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Freitag, 26. September 2014

Absatz von Arzneimitteln stagniert in der Ukraine

Verbraucher greifen vermehrt zu hochpreisigen Medikamenten / Geringere Nachfrage nach Kosmetika
Von Christian Overhoff

Kiew/Bonn (gtai) - Der ukrainische Arzneimittelmarkt kann 2014 die positive Entwicklung der vergangenen Jahre voraussichtlich nicht fortsetzen. Vor allem der Medikamentenverkauf über Apotheken schwächelte im 1. Quartal. Der ukrainische Pharmaproduzent Farmak plant Kapazitätserweiterungen in Millionenhöhe. Dazu erhält das Unternehmen auch einen Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Der Markt für Parfümerie- und Kosmetikwaren leidet unter der nachlassenden Konsumstimmung.

Der ukrainische Markt für pharmazeutische Erzeugnisse steuert 2014 auf eine Stagnation zu. Obwohl sich der Markt 2013 noch gegenüber der allgemeinen wirtschaftlichen Schwäche und der politischen Krise relativ immun gezeigt hatte, stockte das langjährige Marktwachstum in den ersten drei Monaten 2014.

Die Medikamentenverkäufe über Apotheken legten 2013 nach Angaben des Fachblatts Apteka mengenmäßig moderat um 0,6% auf 1,27 Mrd. Packungen zu. In Wertgrößen wuchs der Absatz um 12,6% auf 30,46 Mrd. Griwna (UAH; etwa 2,9 Mrd. Euro; 1 Euro = 10,63 UAH; Jahresdurchschnittskurs 2013) noch weit stärker. Dieser Trend setzte sich im 1. Quartal 2014 allerdings nicht mehr fort. In Mengengrößen schrumpften die Verkäufe um 1,4%. Zwar stieg der Wert der verkauften Packungen in Griwna um 12,1%, aber umgerechnet in US-Dollar stagnierte der Absatz. Im Jahr 2012 lag der Absatzzuwachs mengenmäßig bei 5,5% und wertmäßig bei 17,4%.

Zusammen mit Verkäufen über Gesundheitseinrichtungen wuchs der Markt für pharmazeutische Erzeugnisse in der Ukraine laut Regierungsangaben 2013 insgesamt um 14% auf 36 Mrd. UAH (Berechnungen von Germany Trade and Invest ergeben einen Zuwachs von rund 5% gegenüber 2012, basierend auf einem Wert von 34,2 Mrd. UAH für 2012). Marktexperten führen die Verlangsamung des Wachstums der Medikamentenverkäufe in Apotheken in erster Linie auf die schwache Einkommenssituation bei den Verbrauchern zurück. Durch Krankenhäuser bezogene Medikamente reagieren weniger elastisch auf das Konsumentenbudget oder die Preisentwicklung. Salopp gesagt, wer im Krankenhaus liegt, denkt weniger über die Kosten der Heilung nach als der Patient mit einer Erkältung. Die Preise für Medikamente seien Analysten zufolge 2013 um 10,8% gestiegen, zitierte das Wirtschaftsblatt Kommersant Ukraine im Januar 2014.

Lokal hergestellte Präparate dominierten - in Packungen gerechnet - das Apothekensortiment zu 66,8% (2012: 65,6%). Das Gros der Umsätze erzielten laut Fachblatt Apteka (angesichts der starken Ausrichtung der ukrainischen Hersteller auf Generika) ausländische Pharmaanbieter mit einem Anteil von 66,5% (2012: 68,0%).

Ukrainische Verbraucher fragen hochpreisige Medikamente nach

In den vergangenen Jahren weitete sich die Bedeutung des Hochpreissegmentes immer mehr aus. Hochpreisige Medikamente dominierten auch 2013 das Wachstum des Marktes. Obwohl in Packungsgrößen gerechnet diese Medikamente laut Apteka nur einen Anteil von 13,1% (2012: 12,3%) am Gesamtmarkt ausmachten, entfallen mittlerweile 53,3% des Umsatzes in Wertgrößen auf dieses Segment (2012: 52,1%). Experten sagen, dass immer mehr Kunden zu teuren, aber effizienteren Mitteln greifen würden, da diese eine schnellere Wirkung haben. Auf das mittlere Segment entfielen 37,7% der verkauften Packungen (2012: 38,0%) und wertmäßig 38,7% des Medikamentenabsatzes der Apotheken. Entsprechend nimmt auch die Bedeutung der niedrigpreisigen Arzneimittel ab. Obwohl diese 2013 immer noch 48,9% (2012: 50,0%) der verkauften Packungen stellten, erlösten sie nur 8,0% (2012: 8,5%) der Umsätze.
In Folge des in den vergangenen Jahren vergrößerten Marktes ist auch die Anzahl der Apotheken um über 50% gestiegen: von 9.400 im Jahr 2005 auf 14.800 Ende 2012.
Produktionsvolumen ausgewählter Arzneimittel in der Ukraine

2012 2013 Veränderung 2013/12 (in %) Veränderung Jan. - März 2014 / Jan. - März 2013 (in %)
Vitamine, Vitaminvorstufen und ihre Ableitungen (in kg) 23.538 k.A. k.A. k.A.
Präparate auf Basis von Hormonen (in kg) 113.811 128.992 13,3 67,7
Seren und Vakzine (in t) 375,0 52,7 -85,9 8,4
Präparate auf Basis von Antibiotika (in t) 897,8 1.050,0 16,4 75,0
Andere Präparate (in t) 42.403,3 k.A. k.A. k.A.
Quelle: Derzhstat - Staatlicher Statistikdienst der Ukraine

Der ukrainische Pharmaproduzent Farmak will seine Investitionen deutlich aufstocken. Wie die Nachrichtenagentur Interfax 2013 unter Berufung auf das Unternehmen meldete, sollen insgesamt rund 314 Mio. UAH fließen, was einem Plus von 73% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das wichtigste Projekt ist die Fortsetzung der Bauarbeiten am Werk für pharmakologische Substanzen im Gebiet Sumy. Eine neue Produktion von Gelkapseln wurde laut Unternehmensangaben im Juni 2014 bereits durch staatliche Prüfer der Behörde für Medizinprodukte abgenommen. Die Kosten des Projektes beliefen sich auf 22 Mio. UAH - ein Drittel entfiel auf die Anschaffung von Maschinen und Anlagen. Nach einem Testbetrieb soll die Produktion zum Ende des Jahres anlaufen. Die Kapazität soll rund 240 Mio. Kapseln pro Jahr betragen.

Darüber hinaus will Farmak weiter in den Ausbau der Produktion von Arzneimitteln in Tablettenform sowie den Bau eines neuen Laborkomplexes investieren. Zudem sollen bestehende Produktionseinrichtungen modernisiert werden. Die Finanzierung soll zum größten Teil aus eigenen Mitteln gestemmt werden. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) gab Ende Juli 2013 die Vergabe eines Projektkredites von 20 Mio. Euro an Farmak bekannt. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 27,7 Mio. Euro. Farmak hat laut eigenen Angaben einen Anteil von 4,7% am ukrainischen Markt für Pharmazeutika. Damit war das Unternehmen auch 2013 wieder Marktführer. Der Gewinn (EBITDA) des Unternehmens stieg 2013 um 17% auf 539 Mio. UAH.
Führende Betriebe der ukrainischen Pharmaindustrie 2012 (Angaben in Mio. Griwna) *)
Unternehmen/Konzern Reinerlös Erlöswachstum 2012/11 (in %) Reingewinn
Farmak 1.692 15,24 273
Arterium 1.100 17,07 130
Darniza 929 25,70 97
Kiewmedpreparat 686 24,61 12
Sdorowje 590 19,08 41
*) Jahresdurchschnitt 2012: 1 Euro = 10,27 Griwna (UAH)
Quelle: "TOP 100 Rating" der besten Unternehmen der Ukraine, InvestGazeta 2013

Die Politik der ukrainischen Regierung, die Importsubstitution durch die Einführung neuer Qualitätsstandards wie die Good-Manufacturing-Practice (GMP) und eine Lizenzvergabe für die Importeure von Arzneimitteln zu fördern, scheint bei einigen ausländischen Pharmaproduzenten bereits Wirkung zu zeigen. So beabsichtigen laut Fachmedium The Pharma Letter die Pharmagiganten GlaxoSmithKline (Vereinigtes Königreich) und Abbott (USA) den Start einer Produktion bei Indar. Das Unternehmen ist einer der größten ukrainischen Arzneimittelhersteller und befindet sich seit 2012 wieder in staatlicher Hand.

Nachlassende Konsumstimmung führt zu geringerer Nachfrage von Kosmetika

Im ukrainischen Markt für Parfümerie- und Kosmetikwaren muss für 2014 mit einer Abflachung der Dynamik - wenn nicht sogar mit einer negativen Entwicklung - gerechnet werden. Als Grund für die schlechteren Aussichten im Gesamtjahr 2014 gelten die sinkenden Konsumimpulse durch prognostizierte Reallohneinbußen sowie die nachlassende Konsumstimmung im Rahmen der Wirtschaftskrise und des politischen Konfliktes im Lande. Allerdings sparen die Konsumenten erst spät an Schönheitsmitteln.

Mit einem Anteil von rund 80% wird der Gesamtmarkt für Parfümerie- und Kosmetikwaren von Importerzeugnissen dominiert. Die auf dem ukrainischen Markt vertretenen ausländischen Hersteller konnten ihre marktbestimmende Position weiter ausbauen. Allerdings stärkt 2014 die massive Abwertung der Griwna und die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung die Wettbewerbsposition der lokalen Hersteller. Informationen des Wirtschaftsmagazins Ekspert-Ukraina zufolge sind landesweit gegenwärtig noch circa 130 Hersteller im Bereich Kosmetika und Körperpflegemittel aktiv. Zu den wichtigsten lokalen Herstellern zählen die Unternehmen Alians Krasoty (Kiew), Aromat (Charkiw), Arosa (Gebiet Kiew), Elfa (Kiew), Fresh-up (Kiew), Ukrainski Aerosoli (Donezk), Senita (Odessa), Krymskaja rosa (Simferopol) und Welta-Kosmetik (Dnipropetrowsk).

Im Jahr 2012 boomte der ukrainische Markt für Parfümerie- und Kosmetikwaren. Das ukrainische Statistikamt (Derzhstat) hatte den Gesamtumsatz des ukrainischen Einzelhandels mit Kosmetika und Köperpflegemitteln für das Jahr 2012 auf gut 9,3 Mrd. UAH beziffert. Das war gegenüber dem Vorjahr eine Rekordausweitung des Marktes um 32,0%. Im Jahr 2013 stieg der auf Einzelhandelsebene erzielte Umsatz mit Parfümerie- und Kosmetikwaren aller Art im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 11,8% auf 10,4 Mrd. UAH.
Produktionsvolumen ausgewählter Haushaltschemikalien und Körperpflegemittel
Produkt 2013 Veränderung 2013/12 (in %)*) Veränderung Jan.-März 2014 / Jan.-März 2013 (in %) *)
Waschmittel (in 1.000 t) 268,9 6,3 -4,5
Duft- und Toilettenwasser (Dekaliter) 91.419 16,2 -32,5
Haarpflegemittel (Shampoo; Dekaliter) 1.603.846 -9,2 7,3
Zahnpasta (t) 175 -28,6 25,6
*) Positionen haben sich beim ukrainischen Statistikamt 2013 und 2014 geändert, deshalb sind Veränderungen möglicherweise verzerrt.
Quelle: Derzhstat - Staatlicher Statistikdienst der Ukraine
(C.O.)


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