Industrieministerium prognostiziert für 2015 Anstieg der Investitionen auf 200 Mrd. Rubel / Konzentration auf den heimischen Absatzmarkt / Von Bernd Hones
Moskau (gtai) - Russlands
Stahlkonzerne kämpfen weiter mit einer schwierigen Auftragslage und
niedrigen Preisen. Einige haben sich einen rigiden Sparkurs verordnet
und trennen sich von ausländischen Aktiva, andere erweitern und
diversifizieren ihre Produktion. Künftig konzentrieren sie sich aufs
Inlandsgeschäft. Kein Wunder: Die Abnehmerbranchen in Russland
entwickeln sich dynamisch, während Westeuropa als Exportregion floppt.
Im Fokus stehen 2013 vor allem Mini-Stahlwerke.
Die russische Stahlbranche rechnet vorerst nicht mit einer
raschen Erholung. Im Herbst 2011 war die Nachfrage drastisch
eingebrochen und hat sich 2012 nicht wieder erholt. Auch für 2013 ist
bestenfalls ein leichter Aufwärtstrend zu erwarten. Dennoch dürften die
Preise für Stahl den Jahresdurchschnitt von 2011 wohl kaum
überschreiten. Auf Auslandsmärkten wie Spanien, Italien und Griechenland
verkaufen russische Hersteller wenig. Im Inland machen ihnen günstige
asiatische Konkurrenten das Leben schwer.
Trotzdem setzen
russische Stahlkonzerne verstärkt auf ihre Heimat als Absatzmarkt.
Branchengigant Severstal will im Jahr 2015 drei Viertel seiner
Produktion in Russland verkaufen; zurzeit sind es noch 59%. Der Grund:
"Russland entwickelt sich mit 3 bis 4% Wachstum pro Jahr viel
dynamischer als die Exportmärkte in Westeuropa", sagte der
stellvertretende Generaldirektor Thomas Veraszto Mitte Dezember 2012
gegenüber dem Wirtschaftblatt Rbk daily. Severstal beliefert
ausländische Kfz-Hersteller in Russland. Diese wollen in den kommenden
Jahren ihre Produktionskapazitäten noch gewaltig ausbauen - mindestens
um 50%. Außerdem wächst die Bauindustrie in Russland durchschnittlich um
über 6%, der Industriebau sogar um über 8%. Davon dürfte auch der
russische Stahlkonzern profitieren.
Severstal setzt künftig auf
die Tiefenverarbeitung. In den kommenden fünf Jahren will der
Stahlgigant im Segment Stahlkonstruktionen einen Marktanteil von 10 bis
15% erobern. Der Konzern plant über seine Tochter Severstalnye Stalnye
rechenija (steel solutions) den Kauf beziehungsweise den Bau von fünf
Werken, Kostenpunkt: 350 Mio. bis 500 Mio. US-Dollar. Das gab
Generaldirektor Wladislaw Wasiljew bekannt. Noch im 2. Quartal 2013 wird
Severstal ein Mini-Werk zur Produktion von jährlich 1 Mio. t
Profilstahl für die Bauindustrie im Gebiet Saratow in Betrieb nehmen.
Das
Gemeinschaftsunternehmen OOO Rutgers Severstal hat die Erlaubnis zum
Bau des ersten Abschnitts einer neuen Produktionsanlage zur
Tiefenverarbeitung von Steinkohlenteer erhalten. Im Rahmen dieses ersten
Bauabschnitts wurde eine Anlage zur Lagerung von Teer installiert. Das
gesamte Projekt einschließlich Destillationsanlage soll Ende 2013
abgeschlossen werden.
Auch der russische Metallurgie-Konzern
Metschel (Mechel) investiert Milliarden. Ende 2013 wird der Stahlriese
im Tscheljabinsker Metallurgie-Werk eine Schienenproduktion aufnehmen.
Ab 2013 oder 2014 beginnt die Ausbeutung der Lagerstätte Elgin. Dort
werden riesige Eisenerzvorräte vermutet. Diese benötigt Metschel
dringend. Der Konzern steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb
musste sich Metschel bereits von einigen Produktionsbetrieben trennen.
Dabei handelt es sich überwiegend um Aktiva außerhalb Russlands. Mit
diesen Verkäufen will Metschel knapp 1 Mrd. US$ erzielen.
Konkurrent
Evraz, bislang der einzige Produzent von Schienen für die russische
Staatsbahn RZD, will 2013 umfangreiche Modernisierungsarbeiten am
Schienenkombinat Sapadno-Sibirsk abschließen. Damit werden beide
Konzerne über moderne und etwa gleich große Anlagen zur
Schienenproduktion verfügen. Ferner will Evraz 2013 zwei Mini-Stahlwerke
für je 450.000 t Profilstahl pro Jahr in Betrieb nehmen: eins im Gebiet
Rostow und eins im Norden Kasachstans. Auch Evraz baut 2013 seine
Rohstoffbasis mächtig aus. Der Konzern wird in diesem Jahr erstmals
Eisenerz aus der Lagerstätte Meschegej in der Republik Tywa gewinnen.
Das
Nowolipezsker Metallurgische Kombinat (NLMK), Russlands größter
Blechproduzent, startet 2013 in einem neuen Mini-Stahlwerk in Kaluga die
Produktion. Zu dem Komplex gehören ein Elektrostahl-Ofen für 1,5 Mio. t
Stahl pro Jahr und eine Blechwalzanlage, die Produkte für die
Bauindustrie herstellen soll.
Der russische Titanhersteller
VSMPO-Avisma will bis 2015 rund 800 Mio. US$ in die
Produktionsentwicklung stecken. Das sagte Generaldirektor Michail
Wojewodin Ende November 2012 gegenüber der Nachrichtenagentur Prime. Mit
dem Geld sollen die Pressanlage und die mechanische Verarbeitung
erneuert werden. Ziel ist es laut Wojewodin, künftig auch Teile für
Flugzeugmotoren aus Titan herstellen zu können. Im Jahr 2012 hat
VSMPO-Avisma rund 6 Mrd. Rubel in die Erneuerung der Produktion
investiert. Die Herstellung von Titan ist zehnmal so teuer wie die von
Stahl.
Marktanteile Russlands größter Stahlhersteller (Jahr 2012, in %)
| Unternehmen nach Marktanteilen | bei Profilstahl (in %) | bei Blechmaterial (in %) |
| Evraz | 39,7 | - |
| Metschel | 30,6 | - |
| NLMK (NLMK-Sort) | 11,1 | 43,5 |
| MMK | 13,2 | 25,9 |
| Severstal | 5,4 | 18,8 |
| Uralskaja Stal | - | 8,8 |
| Mschinski Metsawod | - | 2,9 |
Quelle: IIS Metallosnabschenie i Sbyt
Besonders
große neue Projekte sind angesichts der Konjunkturflaute zurzeit nicht
zu erwarten. Vielmehr werden die russischen Metallurgie-Konzerne
versuchen, durch gezielte Investitionen die Produktionskosten zu drücken
und die Qualität zu verbessern. Das Ministerium für Industrie und
Handel der Russischen Föderation rechnet erst zum Jahr 2015 mit einem
erheblichen Anstieg der Investitionen um 25% im Vergleich zu 2011.
Investitionen in die Modernisierung der russischen Metallurgie
| 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2015 *) | |
| Investitionen in Mrd. Rubel | 199 | 159 | 135 | 160 | 200 |
*) Prognose
Quelle: Ministerium für Industrie und Handel der Russischen Föderation
Die
russische Metallindustrie spielt eine wichtige Rolle für die russische
Wirtschaft. Sie trägt mit 4 bis 5% zur Entstehung des
Bruttoinlandsprodukts bei. Mehr als eine Million Arbeitnehmer sind in
der Branche beschäftigt. Rund 80% der Betriebe sind prägen ihre
Heimatstädte maßgeblich. Mehr als ein Drittel des im industriellen
Bereich verbrauchten Stroms wird an Stahlunternehmen geliefert, ein
Viertel des Erdgases sowie 10% des Erdöls und der Erdölprodukte. Metalle
und metallische Produkte machen knapp ein Viertel aller Gütertransporte
der Russischen Bahn aus. Außerdem spielen Stahl, Nickel, Kupfer und Co
eine gewichtige Rolle in der russischen Ausfuhrstatistik. In den
vergangenen Jahren erreichten sie stets einen Anteil von rund 10% an den
gesamten russischen Exporten. Allerdings dürfte dieser Anteil im Jahr
2012 etwas zurückgegangen sein.
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R.C.S. Luxembourg, R.C.S. Luxembourg 105615
E-Mail: info@evraz.com, Internet: http://www.Evraz.com
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ul. Mira 30, 162168 Tscherepowez, Wologodskaja oblast
Tel.: 007 8202/530 90 0, Fax: -530 91 5
E-Mail: severstal@severstal.com, Internet: http://www.severstal.ru
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ul. Metallurgow 2, 398040 Lipezk
Tel.: 007 4742/44 00 41, Fax: -44 11 11
E-Mail: info@nmlk.ru, Internet: http://www.nmlkgroup.com
VSMPO-Avisma
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Tel.: 007 34345/626 85, Fax: -216 95
E-Mail: mitrofanow@vsmpo.ru, Internet: http://www.vsmpo.ru
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