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Mittwoch, 5. Juni 2013

Russlands Einzelhandel legt an Verkaufsfläche zu

Einkommenszuwächse kurbeln Konsum an / Handelsketten erschließen mittelgroße Städte Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Der Einzelhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Waren des täglichen Bedarfs in Russland boomt. Die Fläche in Super- und Hypermärkten wächst mit raschem Tempo. Allein im 1. Quartal 2013 erweiterten 130 Handelsketten ihre Ladeneinrichtungen um insgesamt 270.000 qm. Einen höheren Quartalszuwachs hat es in Russland zuvor noch nicht gegeben. Aktuell werden mittelgroße Städte erschlossen. Der Ferne Osten bleibt dagegen unbearbeitet.

Die siebzehn größten Ketten erweiterten ihre Handelsfläche im 1. Quartal 2013 um 58.200 qm, teilte die Unternehmensberatung "InfoLine-Analytika" (http://infoline.spb.ru) mit. Zugpferd war die Einzelhandelskette Magnit (http://magnit-info.ru), die ein wahres Mammutprogramm aufgelegt hat. Magnit will kurz- bis mittelfristig landesweit 1.100 Supermärkte unter dem Logo "u doma" und 60 Hypermärkte errichten.

Auch die Handelsketten Lenta (http://www.lenta.com) und Auchan (http://www.auchan.ru) bauen ihre Hypermärkte beschleunigt aus. In vorderster Reihe unter den schnell wachsenden Unternehmen stehen zudem die regionalen Einzelhandelsketten Monetka (http://www.monetka.ru), Marija-Ra (http://www.maria-ra.ru), Holiday (http://holdi-diskaunter.tomsk24.net) und Intertorg (http://intertorg-llc.ru).

Die hohe Geschwindigkeit des Ausbaus lässt sich zum großen Teil durch den gestiegenen Wettbewerbsdruck begründen. Wachstum ist im russischen Einzelhandel die einzige Möglichkeit, wirtschaftlich zu überleben. Zwar bietet Russland als größtes Flächenland angesichts der steigenden Kaufkraft noch Expansionspotenzial, insbesondere in mittleren und kleinen Städten. Doch hat in den Millionenmetropolen der Wettbewerb bereits kräftig angezogen und zehrt an der Substanz. Hier lassen sich Vorteile gegenüber der Konkurrenz fast nur noch durch Kostenoptimierung und Synergien erwirtschaften. Über gezielte Preisgestaltung und Service sollen Kunden angelockt werden.

Daher kann es nicht verwundern, dass die zweite Garnitur der Einzelhändler bereits rückläufige Umsätze zu spüren bekommt, weil die Kundschaft in die modernen, großflächigen Hypermärkte abwandert. Dort findet sie ein breites Sortiment unter einem Dach vor.
Als ein Negativbeispiel kann das Handelsunternehmen Sistema Region Mart (http://www.sistemaregionmart.ru) gelten, das sich aus dem Gebiet Irkutsk zurückgezogen hat. Dadurch schlossen 12 Supermärkte und weitere 13 Lebensmittelgeschäfte. Dagegen hat Metro Cash & Carry (http://www.metro-cc.ru) in Irkutsk einen Metro-Markt eingeweiht.
Zunahme der Handelsfläche im Einzelhandel für Nahrungsmittel im 1. Quartal 2013
Handelsunternehmen Zuwachs in 1.000 qm
Magnit 80,6
Auchan 26,5
Monetka 20,8
X5 Retail Group 19,5
Diksi 14,2
Lenta 7,5
Metro Group 7,0
O´kay 6,9
Rest 95,5
Quelle: InfoLine-Analytika

Im Moskauer Gebiet wird Metro Cash & Carry bis 2020 weitere sechs Großhandelsmärkte einrichten. Für neue Projekte ist die Handelskette in dieser Region prinzipiell offen und beobachtet aus diesem Grund, wie sich hier die Infrastruktur entwickelt.

Bisher arbeiten im Moskauer Gebiet vier Metro Cash & Carry Märkte, in der russischen Hauptstadt acht weitere. In Moskau sollen zudem drei bis fünf Märkte speziell für den Restaurantbedarf unter dem Logo "Echo" entstehen, mit einer Fläche von je 2.400 bis 3.000 qm. Herkömmliche Metro-Märkte weisen in der Regel eine Fläche von 7.000 qm auf. Noch 2013 werden Metro-Märkte in Serpuchow, Podolsk und Noginsk ihre Tore öffnen. Damit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Metro Cash & Carry nicht mehr nur die ganz großen, sondern auch mittelgroße Städte erschließt.

Weiter nach Osten, etwa bis nach Wladiwostok, ist der Handelskonzern noch nicht vorgestoßen, obwohl ein entsprechendes Unterstützungsangebot der dortigen Gebietsverwaltung vorliegt. Zwar sieht Metro dieses Ziel als eine echte Herausforderung an. Darauf einlassen will sich die Geschäftsführung aber erst, wenn die dortigen Probleme mit der Logistik und mit dem Beziehen von Frischware aus der unmittelbaren Umgebung gelöst sind.

Der Gouverneur von Primorsk, Wladimir Mikluschewski, wäre nach eigenen Worten zu Avancen bereit, nicht allein für Metro Cash & Carry, sondern auch für andere Handelsketten. Ihn treibt das Ziel an, über die Ansiedlung des modernen Groß- und Einzelhandels die aktuell hohen Preise für Nahrungsmittel und Getränke vor Ort abzumildern. So kostete ein durchschnittlicher Warenkorb im europäischen Teil Russlands im Dezember 2012 rund 2.639 Rubel (rund 66 Euro), in Sibirien 2.730 Rubel (rund 68 Euro) und im Fernen Osten 3.813 Rubel (rund 95 Euro), wie der Föderale Statistikdienst Rosstat ermittelte.

Nach Angaben von InfoLine-Analytika erwirtschaftete der Einzelhandel im Jahr 2012 im Fernen Osten einen Umsatz von 215 Mrd. Rubel (rund 5,38 Mrd. Euro). Davon entfielen auf Nahrungsmittel rund 100 Mrd. Rubel (rund 2,5 Mrd. Euro). Aber nur zwei Handelsketten, Dimart (http://www.dimartgroup.ru) und WL-Mart (http://market.v-lazer.com), haben sich im Fernen Osten niedergelassen. Beide Unternehmen setzen zusammen 4,5 Mrd. Rubel, das heißt lediglich 4,5% des gesamten Nahrungsmittelhandels, um. Das Gros der Lebensmittel wird in kleinen und sehr kleinen Einzelhandelsgeschäften verkauft.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland