Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Moskau und Kazan soll auf Teilstücken durch Konzessionsnehmer gebaut werden
Moskau
(gtai) - Die russische Eisenbahngesellschaft OAO RZD möchte die 770 km
lange Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau nach Kazan unbedingt bauen.
Da Premierminister Medwedjew eine Komplettfinanzierung durch den Staat
in der derzeitigen Wirtschaftslage abgelehnt hat, legten die Eisenbahner
ein neues Modell vor. Demnach sollen Konzessionsnehmer drei von vier
Teilstrecken errichten und betreiben. RZD erwartet eine verbindliche
Antwort der Regierung im März.
Das Konzessionsmodell stellte der Generaldirektor der OAO
Skorostnye Magistraly (Hochgeschwindigkeitsstrecken), Alexander
Mischarin, Ende Januar 2014 der Öffentlichkeit vor. Bei Skorostnye
Magistraly handelt es sich um ein Tochterunternehmen der RZD, das eigens
zur Vorbereitung und Durchführung von Vorhaben im
Hochgeschwindigkeitsbereich gegründet wurde.
Skorostnye Magistraly
ging in die Offensive, nachdem Premierminister Medwedjew im Januar 2014
den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke in der gegenwärtigen
Wirtschaftslage als unbezahlbar bezeichnet hatte. Erst wenn sich die
ökonomische Situation bessere, könne die Idee neu aufgegriffen werden,
so die Worte des Regierungschefs. Bei einer Komplettdeckung der
geschätzten Gesamtkosten von 1.058,5 Mrd. Rubel (etwa 22,5 Mrd. Euro)
durch den Staat und RZD könnten 280 Mrd. Rubel (knapp 6 Mrd. Euro)
schlicht und ergreifend nicht aufgebracht werden.
Gemäß dem nun
vorgeschlagenen Konzessionsmodell würden private Investoren ihre
jeweiligen Streckenabschnitte bauen und anschließend über Jahre instand
halten. Interesse an der Realisierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke
von Moskau nach Kazan, und darüber hinaus sogar noch weiter bis
Jekaterinburg, hatten in jüngster Vergangenheit gleich mehrere
Bieterkonsortien geäußert.
Dazu gehörten die französischen
Unternehmen Alstom und Boyugues, die deutschen Siemens und Strabag sowie
ein Konsortium aus der VR China. Mit weiteren potenziellen
Konzessionsnehmern wird nach Aussage von Mischarin im Februar/März 2014
gesprochen. Dazu machte er keine näheren Angaben. Wie Mischarin
unterstrich, würden alle drei Konsortien russische Bauunternehmen mit
ins Boot holen. Gleichfalls sollen sie für den Bedarfsfall
Finanzierungsvereinbarungen mit den russischen Banken VTB, Sberbank und
Gazprombank getroffen haben.
Mit einer Ausschreibung der
Streckenkonzessionen rechnet Mischarin für Ende 2014, sofern die
Regierung dem neuen Modell zustimmt. Dies wäre auch der letzte
Zeitpunkt, um die Hochgeschwindigkeitsstrecke noch vor der Fußball-WM
2018 fertig stellen zu können. Moskau und Kazan gehören zu den
Austragungsorten.
Analog zu anderen Konzessionsvorhaben würde der
Staat Eigentümer der Gesamtstrecke bleiben, den Konzessionsnehmern ihre
jeweiligen Teilstücke aber für bis zu 35 Jahre zur Bewirtschaftung
übergeben. Gedacht ist an die Unterteilung der Gesamtstrecke in vier
Teilstücke: von Moskau bis Wladimir, weiter nach Nischni Nowgorod,
Tscheboksary und Kazan.
RZD würde den Bau des ersten
Streckenabschnitts von Moskau nach Wladimir im Investitionswert von
191,1 Mrd. Rubel (etwa 4 Mrd. Euro) in Eigenregie durchführen.
Finanzielle Unterstützung erhält die Staatsbahn dabei vom Fonds für
Nationalen Wohlstand und dem Rentenfonds der Russischen Föderation.
Die
drei restlichen Teilstrecken würden ausgeschrieben. Doch könnte sich
RZD vorstellen, dass den Konzessionsnehmern mit staatlichen Krediten
unter die Arme gegriffen wird. Den Kalkulationen nach müssen zum Bau der
Strecke Wladimir - Nischni Nowgorod 226,9 Mrd. Rubel (4,8 Mrd. Euro),
der Strecke Nischni Nowgorod - Tscheboksary 232 Mrd. Rubel (4,9 Mrd.
Euro) und Tscheboksary - Kazan 136,9 Mrd. Rubel (2,9 Mrd. Euro)
aufgebracht werden.
Darüber hinaus hat RZD Ausgaben über 160,8
Mrd. Rubel (3,4 Mrd. Euro) zu schultern: 37,0 Mrd. Rubel (0,8 Mrd. Euro)
zur Modernisierung von Bahnhöfen, 25,4 Mrd. Rubel (0,54 Mrd. Euro) zum
Bau von Depots, 50,1 Mrd. Rubel (1,1 Mrd. Euro) für rollendes Material
und 48,3 Mrd. Rubel (1,03 Mrd. Euro) für Systeme zur
Nachrichtenübertragung.
Zusätzliche Ausgaben über 66,8 Mrd. Rubel
(1,4 Mrd. Euro) für Maßnahmen zum Wasserschutz und zur Errichtung von
Systemen zur Strom- und Wärmeversorgung sowie 53,8 Mrd. Rubel (1,15 Mrd.
Euro) zum Straßenbau sollen von allen Konzessionsnehmern und RZD
gemeinsam getragen werden. Unter dem Strich belaufen sich die
Gesamtkosten damit auf 1.058,5 Mrd. Rubel (22,52 Mrd. Euro).
Zur
Finanzierung ihres Streckenabschnitts plant RZD 384 Mrd. Rubel (8,17
Mrd. Euro) in die Hand zu nehmen. Dazu gehören 150 Mrd. Rubel (3,2 Mrd.
Euro) aus dem Fonds für Nationalen Wohlstand, die gegen
RZD-Vorzugsaktien getauscht würden, sowie 139 Mrd. Rubel (2,96 Mrd.
Euro) aus dem Rentenfonds der Russischen Föderation, der dazu Anleihen
emittiert. Weiterhin gehören Eigenmittel in Höhe von 31 Mrd. Rubel (0,66
Mrd. Euro) dazu und eine Anhebung des Stammkapitals der RZD um 64 Mrd.
Rubel (1,36 Mrd. Euro), die der Staat als Eigentümer von RZD per
Einmalzahlung leistet.
Die Finanzierung der drei privat zu
bauenden Streckenabschnitte, für die zusammen 685 Mrd. Rubel (14,57 Mrd.
Euro) aufzuwenden sind, sollen mit staatlichen Krediten in Höhe von bis
zu 317 Mrd. Rubel (6,75 Mrd. Euro) unterstützt werden. Dazu schlägt RZD
die Ausgabe von Infrastrukturobligationen über 100 Mrd. Rubel (2,13
Mrd. Euro), die Aufnahme kommerzieller Kredite mit Staatsgarantien in
Höhe von 225 Mrd. Rubel (4,79 Mrd. Euro) und das Heranziehen weiterer
privater Investoren vor, die 43 Mrd. Rubel (0,91 Mrd. Euro) beisteuern.
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