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Freitag, 22. November 2013

Russlands Bauzulieferindustrie zeigt stabile Entwicklung

Investoren bemängeln fehlende Planungssicherheit / Transportkosten machen Materialien teuer
Von Ullrich Umann

Moskau (gtai) - Die Bauzulieferindustrie in Russland zeigte 2012 einen stabilen Aufwärtstrend. Nach Angaben des föderalen Statistikdienstes Rosstat ist der Industriezweig gewachsen, ohne jedoch bis jetzt in den meisten Unterpositionen das Vorkrisenniveau des Jahres 2008 wieder erreicht zu haben. Investitionen in neue Fabriken und die Modernisierung bestehender Anlagen werden dringend benötigt. Fehlende Planungssicherheit schreckt jedoch viele potenzielle Investoren ab.

In Russland legte die Erzeugung von Sand, Kies und Schotter im Jahr 2012 um 16,6% auf 412,5 Mio. cbm zu. Um 10,4% auf 23,3 Mio. cbm stieg der Ausstoß von Wärmedämmstoffen aus Mineral- und Glaswolle. Um 9,6% auf 24,9 Mio. cbm wuchs der Verkauf von Eisenbeton. Die Zementwerke steigerten ihren Ausstoß um 9,5%.
Baumaterial für den Hochbau war 2012 stärker gefragt als im Jahr zuvor. So betrug die Produktionssteigerung bei Bausteinen 5,3% (16,75 Mrd. Stk.) und bei Bauglas 2,6% (217,9 Mio. qm). Produktionsrückgänge waren bei Dach- und Isolationsabdeckungen zu verzeichnen, und zwar um -1,8% auf 483,3 Mio. qm und bei Asbestplatten um -38,8% auf 720 Mio. Stk.

Produktionsmenge von Baumaterialien 2012
Produktion von Baumaterialien 2012 Veränderung gegenüber 2011 (in %)
Klebefurnier aus Sperrholz (in 1.000 cbm) 3.150 3,9
Sperrholzplatten (in 1.000 cbm) 6.753 4,1
Fensterrahmen aus Holz (in 1.000 qm) 1.215 34,3
Parkett aus Holz (in 1.000 qm) 3.036 5,7
Holzkonstruktionen (in 1.000 cbm) 747 -19,5
Holzfertighäuser, in 1.000 qm 186 -8,1
Beläge aus Kunststoff (in Mio. qm) 349 17,6
Fensterrahmen aus Kunststoff (in Mio. qm) 24,3 6,1
Bodenfliesen aus Keramik (in Mio. qm) 88,1 6,7
Fassadenplatten aus Keramik (in Mio. qm) 2.276 52,6
Bau- und Fassadenglas (in Mio. qm) 150 6,3
Ziegelsteine (in Mrd. Stück) 6.799 9,6
Stahlkonstruktionen (in Mio. cbm) 3.795 14,1
Zement (in Mio. t) 61,5 9,5
Stahlbeton-Konstruktionen (in Mio. cbm) 24,9 9,6
Wand- und Dachpaneele aus Stahl (in Mio. qm)

Kunststoffrohre, -schläuche, -fittings und Teile (in 1.000 t) 701 24,8
Linoleum (in Mio. qm)

Stahlrohre (in Mio. t) 9.657 -3,3
Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat, Moskau, 2013

Da 90% der Bauinvestitionen in und um Moskau herum getätigt werden, haben sich hier auch wichtige Zentren der Industrie für Baustoffe und Baumaterialien gebildet. Dazu gehören insbesondere Linien zur Herstellung von Fertigwänden und Paneelen, wie sie im Hochbau, insbesondere im Wohnungsbau, benutzt werden.

Transportkosten verteuern Baumaterialien

Der Transport von Baustoffen und Baumaterialien ist in jedem Projekt ein wichtiger Kostenfaktor. Sind dafür 200 km und mehr zurückzulegen, können sich bei den gegebenen Straßenverhältnissen die Kosten für Material schnell verdoppeln, so die Erfahrungen aus Russland. Daher sind sowohl bauausführende Unternehmen als auch die Zulieferindustrie daran interessiert, möglichst viele Kapazitäten zusammen in einer einzigen Region zu konzentrieren.

Das für Bauwirtschaft zuständige Ministerium für regionale Entwicklung möchte der Baustoff- und Baumaterialien-Industrie aktuell einen Entwicklungsschub geben. So herrscht im Ministerium die Vorstellung vor, dass, wo immer der Staat Großprojekte anschiebt, eine Bauzulieferindustrie nachzieht. Dies hat sich aber nur bedingt in der Praxis bestätigt. So hat sich in der Region Krasnodar/Sotchi vor allem die Zementindustrie entwickelt.

Doch bleiben die Kapazitäten mit Vollendung der Bauarbeiten in und um Sotchi weniger ausgelastet. Die umfangreichen Arbeiten zur Vorbereitung des APEC-Gipfels 2012 in Wladiwostok lockten fast überhaupt keine Bauzulieferindustrie an, obwohl die Voraussetzungen für Hersteller jeder Art von Baumaterial im Fernen Osten vorhanden waren.

Vor allem die im Fernen Osten hohen Preise für Elektro- und Wärmeenergie sowie für Frischwasser und für die Abwasserentsorgung lassen eine Produktion schnell unrentabel erscheinen. Daher wurden und werden Baumaterialien aus anderen Landesteilen mit hohem Aufwand herantransportiert.

Dennoch arbeiten in Primorje die Zementindustrie und Ziegeleien. Im benachbarten Chabarowsk stehen dagegen Kapazitäten still, da es hier an Nachfrage fehlt. Mit den Arbeiten zur Überwindung des verheerenden Sommerhochwassers im Amur-Becken dürfte sich das Bild aber ändern. Der Bedarf an Baumaterial steigt rasch an. Häuser für 100.000 Menschen müssen saniert oder sogar vollständig ersetzt werden.

Zusätzlich bemängeln die Hersteller von Baustoffen und Baumaterial die fehlende Transparenz im Vorfeld öffentlicher Bauvorhaben im Fernen Osten. Die Planungssicherheit sei dadurch nicht gewährleistet. Auch dieser Sachverhalt schreckt potenzielle Investoren ab.
Investitionen in die Baustoff- und Baumaterialienindustrie werden aber benötigt. Landesweit müssen in diesen Branchen 90 Fabriken gebaut werden. Es fehlen 20 Zementwerke, 10 Glaswerke, 15 Produktionslinien für Isoliermaterial sowie 45 Werke für weitere Baustoffe. Weitere 200 Fabriken benötigen eine Modernisierung. Aus diesem Grund kann zum Beispiel der Wohnungsbau nicht grundlegend gesteigert werden. Am meisten bleibt der Wohnungsbau in den Gebieten Altai, Primorje, Iwanowo und Twer hinter den Vorgaben zurück.

Es bleibt abzuwarten, ob die aktuellen Großprojekte, zum Beispiel die umfangreichen Hoch- und Tiefbauarbeiten zur Vorbereitung der Fußball-WM 2018 oder die neue Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Moskau-Kazan zu Investitionen in die Bauzulieferindustrie führen werden. Anzeichen gibt es dafür nur wenige.

Wegen der teilweise unterentwickelten Bauzulieferindustrie in bestimmten Regionen ziehen branchennahe und -ferne Firmen eigene Kapazitäten hoch. Diesen Weg beschreitet zum Beispiel der Automobilhersteller Awtodor zusammen mit der Verwaltung der Enklave Kaliningrad. Notwendig wird dieses Vorgehen, da bis 2020 in der Region Kaliningrad ein komplettes Automobilcluster aus dem Boden gestampft werden soll. Es fehlt aber an ausreichenden Materialmengen, um den Bau zu vertretbaren Kosten und in einem angemessenen Zeitraum vorantreiben zu können. Neben dem Industriepark soll eine Wohnanlage für 50.000 Einwohner entstehen.

Heimische Baumarktketten holen auf

Baumärkte und "Do-it-Yourself-Geschäfte" (DiY) erreichten 2012 eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von 20%. In Bezug auf das Umsatzvolumen von Baumärkten steht Russland in Europa auf dem zweiten Platz hinter Frankreich. Im Jahr 2012 wurden auf dem russischen DiY-Markt etwas mehr als 30 Mrd. US$ umgesetzt. Die Dominanz ausländischer Groß- und Einzelhändler beginnt zu schwinden. Inländische Verkaufsketten lernen schnell und setzen internationale Erfahrungswerte um.

Mit der doppelten Anhebung der Wohnnebenkosten im Jahr 2012 ist eine deutliche Nachfragesteigerung bei Wärmedämmstoffen, modernen Fenstern und Türen und Isoliermaterial zu verzeichnen. Das Gros der Arbeiten wird durch Mieter und Wohnungseigentümer in Eigenarbeit und weniger durch spezialisierte Handwerksfirmen durchgeführt. Das beschert Baumärkten einen guten Umsatz. Da 70% der Bevölkerung geringe bis mittlere Einkommen von bis zu 700 Euro im Monat erzielen, ist der hohe Anteil an Eigenarbeit nur zu verständlich.
(U.U.)


Zertifizierung GOST R / TR / EVRAZES (EURASEC), Registrierung der Messmitteln,  Rostekhnadzor (RTN) Zulassung und Deklarierung für Russland