Erdgaspipeline als Türöffner / Plomin-Kraftwerk setzt weiter auf Kohle / Von Erika Anders-Clever
Zagreb
(gtai) - Die Anbindung Kroatiens an die neue South
Stream-Erdgaspipeline soll der erste Schritt eines größeren Engagements
des russischen Gazprom-Konzerns in der Energiesparte Kroatiens sein.
Engagieren will sich Gazprom auch beim Chemiewerk Petrokemija, und zwar
zunächst als Gaslieferant und später bei einer möglichen Privatisierung.
Interesse besteht zudem am Neubau eines Kraftwerks und am kleinen Block
C des Wärmekraftwerks Sisak sowie an der Umrüstung des
Urinj/Rijeka-Kraftwerks auf Erdgas.
Für annähernd 60 Mio. Euro soll in Kroatien eine 100
km-Rohrleitung zur Haupttrasse der South Stream-Erdgaspipeline des
russischen Gazprom-Konzerns in Serbien gebaut werden. Sie wird in
Südost-Kroatien von der Save bei Slavonski Brod bis zur serbischen
Grenze geführt. Die Arbeiten sollen Mitte 2015 starten.
Die
Haupttrasse von South Stream führt von Serbien kommend über Ungarn
weiter nach Slowenien mit Anlandung an einem Pipeline-Knotenpunkt in
Norditalien. Die Trasse kommt - für Erdgas aus Russland - vom Schwarzen
Meer über Bulgarien und Rumänien zum Westbalkan. In Serbien sollen auch
Lager für das Russland-Gas errichtet werden, um größere
Versorgungssicherheit für die Region gewährleisten zu können. Kroatien
könnte zusätzlich auch noch an den durch Ungarn führenden Strang der
South Stream-Pipeline angeschlossen werden: Seit einigen Jahren gibt es
zwischen Kroatien und Ungarn eine bislang kaum genutzte Rohrleitung.
Zum
Bau der neuen Pipeline in Kroatien ist Mitte Januar 2013 zwischen
Gazprom und der staatlichen kroatischen Plinacro-Gesellschaft ein erstes
Abkommen unterzeichnet worden. Am Rande der Zeremonie ist von
russischer Seite auch Interesse am kleinen Block C des kroatischen
Wärmekraftwerks Sisak gezeigt worden. Gespräche wurden zudem über ein
größeres, komplett neues Gas-Kraftwerk geführt, ohne dass zum Standort
Einzelheiten bekannt geworden sind. Im Hinterland von Zadar
(Norddalmatien) bei Obrovac hat Kroatien ein solches Kraftwerk schon
länger in Planung, dass allerdings weit von der Pipeline-Trasse entfernt
liegen würde.
Von Schweröl auf Erdgas umgerüstet werden soll in
Kroatien ein kleineres Kraftwerk am Standort der INA/MOL-Raffinerie in
Urinj/Rijeka. Es ist wegen der hohen Betriebskosten nur noch selten in
Betrieb. Auch an diesem Projekt hat die Delegation aus Russland
Interesse gezeigt. Derzeit größtes Kraftwerksprojekt bleibt in Kroatien
allerdings der neue 500 MW-Kohlekraftwerkblock C in Plomin für rund 800
Mio. Euro. Für Plomin (Istrien) wird von Umweltschutzverbänden und einem
Koalitionspartner der Regierung von Ministerpräsident Zoran Milanovic
zwar Gas- statt Kohleverstromung gefordert, und auch Gerichtsverfahren
sowie Vorbereitungen für Referenden sind anhängig. Bislang bleibt die
neue Regierung Kroatiens - wie ihre Vorgänger - aber bei dem Einsatz von
Kohle.
Branchenexperten wollen nicht ausschließen, dass dieses
Festhalten an einem Kohlkraftwerk in Plomin ein Grund dafür gewesen sein
könnte, dass die Haupttrasse der South Stream-Erdgaspipeline von
Gazprom nicht über Kroatien geführt worden ist. Allerdings wird die
South Stream-Erdgasleitung in Norditalien in nicht allzu großer
Entfernung vom Plomin-Standort auf der istrischen Halbinsel verlaufen.
Für den Bau als Kohlekraftwerk ist 2012 schon eine erste
Ausschreibungsrunde abgeschlossen. Bis Mitte März 2013 soll nunmehr
zwischen den vier ausgewählten Kandidaten eine Entscheidung getroffen
werden, so die bisherige Zeitplanung. Der Kreis umfasst Edison/EDF
(Italien/Frankreich), Kosep (Korea, Rep.) sowie Marubeni aus Japan und
die Holding Pol-Mot aus Polen. RWE hatte kein Angebot eingereicht,
obwohl das Unternehmen beim bisherigen Ausbau von Plomin stark engagiert
war.
Kroatien will 2013 neue Konzessionen für die Suche nach
Erdgas- und -öl vergeben. Auch hieran gibt es russisches Interesse.
Zagreb will den Einfluss des ungarischen MOL-Konzerns zurückdrängen, der
über den kroatischen INA-Konzern, an dem MOL inzwischen eine knappe
Mehrheitsbeteiligung hält, die Explorationstätigkeit zuletzt dominiert
hat.
(E.A.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland