, darunter von kasachischer Seite, nicht ausgeschlossen, sagte
Sergej Gorjatschew, Direktor für Innovationen und Investitionen. Die
Projektierung des Werks bezahlt der Konzern aus eigenen Mitteln, der Bau
soll mit Krediten finanziert werden. Geplanter Baubeginn: 2013.
Branchenanalysten
sind der Meinung, dass der Schritt auf den kasachischen Markt für
Uralwagonsawod eine notwendige Maßnahme ist, weil die Nachfrage nach
Güterwaggons in Russland bereits 2010/11 ihren Höhepunkt erreicht habe
und ab 2013 ein Nachlassen zu erwarten sei. Außerdem eröffnen 2011 das
Tichwinsker Waggonbauwerk und Promtraktor-Wagon, die einen Teil der
Bestellungen auf sich ziehen werden. Schätzungen zufolge könnte
Uralwagonsawod dadurch bis 2013 Aufträge über 5.000 Waggons pro Jahr
verlieren. Der Konzern will im Jahr 2011 insgesamt 24.000 Waggons
fertigen.
Der Markt für Güterwagen in Kasachstan wird auf 10.000
Stück pro Jahr geschätzt. Dort ist der rollende Fuhrpark noch stärker
veraltet als in Russland und deshalb der Bedarf groß. Allerdings haben
auch chinesische Waggonbauer ein Auge auf den kasachischen Markt
geworfen. Derzeit führen sie aktive Gespräche mit der Kasachischen
Eisenbahn zur Zertifizierung ihrer Produkte. Wenn sie diese erhalten,
wird der kasachische Markt mit billigen Waggons überschwemmt (circa
450.000 Rubel pro Waggon), mit denen Uralwagonsawod preislich nicht
konkurrieren kann (minimaler Preis: 1 Mio. Rubel). Es ist also Eile bei
der Realisierung des Projekts geboten.
Mit der Eröffnung eines
Werks in Kasachstan erhielte Uralwagonsawod nicht nur einen zusätzlichen
Absatzmarkt, sondern würde auch weniger abhängig von der OAO RZD
(Russische Eisenbahnen), darunter in Fragen der Preisgestaltung. So
hatte RZD im Jahr 2008 auf eine Reduzierung des Preises pro Waggon von
1,5 Mio. auf 1,2 Mio. Rubel (bei Selbstkosten der Produktion von
ungefähr 1 Mio. Rubel) gedrungen. Erst Anfang August 2011 bezeichnete
der russische Transportminister die Preise für Waggons wieder als
"utopisch" - kein gutes Zeichen.
Mit dem Projekt "OOO
UWS-Logistik" will sich Uralwagonsawod nicht nur einen neuen
ausländischen Markt, sondern auch ein komplett neues Geschäftsfeld
erschließen. Ziel ist die Schaffung eines Transportunternehmens,
spezialisiert auf Güterfracht. Die formelle Gründung der Tochterfirma
erfolgte im Januar 2011. Sie soll einen Fuhrpark von 20.000 Waggons,
davon 12.000 Zisternen und 8.000 Halbwaggons, erhalten (Investition:
circa 40 Mrd. Rubel, davon 2011: 18 Mrd. Rubel). Als Kunden will
Uralwagonsawod vor allem Unternehmen der Erdölindustrie, der Chemie- und
Metallurgie-Industrie aus dem Föderalbezirk Ural gewinnen.
Ferner
beteiligt sich Uralwagonsawod als Partner an den Investitionsprojekten
anderer Unternehmen. So laufen bei der OAO Vtoraja grusowaja kompanija
(VGK, Schienengüterverkehr, http://cargo.rzd.ru)
derzeit die Vorbereitungen zur Einrichtung eines Reparaturwerks für
Güterwaggons in Nishni Tagil. Als Basis dient das bestehende
Eisenbahnwagendepot Smytschka der Swerdlowsker Filiale der OAO RZD. Vor
Ort sollen Halbwaggons sowohl instandgehalten (ab Oktober 2011), als
auch generalüberholt werden mit Austausch des Wagenkastens (ab Februar
2012). Außerdem sollen ausrangierte Waggons zur Altmetallgewinnung
zerlegt und gebrauchte Ersatzteile repariert werden. Geplant ist, dass
das Werk bis Mitte 2012 seine volle Jahreskapazität erreicht: Austausch
des Wagenkastens bei circa 3.000 Halbwaggons, Verschrottung - 1.800
Waggons und 3.000 Wagenkästen, sowie Routine-Reparaturen. Hier kommt
Uralwagonsawod ins Spiel - als Lieferant der 3.000 Wagenkästen pro Jahr.
Zur Realisierung des Projekts wird das Eisenbahndepot ausgebaut, der
Maschinenpark modernisiert und der Produktionsprozess optimiert. Die
Investitionen von OAO VGK belaufen sich auf 20 Mrd. Rubel (rund 500 Mio.
Euro) innerhalb von fünf Jahren.
Kontaktanschrift:
OAO NPK Uralwagonsawod
Wostotschnoje schosse 28, 622007 Nishni Tagil, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 3435/345 242
Generaldirektor: Oleg Wiktorowitsch Sienko
Direktor für Innovationen und Investitionen:
Sergej Aleksandrowitsch Gorjatschew (Tel.: -34 54 18)
Chef-Ingenieur: Sergej Pawlowitsch Schewtschenko (Tel.: -34 50 02)
(E.W.)