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Freitag, 18. Oktober 2013

Russland erhält Kennzeichnung von Energiespartechnik

Hersteller können sich freiwillig zertifizieren lassen / Zinsverbilligte Kredite zur Steigerung der Energieeffizienz
Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Energieeffizienz gewinnt als Verkaufs- oder Finanzierungsargument auf dem russischen Markt an Bedeutung. Erste Initiativen weisen darauf hin. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Association of European Businesses unterzeichneten ein Kooperationsabkommen zur freiwilligen Kennzeichnung von Energiespartechnik. Außerdem leitet die EBWE über die Facility RuSEFF zinsverbilligte Kredite an Projekte zur Erhöhung der Energieeffizienz weiter.

Für deutsche Anbieter von Verbrauchs- und Investitionsgütern kann sich das aufkommende Energiesparbewusstsein in Russland als geldwerter Vorteil gegenüber ihren Wettbewerbern erweisen. Derzeit zielt eine Initiative auf die Schärfung des Verbraucherbewusstseins ab, wonach Energiesparen den eigenen Geldbeutel schonen kann - selbst im rohstoffreichen Russland. Die in Moskau ansässige Association auf European Businesses (AEB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) wollen gemeinsam eine freiwillige Kennzeichnung von energiesparenden Produkten anbieten.

Mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens am 18.9.2013 haben beide Institutionen die Realisierung dieses seit langem vorbereiteten Vorhabens öffentlichkeitswirksam besiegelt: EBWE finanziert und AEB kümmert sich gemeinsam mit ihren Mitgliedern um die inhaltliche Ausgestaltung und Realisierung.

Wie Lindsay Forbes, EBWE-Direktor für Industrie, Handel und Agrarbusiness, anlässlich der Unterzeichnung unterstrich, "gibt es für Unternehmen in Russland in der aktuellen Entwicklungsetappe keine Wachstumsgarantien mehr. Energieeffizienz gehört aber zu den nützlichen Instrumenten, über die Kosten nachweislich eingespart und somit Gewinnmargen wieder erhöht werden können. Eine Produktkennzeichnung ist nur Teil eines viel breiteren Programms zur Steigerung der Energieeffizienz einer ganzen Volkswirtschaft, wenn auch ein wichtiger. Sie erreicht die Verbraucher. Und die AEB ist uns ein wertvoller Partner, um zusätzlich die Wirtschaft zu erreichen."

Die Realisierung des Vorhabens übernimmt eine Tochtergesellschaft der AEB, die AEB Business LLC. Sie kümmert sich als Koordinierungsstelle um die Ausarbeitung von Kriterien und Standards und im Anschluss um die Vergabe der Energie-Etiketten (Label Scheme Owner and Operator - LSOO).

Frank Schauff, Geschäftsführer der AEB, hob in seinem Redebeitrag hervor, "dass der beste Beitrag zum Klimaschutz die Minderung des Energieverbrauchs ist. Damit ist Energieeffizienz zweifellos ein wichtiges und zentrales Zukunftsthema für Russland. Eine freiwillige Kennzeichnung kann irgendwann einmal obligatorisch werden. Und es gibt genug Länder, in denen sich freiwillige und gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen gut komplementieren."

EBWE und AEB haben sich geeinigt, bei der Ausarbeitung von Kriterien und Standards zunächst mit drei Produktgruppen zu starten. Ausgewählt wurden elektrische Antriebe (0,75 bis 375 kW), Haushaltskühlschränke und Tiefkühltruhen sowie Fenster und Verglasungen. Weitere Produkte, etwa Beleuchtungen und Lichttechnik, werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Ansprechpartner für interessierte Unternehmen und Institutionen ist Fedor Plaskovitskiy, Energy Efficiency Labeling Marketing Manager bei der AEB.

Zu den aktiven Teilnehmern gehören unter anderem Siemens, Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, ABB, Rosizol (Hersteller von Isoliermaterial), APROK (Herstellerverband für energieeffiziente Fenster), WEG (Elektrotechnik-Konzern), VTT & Lighthouse Consulting, CLASP, UNDP und die Russische Energieagentur. Ausdrücklich ist jedes Unternehmen eingeladen, sich der Initiative anzuschließen und sich in den entsprechenden technischen Fachgruppen einzubringen.

EBWE realisiert darüber hinaus weitere Projekte mit dem Ziel der Energieeffizienz. So wird im Rahmen der technischen und finanziellen Zusammenarbeit mit Russland der Kauf von energiesparender Technik durch Unternehmen oder Kommunalbetriebe finanziert. In diesem Zusammenhang reicht EBWE zinsverbilligte Kredite über die Vertriebsschienen russischer Banken und Leasinggesellschaften an potenzielle Käufer weiter.

Im Auftrag der EBWE erarbeitete die Moskauer Vertretung der Russian Sustainable Energy Financing Facility (RuSEFF) ein Konzept und definierte Kriterien für finanzierbare Energiespartechnik.Außerdem überwacht sie aus unmittelbarer Nähe den Mittelabfluss und den Projektfortschritt. Im Rahmen der Internationalen Klimainitiative ist auch das deutsche Bundesumweltministerium an dem Projekt beteiligt.

"Durch die Festlegung, was Energiespartechnik gemäß RuSEFF-Förderkatalog ist, findet indirekt ebenfalls eine Art Produktkennzeichnung statt, wenn auch nicht in der expliziten Form wie bei der AEB", so der Leiter von RuSEFF, Werner Peylo. Für die deutsche Industrie kann dieses Finanzierungsschema hoch interessant sein, da Hersteller auf der Internetseite von RuSEFF ihre Produkte in den Förderkatalog eintragen können, somit also auch als finanzierungsfähig ausgewiesen werden.

Werner Peylo wies darauf hin, dass auf diese Weise schon 150 Mio. Euro an Krediten in Projekte zur Energieeinsparung geflossen sind. "Der Mittelabfluss beschleunigt sich im gegenwärtigen Zeitraum sogar noch. Daran lesen wir ab, dass sich die Entwicklung erst in einem Anfangsstadium befindet und dass es in Russland tatsächlich einen Markt für Energiespartechnik gibt. Was unsere Datenbank für Energiesparprodukte angeht, hilft sie Herstellern und potenziellen Kunden, miteinander in Kontakt zu kommen. Dabei existiert keine Eingrenzung nach Produktgruppen. Wichtig ist, dass sich mindestens 10% der Energie einsparen lässt. Gefragt sind Produkte für Industrie und Landwirtschaft, bis hin zu kompletten Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung."

Neben der Einführung einer freiwilligen Kennzeichnung durch die AEB und von zinsverbilligten Krediten durch EBWE/RuSEFF ist aus den Reihen der russischen Wirtschaft heraus eine dritte Initiative angelaufen. Darüber berichtete ein Vertreter von Ruselprom, eines Herstellers von Elektromaschinen. Demnach überfluten Billiganbieter von Elektroantrieben aus der VR China den russischen Markt. Deren Motoren seien aber nicht in jedem Fall energieeffizient, sondern einfach nur konkurrenzlos billig in der Anschaffung. Um diese Flut energieintensiver Antriebe einzudämmen, ist Ruselprom an das Ministerium für Industrie und Handel mit der Bitte herangetreten, für den Energieverbrauch von Elektromotoren eine Obergrenze zu ziehen.

Offensichtlich ist Ruselprom im Ministerium auf eine positive Resonanz gestoßen, denn dem Vernehmen nach soll eine solche Verbrauchsnorm in der Tat ab 2014 gelten. Weder die AEB, noch die EBWE oder die an der freiwilligen Kennzeichnung interessierten Unternehmen, darunter Siemens und ABB, sahen in dem Vorstoß von Ruselprom einen Hinderungsgrund für die Einführung eines Produktlabels. Ruselprom drängt auf die Einführung von Mindeststandards, was vom Standpunkt der Energieeinsparung zu begrüßen sei. Das andere zielt auf die Erhöhung des Verbraucherbewusstseins ab und spornt den Wettbewerb unter den Qualitätsherstellern an. Im Endeffekt werden Elektroantriebe nur noch energieeffizienter.

Kontaktanschriften:

AEB Bussines LLC
Fedor Plaskovitskiy, Energy Efficiency Labeling Officer (spricht Deutsch)
ul. Krasnoproletarskaya 16, Haus 3
127473 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495 234 27 64 - Apparat 152
RuSEFF
Werner Otto Peylo, Direktor (spricht Deutsch)
ul. Skotoprogonnaya 27/26
109029 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/499 409 57 47
OOO Ruselprom
Wladimir Wasiljewitsch Dorochin, Generaldirektor
Nowojasenewskij prospekt 32, korpus 1, office 1
117463 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007 495/600 42 53, Fax: -600 42 54
(U.U.)


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