Europäische Entwicklungsbank vergibt 20-Mio.-Euro-Kredit an Farmak /
Indar hofft auf Kooperationen mit GlaxoSmithKline und Abbott
Von
Christian Overhoff
Kiew/Bonn (gtai) - Die ukrainische
Pharmabranche zieht weitere Investitionen an. Der einheimische
Hersteller Farmak hat sein Investitionsbudget für 2013 deutlich
aufgestockt. Die Pharmagiganten GlaxoSmithKline und Abbott wollen beim
Unternehmen Indar in die Arzneimittelproduktion einsteigen. Nicht ganz
freiwillig: Denn seit Beginn des Jahres fördert die Regierung die lokale
Fertigung, indem sie neue Qualitätsstandards und eine Lizenz für
importierte Medikamente verlangt.
Der ukrainische Pharmaproduzent Farmak will seine Investitionen
2013 deutlich aufstocken. Rund 314 Mio. Griwna, umgerechnet 39,3 Mio.
US$, sollen dieses Jahr für Projekte bereitgestellt werden, wie die
Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Unternehmen meldet
(UAH; 1 UAH = rund 0,125 $). Das wäre ein Plus von 73% gegenüber dem
Vorjahr. Wichtigstes Vorhaben ist die Fortsetzung der Bauarbeiten am
Werk für pharmakologische Substanzen im Gebiet Sumy. Laut Plan wird
dieses bereits 2014 eröffnet. Darüber hinaus will Farmak eine Produktion
von Arzneimitteln in Tablettenform und in Gelatinekapseln einführen.
Investitionen in einen Laborkomplex stehen ebenfalls an. Zudem sollen
bestehende Produktionseinrichtungen modernisiert werden.
Finanziert
werden die Projekte zum größten Teil aus eigenen Mitteln. Weiteres Geld
gibt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in
Form eines 20-Mio.-Euro-Kredites, wie das Bankinstitut Ende Juli 2013
bekannt gab. Die Mittel sollen Farmak zum einen dabei helfen, eine
Zulassung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug
Administration (FDA) zu bekommen. Zum anderen wird das zusätzliche Geld
in die Forschung und in den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen.
Bis
2020 will Farmak einen Jahresumsatz von 1 Mrd. $ erzielen. In dem vom
Unternehmen verabschiedeten Strategiepapier "Farmak-2020" ist zudem der
Börsengang vorgesehen. Im vergangenen Jahr konnte der Pharmahersteller
seine Verkäufe um 15% auf 1,7 Mrd. UAH steigern.
Darüber hinaus
verfolgt eine Reihe einheimischer Arzneimittelhersteller
Modernisierungs- und Ausbauvorhaben. So plant etwa das Unternehmen
Darnytsya seine Kapazitäten zwischen 2013 und 2014 zu erweitern.
Rückenwind
für Investitionsprojekte erhalten die Hersteller durch die gestiegenen
Inlandserlöse. Der Markt für pharmazeutische Erzeugnisse in der Ukraine
wuchs 2012 um 15,0% auf 34,2 Mrd. UAH. Nicht zuletzt dank deutlicher
Preiserhöhungen legten die Umsätze der größten Arzneimittelproduzenten
des Landes spürbar zu. Der Marktanteil der nationalen Produzenten wuchs
um 16,7% auf 9,7 Mrd. UAH, so die Angaben der Wirtschaftszeitschrift
Bisnes. Im Inland hergestellte Präparate dominierten das
Apothekensortiment zu 65%, gerechnet in Packungen. Das Gros der Umsätze
erzielten allerdings laut Fachblatt Aptjeka ausländische Pharmaanbieter
mit einem Anteil von 69%, weil ukrainische Hersteller überwiegend auf
die Produktion von günstigen Generika ausgerichtet sind.
Produktionsvolumen ausgewählter Arzneimittel in der Ukraine
| 2012 | Veränderung 2012/11 (in %) | |
| Vitamine, Vitaminvorstufen und ihre Ableitungen (in kg) | 23.538 | -69,2 |
| Präparate auf Basis von Hormonen (in kg) | 113.811 | 8,2 |
| Seren und Vakzine (in t) | 375,0 | -45,0 |
| Präparate auf Basis von Antibiotika (in t) | 897,8 | -3,7 |
| Andere Präparate (in t) | 42.403,3 | 9,2 |
Quelle: Derzhstat - staatlicher Statistikdienst der Ukraine
Beim
Export konzentrieren sich die ukrainischen Hersteller noch auf die
GUS-Staaten. Wegen strenger Qualitätsanforderungen bleiben die EU- und
die US-amerikanischen Märkte vorerst für sie geschlossen. Den meisten
einheimischen Herstellern fehlen die nötigen Mittel, um den
Produktionsstandard zu heben. Dabei wäre die Erfüllung höherer
Qualitätsnormen wie der Good Manufacturing Practice (GMP) durchaus
gewinnbringend, weil dadurch der Zugang zu den westlichen Märkten
möglich wäre. Die ersten ukrainischen Produzenten, die mit der
Einführung der internationalen GMP begonnen haben, waren Farmak und
Darnytsya.
Während die ukrainischen Verbraucher bei einheimischen
Produkten vielfach noch auf höhere Qualität warten müssen, verlangt die
Ukraine hingegen bei eingeführten Arzneimitteln aus dem Ausland ab
Januar 2013 die Erfüllung der GMP. Die Regierung will auf diesem Wege
den Import erschweren und die nationale Produktion fördern. Eine weitere
Importhürde stellt die Einführung einer Lizenzvergabe für ausländische
Pharmaartikel dar. Seit März 2013 ist die Einfuhr von Medikamenten in
die Ukraine nur mit einem von staatlichen Behörden ausgestellten
Qualitätszertifikat möglich. Eine Regelung zur Überwachung der Qualität
von Arzneimitteln soll ab dem 1.12.13 in Kraft treten.
Als
Ergebnis dieser Neuerung werden über 2.000 Arzneimittel ausländischer
Herstellung auf dem nationalen Markt nicht zugelassen, meldet der
Pressedienst der Regierung. Dabei wird nicht präzisiert, welche
Präparate und Warengruppen vom Markt verschwinden werden. Ende Juli 2013
waren im staatlichen Arzneimittelregister 13.250 Arzneimittel
registriert, darunter 9.347 ausländischer Herkunft. Das sind rund 600
weniger als noch Ende 2012. Die genaue Auswirkung der neuen Regelung
muss jedoch noch abgewartet werden. Vize-Premier Kostiantyn Hryschenko
betonte, alle Produkte, die künftig nicht mehr eingeführt werden,
könnten von der nationalen Pharmaindustrie oder von anderen Unternehmen
Osteuropas hergestellt werden.
Die Politik der Importsubstitution
scheint bei einigen ausländischen Produzenten bereits Wirkung zu zeigen.
So wollen die Pharmagiganten GlaxoSmithKline aus Großbritannien und
Abbott aus den USA beim ukrainischen Arzneimittelhersteller Indar in die
Produktion einsteigen, heißt es aus dem Fachmedium The Pharma Letter
(Ausgabe vom 19.03.13). Das Unternehmen gehört zu den größten seiner
Branche in der Ukraine. Seit 2012 befindet sich die Aktiengesellschaft
wieder überwiegend in staatlicher Hand; Privatanleger verfügen über 30%
der Anteile.
Nach Angaben von Indar soll die Kooperation mit
GlaxoSmithKline und Abbott noch in diesem Jahr beginnen. Zunächst werde
es nur um das Abpacken der Medikamente gehen. Später soll die Produktion
von verschiedenen Vakzinen und von Mitteln gegen Tuberkulose und HIV
folgen. Die Herstellung von Serum und Vakzinen in der Ukraine war
zuletzt stark rückläufig (2012: -45%). Ferner plane Indar laut
Fachmedien, Arzneimittel mit einem weiteren, nicht genannten,
internationalen Pharmariesen zu produzieren. GlaxoSmithKline und Abbott
haben den Einstieg bislang noch nicht offiziell bestätigt.
Indar
setzt auf dem einheimischen Markt für Insulin nach eigenen Angaben 109
Mio. UAH um und verfügt über einen Marktanteil von 21%. Bis 2013 will
der Pharmahersteller seinen Umsatz versechsfachen, in dem er neue Märkte
erschließt, vor allem in Lateinamerika. Das gab die Geschäftsführerin
Lubow Wischnewskaja gegenüber Interfax-Ukraine bekannt. Indar ist das
einzige ukrainische Unternehmen mit einem vollständigen
Produktionszyklus bei Insulin.
Anfang 2013 hat Indar einen
Liefervertrag mit der brasilianischen Regierung für 3,5 Mio. Ampullen
Insulin unterzeichnet. Die Vertragssumme beläuft sich auf 21,4 Mio. $
(zu einem Preis von umgerechnet 6,1 $ pro Einheit).
Führende Pharmahersteller der Ukraine 2011
| Unternehmen | Reinerlös 2011 (in Mio. UAH) *) | Veränderung (in % gegenüber 2010) | Reingewinn (in Mio. UAH) *) | Internetadresse |
| Farmak | 1477,2 | 20,1 | 247,0 | http://farmak.ua |
| Arterium | 939,4 | 10,2 | 62,3 | http://www.arterium.ua |
| Darnytsya | 738,6 | 8,1 | 44,3 | http://www.darnitsa.ua |
| Kyjiwskyj Bytamynnyj Sawod | 676,0 | 156,4 | 1,5 | http://www.vitamin.com.ua |
| Zdorovye | 496,3 | -13,3 | -10,7 | http://www.zt.com.ua |
| Borshchahovskiy | 471,9 | -6,1 | 57,0 | http://www.bhfz.com.ua |
| Lekhim | 416,1 | 18,8 | 26,4 | http://www.lekhim.ua |
| Yurya-Farm | 362,0 | -0,6 | http://www.uf.ua | |
| Interkhim | 353,8 | 6,0 | http://www.interchem.com.ua |
*) Jahresdurchschnitt 2011: 1 Euro = 11,09 UAH
Quelle: "TOP 100 Rating" der besten Unternehmen der Ukraine, InvestGazeta
Kontaktanschriften:
Farmak JSC
wul. Frunze 63, 04080 Kiew
Tel.: 0038 044/496 89 07
E-Mail: info@farmak.ua, Internet: http://farmak.ua
Darnytsya JSC
wul. Borispolskaya 13, 02093 Kiew
Tel./Fax: 0038 044/207 73 44
E-Mail: ogm@darnitsa.kiev.ua, Internet: http://www.darnitsa.ua
Indar CJSC
wul. Orositelnaya 5, 02095 Kiew
Tel.: 00380 44/5663601
Internet: http://15252.ua.all.biz/en/
(C.O.)
Zertifizierung
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