Absatzmärkte in Nicht-EU-Ländern werden immer wichtiger / Für 2013 rechnen Hersteller mit einer "schwarzen Null" / Von Katrin Weiper
Bonn
(gtai) - Modernes Design, hohe Qualität und hochwertige Materialien -
das sind die Kriterien für den Erfolg deutscher Möbelhersteller im
Ausland. Die Ausfuhren lagen 2012 nach vorläufigen Zahlen des Verbandes
der Deutschen Möbelindustrie (VDM) bei 4,9 Mrd. Euro. Die imm cologne
und LivingKitchen machen Köln jedes Jahr zum internationalen Magneten
für die Einrichtungs- und Küchenbranche. Zwei Drittel der Aussteller
kommen aus dem Ausland.
Der deutsche Möbelhandel blickt insgesamt zufrieden auf das Jahr
2012 zurück. Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes
des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM), sieht
in der Angst der Verbraucher um die Eurokrise den Hauptgrund für das
gute Abschneiden der Branche. "Viele Konsumenten gaben 2012 ihr Geld
verstärkt für die eigenen vier Wände aus und investierten in ihre
Wohnungen, Häuser und Gärten", so Grothkopp.
Laut VDM erzielten
die 532 mittelständischen Betriebe mit ihren 90.400 Beschäftigten 2012
einen Umsatz von 17,2 Mrd. Euro. Die deutschen Ausfuhren lagen bei rund
28,5% und sind somit noch ausbaufähig. Dabei ist eine Verschiebung bei
den Exportströmen zu beobachten: Europa als Kernabsatzmarkt bleibt
aufgrund der Finanz- und Währungskrise das Sorgenkind. Das bestätigt
auch Alexander Oswald, Leiter des Competence Center East im VDM:
"Aktuell gehen zwei Drittel der deutschen Möbelexporte in die EU-Länder,
Tendenz rückläufig."
Die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder gewinnen
somit weiter an Bedeutung. Besonders beliebt waren Möbel "Made in
Germany" 2012 in Japan (+27,9%), Mexiko (+23,7%), Russland (+19,0%) und
der VR China (+11,8%). Auch nach Brasilien haben sich die Exporte
verdoppelt - wenn auch noch auf niedrigem Niveau. Nichtsdestotrotz
machen diese Beispiele klar: Die deutsche Möbelbranche ist zunehmend auf
Märkten außerhalb der EU erfolgreich.
Die Top 20 der Abnehmerländer deutscher Möbel (in Mio. Euro; Veränderung in %)
| Export nach | 2010 | 2011 | Veränderung |
| 1. Frankreich | 1.026,6 | 1.126,2 | 13,2 |
| 2. Schweiz | 857,7 | 1.004,4 | 11,8 |
| 3. Österreich | 859,8 | 953,2 | 11,2 |
| 4. Niederlande | 793,4 | 801,2 | 9,4 |
| 5. Vereinigtes Königreich | 481,3 | 510,6 | 6,0 |
| 6. Belgien | 460,5 | 502,3 | 5,9 |
| 7. Spanien | 269,5 | 299,7 | 3,5 |
| 8. Polen | 238,2 | 190,2 | 3,4 |
| 9. Italien | 245,9 | 279,6 | 3,3 |
| 10. VR China | 168,7 | 249,8 | 2,9 |
| 11. Tschechien | 216,6 | 237,4 | 2,8 |
| 12. USA | 222,0 | 234,9 | 2,8 |
| 13. Russland | 161,4 | 207,7 | 2,4 |
| 14. Schweden | 177,0 | 200,1 | 2,4 |
| 15. Luxemburg | 127,2 | 133,4 | 1,6 |
| 16. Slowakei | 106,1 | 132,5 | 1,6 |
| 17. Ungarn | 86,6 | 112,6 | 1,3 |
| 18. Dänemark | 99,6 | 112,0 | 1,3 |
| 19. Japan | 42,3 | 40,9 | 0,5 |
| 20. Griechenland | 32,3 | 29,2 | 0,3 |
Quellen: Statistisches Bundesamt; BVDM
Der
Absatz in Deutschland macht nach wie vor mit 12,3 Mrd. Euro (71,5%) den
Löwenanteil aus. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Insbesondere die
Einfuhren aus der VR China legten 2012 mit 11% überproportional zu.
Inzwischen wird jedes zweite in Deutschland verkaufte Möbelstück
importiert - 2005 war es lediglich jedes Dritte.
Ein Blick auf die
einzelnen Sortimentsbereiche verrät, dass deutsche Küchen weltweit an
Bedeutung gewinnen. Zwischen Januar und Oktober 2012 konnte hier ein
Umsatzplus von 5,6% verbucht werden. Auch Matratzen und Wohnmöbel zählen
zu den starken Warengruppen - hier steigerte sich der Umsatz um 4,1%
beziehungsweise 1,9%. Polstermöbel hingegen kamen auf ein Minus von
4,6%.
Möbelexporte aus Deutschland nach Produktgruppen (in Mio. Euro; Veränderungen in %)
| Produktgruppe | 2010 | 2011 | Veränderung |
| Wohn- u. Küchenmöbel aus Holz, davon | 2.239,9 | 2.355,7 | 5,2 |
| . Küchenmöbel | 1.411,0 | 1.488,9 | 5,5 |
| . Schlafzimmermöbel | 481,8 | 519,8 | 7,9 |
| . Ess- u. Wohnzimmermöbel | 347,1 | 347,0 | -0,1 |
| Sitzmöbel | 2.278,8 | 2.589,9 | 13,7 |
| Büromöbel | 360,5 | 356,1 | -1,2 |
| Sonstige | 2.727,4 | 3.206,7 | 17,6 |
Quelle: Statistisches Bundesamt
Immer
zu Jahresanfang ist auf der "imm cologne" die Möbel-Welt zu Gast in der
Domstadt. Auf der führenden Leitmesse für Wohnen und Einrichten treffen
über 140.000 internationale Besucher auf mehr als 1.250 Aussteller aus
über 50 Ländern. Die Messe setzt Trends im Wohn-, Einrichtungs- und
Küchenbereich. Zudem können hier Aussteller ihre Kontakte pflegen,
Kunden hinzugewinnen und neue Märkte erschließen. Der 2009 gegründete
"Furniture Club" bietet seinen Mitgliedern Dienstleistungen an, um die
Exportaktivitäten der Branche weiter auszubauen. Zum Beispiel mit
Workshops und Reisen nach Russland und in die Ukraine. Für den 22.
Februar 2013 ist ein Russland-Workshop für Möbelzulieferer geplant.
Weitere Informationen hierzu erteilt die Ewedo GmbH.
Auch Ursula
Geismann weiß, wie sich deutsche Möbelhersteller langfristig im Ausland
behaupten können. Die Trend- und Designexpertin beim VDM ist sich
sicher, dass zukünftig verstärkt "Extras" gefragt sein werden. "Dieser
Mehrwert kann sowohl spezifisches Design und Innovationen betreffen als
auch eine weltweite Lieferzuverlässigkeit." Die Kombination aus Design,
Qualität und Material muss stimmen, damit Produkte "Made in Germany"
weiter in der Champions League mitspielen können.
Kontaktanschriften:
Verband der Deutschen Möbelindustrie e.V. (VDM)
Flutgraben 2
53604 Bad Honnef
Tel.: 02224/93 77 -0, Fax: -93 77 -77
E-Mail: info@hdh-ev.de
Internet: http://www.hdh-ev.de
Bundesverband des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels (BVDM)
Frangenheimstr. 6
50931 Köln
Tel.: 0221/940 83-50, Fax: -940 83-90
E-Mail: bwb@einzelhandel.de
Internet: http://www.moebelhandel.org
Ewedo GmbH
Andreas Rieß
Huckarder Str. 12
44147 Dortmund
Tel.: 0231/91 44 35-0, Fax: -91 44 35-44
Internet: http://www.furnitureclub.de
(K.W.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland