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Dienstag, 13. September 2011

Russischer Konzern Uralwagonsawod verfolgt ambitioniertes Investitionsprogramm

Schlüsselprojekte: Stammwerk in Nishni Tagil und Traktorenwerk in Tscheljabinsk / Expansion nach Kasachstan / Von Edda Wolf

Moskau (gtai) - Der staatliche russische Konzern OAO NPK Uralwagonsawod plant umfassende Investitionen in die Modernisierung des Stammwerks in Nishni Tagil und des Traktorenwerks "Uraltrak" in Tscheljabinsk. Außerdem will das Unternehmen ein Montagewerk für Waggons in Kasachstan bauen und sich den Gütertransport als neues Geschäftsfeld erschließen. Auf dem Programm steht ferner die Entwicklung neuer Produkte wie Hebekräne für die Ölindustrie sowie Energiesparen und moderne IT.

Die OAO NPK Uralwagonsawod (Nishni Tagil, Gebiet Swerdlowsk) ist ein bedeutender Produzent unter anderem von Güterwaggons, Traktoren und Raupenfahrzeugen. Zur Holding gehören 19 Unternehmen, Institute und Konstruktionsbüros. Derzeit plant Uralwagonsawod zahlreiche Investitionsprojekte. Das Budget hierfür beläuft sich im Zeitraum 2011 bis 2013 auf circa 130 Mrd. Rubel (rund 3,2 Mrd. Euro; 1 Euro = 40,387 Rubel; Wechselkurs vom 30.6.11). Im Einzelnen handelt es sich um folgende Vorhaben:
1. Programm "Rekonstruktion und technische Umrüstung der OAO NPK Uralwagonsawod";
2. Projekt "Technische Umrüstung im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Czech Export Bank" (Kreditlinie über 1 Mrd. Euro, Laufzeit: 2008 bis 2015);
3. Projekt "Beginn der Produktion von mobilen Hebekränen mit einer Tragkraft von 125 und 160 Tonnen für Bohrwerke und die Generalreparatur von Bohrlöchern";
4. Projekt "Schaffung eines Waggon-Montagewerks in der Republik Kasachstan";
5. Projekt "OOO UWS-Logistik" - Schaffung eines Transportunternehmens;
6. Programm "Senkung des Energieverbrauchs";
7. Programm "Entwicklung der Informationstechnologien".
Das Programm "Entwicklung und Modernisierung der OAO NPK Uralwagonsawod von 2011 bis 2015" sieht Investitionen in Höhe von 41,155 Mrd. Rubel vor. Der Konzern plant faktisch den Neubau seines Maschinenbauwerks am Stammsitz in Nishni Tagil. Dazu gehören die Errichtung eines Stahlwerks (10,404 Mrd. Rubel), sowie die Rekonstruktion und technische Umrüstung des Waggonbauwerks (4,357 Mrd. Rubel), des Montagewerks (14,171 Mrd. Rubel) und des Werks für Sonderausrüstungen (96 Mio. Rubel). Für die Modernisierung der Energieversorgungsanlagen sind 8,568 Mrd. Rubel vorgesehen. Die Rekonstruktion der Tochterfirma Woltschanski mechanitscheski sawod (www.vmzavod.ru) kostet 658 Mio. Rubel. Außerdem soll ein neues Produktionslogistik- und Lagersystem eingeführt werden; die Ausschreibung für die Auswahl eines Consulting-Büros fand im Januar 2011 statt. Näheres zu diesem Projekt beinhaltet der GTAI-Artikel "Russlands Waggonbauer haben volle Auftragsbücher" vom 2.6.11.
Bei der Modernisierung arbeitet Uralwagonsawod eng mit tschechischen Partnern zusammen. Die Czech Export Bank hat eine Kreditlinie über 1 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt und die Firma ALTA a.s. aus Brno/Brünn liefert Werkzeugmaschinen zur Metallbearbeitung. Außerdem sollen elektrische und andere technologische Ausrüstungen in Tschechien gekauft werden.
Bei der Tochterfirma OOO Tscheljabinsker Traktorenwerk "Uraltrak" sollen zunächst die Produktionsanlagen für die Herstellung von Dieselmotoren und Fahrgestellen modernisiert werden (2011 bis 2013), ab 2013 bis 2020 dann das gesamte Werk. Zum einen steht der Start der Serienfertigung einer neuen Baureihe von Dieselmotoren für Zivil- und Militärfahrzeuge an. Zum anderen soll die Qualität der Fahrgestelle verbessert werden. Darüber hinaus will das Management von Uralwagonsawod auf Basis von Uraltrak die neue Division "Straßen-Baumaschinen und Kommunaltechnik" schaffen, in der alle Aktiva zur Produktion von ziviler Technik gebündelt werden sollen. Details zu diesem Projekt bietet der GTAI-Artikel "Uralwagonsawod plant Großprojekt zur Produktion von Straßenbaumaschinen und Straßenbahnen".
Um ihre Position am Markt der Ausrüstungen für die Öl- und Gasindustrie zu festigen, arbeitet die OAO NPK Uralwagonsawod an einem neuen Hebekran für Bohrwerke mit einer Tragkraft von 125 und 160 t. Es handelt sich um eine mobile Bohrstation, die sowohl für den laufenden Vortrieb als auch die Generalreparatur von Bohrlöchern geeignet ist. Das Budget dieses Projekts beträgt 216 Mio. Rubel.
Im Rahmen der "Strategie zur Entwicklung des Eisenbahntransports in der Russischen Föderation bis 2030" trägt Uralwagonsawod zur Erneuerung des Güterwagenparks bei und entwickelt neue Waggon-Modelle. Das Budget hierfür ist anfänglich mit 325,5 Mio. Rubel angesetzt.
Ein weiteres Schlüsselvorhaben für Uralwagonsawod ist die Expansion nach Kasachstan. Geplant ist der Bau eines Montagewerks für Güterwagen mit einer Kapazität von rund 5000 Waggons pro Jahr. Die Kosten des Projekts werden mit 12 Mrd. Rubel beziffert. Bis zum Herbst 2011 erfolgt die Ausarbeitung der Details des Projekts, läuft die Projektierung und die Auswahl des Grundstücks. In der Anfangsphase wird der neue Betrieb als 100-prozentige Tochterfirma von Uralwagonsawod firmieren. Im Weiteren sei die Einbeziehung eines Investors, darunter von kasachischer Seite, nicht ausgeschlossen, sagte Sergej Gorjatschew, Direktor für Innovationen und Investitionen. Die Projektierung des Werks bezahlt der Konzern aus eigenen Mitteln, der Bau soll mit Krediten finanziert werden. Geplanter Baubeginn: 2013.
Branchenanalysten sind der Meinung, dass der Schritt auf den kasachischen Markt für Uralwagonsawod eine notwendige Maßnahme ist, weil die Nachfrage nach Güterwaggons in Russland bereits 2010/11 ihren Höhepunkt erreicht habe und ab 2013 ein Nachlassen zu erwarten sei. Außerdem eröffnen 2011 das Tichwinsker Waggonbauwerk und Promtraktor-Wagon, die einen Teil der Bestellungen auf sich ziehen werden. Schätzungen zufolge könnte Uralwagonsawod dadurch bis 2013 Aufträge über 5.000 Waggons pro Jahr verlieren. Der Konzern will im Jahr 2011 insgesamt 24.000 Waggons fertigen.
Der Markt für Güterwagen in Kasachstan wird auf 10.000 Stück pro Jahr geschätzt. Dort ist der rollende Fuhrpark noch stärker veraltet als in Russland und deshalb der Bedarf groß. Allerdings haben auch chinesische Waggonbauer ein Auge auf den kasachischen Markt geworfen. Derzeit führen sie aktive Gespräche mit der Kasachischen Eisenbahn zur Zertifizierung ihrer Produkte. Wenn sie diese erhalten, wird der kasachische Markt mit billigen Waggons überschwemmt (circa 450.000 Rubel pro Waggon), mit denen Uralwagonsawod preislich nicht konkurrieren kann (minimaler Preis: 1 Mio. Rubel). Es ist also Eile bei der Realisierung des Projekts geboten.
Mit der Eröffnung eines Werks in Kasachstan erhielte Uralwagonsawod nicht nur einen zusätzlichen Absatzmarkt, sondern würde auch weniger abhängig von der OAO RZD (Russische Eisenbahnen), darunter in Fragen der Preisgestaltung. So hatte RZD im Jahr 2008 auf eine Reduzierung des Preises pro Waggon von 1,5 Mio. auf 1,2 Mio. Rubel (bei Selbstkosten der Produktion von ungefähr 1 Mio. Rubel) gedrungen. Erst Anfang August 2011 bezeichnete der russische Transportminister die Preise für Waggons wieder als "utopisch" - kein gutes Zeichen.
Mit dem Projekt "OOO UWS-Logistik" will sich Uralwagonsawod nicht nur einen neuen ausländischen Markt, sondern auch ein komplett neues Geschäftsfeld erschließen. Ziel ist die Schaffung eines Transportunternehmens, spezialisiert auf Güterfracht. Die formelle Gründung der Tochterfirma erfolgte im Januar 2011. Sie soll einen Fuhrpark von 20.000 Waggons, davon 12.000 Zisternen und 8.000 Halbwaggons, erhalten (Investition: circa 40 Mrd. Rubel, davon 2011: 18 Mrd. Rubel). Als Kunden will Uralwagonsawod vor allem Unternehmen der Erdölindustrie, der Chemie- und Metallurgie-Industrie aus dem Föderalbezirk Ural gewinnen.
Ferner beteiligt sich Uralwagonsawod als Partner an den Investitionsprojekten anderer Unternehmen. So laufen bei der OAO Vtoraja grusowaja kompanija (VGK, Schienengüterverkehr, http://cargo.rzd.ru) derzeit die Vorbereitungen zur Einrichtung eines Reparaturwerks für Güterwaggons in Nishni Tagil. Als Basis dient das bestehende Eisenbahnwagendepot Smytschka der Swerdlowsker Filiale der OAO RZD. Vor Ort sollen Halbwaggons sowohl instandgehalten (ab Oktober 2011), als auch generalüberholt werden mit Austausch des Wagenkastens (ab Februar 2012). Außerdem sollen ausrangierte Waggons zur Altmetallgewinnung zerlegt und gebrauchte Ersatzteile repariert werden. Geplant ist, dass das Werk bis Mitte 2012 seine volle Jahreskapazität erreicht: Austausch des Wagenkastens bei circa 3.000 Halbwaggons, Verschrottung - 1.800 Waggons und 3.000 Wagenkästen, sowie Routine-Reparaturen. Hier kommt Uralwagonsawod ins Spiel - als Lieferant der 3.000 Wagenkästen pro Jahr. Zur Realisierung des Projekts wird das Eisenbahndepot ausgebaut, der Maschinenpark modernisiert und der Produktionsprozess optimiert. Die Investitionen von OAO VGK belaufen sich auf 20 Mrd. Rubel (rund 500 Mio. Euro) innerhalb von fünf Jahren.

Kontaktanschrift:

OAO NPK Uralwagonsawod
Wostotschnoje schosse 28, 622007 Nishni Tagil, Swerdlowskaja oblast
Tel.: 007 3435/345 242
Generaldirektor: Oleg Wiktorowitsch Sienko
Direktor für Innovationen und Investitionen:
Sergej Aleksandrowitsch Gorjatschew (Tel.: -34 54 18)
Chef-Ingenieur: Sergej Pawlowitsch Schewtschenko (Tel.: -34 50 02)
(E.W.)