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Dienstag, 5. Februar 2013

Russlands Gazprom will in Kroatien Fuß fassen

Erdgaspipeline als Türöffner / Plomin-Kraftwerk setzt weiter auf Kohle / Von Erika Anders-Clever

Zagreb (gtai) - Die Anbindung Kroatiens an die neue South Stream-Erdgaspipeline soll der erste Schritt eines größeren Engagements des russischen Gazprom-Konzerns in der Energiesparte Kroatiens sein. Engagieren will sich Gazprom auch beim Chemiewerk Petrokemija, und zwar zunächst als Gaslieferant und später bei einer möglichen Privatisierung. Interesse besteht zudem am Neubau eines Kraftwerks und am kleinen Block C des Wärmekraftwerks Sisak sowie an der Umrüstung des Urinj/Rijeka-Kraftwerks auf Erdgas.

Für annähernd 60 Mio. Euro soll in Kroatien eine 100 km-Rohrleitung zur Haupttrasse der South Stream-Erdgaspipeline des russischen Gazprom-Konzerns in Serbien gebaut werden. Sie wird in Südost-Kroatien von der Save bei Slavonski Brod bis zur serbischen Grenze geführt. Die Arbeiten sollen Mitte 2015 starten.

Die Haupttrasse von South Stream führt von Serbien kommend über Ungarn weiter nach Slowenien mit Anlandung an einem Pipeline-Knotenpunkt in Norditalien. Die Trasse kommt - für Erdgas aus Russland - vom Schwarzen Meer über Bulgarien und Rumänien zum Westbalkan. In Serbien sollen auch Lager für das Russland-Gas errichtet werden, um größere Versorgungssicherheit für die Region gewährleisten zu können. Kroatien könnte zusätzlich auch noch an den durch Ungarn führenden Strang der South Stream-Pipeline angeschlossen werden: Seit einigen Jahren gibt es zwischen Kroatien und Ungarn eine bislang kaum genutzte Rohrleitung.

Zum Bau der neuen Pipeline in Kroatien ist Mitte Januar 2013 zwischen Gazprom und der staatlichen kroatischen Plinacro-Gesellschaft ein erstes Abkommen unterzeichnet worden. Am Rande der Zeremonie ist von russischer Seite auch Interesse am kleinen Block C des kroatischen Wärmekraftwerks Sisak gezeigt worden. Gespräche wurden zudem über ein größeres, komplett neues Gas-Kraftwerk geführt, ohne dass zum Standort Einzelheiten bekannt geworden sind. Im Hinterland von Zadar (Norddalmatien) bei Obrovac hat Kroatien ein solches Kraftwerk schon länger in Planung, dass allerdings weit von der Pipeline-Trasse entfernt liegen würde.

Von Schweröl auf Erdgas umgerüstet werden soll in Kroatien ein kleineres Kraftwerk am Standort der INA/MOL-Raffinerie in Urinj/Rijeka. Es ist wegen der hohen Betriebskosten nur noch selten in Betrieb. Auch an diesem Projekt hat die Delegation aus Russland Interesse gezeigt. Derzeit größtes Kraftwerksprojekt bleibt in Kroatien allerdings der neue 500 MW-Kohlekraftwerkblock C in Plomin für rund 800 Mio. Euro. Für Plomin (Istrien) wird von Umweltschutzverbänden und einem Koalitionspartner der Regierung von Ministerpräsident Zoran Milanovic zwar Gas- statt Kohleverstromung gefordert, und auch Gerichtsverfahren sowie Vorbereitungen für Referenden sind anhängig. Bislang bleibt die neue Regierung Kroatiens - wie ihre Vorgänger - aber bei dem Einsatz von Kohle.

Branchenexperten wollen nicht ausschließen, dass dieses Festhalten an einem Kohlkraftwerk in Plomin ein Grund dafür gewesen sein könnte, dass die Haupttrasse der South Stream-Erdgaspipeline von Gazprom nicht über Kroatien geführt worden ist. Allerdings wird die South Stream-Erdgasleitung in Norditalien in nicht allzu großer Entfernung vom Plomin-Standort auf der istrischen Halbinsel verlaufen. Für den Bau als Kohlekraftwerk ist 2012 schon eine erste Ausschreibungsrunde abgeschlossen. Bis Mitte März 2013 soll nunmehr zwischen den vier ausgewählten Kandidaten eine Entscheidung getroffen werden, so die bisherige Zeitplanung. Der Kreis umfasst Edison/EDF (Italien/Frankreich), Kosep (Korea, Rep.) sowie Marubeni aus Japan und die Holding Pol-Mot aus Polen. RWE hatte kein Angebot eingereicht, obwohl das Unternehmen beim bisherigen Ausbau von Plomin stark engagiert war.

Kroatien will 2013 neue Konzessionen für die Suche nach Erdgas- und -öl vergeben. Auch hieran gibt es russisches Interesse. Zagreb will den Einfluss des ungarischen MOL-Konzerns zurückdrängen, der über den kroatischen INA-Konzern, an dem MOL inzwischen eine knappe Mehrheitsbeteiligung hält, die Explorationstätigkeit zuletzt dominiert hat.

(E.A.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland