Hersteller können sich freiwillig zertifizieren lassen /
Zinsverbilligte Kredite zur Steigerung der Energieeffizienz
Von
Ullrich Umann
Moskau (gtai) - Energieeffizienz gewinnt als
Verkaufs- oder Finanzierungsargument auf dem russischen Markt an
Bedeutung. Erste Initiativen weisen darauf hin. Die Europäische Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Association of European
Businesses unterzeichneten ein Kooperationsabkommen zur freiwilligen
Kennzeichnung von Energiespartechnik. Außerdem leitet die EBWE über die
Facility RuSEFF zinsverbilligte Kredite an Projekte zur Erhöhung der
Energieeffizienz weiter.
Für deutsche Anbieter von Verbrauchs- und Investitionsgütern kann
sich das aufkommende Energiesparbewusstsein in Russland als geldwerter
Vorteil gegenüber ihren Wettbewerbern erweisen. Derzeit zielt eine
Initiative auf die Schärfung des Verbraucherbewusstseins ab, wonach
Energiesparen den eigenen Geldbeutel schonen kann - selbst im
rohstoffreichen Russland. Die in Moskau ansässige Association auf
European Businesses (AEB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und
Entwicklung (EBWE) wollen gemeinsam eine freiwillige Kennzeichnung von
energiesparenden Produkten anbieten.
Mit der Unterzeichnung eines
Kooperationsabkommens am 18.9.2013 haben beide Institutionen die
Realisierung dieses seit langem vorbereiteten Vorhabens
öffentlichkeitswirksam besiegelt: EBWE finanziert und AEB kümmert sich
gemeinsam mit ihren Mitgliedern um die inhaltliche Ausgestaltung und
Realisierung.
Wie Lindsay Forbes, EBWE-Direktor für Industrie,
Handel und Agrarbusiness, anlässlich der Unterzeichnung unterstrich,
"gibt es für Unternehmen in Russland in der aktuellen Entwicklungsetappe
keine Wachstumsgarantien mehr. Energieeffizienz gehört aber zu den
nützlichen Instrumenten, über die Kosten nachweislich eingespart und
somit Gewinnmargen wieder erhöht werden können. Eine
Produktkennzeichnung ist nur Teil eines viel breiteren Programms zur
Steigerung der Energieeffizienz einer ganzen Volkswirtschaft, wenn auch
ein wichtiger. Sie erreicht die Verbraucher. Und die AEB ist uns ein
wertvoller Partner, um zusätzlich die Wirtschaft zu erreichen."
Die
Realisierung des Vorhabens übernimmt eine Tochtergesellschaft der AEB,
die AEB Business LLC. Sie kümmert sich als Koordinierungsstelle um die
Ausarbeitung von Kriterien und Standards und im Anschluss um die Vergabe
der Energie-Etiketten (Label Scheme Owner and Operator - LSOO).
Frank
Schauff, Geschäftsführer der AEB, hob in seinem Redebeitrag hervor,
"dass der beste Beitrag zum Klimaschutz die Minderung des
Energieverbrauchs ist. Damit ist Energieeffizienz zweifellos ein
wichtiges und zentrales Zukunftsthema für Russland. Eine freiwillige
Kennzeichnung kann irgendwann einmal obligatorisch werden. Und es gibt
genug Länder, in denen sich freiwillige und gesetzlich vorgeschriebene
Kennzeichnungen gut komplementieren."
EBWE und AEB haben sich
geeinigt, bei der Ausarbeitung von Kriterien und Standards zunächst mit
drei Produktgruppen zu starten. Ausgewählt wurden elektrische Antriebe
(0,75 bis 375 kW), Haushaltskühlschränke und Tiefkühltruhen sowie
Fenster und Verglasungen. Weitere Produkte, etwa Beleuchtungen und
Lichttechnik, werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Ansprechpartner
für interessierte Unternehmen und Institutionen ist Fedor
Plaskovitskiy, Energy Efficiency Labeling Marketing Manager bei der AEB.
Zu
den aktiven Teilnehmern gehören unter anderem Siemens,
Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, ABB, Rosizol (Hersteller von
Isoliermaterial), APROK (Herstellerverband für energieeffiziente
Fenster), WEG (Elektrotechnik-Konzern), VTT & Lighthouse Consulting,
CLASP, UNDP und die Russische Energieagentur. Ausdrücklich ist jedes
Unternehmen eingeladen, sich der Initiative anzuschließen und sich in
den entsprechenden technischen Fachgruppen einzubringen.
EBWE
realisiert darüber hinaus weitere Projekte mit dem Ziel der
Energieeffizienz. So wird im Rahmen der technischen und finanziellen
Zusammenarbeit mit Russland der Kauf von energiesparender Technik durch
Unternehmen oder Kommunalbetriebe finanziert. In diesem Zusammenhang
reicht EBWE zinsverbilligte Kredite über die Vertriebsschienen
russischer Banken und Leasinggesellschaften an potenzielle Käufer
weiter.
Im Auftrag der EBWE erarbeitete die Moskauer Vertretung
der Russian Sustainable Energy Financing Facility (RuSEFF) ein Konzept
und definierte Kriterien für finanzierbare Energiespartechnik.Außerdem
überwacht sie aus unmittelbarer Nähe den Mittelabfluss und den
Projektfortschritt. Im Rahmen der Internationalen Klimainitiative ist
auch das deutsche Bundesumweltministerium an dem Projekt beteiligt.
"Durch
die Festlegung, was Energiespartechnik gemäß RuSEFF-Förderkatalog ist,
findet indirekt ebenfalls eine Art Produktkennzeichnung statt, wenn auch
nicht in der expliziten Form wie bei der AEB", so der Leiter von
RuSEFF, Werner Peylo. Für die deutsche Industrie kann dieses
Finanzierungsschema hoch interessant sein, da Hersteller auf der
Internetseite von RuSEFF ihre Produkte in den Förderkatalog eintragen
können, somit also auch als finanzierungsfähig ausgewiesen werden.
Werner
Peylo wies darauf hin, dass auf diese Weise schon 150 Mio. Euro an
Krediten in Projekte zur Energieeinsparung geflossen sind. "Der
Mittelabfluss beschleunigt sich im gegenwärtigen Zeitraum sogar noch.
Daran lesen wir ab, dass sich die Entwicklung erst in einem
Anfangsstadium befindet und dass es in Russland tatsächlich einen Markt
für Energiespartechnik gibt. Was unsere Datenbank für
Energiesparprodukte angeht, hilft sie Herstellern und potenziellen
Kunden, miteinander in Kontakt zu kommen. Dabei existiert keine
Eingrenzung nach Produktgruppen. Wichtig ist, dass sich mindestens 10%
der Energie einsparen lässt. Gefragt sind Produkte für Industrie und
Landwirtschaft, bis hin zu kompletten Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung."
Neben
der Einführung einer freiwilligen Kennzeichnung durch die AEB und von
zinsverbilligten Krediten durch EBWE/RuSEFF ist aus den Reihen der
russischen Wirtschaft heraus eine dritte Initiative angelaufen. Darüber
berichtete ein Vertreter von Ruselprom, eines Herstellers von
Elektromaschinen. Demnach überfluten Billiganbieter von Elektroantrieben
aus der VR China den russischen Markt. Deren Motoren seien aber nicht
in jedem Fall energieeffizient, sondern einfach nur konkurrenzlos billig
in der Anschaffung. Um diese Flut energieintensiver Antriebe
einzudämmen, ist Ruselprom an das Ministerium für Industrie und Handel
mit der Bitte herangetreten, für den Energieverbrauch von Elektromotoren
eine Obergrenze zu ziehen.
Offensichtlich ist Ruselprom im
Ministerium auf eine positive Resonanz gestoßen, denn dem Vernehmen nach
soll eine solche Verbrauchsnorm in der Tat ab 2014 gelten. Weder die
AEB, noch die EBWE oder die an der freiwilligen Kennzeichnung
interessierten Unternehmen, darunter Siemens und ABB, sahen in dem
Vorstoß von Ruselprom einen Hinderungsgrund für die Einführung eines
Produktlabels. Ruselprom drängt auf die Einführung von Mindeststandards,
was vom Standpunkt der Energieeinsparung zu begrüßen sei. Das andere
zielt auf die Erhöhung des Verbraucherbewusstseins ab und spornt den
Wettbewerb unter den Qualitätsherstellern an. Im Endeffekt werden
Elektroantriebe nur noch energieeffizienter.
Kontaktanschriften:
AEB Bussines LLC
Fedor Plaskovitskiy, Energy Efficiency Labeling Officer (spricht Deutsch)
ul. Krasnoproletarskaya 16, Haus 3
127473 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/495 234 27 64 - Apparat 152
E-Mail: fedor.plaskovitskiy@aebrus.ru, Internet: http://www.aebrus.ru
RuSEFF
Werner Otto Peylo, Direktor (spricht Deutsch)
ul. Skotoprogonnaya 27/26
109029 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007/499 409 57 47
E-Mail: Werner.Peylo@ruseff.com, Internet: http://www.ruseff.com
OOO Ruselprom
Wladimir Wasiljewitsch Dorochin, Generaldirektor
Nowojasenewskij prospekt 32, korpus 1, office 1
117463 Moskau, Russische Föderation
Tel.: 007 495/600 42 53, Fax: -600 42 54
Internet: http://www.ruselprom.ru
(U.U.)
Zertifizierung
GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,
Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland