Verbraucher greifen vermehrt zu hochpreisigen Medikamenten / Geringere Nachfrage nach Kosmetika
Von Christian Overhoff
Kiew/Bonn
(gtai) - Der ukrainische Arzneimittelmarkt kann 2014 die positive
Entwicklung der vergangenen Jahre voraussichtlich nicht fortsetzen. Vor
allem der Medikamentenverkauf über Apotheken schwächelte im 1. Quartal.
Der ukrainische Pharmaproduzent Farmak plant Kapazitätserweiterungen in
Millionenhöhe. Dazu erhält das Unternehmen auch einen Kredit der
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Der Markt für
Parfümerie- und Kosmetikwaren leidet unter der nachlassenden
Konsumstimmung.
Der ukrainische Markt für pharmazeutische Erzeugnisse steuert
2014 auf eine Stagnation zu. Obwohl sich der Markt 2013 noch gegenüber
der allgemeinen wirtschaftlichen Schwäche und der politischen Krise
relativ immun gezeigt hatte, stockte das langjährige Marktwachstum in
den ersten drei Monaten 2014.
Die Medikamentenverkäufe über
Apotheken legten 2013 nach Angaben des Fachblatts Apteka mengenmäßig
moderat um 0,6% auf 1,27 Mrd. Packungen zu. In Wertgrößen wuchs der
Absatz um 12,6% auf 30,46 Mrd. Griwna (UAH; etwa 2,9 Mrd. Euro; 1 Euro =
10,63 UAH; Jahresdurchschnittskurs 2013) noch weit stärker. Dieser
Trend setzte sich im 1. Quartal 2014 allerdings nicht mehr fort. In
Mengengrößen schrumpften die Verkäufe um 1,4%. Zwar stieg der Wert der
verkauften Packungen in Griwna um 12,1%, aber umgerechnet in US-Dollar
stagnierte der Absatz. Im Jahr 2012 lag der Absatzzuwachs mengenmäßig
bei 5,5% und wertmäßig bei 17,4%.
Zusammen mit Verkäufen über
Gesundheitseinrichtungen wuchs der Markt für pharmazeutische Erzeugnisse
in der Ukraine laut Regierungsangaben 2013 insgesamt um 14% auf 36 Mrd.
UAH (Berechnungen von Germany Trade and Invest ergeben einen Zuwachs
von rund 5% gegenüber 2012, basierend auf einem Wert von 34,2 Mrd. UAH
für 2012). Marktexperten führen die Verlangsamung des Wachstums der
Medikamentenverkäufe in Apotheken in erster Linie auf die schwache
Einkommenssituation bei den Verbrauchern zurück. Durch Krankenhäuser
bezogene Medikamente reagieren weniger elastisch auf das
Konsumentenbudget oder die Preisentwicklung. Salopp gesagt, wer im
Krankenhaus liegt, denkt weniger über die Kosten der Heilung nach als
der Patient mit einer Erkältung. Die Preise für Medikamente seien
Analysten zufolge 2013 um 10,8% gestiegen, zitierte das Wirtschaftsblatt
Kommersant Ukraine im Januar 2014.
Lokal hergestellte Präparate
dominierten - in Packungen gerechnet - das Apothekensortiment zu 66,8%
(2012: 65,6%). Das Gros der Umsätze erzielten laut Fachblatt Apteka
(angesichts der starken Ausrichtung der ukrainischen Hersteller auf
Generika) ausländische Pharmaanbieter mit einem Anteil von 66,5% (2012:
68,0%).
Ukrainische Verbraucher fragen hochpreisige Medikamente nach
In
den vergangenen Jahren weitete sich die Bedeutung des
Hochpreissegmentes immer mehr aus. Hochpreisige Medikamente dominierten
auch 2013 das Wachstum des Marktes. Obwohl in Packungsgrößen gerechnet
diese Medikamente laut Apteka nur einen Anteil von 13,1% (2012: 12,3%)
am Gesamtmarkt ausmachten, entfallen mittlerweile 53,3% des Umsatzes in
Wertgrößen auf dieses Segment (2012: 52,1%). Experten sagen, dass immer
mehr Kunden zu teuren, aber effizienteren Mitteln greifen würden, da
diese eine schnellere Wirkung haben. Auf das mittlere Segment entfielen
37,7% der verkauften Packungen (2012: 38,0%) und wertmäßig 38,7% des
Medikamentenabsatzes der Apotheken. Entsprechend nimmt auch die
Bedeutung der niedrigpreisigen Arzneimittel ab. Obwohl diese 2013 immer
noch 48,9% (2012: 50,0%) der verkauften Packungen stellten, erlösten sie
nur 8,0% (2012: 8,5%) der Umsätze.
In Folge des in den
vergangenen Jahren vergrößerten Marktes ist auch die Anzahl der
Apotheken um über 50% gestiegen: von 9.400 im Jahr 2005 auf 14.800 Ende
2012.
Produktionsvolumen ausgewählter Arzneimittel in der Ukraine
| 2012 | 2013 | Veränderung 2013/12 (in %) | Veränderung Jan. - März 2014 / Jan. - März 2013 (in %) | |
| Vitamine, Vitaminvorstufen und ihre Ableitungen (in kg) | 23.538 | k.A. | k.A. | k.A. |
| Präparate auf Basis von Hormonen (in kg) | 113.811 | 128.992 | 13,3 | 67,7 |
| Seren und Vakzine (in t) | 375,0 | 52,7 | -85,9 | 8,4 |
| Präparate auf Basis von Antibiotika (in t) | 897,8 | 1.050,0 | 16,4 | 75,0 |
| Andere Präparate (in t) | 42.403,3 | k.A. | k.A. | k.A. |
Quelle: Derzhstat - Staatlicher Statistikdienst der Ukraine
Der
ukrainische Pharmaproduzent Farmak will seine Investitionen deutlich
aufstocken. Wie die Nachrichtenagentur Interfax 2013 unter Berufung auf
das Unternehmen meldete, sollen insgesamt rund 314 Mio. UAH fließen, was
einem Plus von 73% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das wichtigste
Projekt ist die Fortsetzung der Bauarbeiten am Werk für pharmakologische
Substanzen im Gebiet Sumy. Eine neue Produktion von Gelkapseln wurde
laut Unternehmensangaben im Juni 2014 bereits durch staatliche Prüfer
der Behörde für Medizinprodukte abgenommen. Die Kosten des Projektes
beliefen sich auf 22 Mio. UAH - ein Drittel entfiel auf die Anschaffung
von Maschinen und Anlagen. Nach einem Testbetrieb soll die Produktion
zum Ende des Jahres anlaufen. Die Kapazität soll rund 240 Mio. Kapseln
pro Jahr betragen.
Darüber hinaus will Farmak weiter in den Ausbau
der Produktion von Arzneimitteln in Tablettenform sowie den Bau eines
neuen Laborkomplexes investieren. Zudem sollen bestehende
Produktionseinrichtungen modernisiert werden. Die Finanzierung soll zum
größten Teil aus eigenen Mitteln gestemmt werden. Die Europäische Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) gab Ende Juli 2013 die Vergabe
eines Projektkredites von 20 Mio. Euro an Farmak bekannt. Die
Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 27,7 Mio. Euro. Farmak hat laut
eigenen Angaben einen Anteil von 4,7% am ukrainischen Markt für
Pharmazeutika. Damit war das Unternehmen auch 2013 wieder Marktführer.
Der Gewinn (EBITDA) des Unternehmens stieg 2013 um 17% auf 539 Mio. UAH.
Führende Betriebe der ukrainischen Pharmaindustrie 2012 (Angaben in Mio. Griwna) *)
| Unternehmen/Konzern | Reinerlös | Erlöswachstum 2012/11 (in %) | Reingewinn |
| Farmak | 1.692 | 15,24 | 273 |
| Arterium | 1.100 | 17,07 | 130 |
| Darniza | 929 | 25,70 | 97 |
| Kiewmedpreparat | 686 | 24,61 | 12 |
| Sdorowje | 590 | 19,08 | 41 |
*) Jahresdurchschnitt 2012: 1 Euro = 10,27 Griwna (UAH)
Quelle: "TOP 100 Rating" der besten Unternehmen der Ukraine, InvestGazeta 2013
Die
Politik der ukrainischen Regierung, die Importsubstitution durch die
Einführung neuer Qualitätsstandards wie die Good-Manufacturing-Practice
(GMP) und eine Lizenzvergabe für die Importeure von Arzneimitteln zu
fördern, scheint bei einigen ausländischen Pharmaproduzenten bereits
Wirkung zu zeigen. So beabsichtigen laut Fachmedium The Pharma Letter
die Pharmagiganten GlaxoSmithKline (Vereinigtes Königreich) und Abbott
(USA) den Start einer Produktion bei Indar. Das Unternehmen ist einer
der größten ukrainischen Arzneimittelhersteller und befindet sich seit
2012 wieder in staatlicher Hand.
Nachlassende Konsumstimmung führt zu geringerer Nachfrage von Kosmetika
Im
ukrainischen Markt für Parfümerie- und Kosmetikwaren muss für 2014 mit
einer Abflachung der Dynamik - wenn nicht sogar mit einer negativen
Entwicklung - gerechnet werden. Als Grund für die schlechteren
Aussichten im Gesamtjahr 2014 gelten die sinkenden Konsumimpulse durch
prognostizierte Reallohneinbußen sowie die nachlassende Konsumstimmung
im Rahmen der Wirtschaftskrise und des politischen Konfliktes im Lande.
Allerdings sparen die Konsumenten erst spät an Schönheitsmitteln.
Mit
einem Anteil von rund 80% wird der Gesamtmarkt für Parfümerie- und
Kosmetikwaren von Importerzeugnissen dominiert. Die auf dem ukrainischen
Markt vertretenen ausländischen Hersteller konnten ihre
marktbestimmende Position weiter ausbauen. Allerdings stärkt 2014 die
massive Abwertung der Griwna und die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung
die Wettbewerbsposition der lokalen Hersteller. Informationen des
Wirtschaftsmagazins Ekspert-Ukraina zufolge sind landesweit gegenwärtig
noch circa 130 Hersteller im Bereich Kosmetika und Körperpflegemittel
aktiv. Zu den wichtigsten lokalen Herstellern zählen die Unternehmen
Alians Krasoty (Kiew), Aromat (Charkiw), Arosa (Gebiet Kiew), Elfa
(Kiew), Fresh-up (Kiew), Ukrainski Aerosoli (Donezk), Senita (Odessa),
Krymskaja rosa (Simferopol) und Welta-Kosmetik (Dnipropetrowsk).
Im
Jahr 2012 boomte der ukrainische Markt für Parfümerie- und
Kosmetikwaren. Das ukrainische Statistikamt (Derzhstat) hatte den
Gesamtumsatz des ukrainischen Einzelhandels mit Kosmetika und
Köperpflegemitteln für das Jahr 2012 auf gut 9,3 Mrd. UAH beziffert. Das
war gegenüber dem Vorjahr eine Rekordausweitung des Marktes um 32,0%.
Im Jahr 2013 stieg der auf Einzelhandelsebene erzielte Umsatz mit
Parfümerie- und Kosmetikwaren aller Art im Vergleich zum entsprechenden
Vorjahreszeitraum um rund 11,8% auf 10,4 Mrd. UAH.
Produktionsvolumen ausgewählter Haushaltschemikalien und Körperpflegemittel
| Produkt | 2013 | Veränderung 2013/12 (in %)*) | Veränderung Jan.-März 2014 / Jan.-März 2013 (in %) *) |
| Waschmittel (in 1.000 t) | 268,9 | 6,3 | -4,5 |
| Duft- und Toilettenwasser (Dekaliter) | 91.419 | 16,2 | -32,5 |
| Haarpflegemittel (Shampoo; Dekaliter) | 1.603.846 | -9,2 | 7,3 |
| Zahnpasta (t) | 175 | -28,6 | 25,6 |
*) Positionen haben sich beim ukrainischen
Statistikamt 2013 und 2014 geändert, deshalb sind Veränderungen
möglicherweise verzerrt.
Quelle: Derzhstat - Staatlicher Statistikdienst der Ukraine
(C.O.)
Zertifizierung
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