Einkommenszuwächse kurbeln Konsum an / Handelsketten erschließen mittelgroße Städte Von Ullrich Umann
Moskau
(gtai) - Der Einzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Waren des
täglichen Bedarfs in Russland boomt. Die Fläche in Super- und
Hypermärkten wächst mit raschem Tempo. Allein im 1. Quartal 2013
erweiterten 130 Handelsketten ihre Ladeneinrichtungen um insgesamt
270.000 qm. Einen höheren Quartalszuwachs hat es in Russland zuvor noch
nicht gegeben. Aktuell werden mittelgroße Städte erschlossen. Der Ferne
Osten bleibt dagegen unbearbeitet.
Die siebzehn größten Ketten erweiterten ihre Handelsfläche im 1.
Quartal 2013 um 58.200 qm, teilte die Unternehmensberatung
"InfoLine-Analytika" (http://infoline.spb.ru)
mit. Zugpferd war die Einzelhandelskette Magnit
(http://magnit-info.ru), die ein wahres Mammutprogramm aufgelegt hat.
Magnit will kurz- bis mittelfristig landesweit 1.100 Supermärkte unter
dem Logo "u doma" und 60 Hypermärkte errichten.
Auch die Handelsketten Lenta (http://www.lenta.com) und Auchan (http://www.auchan.ru)
bauen ihre Hypermärkte beschleunigt aus. In vorderster Reihe unter den
schnell wachsenden Unternehmen stehen zudem die regionalen
Einzelhandelsketten Monetka (http://www.monetka.ru), Marija-Ra (http://www.maria-ra.ru), Holiday (http://holdi-diskaunter.tomsk24.net) und Intertorg (http://intertorg-llc.ru).
Die
hohe Geschwindigkeit des Ausbaus lässt sich zum großen Teil durch den
gestiegenen Wettbewerbsdruck begründen. Wachstum ist im russischen
Einzelhandel die einzige Möglichkeit, wirtschaftlich zu überleben. Zwar
bietet Russland als größtes Flächenland angesichts der steigenden
Kaufkraft noch Expansionspotenzial, insbesondere in mittleren und
kleinen Städten. Doch hat in den Millionenmetropolen der Wettbewerb
bereits kräftig angezogen und zehrt an der Substanz. Hier lassen sich
Vorteile gegenüber der Konkurrenz fast nur noch durch Kostenoptimierung
und Synergien erwirtschaften. Über gezielte Preisgestaltung und Service
sollen Kunden angelockt werden.
Daher kann es nicht verwundern,
dass die zweite Garnitur der Einzelhändler bereits rückläufige Umsätze
zu spüren bekommt, weil die Kundschaft in die modernen, großflächigen
Hypermärkte abwandert. Dort findet sie ein breites Sortiment unter einem
Dach vor.
Als ein Negativbeispiel kann das Handelsunternehmen Sistema Region Mart (http://www.sistemaregionmart.ru)
gelten, das sich aus dem Gebiet Irkutsk zurückgezogen hat. Dadurch
schlossen 12 Supermärkte und weitere 13 Lebensmittelgeschäfte. Dagegen
hat Metro Cash & Carry (http://www.metro-cc.ru) in Irkutsk einen Metro-Markt eingeweiht.
Zunahme der Handelsfläche im Einzelhandel für Nahrungsmittel im 1. Quartal 2013
| Handelsunternehmen | Zuwachs in 1.000 qm |
| Magnit | 80,6 |
| Auchan | 26,5 |
| Monetka | 20,8 |
| X5 Retail Group | 19,5 |
| Diksi | 14,2 |
| Lenta | 7,5 |
| Metro Group | 7,0 |
| O´kay | 6,9 |
| Rest | 95,5 |
Quelle: InfoLine-Analytika
Im
Moskauer Gebiet wird Metro Cash & Carry bis 2020 weitere sechs
Großhandelsmärkte einrichten. Für neue Projekte ist die Handelskette in
dieser Region prinzipiell offen und beobachtet aus diesem Grund, wie
sich hier die Infrastruktur entwickelt.
Bisher arbeiten im
Moskauer Gebiet vier Metro Cash & Carry Märkte, in der russischen
Hauptstadt acht weitere. In Moskau sollen zudem drei bis fünf Märkte
speziell für den Restaurantbedarf unter dem Logo "Echo" entstehen, mit
einer Fläche von je 2.400 bis 3.000 qm. Herkömmliche Metro-Märkte weisen
in der Regel eine Fläche von 7.000 qm auf. Noch 2013 werden
Metro-Märkte in Serpuchow, Podolsk und Noginsk ihre Tore öffnen. Damit
kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Metro Cash & Carry nicht
mehr nur die ganz großen, sondern auch mittelgroße Städte erschließt.
Weiter
nach Osten, etwa bis nach Wladiwostok, ist der Handelskonzern noch
nicht vorgestoßen, obwohl ein entsprechendes Unterstützungsangebot der
dortigen Gebietsverwaltung vorliegt. Zwar sieht Metro dieses Ziel als
eine echte Herausforderung an. Darauf einlassen will sich die
Geschäftsführung aber erst, wenn die dortigen Probleme mit der Logistik
und mit dem Beziehen von Frischware aus der unmittelbaren Umgebung
gelöst sind.
Der Gouverneur von Primorsk, Wladimir Mikluschewski,
wäre nach eigenen Worten zu Avancen bereit, nicht allein für Metro Cash
& Carry, sondern auch für andere Handelsketten. Ihn treibt das Ziel
an, über die Ansiedlung des modernen Groß- und Einzelhandels die aktuell
hohen Preise für Nahrungsmittel und Getränke vor Ort abzumildern. So
kostete ein durchschnittlicher Warenkorb im europäischen Teil Russlands
im Dezember 2012 rund 2.639 Rubel (rund 66 Euro), in Sibirien 2.730
Rubel (rund 68 Euro) und im Fernen Osten 3.813 Rubel (rund 95 Euro), wie
der Föderale Statistikdienst Rosstat ermittelte.
Nach Angaben von
InfoLine-Analytika erwirtschaftete der Einzelhandel im Jahr 2012 im
Fernen Osten einen Umsatz von 215 Mrd. Rubel (rund 5,38 Mrd. Euro).
Davon entfielen auf Nahrungsmittel rund 100 Mrd. Rubel (rund 2,5 Mrd.
Euro). Aber nur zwei Handelsketten, Dimart (http://www.dimartgroup.ru) und WL-Mart (http://market.v-lazer.com),
haben sich im Fernen Osten niedergelassen. Beide Unternehmen setzen
zusammen 4,5 Mrd. Rubel, das heißt lediglich 4,5% des gesamten
Nahrungsmittelhandels, um. Das Gros der Lebensmittel wird in kleinen und
sehr kleinen Einzelhandelsgeschäften verkauft.
(U.U.)
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland