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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Bau von 80 Olympiaprojekten in Sotschi verzögert sich

Zugstrecke zum Flughafen und Schießanlage fertig / Politiker und Staatsanwalt drohen mit Verzugsstrafen / Von Bernd Hones

Moskau (gtai) - Naturkatastrophen, Pannen, Stümperei - Russland sorgt sich um den pünktlichen Abschluss der Bauarbeiten für Olympia. Nicht auszudenken, wenn einige der Sportstätten oder die wichtigsten Verbindungsstrecken zu Beginn des Sportgroßereignisses nicht fertig wären. Doch vieles wurde im 1. Halbjahr 2012 gebaut, wie etwa die Eisenbahnstrecke von Sotschi zum Flughafen Adler. Baufirmen und Investoren versprechen Termintreue, nachdem die politische Führung immer wieder zu mehr Eile mahnt.

Olimpstroi steht im Kreuzfeuer der Kritik: Die Fertigstellung von 80 Olympiaobjekten werde sich verzögern, einige Sportanlagen könnten gar nicht mehr getestet werden, hieß es noch Anfang Januar 2012. Der damalige Präsident und heutige Premierminister, Dmitri Medwedew, tobte: "Die Anlagen müssen so fertig werden, dass noch Zeit für einen Testwettbewerb bleibt", forderte er. Besonders arg in Verzug: Die beiden Skisprungschanzen sowie die Rennschlitten- und die Bobbahn.

Zu Verzögerungen kam es nicht zuletzt wegen der Inkompetenz vieler russischer Baufirmen, die zwar zunächst die Ausschreibung für sich entscheiden konnten, aber kaum Praxiserfahrung im Sportstättenbau mitbrachten. In der Folge mussten einige Projekte neu vergeben werden, nachdem wertvolle Zeit ins Land gegangen war. Zudem wurde die Region in den letzten Jahren von Erdbeben, Erdrutschen und Hochwasser heimgesucht. Die Bergungs- und Wiederaufbauarbeiten kosteten ebenfalls Zeit und Kraft. Schließlich zerstörten riesige Wellen den Frachthafen, über den Baumaterialien in die Olympiaregion kommen sollten. Erst seit Sommer 2012 kann dort wieder die maximale Ladung umgeschlagen werden. Darum hatte Medwedew ein Dekret unterzeichnet, wonach Generalauftragnehmer für Verzögerungen bei Olympiabauprojekten noch stärker zur Verantwortung gezogen würden.

Auch der neue Präsident macht Druck. Mitte Mai 2012 forderte Wladimir Putin Strafen für säumige Baufirmen und Generalauftragnehmer. Kein Wunder: Denn von den über 800 Objekten waren zu diesem Zeitpunkt erst 141 fertig gestellt, bei 29 weiteren waren erste Bauabschnitte abgeschlossen. Darauf warnte auch die Staatsanwaltschaft der Region Krasnodar die Bauherren, sich an die Fristen zu halten.

Die klaren Drohungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die russische Bahn setzte zusätzliche Frachtwaggons ein. Dank zusätzlicher Arbeitsgenehmigungen konnten Tausende weiterer Gastarbeiter an den Großbaustellen helfen. Mittlerweile stellt sich das Bild wesentlich positiver da. Bereits Mitte Februar wurde die besonders wichtige Zugstrecke von Sotschi über Adler zum Flughafen fertig. Alle 15 Minuten jagt ein Zug über die neuen Gleise und entlastet damit die bis dato heillos verstopfte Landstraße. Während heute noch ein Aeroexpress eingesetzt wird, sollen pünktlich zum Olympiaauftakt neue Desiro-Züge fahren. Rund 60% aller Besucher sollen mit diesen modernen Zügen ins Herz der Olympischen Winterspiele rollen. "Wir werden alle sechs Bahnprojekte rund um Sotschi in der geplanten Zeit umsetzten", betonte Bahnpräsident Wladimir Jakunin.

Ebenfalls bereits fertig und getestet sind der sogenannte Extreme-Park mit Snowboard-Park und Freestyle-Zentrum und die Schießanlage für Biathleten. Im Winter 2013 soll dort bereits die Biathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen werden.
Der Telekommunikationspartner der Olympischen Winterspiele, Megafon, hatte bereits im Frühjahr 2012 etwa 90% aller Vorbereitungen zu dem Sportgroßereignis abgeschlossen. Sprich: Neun von zehn Sportstätten sind bereits an ein 2G- oder ein 3G-Mobilfunknetz angeschlossen. Bis Jahresende soll die Anschlussquote bereits bei 95% liegen. "Im Jahr 2013 wollen wir nur noch testen und bei Bedarf die Netzqualität an einigen Stellen erhöhen", sagte Andrei Jeremkin, Direktor der Megafon-Filiale Kaukasus.

Auch der Hotelbau ist vielerorts schon abgeschlossen. Das erste Hotel Park Inn von Radisson in Rosa Chutor mit 211 Zimmern feierte die Eröffnung pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März 2012. Radisson hat Erfahrung in der Region, in Sotschi gibt es bereits ein Park Inn Hotel dieser internationalen Kette. Apropos Rosa Chutor: Interros-Chef Wladimir Potanin, verantwortlich für das Bergdorf-Projekt Rosa Chutor, versprach den Abschluss der Bauarbeiten für Ende Sommer 2012. "Und daran wird sich nichts ändern", sagte er im Frühling.

Mitte 2013 sollen die wichtigsten Straßenbauprojekte abgeschlossen sein. Im Vergleich zu heute sollen sich dann die Verkehrskapazitäten in Sotschi um den Faktor 2,7 erhöhen, sagte Dmitri Kosak im Juni 2012 gegenüber der Presse. Laut Kosak flossen zwei Drittel aller Investitionen zur Vorbereitung der Olympischen Spiele in Sotschi in die Infrastruktur. Davon werde die gesamte Gegend dauerhaft profitieren. Es werde nur noch ein Viertel so viele Staus geben wie heute.

Allerdings läuft bei einigen Projekten erst jetzt die Suche nach einem geeigneten Unternehmen, so etwa beim Zubringer zum Stadtteil Bytcha in Sotschi. Das Anfangsgebot liegt bei 1,1 Mrd. Rubel. Die potenziellen Auftragnehmer müssen sich preislich unterbieten. Die Baufirma mit dem niedrigsten Preis erhält den Zuschlag. Die 2,2 km lange Straße soll bereits im Februar 2013 fertig sein.

Der Energieerzeuger Kubanenergo versprach noch im März 2012 alle 16 Investitionsprojekte bis 2013 abschließen zu wollen. Einige Projekte sind bereits fertig. Dazu zählen die Umspannstationen Wischnewaja und Bytcha, sowie die Modernisierung der Umspannstation Rodnikowaja.
Bei Olimpstroi wiederholt man gebetsmühlenartig: Alle wichtigen Bauten, allen voran das zentrale Olympiastadion, werden 2013 fertig gestellt. Überall sei danach noch genügend Zeit für entsprechende Tests. Allerdings läuft es mitnichten überall rund. Bei etwa 80 olympischen Einrichtungen hecheln die Generalauftragnehmer den Zeitplänen hinterher. Da wird es sich erst kurz vor dem Start der Olympischen Winterspiele weisen, ob die Staatsholding Olimpstroi ihr Wort halten wird.

Tipp

Die aktuelle Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 finden Sie unter:
(H.B.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland