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Dienstag, 10. September 2013

Ukrainische Pharmaindustrie verfolgt neue Projekte

Europäische Entwicklungsbank vergibt 20-Mio.-Euro-Kredit an Farmak / Indar hofft auf Kooperationen mit GlaxoSmithKline und Abbott
Von Christian Overhoff

Kiew/Bonn (gtai) - Die ukrainische Pharmabranche zieht weitere Investitionen an. Der einheimische Hersteller Farmak hat sein Investitionsbudget für 2013 deutlich aufgestockt. Die Pharmagiganten GlaxoSmithKline und Abbott wollen beim Unternehmen Indar in die Arzneimittelproduktion einsteigen. Nicht ganz freiwillig: Denn seit Beginn des Jahres fördert die Regierung die lokale Fertigung, indem sie neue Qualitätsstandards und eine Lizenz für importierte Medikamente verlangt.

Der ukrainische Pharmaproduzent Farmak will seine Investitionen 2013 deutlich aufstocken. Rund 314 Mio. Griwna, umgerechnet 39,3 Mio. US$, sollen dieses Jahr für Projekte bereitgestellt werden, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Unternehmen meldet (UAH; 1 UAH = rund 0,125 $). Das wäre ein Plus von 73% gegenüber dem Vorjahr. Wichtigstes Vorhaben ist die Fortsetzung der Bauarbeiten am Werk für pharmakologische Substanzen im Gebiet Sumy. Laut Plan wird dieses bereits 2014 eröffnet. Darüber hinaus will Farmak eine Produktion von Arzneimitteln in Tablettenform und in Gelatinekapseln einführen. Investitionen in einen Laborkomplex stehen ebenfalls an. Zudem sollen bestehende Produktionseinrichtungen modernisiert werden.

Finanziert werden die Projekte zum größten Teil aus eigenen Mitteln. Weiteres Geld gibt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Form eines 20-Mio.-Euro-Kredites, wie das Bankinstitut Ende Juli 2013 bekannt gab. Die Mittel sollen Farmak zum einen dabei helfen, eine Zulassung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zu bekommen. Zum anderen wird das zusätzliche Geld in die Forschung und in den Ausbau der Produktionskapazitäten fließen.

Bis 2020 will Farmak einen Jahresumsatz von 1 Mrd. $ erzielen. In dem vom Unternehmen verabschiedeten Strategiepapier "Farmak-2020" ist zudem der Börsengang vorgesehen. Im vergangenen Jahr konnte der Pharmahersteller seine Verkäufe um 15% auf 1,7 Mrd. UAH steigern.
Darüber hinaus verfolgt eine Reihe einheimischer Arzneimittelhersteller Modernisierungs- und Ausbauvorhaben. So plant etwa das Unternehmen Darnytsya seine Kapazitäten zwischen 2013 und 2014 zu erweitern.

Rückenwind für Investitionsprojekte erhalten die Hersteller durch die gestiegenen Inlandserlöse. Der Markt für pharmazeutische Erzeugnisse in der Ukraine wuchs 2012 um 15,0% auf 34,2 Mrd. UAH. Nicht zuletzt dank deutlicher Preiserhöhungen legten die Umsätze der größten Arzneimittelproduzenten des Landes spürbar zu. Der Marktanteil der nationalen Produzenten wuchs um 16,7% auf 9,7 Mrd. UAH, so die Angaben der Wirtschaftszeitschrift Bisnes. Im Inland hergestellte Präparate dominierten das Apothekensortiment zu 65%, gerechnet in Packungen. Das Gros der Umsätze erzielten allerdings laut Fachblatt Aptjeka ausländische Pharmaanbieter mit einem Anteil von 69%, weil ukrainische Hersteller überwiegend auf die Produktion von günstigen Generika ausgerichtet sind.
Produktionsvolumen ausgewählter Arzneimittel in der Ukraine

2012 Veränderung 2012/11 (in %)
Vitamine, Vitaminvorstufen und ihre Ableitungen (in kg) 23.538 -69,2
Präparate auf Basis von Hormonen (in kg) 113.811 8,2
Seren und Vakzine (in t) 375,0 -45,0
Präparate auf Basis von Antibiotika (in t) 897,8 -3,7
Andere Präparate (in t) 42.403,3 9,2
Quelle: Derzhstat - staatlicher Statistikdienst der Ukraine

Beim Export konzentrieren sich die ukrainischen Hersteller noch auf die GUS-Staaten. Wegen strenger Qualitätsanforderungen bleiben die EU- und die US-amerikanischen Märkte vorerst für sie geschlossen. Den meisten einheimischen Herstellern fehlen die nötigen Mittel, um den Produktionsstandard zu heben. Dabei wäre die Erfüllung höherer Qualitätsnormen wie der Good Manufacturing Practice (GMP) durchaus gewinnbringend, weil dadurch der Zugang zu den westlichen Märkten möglich wäre. Die ersten ukrainischen Produzenten, die mit der Einführung der internationalen GMP begonnen haben, waren Farmak und Darnytsya.

Während die ukrainischen Verbraucher bei einheimischen Produkten vielfach noch auf höhere Qualität warten müssen, verlangt die Ukraine hingegen bei eingeführten Arzneimitteln aus dem Ausland ab Januar 2013 die Erfüllung der GMP. Die Regierung will auf diesem Wege den Import erschweren und die nationale Produktion fördern. Eine weitere Importhürde stellt die Einführung einer Lizenzvergabe für ausländische Pharmaartikel dar. Seit März 2013 ist die Einfuhr von Medikamenten in die Ukraine nur mit einem von staatlichen Behörden ausgestellten Qualitätszertifikat möglich. Eine Regelung zur Überwachung der Qualität von Arzneimitteln soll ab dem 1.12.13 in Kraft treten.

Als Ergebnis dieser Neuerung werden über 2.000 Arzneimittel ausländischer Herstellung auf dem nationalen Markt nicht zugelassen, meldet der Pressedienst der Regierung. Dabei wird nicht präzisiert, welche Präparate und Warengruppen vom Markt verschwinden werden. Ende Juli 2013 waren im staatlichen Arzneimittelregister 13.250 Arzneimittel registriert, darunter 9.347 ausländischer Herkunft. Das sind rund 600 weniger als noch Ende 2012. Die genaue Auswirkung der neuen Regelung muss jedoch noch abgewartet werden. Vize-Premier Kostiantyn Hryschenko betonte, alle Produkte, die künftig nicht mehr eingeführt werden, könnten von der nationalen Pharmaindustrie oder von anderen Unternehmen Osteuropas hergestellt werden.

Die Politik der Importsubstitution scheint bei einigen ausländischen Produzenten bereits Wirkung zu zeigen. So wollen die Pharmagiganten GlaxoSmithKline aus Großbritannien und Abbott aus den USA beim ukrainischen Arzneimittelhersteller Indar in die Produktion einsteigen, heißt es aus dem Fachmedium The Pharma Letter (Ausgabe vom 19.03.13). Das Unternehmen gehört zu den größten seiner Branche in der Ukraine. Seit 2012 befindet sich die Aktiengesellschaft wieder überwiegend in staatlicher Hand; Privatanleger verfügen über 30% der Anteile.

Nach Angaben von Indar soll die Kooperation mit GlaxoSmithKline und Abbott noch in diesem Jahr beginnen. Zunächst werde es nur um das Abpacken der Medikamente gehen. Später soll die Produktion von verschiedenen Vakzinen und von Mitteln gegen Tuberkulose und HIV folgen. Die Herstellung von Serum und Vakzinen in der Ukraine war zuletzt stark rückläufig (2012: -45%). Ferner plane Indar laut Fachmedien, Arzneimittel mit einem weiteren, nicht genannten, internationalen Pharmariesen zu produzieren. GlaxoSmithKline und Abbott haben den Einstieg bislang noch nicht offiziell bestätigt.

Indar setzt auf dem einheimischen Markt für Insulin nach eigenen Angaben 109 Mio. UAH um und verfügt über einen Marktanteil von 21%. Bis 2013 will der Pharmahersteller seinen Umsatz versechsfachen, in dem er neue Märkte erschließt, vor allem in Lateinamerika. Das gab die Geschäftsführerin Lubow Wischnewskaja gegenüber Interfax-Ukraine bekannt. Indar ist das einzige ukrainische Unternehmen mit einem vollständigen Produktionszyklus bei Insulin.
Anfang 2013 hat Indar einen Liefervertrag mit der brasilianischen Regierung für 3,5 Mio. Ampullen Insulin unterzeichnet. Die Vertragssumme beläuft sich auf 21,4 Mio. $ (zu einem Preis von umgerechnet 6,1 $ pro Einheit).
Führende Pharmahersteller der Ukraine 2011
Unternehmen Reinerlös 2011 (in Mio. UAH) *) Veränderung (in % gegenüber 2010) Reingewinn (in Mio. UAH) *) Internetadresse
Farmak 1477,2 20,1 247,0 http://farmak.ua
Arterium 939,4 10,2 62,3 http://www.arterium.ua
Darnytsya 738,6 8,1 44,3 http://www.darnitsa.ua
Kyjiwskyj Bytamynnyj Sawod 676,0 156,4 1,5 http://www.vitamin.com.ua
Zdorovye 496,3 -13,3 -10,7 http://www.zt.com.ua
Borshchahovskiy 471,9 -6,1 57,0 http://www.bhfz.com.ua
Lekhim 416,1 18,8 26,4 http://www.lekhim.ua
Yurya-Farm 362,0 -0,6
http://www.uf.ua
Interkhim 353,8 6,0
http://www.interchem.com.ua
*) Jahresdurchschnitt 2011: 1 Euro = 11,09 UAH
Quelle: "TOP 100 Rating" der besten Unternehmen der Ukraine, InvestGazeta

Kontaktanschriften:

Farmak JSC
wul. Frunze 63, 04080 Kiew
Tel.: 0038 044/496 89 07
E-Mail: info@farmak.ua, Internet: http://farmak.ua
Darnytsya JSC
wul. Borispolskaya 13, 02093 Kiew
Tel./Fax: 0038 044/207 73 44
Indar CJSC
wul. Orositelnaya 5, 02095 Kiew
Tel.: 00380 44/5663601
(C.O.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), UkrSEPRO, Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland