Russlands Hauptstadt pumpt Milliardensummen in Erholungsgebiete / Größtes Riesenrad der Welt geplant / Von Gerit Schulze
Moskau
(gtai) - Mit einem Milliardenprogramm will Moskau seine städtischen
Parks zu neuen Besuchermagneten machen. Dazu gehören auch moderne
Fahrgeschäfte, Sporteinrichtungen und die Sanierung historischer
Gebäude. Auf einer Insel im Westen der Stadt könnte ein gigantischer
Themenpark nach dem Vorbild von Disneyland entstehen. Außerdem soll sich
in Moskau schon bald das größte Riesenrad der Welt drehen.
Sie sind die letzten Rückzugsgebiete in der stau- und
smoggeplagten Metropole Moskau - die städtischen Waldgebiete und
Grünanlagen. Immerhin nehmen sie ein Drittel des Stadtgebiets ein. Nun
sollen 23 Parks und acht Freilichtmuseen mit immensen Summen attraktiver
für Freizeit und Erholung gemacht werden. Die ausgewählten Parks haben
eine Gesamtfläche von fast 2.900 Hektar. Das entspricht etwa 2,7% des
Stadtgebiets.
Die Bestandsaufnahme für die so genannten Kultur-
und Erholungsparks, die nun auf Vordermann gebracht werden sollen,
klingt traurig: Bis zu 80% der Gebäude, Sanitäreinrichtungen,
Spielplätze und Fahrgeschäfte sind verschlissen, heißt es in einer
Präsentation der Stadt Moskau. Russlands Hauptstadt hat daher das
Programm "Für die Entwicklung der Erholungsindustrie und des Tourismus"
auf den Weg gebracht. Es sieht im Zeitraum 2012 bis 2016 Ausgaben von
130 Mrd. Rubel (3,1 Mrd. Euro, Wechselkurs am 1.12.11: 1 Euro = 41,76
Rubel) vor. Davon sind knapp 71 Mrd. Rubel für die Erholungsparks und
Freilichtmuseen sowie 30 Mrd. Rubel für die Begrünung des städtischen
Raums eingeplant. Verantwortlich für die Umsetzung des Programms ist das
Department für Kultur der Stadt Moskau.
Schon 2012 stehen
umgerechnet 300 Mio. Euro für die Erholungsparks zur Verfügung. Ab dem
kommenden Jahr rücken Landschaftsgärtner, Handwerker und Baubrigaden an,
um die Freizeitoasen aufzumöbeln. Neben der Pflege des Grünbestands
gehören dazu die Sanierung der zum Teil historischen Gebäude, der Bau
von Pkw-Stellplätzen, die Modernisierung von Cafés und Restaurants,
sowie die Errichtung neuer Attraktionen. Besonderen Stellenwert legt die
Stadtverwaltung auf mehr Sportmöglichkeiten. Sie lässt Radwege und
Reitwanderwege anlegen sowie Fußball-, Volleyball-, Basketball- und
Tennisplätze bauen.
Die Zahl der Besucher in den 23 Kulturparks
soll sich bis 2016 (gegenüber dem Stand von 2011) auf 30 Millionen
verdoppeln. Ebenso viele Gäste werden in den acht Museumskomplexen
erwartet, die ebenfalls Teil dieses Investitionsprogramms sind. Dazu
gehören so berühmte Ausflugsziele wie Zarizyno, Kolomenskoje und
Kuskowo.
Zwar ist sich die Stadt Moskau sicher, den Großteil der
Finanzmittel für den Umbau der Parks selbst aufbringen zu müssen.
Dennoch haben private Investoren bereits Interesse an einigen Projekten
gezeigt. Laut Medienberichten will unter anderem der Eigentümer des
Messezentrums Krokus Expo im Kulturpark Sokolniki investieren. Dort
entstehen Tennisplätze, Radwege, Mini-Zoo, Kino, Sportplatz und kleine
Pavillons. Die großen Fahrgeschäfte müssen weichen, stattdessen soll der
Sokolniki-Park vorrangig Standort für Kinderkarussells sein.
Im
Park Fili sind Investitionen von bis zu 800 Mio. US$ geplant. Nach
Plänen des Rathauses könnte hier ein Äquivalent des Kopenhagener Tivoli
entstehen. Zu den Ideen für das Erholungsgebiet gehören ein Delfinarium,
eine Musical-Bühne, ein Sommerkino sowie Anlegestellen für
Schnellfähren, die zwischen Fili und dem Gorki-Park verkehren.
Für
Moskaus berühmtesten Freizeitpark - den Gorki-Park am Ufer der Moskwa -
wird derzeit ein Entwicklungskonzept ausgearbeitet. Schon im Sommer
2011 ließ die Stadtverwaltung dort sämtliche Fahrgeschäfte und
Attraktionen entfernen und entrümpelte das Gelände von Buden, Zäunen und
illegalen Geschäften. Milliardär Roman Abramowitsch soll Interesse an
einer Großinvestition auf dem Gelände haben. Im Gespräch ist unter
anderem ein Kunstzentrum.
War der Gorki-Park früher der einzige
Ort, wo spektakuläre Attraktionen die Besucher anlockten, so plant das
Moskauer Rathaus nun einen Themenpark außerhalb des Stadtzentrums. Auf
dem Gelände der so genannten Mnewnikowskaja pojma - einer 350 Hektar
großen Halbinsel im Westen der Stadt - könnte nach den Vorstellungen der
Verwaltung eine Art russisches Disneyland entstehen. Interesse an dem
Projekt zeigten bereits die südkoreanische Lotte Group sowie Unternehmen
aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie wollen an der geplanten
internationalen Ausschreibung zur Erstellung eines Entwicklungskonzepts
für den Freizeitpark teilnehmen.
Auch das Allrussische
Ausstellungszentrum WWZ (früher: Allunionsausstellung WDNKh) durchläuft
in den nächsten Jahren für 1,5 Mrd. US$ eine Auffrischungskur. Dafür
werden die historischen Pavillons restauriert. Auf dem Gelände entsteht
eine Mischung aus Messezentrum, Museen, Freizeit, Sport und Handel.
Geplant sind auch ein Ozeanarium mit ganzjährig nutzbarem Strand sowie
zwei Hotels mit 600 Betten. Das Umbauprojekt ist langfristig angelegt
und dauert bis 2034 (http://www.vvcentre.ru).
Da
in Moskau alles größer sein muss als anderswo, plant das Rathaus noch
einen Superlativ: das höchste Riesenrad der Welt. Derzeit sind drei
Standorte für die 220 Meter hohe Attraktion im Gespräch: der Gorki-Park,
das Ausstellungsgelände WWZ oder der Platz neben dem Zirkus am Prospekt
Wernadskowo. Wenn der endgültige Bauort bestimmt ist, sollen per
Ausschreibung Investoren für das Vorhaben gesucht werden. Nach
Informationen der Tageszeitung Kommersant hat unter anderem die OOO
"Gruppa 12" Interesse an dem Projekt. Wie das Blatt berichtete, wolle
das Unternehmen 300 Mio. US$ investieren und habe vom US-Büro Gensler
bereits einen Entwurf vorbereiten lassen. Das Riesenrad soll ein
weiterer Baustein für die Pläne Moskaus sein, die Zahl der ausländischen
Touristen bis 2016 von derzeit 4 Mio. auf 7 Mio. Gäste pro Jahr zu
steigern.
Kontaktanschrift:
Departament kultury goroda Moskwy
(Department für Kultur der Stadt Moskau)
Unterabteilung Mosgorpark
(kümmert sich künftig um die Entwicklung der Parks)
uliza Neglinnaja 8/10, 107031 Moskau
Tel.: 007 495/621 98 64, Fax: -624 01 72
E-Mail: info@mosdepkultura.ru, Internet: http://www.mosdepkultura.ru
(S.Z.)
Zertifizierung, Registrierung. Zulassung und Deklarierung für Russland