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Montag, 16. Januar 2012

Frischzellenkur für Moskaus Freizeitparks

Russlands Hauptstadt pumpt Milliardensummen in Erholungsgebiete / Größtes Riesenrad der Welt geplant / Von Gerit Schulze

Moskau (gtai) - Mit einem Milliardenprogramm will Moskau seine städtischen Parks zu neuen Besuchermagneten machen. Dazu gehören auch moderne Fahrgeschäfte, Sporteinrichtungen und die Sanierung historischer Gebäude. Auf einer Insel im Westen der Stadt könnte ein gigantischer Themenpark nach dem Vorbild von Disneyland entstehen. Außerdem soll sich in Moskau schon bald das größte Riesenrad der Welt drehen.

Sie sind die letzten Rückzugsgebiete in der stau- und smoggeplagten Metropole Moskau - die städtischen Waldgebiete und Grünanlagen. Immerhin nehmen sie ein Drittel des Stadtgebiets ein. Nun sollen 23 Parks und acht Freilichtmuseen mit immensen Summen attraktiver für Freizeit und Erholung gemacht werden. Die ausgewählten Parks haben eine Gesamtfläche von fast 2.900 Hektar. Das entspricht etwa 2,7% des Stadtgebiets.
Die Bestandsaufnahme für die so genannten Kultur- und Erholungsparks, die nun auf Vordermann gebracht werden sollen, klingt traurig: Bis zu 80% der Gebäude, Sanitäreinrichtungen, Spielplätze und Fahrgeschäfte sind verschlissen, heißt es in einer Präsentation der Stadt Moskau. Russlands Hauptstadt hat daher das Programm "Für die Entwicklung der Erholungsindustrie und des Tourismus" auf den Weg gebracht. Es sieht im Zeitraum 2012 bis 2016 Ausgaben von 130 Mrd. Rubel (3,1 Mrd. Euro, Wechselkurs am 1.12.11: 1 Euro = 41,76 Rubel) vor. Davon sind knapp 71 Mrd. Rubel für die Erholungsparks und Freilichtmuseen sowie 30 Mrd. Rubel für die Begrünung des städtischen Raums eingeplant. Verantwortlich für die Umsetzung des Programms ist das Department für Kultur der Stadt Moskau.
Schon 2012 stehen umgerechnet 300 Mio. Euro für die Erholungsparks zur Verfügung. Ab dem kommenden Jahr rücken Landschaftsgärtner, Handwerker und Baubrigaden an, um die Freizeitoasen aufzumöbeln. Neben der Pflege des Grünbestands gehören dazu die Sanierung der zum Teil historischen Gebäude, der Bau von Pkw-Stellplätzen, die Modernisierung von Cafés und Restaurants, sowie die Errichtung neuer Attraktionen. Besonderen Stellenwert legt die Stadtverwaltung auf mehr Sportmöglichkeiten. Sie lässt Radwege und Reitwanderwege anlegen sowie Fußball-, Volleyball-, Basketball- und Tennisplätze bauen.
Die Zahl der Besucher in den 23 Kulturparks soll sich bis 2016 (gegenüber dem Stand von 2011) auf 30 Millionen verdoppeln. Ebenso viele Gäste werden in den acht Museumskomplexen erwartet, die ebenfalls Teil dieses Investitionsprogramms sind. Dazu gehören so berühmte Ausflugsziele wie Zarizyno, Kolomenskoje und Kuskowo.
Zwar ist sich die Stadt Moskau sicher, den Großteil der Finanzmittel für den Umbau der Parks selbst aufbringen zu müssen. Dennoch haben private Investoren bereits Interesse an einigen Projekten gezeigt. Laut Medienberichten will unter anderem der Eigentümer des Messezentrums Krokus Expo im Kulturpark Sokolniki investieren. Dort entstehen Tennisplätze, Radwege, Mini-Zoo, Kino, Sportplatz und kleine Pavillons. Die großen Fahrgeschäfte müssen weichen, stattdessen soll der Sokolniki-Park vorrangig Standort für Kinderkarussells sein.
Im Park Fili sind Investitionen von bis zu 800 Mio. US$ geplant. Nach Plänen des Rathauses könnte hier ein Äquivalent des Kopenhagener Tivoli entstehen. Zu den Ideen für das Erholungsgebiet gehören ein Delfinarium, eine Musical-Bühne, ein Sommerkino sowie Anlegestellen für Schnellfähren, die zwischen Fili und dem Gorki-Park verkehren.
Für Moskaus berühmtesten Freizeitpark - den Gorki-Park am Ufer der Moskwa - wird derzeit ein Entwicklungskonzept ausgearbeitet. Schon im Sommer 2011 ließ die Stadtverwaltung dort sämtliche Fahrgeschäfte und Attraktionen entfernen und entrümpelte das Gelände von Buden, Zäunen und illegalen Geschäften. Milliardär Roman Abramowitsch soll Interesse an einer Großinvestition auf dem Gelände haben. Im Gespräch ist unter anderem ein Kunstzentrum.
War der Gorki-Park früher der einzige Ort, wo spektakuläre Attraktionen die Besucher anlockten, so plant das Moskauer Rathaus nun einen Themenpark außerhalb des Stadtzentrums. Auf dem Gelände der so genannten Mnewnikowskaja pojma - einer 350 Hektar großen Halbinsel im Westen der Stadt - könnte nach den Vorstellungen der Verwaltung eine Art russisches Disneyland entstehen. Interesse an dem Projekt zeigten bereits die südkoreanische Lotte Group sowie Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie wollen an der geplanten internationalen Ausschreibung zur Erstellung eines Entwicklungskonzepts für den Freizeitpark teilnehmen.
Auch das Allrussische Ausstellungszentrum WWZ (früher: Allunionsausstellung WDNKh) durchläuft in den nächsten Jahren für 1,5 Mrd. US$ eine Auffrischungskur. Dafür werden die historischen Pavillons restauriert. Auf dem Gelände entsteht eine Mischung aus Messezentrum, Museen, Freizeit, Sport und Handel. Geplant sind auch ein Ozeanarium mit ganzjährig nutzbarem Strand sowie zwei Hotels mit 600 Betten. Das Umbauprojekt ist langfristig angelegt und dauert bis 2034 (http://www.vvcentre.ru).
Da in Moskau alles größer sein muss als anderswo, plant das Rathaus noch einen Superlativ: das höchste Riesenrad der Welt. Derzeit sind drei Standorte für die 220 Meter hohe Attraktion im Gespräch: der Gorki-Park, das Ausstellungsgelände WWZ oder der Platz neben dem Zirkus am Prospekt Wernadskowo. Wenn der endgültige Bauort bestimmt ist, sollen per Ausschreibung Investoren für das Vorhaben gesucht werden. Nach Informationen der Tageszeitung Kommersant hat unter anderem die OOO "Gruppa 12" Interesse an dem Projekt. Wie das Blatt berichtete, wolle das Unternehmen 300 Mio. US$ investieren und habe vom US-Büro Gensler bereits einen Entwurf vorbereiten lassen. Das Riesenrad soll ein weiterer Baustein für die Pläne Moskaus sein, die Zahl der ausländischen Touristen bis 2016 von derzeit 4 Mio. auf 7 Mio. Gäste pro Jahr zu steigern.

Kontaktanschrift:

Departament kultury goroda Moskwy
(Department für Kultur der Stadt Moskau)
Unterabteilung Mosgorpark
(kümmert sich künftig um die Entwicklung der Parks)
uliza Neglinnaja 8/10, 107031 Moskau
Tel.: 007 495/621 98 64, Fax: -624 01 72
(S.Z.)

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