Schweine- und Geflügelfleisch erleben einen Boom / Zahlreiche Projekte für neue Tierzucht- und Verarbeitungsbetriebe / Von Stephanie Adam und Edda Wolf
Moskau (gtai) - Es ist eine gute Zeit für die russischen
Fleischproduzenten. Dank steigender Realeinkommen wächst die Nachfrage
stetig. Vor allem Geflügel und Schwein landen in Russland immer häufiger
auf dem Teller. Damit die Kapazitäten hinter dieser Entwicklung nicht
zurückbleiben, muss investiert werden. Seit Jahresbeginn nahmen
Produzenten und Regierung landesweit mehrere Projekte in Angriff, gern
auch in Kooperation mit ausländischen Zulieferern moderner Stalltechnik.
In der russischen Landwirtschaft schlummert enormes
Entwicklungspotenzial. Noch hinken die meisten russischen Betriebe
europäischen Standards um Jahre hinterher, sind ineffizient und
technisch veraltet. Seit einiger Zeit aber verbessern sich die
landwirtschaftlichen Kennzahlen, die Produktion steigt. Im 1. Halbjahr
2011 erreichte der Produktionswert aller landwirtschaftlichen
Erzeugnisse in Russland über 900 Mrd. Rubel (21,8 Mrd. Euro, Wechselkurs
nach russischer Zentralbank vom 17.8.2011: 1 Euro = 41,29 Rubel). Im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 30%. Der Anteil
der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt Russlands beträgt zurzeit
4,1%.
Staatliche Finanzspritzen haben im großen Maße zu den positiven
Entwicklungen der letzten Jahre beigetragen. Die Landwirtschaft wurde
zur Schlüsselbranche erklärt, ein Entwicklungsprogramm soll sie bis 2020
rundum erneuern. Allein im Jahr 2011 vergibt die russische Regierung
Zuwendungen in Höhe von 111,8 Mrd. Rubel (2,7 Mrd. Euro). Das geplante
Budget für 2012 wurde erst kürzlich um 10% auf 130 Mrd. Rubel (3,14 Mrd.
Euro) erhöht, meldete die Zeitung Ria Nowosti.
Der Fleischmarkt hat von den Hilfen stark profitiert und entwickelt
sich rasant. Die Nachfrage steigt, die Hersteller ziehen nach. Im Jahr
2010 wuchs die Fleischproduktion landesweit um 5% auf 10,5 Mio. t
(Lebendgewicht). Besonders stark haben die industriellen Großbetriebe
zugelegt: Sie erzeugten 2010 fast 11% mehr Fleisch als im Vorjahr. Der
Marktanteil kleinerer Betriebe hingegen sinkt stetig. Wachstumstreiber
sind Schweinefleisch und Geflügel. Rindfleisch wird dagegen immer
weniger produziert. Im Juni 2011 betrug der russische Viehbestand: 9
Mio. Kühe, 18,6 Mio. Schweine, 25,4 Mio. Schafe und Ziegen sowie 473,3
Mio. Vögel.
| Geflügel | Veränderung 2010/2009 in % | Schweinefleisch | Veränderung 2010/2009 in % | Rindfleisch | Veränderung 2010/2009 in % | |
| Gesamt | 3.850,4 | 111 | 3.083 | 106 | 3.018,1 | 98 |
| Industrielle Großbetriebe | 3.422,5 | 113 | 1.617 | 118 | 979,4 | 97 |
| Bauernhöfe und einzelne Unternehmer | 23,6 | 96 | 90 | 96 | 148,7 | 110 |
| Ländliche Bevölkerung | 404,3 | 98 | 1.376 | 96 | 1.890,0 | 98 |
Quelle: Rosstat, zitiert im Jahresbericht der Holding Miratorg
Schweinefleisch erlebt in Russland einen wahren Boom. Im Vergleich
zum Vorjahr stieg die industrielle Produktion im Jahr 2010 um mehr als
18%. Noch können die 2,4 Mio. t (Schlachtgewicht) Schweinefleisch pro
Jahr den heimischen Bedarf von 3 Mio. t nicht decken. Da Russland nach
Selbstversorgung bei Schweinefleisch strebt, besteht Investitionsbedarf.
Mit der Installation neuer Produktionsanlagen soll der Ausstoß 2012 um
0,3 Mio. t steigen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten insgesamt 5
Mrd. Euro in neue Kapazitäten investiert werden, meldet die
Nachrichtenagentur Prime Tass.
Neben Schweinefleisch ist auch Geflügel in Russland sehr beliebt:
3,45 Mio. t werden davon jährlich konsumiert. Tendenz: steigend. Schon
2010 legte die Produktion um knapp 13% zu, insbesondere in Sibirien, dem
Nordkaukasus sowie im Nord-Westen und in den südlichen Regionen
Russlands. Wie die Zeitung Ria Nowosti berichtet, werden 2011 in
Russland voraussichtlich 3,2 Mio. t Geflügelfleisch produziert; das ist
ein Anstieg von 10%. Bis 2020 rechnet die Generaldirektorin der
russischen Geflügelvereinigung, Galina Bobyljowa, mit einem Output von
4,5 Mio. t.
Ähnliche Ergebnisse kann die Rindfleischproduktion nicht vorweisen.
Im Gegenteil: sie schwächelt. Denn mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion
vor zwanzig Jahren ging auch die russische Rinderwirtschaft in die
Knie. Die meisten zur Zucht geeigneten Kühe wurden in den schwierigen
Zeiten einfach aufgegessen. Übrig blieben Milchkühe, die zur
Fleischproduktion nicht taugen. Der Import hochwertiger Rindersorten aus
dem Ausland soll Abhilfe schaffen und die russischen Herden langsam
ersetzen.
Insgesamt bergen die Marktentwicklungen der letzten Jahre enorme
Chancen für die russischen Fleischproduzenten. Überall im Land wird
investiert, entstehen neue Produktionskapazitäten. Erst kürzlich
bewilligten die russische Vneschekonombank und HSBC der OOO Brjanskaja
Mjasnaja Kompanija einen Kredit in Höhe von 90 Mio. US$. Mit diesen
Mitteln soll im Gebiet Brjansk eine Fabrik entstehen, die Fleisch
produziert und verarbeitet.
Im Gebiet Rostow beginnt der Bau eines riesigen Bio-Clusters.
Kostenpunkt: 20 Mrd. Rubel (484,6 Mio. Euro). Geplant sind unter anderem
Getreidefabriken, jeweils ein Schweine- und ein Geflügelkomplex, ein
Fleischkombinat sowie ein Futtermittelwerk. Insgesamt wurden in Rostow
seit Jahresbeginn 12 unterschiedliche landwirtschaftliche
Investitionsprojekte mit einem Volumen von 40 Mrd. Rubel (969 Mio. Euro)
in Angriff genommen. Die Lokalregierung unterstützt die Arbeiten mit
Finanzspritzen.
In Lipzek baut die OAO Gruppa Tscherkisowo den nach eigenen Angaben
größten Agrarindustriekomplex Russlands. Für 20 Mrd. Rubel (484,6 Mio.
Euro) sollen dort Fabriken zur Produktion und Verarbeitung von Geflügel
gebaut werden. Auch Inkubatoren und Futterfabriken sind vorgesehen.
Kapazität: 500.000 t Fleisch pro Jahr.
Eine weitere Megainvestition wird in der Teilrepublik Baschkortostan
realisiert. Dort will die russische Unternehmensgruppe Rasguljaj 13 Mrd.
Rubel (315 Mio. Euro) investieren, um eine Agrarholding aufzubauen:
fünf Schweinezuchtanlagen, ein Schlachthof, der 1 Mio. Tiere pro Jahr
verarbeiten kann, sowie eine Tierfutterfabrik mit einer Kapazität von
200.000 t pro Jahr. Bei Vollauslastung soll die Holding bis zu 70.000 t
Fleisch pro Jahr erzeugen können. Im Juli 2011 wurden die entsprechenden
Dokumente von der baschkirischen Regierung und Rasguljaj unterzeichnet.
| Unternehmen | Ort | Projekt | Kapazität in 1.000 t Fleisch | Investitions-Volumen in Mrd. Rubel. |
| OAO Gruppa Tscherkisowo | Lipzek | Agrarindustrie-Komplex | 500 (Lebend-gewicht) | 20,0 |
| OOO Brjanskaja Mjasnaja Kompanija | Oblast Brjansk | Fleischverarbeitung | k.A. | 2,6 |
| Zentr Transfera Innowazionnich Technologi | Oblast Rostow | Bio-Cluster | k.A. | 20,0 |
| Gruppa Rasguljaj | Baschkortostan | Agrarholding | 70 | 13,0 |
| Miratorg | Oblast Orjol | Viehzucht | jeweils 4.500 Rinder | 2,0 |
| Miratorg | Oblast Brjansk | Viehzucht | 250.000 Rinder | 24,0 |
Quellen: Prime-Tass, Unternehmensmeldungen
Ganz so weit ist die Agrarholding Miratorg mit ihren
Viehzuchtprojekten im Gebiet Orjol noch nicht gekommen. Dort sind zwei
Rinderfarmen geplant, auf denen jeweils bis zu 4.500 Tiere gezüchtet
werden können. Das Investitionsvolumen beträgt 2 Mrd. Rubel (48 Mio.
Euro). Die entsprechenden Abkommen mit den lokalen Behörden sollen in
den nächsten Wochen unterzeichnet werden. Die Pläne für Orjol sind Teil
eines Großprojektes von Miratorg: Im Gebiet Brjansk sollen bis zum Jahr
2014 über 33 Farmen mit Platz für 250.000 Tiere und entsprechende
Verarbeitungskapazitäten entstehen.
Seit die inländische Fleischproduktion auf Grund der vielen
Investitionsprojekte wächst, sinkt der Importbedarf. Laut Meldung der
Tageszeitung Rbc Daily wird sich der Importanteil bei Geflügel in den
kommenden Jahren bei circa 7% einpendeln. Die Exporte hingegen steigen.
Im Vergleich zum Jahr 2010, als sie noch bei 15.000 t lagen, werden sie
im laufenden Jahr 2011 um mehr als das Dreifache ansteigen. Beim
Schweinefleisch sieht die Situation ähnlich aus. Entsprechend senkte die
Regierung die Importquoten für Schweine- und Geflügelfleisch für das
Jahr 2012 auf 350.000 bzw. 330.000 t (2011: 500.000 t bzw. 350.000 t).
Kontaktanschriften
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344050 Rostow am Don, ul. Sozialistitscheskaja 112
Tel.: 007 863/240 7831, Fax: -240 1701
E-Mail:
international@aaanet.ru, Internet:
www.donland.ru
Kontakt: Ewgenija Wyacheslawowna Gawrilenko, External Economic Relations
OOO Brjanskaja Mjasnaja Kompanija
241020 Brjansk, ul. Tuchatschewskowo 2
Tel.: 007 4832 72 44 19, - 63 58 26
Internet:
www.kingmeat.ru
OOO Miratorg
119146 Moskau, 1-aja Frunsenskaja ul. 5
\x{0422}el.: 007 495/775 0650
E-Mail:
info@agrohold.ru, Internet:
www.miratorg.ru
Gruppa Rasguljaj
109428 Moskau, Rjasanskij Prospekt 61/4
Tel./Fax: 007 495/510 6383
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www.raz.ru
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(E.W.)