Zugstrecke zum Flughafen und Schießanlage fertig / Politiker und Staatsanwalt drohen mit Verzugsstrafen / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Naturkatastrophen, Pannen, Stümperei - Russland sorgt sich um
den pünktlichen Abschluss der Bauarbeiten für Olympia. Nicht
auszudenken, wenn einige der Sportstätten oder die wichtigsten
Verbindungsstrecken zu Beginn des Sportgroßereignisses nicht fertig
wären. Doch vieles wurde im 1. Halbjahr 2012 gebaut, wie etwa die
Eisenbahnstrecke von Sotschi zum Flughafen Adler. Baufirmen und
Investoren versprechen Termintreue, nachdem die politische Führung immer
wieder zu mehr Eile mahnt.
Olimpstroi steht im Kreuzfeuer der Kritik: Die Fertigstellung von
80 Olympiaobjekten werde sich verzögern, einige Sportanlagen könnten
gar nicht mehr getestet werden, hieß es noch Anfang Januar 2012. Der
damalige Präsident und heutige Premierminister, Dmitri Medwedew, tobte:
"Die Anlagen müssen so fertig werden, dass noch Zeit für einen
Testwettbewerb bleibt", forderte er. Besonders arg in Verzug: Die beiden
Skisprungschanzen sowie die Rennschlitten- und die Bobbahn.
Zu
Verzögerungen kam es nicht zuletzt wegen der Inkompetenz vieler
russischer Baufirmen, die zwar zunächst die Ausschreibung für sich
entscheiden konnten, aber kaum Praxiserfahrung im Sportstättenbau
mitbrachten. In der Folge mussten einige Projekte neu vergeben werden,
nachdem wertvolle Zeit ins Land gegangen war. Zudem wurde die Region in
den letzten Jahren von Erdbeben, Erdrutschen und Hochwasser heimgesucht.
Die Bergungs- und Wiederaufbauarbeiten kosteten ebenfalls Zeit und
Kraft. Schließlich zerstörten riesige Wellen den Frachthafen, über den
Baumaterialien in die Olympiaregion kommen sollten. Erst seit Sommer
2012 kann dort wieder die maximale Ladung umgeschlagen werden. Darum
hatte Medwedew ein Dekret unterzeichnet, wonach Generalauftragnehmer für
Verzögerungen bei Olympiabauprojekten noch stärker zur Verantwortung
gezogen würden.
Auch der neue Präsident macht Druck. Mitte Mai
2012 forderte Wladimir Putin Strafen für säumige Baufirmen und
Generalauftragnehmer. Kein Wunder: Denn von den über 800 Objekten waren
zu diesem Zeitpunkt erst 141 fertig gestellt, bei 29 weiteren waren
erste Bauabschnitte abgeschlossen. Darauf warnte auch die
Staatsanwaltschaft der Region Krasnodar die Bauherren, sich an die
Fristen zu halten.
Die klaren Drohungen haben ihre Wirkung nicht
verfehlt. Die russische Bahn setzte zusätzliche Frachtwaggons ein. Dank
zusätzlicher Arbeitsgenehmigungen konnten Tausende weiterer Gastarbeiter
an den Großbaustellen helfen. Mittlerweile stellt sich das Bild
wesentlich positiver da. Bereits Mitte Februar wurde die besonders
wichtige Zugstrecke von Sotschi über Adler zum Flughafen fertig. Alle 15
Minuten jagt ein Zug über die neuen Gleise und entlastet damit die bis
dato heillos verstopfte Landstraße. Während heute noch ein Aeroexpress
eingesetzt wird, sollen pünktlich zum Olympiaauftakt neue Desiro-Züge
fahren. Rund 60% aller Besucher sollen mit diesen modernen Zügen ins
Herz der Olympischen Winterspiele rollen. "Wir werden alle sechs
Bahnprojekte rund um Sotschi in der geplanten Zeit umsetzten", betonte
Bahnpräsident Wladimir Jakunin.
Ebenfalls bereits fertig und
getestet sind der sogenannte Extreme-Park mit Snowboard-Park und
Freestyle-Zentrum und die Schießanlage für Biathleten. Im Winter 2013
soll dort bereits die Biathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen werden.
Der
Telekommunikationspartner der Olympischen Winterspiele, Megafon, hatte
bereits im Frühjahr 2012 etwa 90% aller Vorbereitungen zu dem
Sportgroßereignis abgeschlossen. Sprich: Neun von zehn Sportstätten sind
bereits an ein 2G- oder ein 3G-Mobilfunknetz angeschlossen. Bis
Jahresende soll die Anschlussquote bereits bei 95% liegen. "Im Jahr 2013
wollen wir nur noch testen und bei Bedarf die Netzqualität an einigen
Stellen erhöhen", sagte Andrei Jeremkin, Direktor der Megafon-Filiale
Kaukasus.
Auch der Hotelbau ist vielerorts schon abgeschlossen.
Das erste Hotel Park Inn von Radisson in Rosa Chutor mit 211 Zimmern
feierte die Eröffnung pünktlich zum Weltfrauentag am 8. März 2012.
Radisson hat Erfahrung in der Region, in Sotschi gibt es bereits ein
Park Inn Hotel dieser internationalen Kette. Apropos Rosa Chutor:
Interros-Chef Wladimir Potanin, verantwortlich für das Bergdorf-Projekt
Rosa Chutor, versprach den Abschluss der Bauarbeiten für Ende Sommer
2012. "Und daran wird sich nichts ändern", sagte er im Frühling.
Mitte
2013 sollen die wichtigsten Straßenbauprojekte abgeschlossen sein. Im
Vergleich zu heute sollen sich dann die Verkehrskapazitäten in Sotschi
um den Faktor 2,7 erhöhen, sagte Dmitri Kosak im Juni 2012 gegenüber der
Presse. Laut Kosak flossen zwei Drittel aller Investitionen zur
Vorbereitung der Olympischen Spiele in Sotschi in die Infrastruktur.
Davon werde die gesamte Gegend dauerhaft profitieren. Es werde nur noch
ein Viertel so viele Staus geben wie heute.
Allerdings läuft bei
einigen Projekten erst jetzt die Suche nach einem geeigneten
Unternehmen, so etwa beim Zubringer zum Stadtteil Bytcha in Sotschi. Das
Anfangsgebot liegt bei 1,1 Mrd. Rubel. Die potenziellen Auftragnehmer
müssen sich preislich unterbieten. Die Baufirma mit dem niedrigsten
Preis erhält den Zuschlag. Die 2,2 km lange Straße soll bereits im
Februar 2013 fertig sein.
Der Energieerzeuger Kubanenergo
versprach noch im März 2012 alle 16 Investitionsprojekte bis 2013
abschließen zu wollen. Einige Projekte sind bereits fertig. Dazu zählen
die Umspannstationen Wischnewaja und Bytcha, sowie die Modernisierung
der Umspannstation Rodnikowaja.
Bei Olimpstroi wiederholt man
gebetsmühlenartig: Alle wichtigen Bauten, allen voran das zentrale
Olympiastadion, werden 2013 fertig gestellt. Überall sei danach noch
genügend Zeit für entsprechende Tests. Allerdings läuft es mitnichten
überall rund. Bei etwa 80 olympischen Einrichtungen hecheln die
Generalauftragnehmer den Zeitplänen hinterher. Da wird es sich erst kurz
vor dem Start der Olympischen Winterspiele weisen, ob die Staatsholding
Olimpstroi ihr Wort halten wird.
Tipp
Die aktuelle
Ausgabe des Sotschi-Newsletters und weitere Informationen zu den
Vorbereitungsarbeiten auf die Olympischen Winterspiele 2014 finden Sie
unter:
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland