Gazprom gründet Gesellschaft für verdichtetes Motorengas / Konzern will russische Regionen mit Flüssiggas beliefern / Von Bernd Hones
Moskau
(gtai) - Die weltweiten Gaspreise sind im Sinkflug. Darauf reagiert der
russische Konzern Gazprom mit dem Ausbau des Geschäfts mit
komprimiertem Motoren- und Flüssiggas. Allein 2013 sollen russlandweit
37 neue Gastankstellen gebaut werden. Ende 2012 hat das Unternehmen alle
Aktiva aus dem Bereich Gastreibstoffe in einer neuen
Tochtergesellschaft gebündelt. Änderungen gibt es auch bei Flüssiggas:
Gazprom will künftig russische Regionen stärker mit diesem Energieträger
versorgen.
Russland ist zwar eines der erdgasreichsten Länder der Welt. Bei
der Nutzung von Erdgas als Treibstoff für Automobile hinkt Russland aber
seinem Potenzial noch meilenweit hinterher. Im Jahr 2011 waren auf
russischen Straßen gerade einmal 86.000 gasbetriebene Kraftfahrzeuge
unterwegs, sagten Gazprom-Vertreter auf einer Konferenz über
komprimiertes und Flüssiggas der Chemieberaterfirma Creon Energy Mitte
Dezember 2012 in Moskau. Zum Vergleich: In Pakistan, Iran und
Argentinien sind es über 2 Mio. Fahrzeuge. Am weitesten verbreitet sind
gasbetriebene Pkw in Südrussland, im Krasnodarski Krai und in den
Regionen Stawropol, Tula und Rjasan sowie in Kabardino-Balkarien.
Dabei
ist Autogas selbst im Vergleich zu den in Russland relativ günstigen
Benzin- und Dieseltreibstoffen spottbillig: Der Kubikmeter, der etwa
einem Liter herkömmlichen Treibstoffs entspricht, kostet gerade einmal 9
Rubel (Rbl, 22,5 Euro-Cent, EZB-Wechselkurs vom 4.1.13: 1 Euro = 39,66
Rbl). Der Preis für einen Liter Super-95 liegt bei rund 30 Rbl. Tendenz
steigend. Dagegen sind die Preise für komprimiertes Gas vom Gesetzgeber
eingefroren worden. Der finanzielle Anreiz für Autofahrer, anstelle von
Benzin oder Diesel auf einen Gasmotor zu setzen, steigt also permanent.
Hemmschuh
für eine schnelle Entwicklung der Autogassparte in Russland ist die
fehlende Infrastruktur für gasbetriebene Fahrzeuge, sagte Aleksandr
Stroganow Gastreibstoff-Experte bei Gazprom. Es fehle an ausreichender
Versorgung an komprimiertem Gas, an Tankstellen, an Service und
Wartungszentren für die Fahrzeuge und Gasmotoren. Deshalb halte sich
auch die Nachfrage in Russland bis jetzt noch in Grenzen. Ein
Teufelskreis, denn solange die Nachfrage niedrig sei, falle es den
Anbietern schwer, in eine bessere Infrastruktur - etwa in den Ausbau des
Tankstellennetzes - zu investieren. Dennoch hat die Gazprom-Holding
Anfang Dezember 2012 eine neue Tochter gegründet, die sämtliche Aktiva
rund um die Produktion von Motorengas und dessen Vertrieb bündelt - die
OOO Gazprom gasomotornoje topliwo.
Der Gaskonzern will künftig
verstärkt auf die Karte verdichtetes Motorengas setzen. Im Jahr 2013
sollen 37 Gastankstellen in 17 Regionen gebaut werden, heißt es in einer
Pressemeldung des Unternehmens vom Dezember 2012. Angeblich sind
russlandweit 54 von 83 Föderationssubjekte an dem Ausbau eines
entsprechenden Tankstellennetzes interessiert.
Markt für komprimiertes Motorengas in Russland (in Mio. cbm)
| 1990 | 2000 | 2005 | 2010 | 2011 | |
| Nachfrage nach komprimiertem Motorengas | 525 | 82 | 237 | 346 | 362 |
Quelle: OAO Gazprom
Der Bau von 37
Gastankstellen in nur einem Jahr könnte eine neue Dynamik in Gang
bringen. Genauso viele wurden in Russland in den vergangenen sechs
Jahren insgesamt in Betrieb genommen. Es gibt derzeit 244 solcher
Tankstellen im Land, davon gehören 209 zum Gazprom-Netz. Doch selbst im
internationalen Vergleich sind die geplanten zusätzlichen 37 Anlagen nur
ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein in Deutschland werden über 900
Tankstellen mit Gaskompressor gezählt. Neben Personenkraftwagen will
Gazprom künftig auch die Gasnutzung im landwirtschaftlichen Sektor, bei
Schienen- und Wasserfahrzeugen ankurbeln.
Für den
erfolgsverwöhnten Staatskonzern läuft es derzeit alles andere als rund.
Schwierigkeiten bereiten vor allem die US-Amerikaner, die seit einigen
Jahren auf Schiefergas setzen und dieses bereits mit Erfolg
international vermarkten. Die Folge: Russisches Erdgas hat Konkurrenz
erhalten, in Europa purzelten die Gaspreise. Auch Flüssiggas gewinnt an
Bedeutung. Was Russland brauche, "das ist keine stärkere Gasförderung,
sondern Investitionen in die Umrüstung der Verarbeitungsanlagen", meint
Waleri Plotnikow, Technik-Manager beim Anlagen- und
Pipelinebauunternehmen Stroitransgas. Russland verfüge zwar über 23% der
weltweiten Erdgasvorräte, produziere aber nur 5% des weltweiten
Flüssiggases. Die bisher einzige Anlage steht auf der Insel Sachalin im
Fernen Osten Russlands. Zum heutigen Zeitpunkt verarbeite Russland
gerade einmal 9% seines geförderten Erdgases, kritisierte Plotnikow auf
der Creon Energy-Konferenz in Moskau.
Das soll sich ändern - vor
allem dank geplanter neuer Mini-Gasverflüssigungsanlagen. Damit lassen
sich auch Gebiete fernab der großen Leitungen mit Gas versorgen. Zurzeit
gibt es solche Miniwerke nur in den Gebieten Moskau, Leningrad und
Swerdlowsk. Gazprom arbeitet an einer ganzen Reihe weiterer Miniwerke in
den Regionen Moskau und Leningrad sowie in anderen Gebieten wie Nischni
Nowgorod, Nowosibirsk, Omsk, Tomsk, Amur, Perm, Altai und im
Krasnojarski Krai.
Kontaktanschrift:
Creon Energy
Uniwersitetski Prospekt 9, 119296 Moskau
Tel.: 007 495/797 49 07, Fax: -938 00 08
Internet: http://www.creon-online.ru
Ansprechpartner für deutsche Firmen: Fares Kilzie (Präsident, E-Mail: fk@creon-online.ru)
(H.B.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland